Die moderne Wissenschaft beginnt, die tiefgreifende Verbindung zwischen Herz und Gehirn zu erkennen, eine Verbindung, die weit über die rein physiologischen Funktionen hinausgeht. Während die Neurowissenschaften traditionell das Gehirn als den alleinigen Sitz von Bewusstsein und Wahrnehmung betrachteten, deuten immer mehr Forschungsergebnisse darauf hin, dass das Herz eine ebenso wichtige Rolle spielt. Dieser Artikel beleuchtet die faszinierende Beziehung zwischen Gehirnwellen und der Aktivität des Herzens und untersucht, wie diese beiden Organe miteinander kommunizieren und sich gegenseitig beeinflussen.
Das Herz als mehr als nur eine Pumpe
Lange Zeit wurde das Herz primär als eine Art Pumpe betrachtet, die Blut durch den Körper transportiert. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Das Herz besitzt ein eigenes Nervensystem, das oft als "kleines Gehirn" bezeichnet wird, mit etwa 40.000 Neuronen. Es misst permanent den Druck in den Herzhöhlen und im Blut, bestimmt das chemische Milieu des Blutes, zum Beispiel den Sauerstoffgehalt und pH-Wert, und es hat Rezeptoren für zahlreiche Hormone, Neurotransmitter und andere im Blut gelöste Botenstoffe. Diese Informationen werden in elektrische Signale umgewandelt und über das autonome Nervensystem an das Gehirn gesendet.
Das Herz ist also nicht nur ein Organ, das auf Befehle des Gehirns reagiert, sondern auch ein Sinnesorgan, das biochemische und physikalische Informationen aus dem Blut und den Zellen wahrnimmt und an das Gehirn weiterleitet. Reinhard Friedl formuliert es so: „Man könnte auch sagen, das Herz fühlt für das Gehirn. Und es laufen sehr viel mehr Nervenbahnen vom Herzen zum Gehirn als umgekehrt.“
Das elektromagnetische Feld des Herzens
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das elektromagnetische Feld, das das Herz erzeugt. Dieses Feld ist das stärkste im menschlichen Körper und kann über mehrere Meter Entfernung gemessen werden. Die elektrische Komponente dieses Feldes ist 60-mal stärker als die des Gehirns, und die magnetische sogar bis zu 5000-mal stärker. Dieses elektromagnetische Feld kann nicht nur den eigenen Körper, sondern auch die Hirnwellen von Mitmenschen in unserer Nähe beeinflussen und sich mit ihnen synchronisieren. Andere Menschen können unsere „Herz-Energie“ daher spüren.
Prof. Abdullah A. Al Abdulgader, ein Kardiologe aus Saudi-Arabien, betont, dass das Herz das energetisch dominante Organ des Menschen ist und als „König der Organe“ eine Schlüsselrolle für das Bewusstsein spielt. Er beschreibt die Resonanz als ein universelles Phänomen, das alle lebenden Systeme miteinander verbindet - von biologischen Organismen bis hin zu astrophysikalischen Systemen.
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Gehirnwellen und Bewusstseinszustände
Unser Gehirn arbeitet mit Schwingungen, den sogenannten Gehirnwellen. Diese werden mit unterschiedlichen Bewusstseinszuständen in Verbindung gesetzt - zum Beispiel mit hoher Konzentration oder tiefer Entspannung. Die Nervenzellen, sogenannte Neuronen, kommunizieren in unserem Kopf mithilfe elektrischer Impulse. Die Gesamtheit dieser Signale werden als Gehirnwellen bezeichnet.
Gehirnwellen können mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen werden. Die erfasste Aktivität hat verschiedene Frequenzen und Amplituden, die mit unterschiedlichen Bewusstseinszuständen und mentalen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden:
- Delta-Wellen (weniger als 4Hz): Tiefer, traumloser Schlaf und sehr tiefe Entspannung.
- Theta-Wellen (4-8Hz): Leichter Schlaf, Meditation, tiefe Entspannung und kreatives Denken.
- Alpha-Wellen (8-12Hz): Entspannter Wachzustand. Das Gehirn ist wach, verarbeitet aber nicht aktiv Informationen.
- Beta-Wellen (13-30 Hz): Aktiver Wachzustand. Konzentration, Problemlösung oder geistige Aktivität.
- Gamma-Wellen (30-140 Hz): Lernen, Erinnerung und Bewusstsein. Auch Problemlösung.
Herzfrequenzvariabilität (HRV)
Die Verbindung von Herz und Gehirn lässt sich messen. Auch wenn das Herz im EKG scheinbar regelmäßig schlägt, zeigt die Computeranalyse, dass es permanent etwas schneller und langsamer wird. Diese Schwingung wird über Nervensignale gesteuert. Dabei kann die Frequenz gestresst im Millisekundenbereich chaotisch hin- und herspringen oder eine harmonische Langzeitschwingung vollführen.
Diese Herzfrequenzvariabilität (HRV) zeigt das emotionale Gleichgewicht des Patienten und erlaubt Rückschlüsse auf den Zustand des autonomen Nervensystemes und das Langzeitüberleben nach Herzinfarkt. Mit der Durchblutung wird sowohl Information vom Herzen an das Gehirn übertragen, die im Blut vorhanden ist, als auch biophysikalische Drucksignale. Letztere enthalten ebenfalls Information. Wenn das Herz erkrankt, verändern sich auch diese Informationen - mit entsprechenden Auswirkungen.
Herz-Kohärenz: Ein Zustand des Gleichgewichts
Gerät das Herz aus den Fugen, tut es das emotionale Gehirn auch. Nur, wenn Anspannung - etwa als Kampf oder Flucht - und Entspannung gleichermaßen gut funktionieren, arbeitet das Herz harmonisch. Wie ein Fußball-Torwart beim Elfmeter hin und her springt, tut es das Herz auch. Es bleibt in Bewegung und passt sich in jeder Sekunde an kleinste Kleinigkeiten an.
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In der Kohärenz kann sich das Herz viel besser an Veränderungen anpassen, es liegt eine hohe „Herzratenvariabilität“ vor. Dass die Herzratenvariabilität abnimmt und wir immer mehr ins Herz-Chaos verfallen, liegt vor allem daran, dass wir im Laufe des Lebens trainieren, ständig aufs Gaspedal des Körpers zu treten, aber das Bremsen verlernen. Während das gesunde Herz schnell auch auf kleine Gefühlsschwankungen reagiert, tut es das kranke immer weniger, wodurch Bluthochdruck, Diabetes, Krebs und Herzinfarkte begünstigt werden.
Wie man Herz-Kohärenz erreicht
Zum Glück können wir lernen, das Herz ins Gleichgewicht - in die Kohärenz - zu bringen. Die Herz-Kohärenz-Übung ist eine Art Meditation, jedoch kein klassisches Entspannungsverfahren. Sie hat nichts mit der Anzahl der Herzschläge selbst zu tun, sondern nur mit deren gleichmäßigem Wechsel.
- Schritt: Zweimal langsam und tief einatmen. Dabei auf die Atmung konzentrieren und nach dem langsamen Ausatmen kurz pausieren, bis der Körper von sich aus nach dem nächsten Atemzug verlangt.
- Schritt: Weiter langsam und tief einatmen, ohne die Atmung willentlich zu beeinflussen. Dabei stellt man sich bildlich und sinnlich vor, man würde durch das Herz atmen. Beim Einatmen vorstellen, wie das Herz all die frische, beruhigende, reinigende Luft bekommt, die es braucht. Beim Ausatmen vorstellen, wie alle überflüssigen Abfallstoffe weggeblasen werden.
- Schritt: Ruhig weiteratmen. Nun auf ein Gefühl von Wärme und Ausdehnung in der Brust achten und / oder auf Gefühle von Dankbarkeit oder Liebe. Unterstützen kann man dies, indem man an einen geliebten Menschen oder ein geliebtes Tier denkt, an einen schönen Urlaubstag oder an ein Bild friedlicher Ruhe inmitten der Natur.
Die Übung dauert höchstens ein paar Minuten. Sie wirkt umso schneller und besser, je regelmäßiger man sie anwendet.
Die spirituelle Dimension des Herzens
Neben der biologischen und physikalischen Dimension unterstreicht Al Abdulgader die spirituelle Bedeutung des Herzens. Die Seele, als göttliches Wesen, lebt im Herzen, beeinflusst seinen Rhythmus und steht in direkter Verbindung zu Allah oder Gott. Al Abdulgader fordert eine „Heart-Based Universal Science“, in der Liebe und Altruismus als Basis für eine globale Bewusstseinsentwicklung dienen. Er widerspricht der gängigen Auffassung, dass das Bewusstsein allein im Gehirn entstehe, und verweist auf Paul Brunton, der das Herz als wahres Zentrum des Bewusstseins beschreibt.
Beeinflussung von Hirnwellen zur Behandlung von Krankheiten
Hirnwellen lassen sich nicht nur messen, sie lassen sich auch beeinflussen, um positiv auf neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel Depression, Schizophrenie, Alzheimer und eben Parkinson einzuwirken. Eine Methode hierfür ist die Elektrokrampftherapie (EKT), die älteste Methode der Hirnstimulation. Eine weitere, sanftere Methode ist die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS).
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Binaurale Beats: Ein akustischer Trick?
In letzter Zeit ist ein weiteres Geräusch-Phänomen hinzugekommen, das uns aktivieren, ja sogar kognitiv bereichern soll: die binauralen Beats. Sie sollen den Schlaf, die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis verbessern, außerdem Stress, Schmerzen und Ängste mildern. Das Phänomen tritt auf, wenn man sich einen Kopfhörer aufsetzt und links und rechts zwei unterschiedlich hohe Töne auf die Ohren spielt. Die Lautstärke ist nicht so entscheidend. Wichtiger ist, dass sich die Töne in ihrer Höhe, also in der in Hertz gemessenen Frequenz nur ganz leicht unterscheiden.
Die Idee hinter den Effekten der binauralen Beats ist, dass man mit der hervorgerufenen Schwingung auch andernorts im Gehirn Gehirnwellen gleicher Frequenz hervorrufen kann. Dass, wenn also binaurale Beats mit 10 Hertz schwingen, dies weitere 10 Hertz-Gehirnwellen hervorruft. Allerdings ist die Forschungslage hierzu noch nicht eindeutig.
Schumann-Frequenz und Kammerton
Die Frequenz von Mutter Erde ist 8 Hz, nach Winfried Otto Schumann bezeichnet. Interessant ist auch der Kammerton A1 432 Hz, der in natürlicher Weise in Resonanz zur Schumann-Frequenz steht. Im Gegensatz dazu ist der heute übliche Kammerton A1 440 Hz nicht in Harmonie mit dieser natürlichen Frequenz. Es gibt eine Petition „Rettet den Kammerton“ bei Avaaz.de, die sich für die Rückkehr zum Kammerton A1 432 Hz einsetzt.
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