Weisheitszähne, die letzten Zähne, die im Alter zwischen 18 und 25 Jahren durchbrechen, sind ein Überbleibsel aus der Steinzeit, als Menschen ihr Essen noch unverarbeitet zerkauen mussten. Da unsere Kiefer in der menschlichen Entwicklung immer kleiner werden, verursachen diese sogenannten Achter oft Beschwerden, da sie oft nicht in den Kiefer passen. Dies kann zu Entzündungen, Schmerzen und in seltenen Fällen zu Taubheitsgefühlen führen.
Ursachen für Entzündungen und Taubheitsgefühle
Platzmangel und Fehlstellungen
Oft passen Weisheitszähne nicht richtig in den Kiefer, da dieser zu klein ist. Manchmal schaffen sie es dann gar nicht aus dem Knochen heraus, sind also in ihm eingeschlossen, oder sie wachsen schief. Weisheitszähne können seitlich oder schräg liegen und so nicht normal wachsen. So kann es sein, dass sie gegen die schon vorhandenen Zähne drücken und sie damit schädigen.
Perikoronare Entzündung
Wenn ein Weisheitszahn nicht vollständig durchbricht, kann sich eine sogenannte perikoronare Entzündung entwickeln. Die Folge kann sein, dass der Weisheitszahn zerbricht. In die Wunde können dann Bakterien eindringen. Bei Weisheitszähnen, die nicht ganz oder gar nicht die Kauebene erreichen (also vom Kieferknochen eingeschlossen bleiben), können sich auch Zahnfleischtaschen bilden, die von außen nicht zu reinigen sind, die aber von Bakterien aus der Mundhöhle problemlos erreicht werden können.
Entzündung nach Weisheitszahn-OP
Manchmal kann es auch nach einer OP zur Entfernung der Weisheitszähne passieren, dass die Wunde sich entzündet. Dabei wird oft auch Eiter abgesondert. Der Grund dafür ist zumeist, dass das sogenannte Blutkoagulum, ein Blutpfropfen, der sich nach der OP an der betroffenen Stelle bildet, zerfällt oder durch allzu starkes Gurgeln herausgespült wird. Er ist aber wichtig, da er den Knochen nach einer OP vor eindringenden Bakterien schützt.
Nervschädigung
In seltenen Fällen können bei der Weisheitszahnentfernung Nerven in der Nähe der Zähne verletzt werden. Dies kann zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder sogar anhaltenden Schmerzen im Bereich der Zunge, Lippe, Kinn oder des Zahnfleischs führen. Solche Nervenverletzungen sind normalerweise temporär und klingen nach einigen Wochen ab, können aber in sehr seltenen Fällen dauerhaft sein.
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Die Wurzelspitzen der Unterkiefermolaren haben häufig eine enge Lagebeziehung zum Kanal des Nervus alveolaris inferior. Bei einer Wurzelkanalbehandlung kann es durch Überinstrumentierung oder Überstopfen von Wurzelkanalfüllmaterial zu einem Nervtrauma mit anschließenden Sensibilitätsstörungen kommen. Verletzungen des Nervus alveolaris inferior können zu Sensibilitätsstörungen führen, die sich in Anästhesien, Parästhesien, Hypästhesien und Hyperästhesien unterteilen lassen. Eine Parästhesie wird als eine brennende, kribbelnde oder partiell taube Sensation definiert.
Ursachen für Sensibilitätsstörungen können systemische oder lokale Faktoren sein. Lokale Faktoren sind Traumata, wie beispielsweise eine Unterkieferfraktur, verdrängende Läsionen wie Neoplasien oder Zysten, lokale Infektionen, iatrogene Läsionen nach Zahnentfernung, Zahntransplantation, Wurzelkanalbehandlung, Anästhesieinjektion, implantologischen Eingriffen, orthodontischer oder präprothetischer Chirurgie sowie impaktierte Zähne.
Symptome einer Weisheitszahn-Entzündung
Eine Entzündung der Weisheitszähne kann sich durch ganz unterschiedliche Symptome ausdrücken. Bei vielen von ihnen kommt man gar nicht ohne Weiteres darauf, dass die Schmerzen von einer Weisheitszahn-Entzündung herrühren könnten. Typische Symptome sind:
- Schmerzen bis hin zum Ohr
- Kieferschmerzen
- Druckgefühl am Kiefer
- Kopfschmerzen
- vergrößerte Lymphknoten
- eingeschränkte Kaufunktion
- Fieber (bei fortgeschrittener Entzündung)
- eitrige Entzündung mit Mundgeruch
- Schluckbeschwerden
Taubheitsgefühle im Bereich der Zunge, Lippe oder des Kinns können auf eine Nervverletzung hindeuten.
Diagnose
Wenn Sie Schmerzen haben und fürchten, dass eine Weisheitszahn-Entzündung der Grund dafür sein könnte, dann suchen Sie so schnell wie möglich einen Zahnarzt auf. Dieser wird ganz genau mit Ihnen besprechen, welche Symptome Sie haben und die schmerzende Stelle im Anschluss eingehend untersuchen. Wenn das Einzelzahnröntgenbild oder die Panoramaschichtaufnahme den Verdacht auf eine nahe Lage oder Überlagerung der Apices zum Canalis mandibulae lenkt, empfiehlt sich die…
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Vor einer schwierigen Extraktion ist eine 3D-Röntgenaufnahme (DVT) essentiell. Sie zeigt die genaue Topographie der Wurzeln und ihre Beziehung zum Unterkieferkanal.
Behandlung
Sofortmaßnahmen
Wenn Sie aus irgendeinem Grund nicht direkt zum Zahnarzt Ihres Vertrauens gehen können, können Hausmittel für Weisheitszahn-Entzündungen helfen. Beispielsweise können Sie die betroffene Stelle von außen mit einem Kühlakku kühlen. Umwickeln Sie ihn dazu mit einem Handtuch und legen Sie ihn nicht direkt auf die Haut. Die Kälte kann zur Schmerzlinderung beitragen und gegebenenfalls auch Schwellungen abklingen lassen.
Auch pflanzliche Tees sind eine gute Idee bei einem entzündeten Weisheitszahn. Diese können auf zwei Weisen nützlich sein. Entweder kann man einen Kamillenteebeutel in kaltes Wasser tauchen, ihn ausdrücken und in den Kühlschrank legen, um ihn dann auf der entzündeten Stelle zu platzieren. Oder man nutzt entzündungshemmende Tees aus Salbei, Pfefferminz oder auch Kamille als Mundspülung.
Salzlösungen, die zwei Minuten im Mund gelassen und dann ausgespült werden, wirken ebenfalls gegen Bakterien. Dazu wird einfach etwas Salz in warmem Wasser aufgelöst.
Natürlich besteht auch die Möglichkeit der Einnahme von Ibuprofen-Tabletten zur Schmerzlinderung.
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In jedem Fall sollte auch bei starken Schmerzen weiterhin auf eine gute Mundhygiene geachtet werden - auf Zähneputzen und Co. sollte man keinesfalls verzichten! Um die infizierte Stelle zu erreichen, können auch Mundspülungen und antibakterielle Gels angewandt werden.
Zahnärztliche Behandlung
Handelt es sich tatsächlich um eine Weisheitszahn-Entzündung, wird zunächst der Raum zwischen Zahnfleisch und Zahn gereinigt, um Bakterien zu beseitigen. Sollte sich bereits Sekret angesammelt haben, muss manchmal auch das Zahnfleisch entfernt werden, um die Wundflüssigkeit abfließen zu lassen. Anschließend wird eine kleine Drainage in die Wunde gelegt, die mit desinfizierenden Medikamenten bestrichen ist. Häufig werden die Schmerzen schon nach dieser Behandlung erträglicher. Wichtig ist, dass die Wunde am nächsten oder in den Folgetagen kontrolliert wird, auch um die Drainage wieder zu entfernen. Zudem kann in sehr schweren Fällen mit starken Schmerzen auch ein Antibiotikum verschrieben werden. Es empfiehlt sich auch die Einnahme von Ibuprofen, um den Schmerzen entgegenzuwirken.
Weisheitszahn-Entfernung
Meist ist es mit der Entfernung der Wundflüssigkeit nicht getan. Denn die Erfahrung lehrt, dass Weisheitszähne, die sich einmal entzündet haben, es auch wieder tun werden. Daher ist es in den meisten Fällen sinnvoll, den Weisheitszahn zu entfernen.
Dies kann im Rahmen einer Lokalanästhesie erfolgen. Dabei wird nur der Bereich, in dem operiert werden soll, betäubt, um den Zahn zu entfernen. Im Normalfall spürt der Patient während der Behandlung keine Schmerzen.
Eine Weisheitszahn-Operation ist zu empfehlen, wenn die Weisheitszähne beispielsweise noch vollständig im Knochen liegen. Dann muss das Zahnfleisch aufgeklappt werden, um den Knochen zu entfernen und an den Weisheitszahn zu gelangen (Osteotomie). Wenn die Weisheitszähne fest im Kiefer verankert und nicht leicht zu entfernen sind, werden sie in mehrere Teile zertrennt. Für die Entfernung ist seitens des Arztes ein relativ hoher Kraftaufwand gefragt. Es ist also durchaus nicht ungewöhnlich, dass nach der Operation blaue Flecken und Schwellungen auftreten. Diese verschwinden aber nach kurzer Zeit wieder.
Operative Entfernung bei Nervverletzung
Bei einer Überstopfung von Wurzelkanalfüllmaterial in den Canalis mandibulae als Ursache ist die zeitnahe operative Entfernung des Materials indiziert.
Im Rahmen des Eingriffs erfolgte in Lokalanästhesie zunächst eine vestibuläre Schnittführung Regio 47 mit einer mesialen Entlastung. Nach Elevation eines Mukoperiostlappens wurden die Wurzelspitzen des Zahns 47 mit rotierenden Instrumenten und dann mit dem Piezosurgery-Gerät (Mectron) dargestellt. Im Anschluss an die Trennung und Entfernung der Wurzelspitzen konnte das verbliebene Wurzelkanalfüllmaterial unter Zuhilfenahme eines Mikroskops und Schonung des Nervus alveolaris inferior aus dem Canalis mandibulae geborgen werden. Eine eindrückliche Dekompression des Nervus alveolaris inferior fand unmittelbar danach spontan statt. Da ein weiteres Trauma des Nerv-Gefäß-Komplexes vermieden werden sollte und die Wurzelkanalfüllung kurz zuvor suffizient durchgeführt worden war, wurde auf eine retrograde Aufbereitung und Füllung verzichtet. Eine Anfärbung der Wurzelspitzen mit Methylenblau zeigte eine dichte Wurzelkanalfüllung. Im postoperativen Kontrollröntgenbild war kein Fremdmaterial mehr im Canalis mandibulae nachweisbar. Im Anschluss an einen primären Nahtverschluss mit Supramid 5-0 wurden Termine für die Wundkontrolle (nach drei Tagen) und die Nahtentfernung (nach 7 Tagen) vereinbart. Als Schmerzmedikation wurden der Patientin Paracetamol 500 mg 1-1-1 sowie Ibuprofen 400 mg 1-1-1 als Kombinationstherapie empfohlen und mitgegeben.
Verhalten nach der Weisheitszahn-Entfernung
Im Anschluss an die Weisheitszahn-Entfernung wird vom Zahnarzt ein Tupfer angebracht, der verhindert, dass Speichel in die Wunde läuft. In den Tagen nach der Weisheitszahn-Entfernung gibt es einige Richtlinien, an die Sie sich halten sollten, um Schmerzen zu vermeiden und eine schnelle Heilung der Wunde zu begünstigen. Dazu zählen folgende Regeln:
- Nach der Operation nicht selbst Auto fahren: Fahren Sie nicht selbst mit dem Auto von der Operation zurück. Fragen Sie lieber jemanden, ob er Sie abholen kann.
- Rauchverbot: Verzichten Sie in den Tagen nach der OP unbedingt auf das Rauchen, um die Wundheilung nicht zu behindern.
- Vorsichtig spülen: Wenn Sie Ihren Mund ausspülen, tun Sie dies vorsichtig. Denn sonst kann sich das Blutkoagulum lösen, das Bakterien von Ihrer Wunde fernhält. Sie sollten also nicht gurgeln. Soweit keine Unverträglichkeiten bestehen, kann zur Beruhigung und Desinfektion der Wunde nach dem Essen behutsam mit Kamillentee, Salbeitee oder chlorhexidinhaltiger Mundspüllösung aus der Apotheke gereinigt werden. In den ersten 1-2 Tagen nach der Weisheitszahnentfernung sollten Sie das Spülen ganz unterlassen, um Entzündungen und Nachblutungen zu vermeiden. In den Folgetagen darf der Mund bei Bedarf vorsichtig ausgespült werden.
- Kühlen: Auch nach der OP sollte man die betroffene Stelle mit einem in ein Handtuch gewickelten Kühlakku kühlen. Verzichten Sie auf Kühlung nach dem Ziehen der Weisheitszähne, wenn die betroffene Stelle bereits blass oder taub wirkt, da übermäßiges Kühlen die Durchblutung verschlechtert.
- Auf Wärme verzichten: Saunabesuche oder Ähnliches sollte man in den Tagen nach der OP meiden.
- Sich ausruhen: Verzichten Sie in den Tagen nach der OP auf die Ausübung von Sport oder anstrengenden körperlichen Aktivitäten und gönnen Sie sich Ruhe. Nach dem Eingriff sollte man mindestens 1 Woche auf Sport verzichten.
- Verzicht auf Kaffee, Tee, Milch und Alkohol: Heiße Getränke können die Wunde reizen und Schmerzen verursachen. Milch und Alkohol können die Wundheilung verlangsamen. Nach dem Eingriff sollte man mindesten 24 Stunden weder rauchen noch Alkohol trinken.
- Auf die Mundhygiene achten: Auch wenn in den Tagen nach der Weisheitszahn-Behandlung noch Schmerzen auftreten, so sollte man die Mundhygiene trotzdem nicht vernachlässigen. Zudem ist es empfehlenswert, die Zähne nach dem Eingriff mit einer weichen Zahnbürste zu reinigen. Bitten benutzen Sie Mundspülung ausschließlich in Absprache mit Ihrem Zahnarzt.
- Essen: Nach der Weisheitszahn-OP sollten Sie nicht selbst mit dem Auto fahren. Deshalb sollten Sie sich um einen Fahrer für diesen Termin kümmern. Schmerzen und Schwellungen nach dem Eingriff können das Essen erschweren. Es ist ratsam, sich für die ersten Tage nach der OP mit weicher Kost auszustatten.
- Schmerzmittel: Nach einer Weisheitszahn-OP dürfen Sie bei Beschwerden zu einem Schmerzmittel greifen. Bitten Sie Ihren Zahnarzt, Ihnen ein geeignetes Medikament zu verschreiben. In den ersten Tagen sollten regelmäßig Schmerzmittel genommen werden. Am 5. bis 6. Tag treten manchmal erneut Schmerzen auf, die ebenfalls mit Schmerzmitteln gelindert werden sollten. Bei moderaten Schmerzen können Sie die Gesichtshaut mit einem feuchten Tuch oder einem eingeschlagenen Kühlpack kühlen. Auch geeignete Schmerzmittel helfen. Diese sollten Sie in Absprache mit Ihrem Zahnarzt einnehmen. Aber Achtung: Möchten Sie Schmerzmittel nehmen, sollten Sie vorher Ihren behandelnden Zahnarzt oder Chirurgen nach dem richtigen Medikament fragen, da der Wirkstoff Aspirin beispielsweise das Risiko für Blutungen bzw. Nachblutungen der Wunde erhöht.
- Blutungen: Bei leichten Blutungen können Sie zunächst auf ein sauberes Küchentuch beißen. Der Druck auf die Wunde sollte die Blutung stillen. Spucken Sie Blut nach dem Ziehen der Weisheitszähne möglichst nicht aktiv aus, da dabei Unterdruck entsteht, der die Wundheilung stören kann. Blutet die Wunde beim Ziehen der Weisheitszähne nach fünf Tagen erneut oder durchgängig, sollte dies unbedingt zahnärztlich untersucht werden.
- Schwellung: Eine deutliche Schwellung im Wangenbereich ist nach dem Eingriff normal. Sie erreicht meist nach 48 bis 72 Stunden ihren Höhepunkt und klingt dann langsam ab. Kühlen Sie die betroffene Stelle in den ersten Tagen regelmäßig mit einem feuchten, kalten Waschlappen oder Kühlpad. Wichtig: nicht dauerhaft kühlen und keine gefrorenen Gegenstände direkt auf die Haut legen. Eine ausreichende Kühlung kann helfen, die Schwellung schneller abklingen zu lassen.
- Erhöht schlafen: In der ersten Nacht nach dem Eingriff kann es ratsam sein etwas erhöht zu schlafen, um das Risiko einer Nachblutung zu verringern. Auch im Liegen kommt es wegen des stärkeren Druckes im Kopf zu Nachblutungen. Deshalb ggf. mit erhöhtem Oberkörper schlafen.
- Spülen: Spucken Sie Blut nach dem Ziehen der Weisheitszähne möglichst nicht aktiv aus, da dabei Unterdruck entsteht, der die Wundheilung stören kann. Blutet die Wunde beim Ziehen der Weisheitszähne nach fünf Tagen erneut oder durchgängig, sollte dies unbedingt zahnärztlich untersucht werden.
Medikamentöse Behandlung bei Nervverletzung
Bei neu aufgetretener Sensibilitätsstörung ist weiter die Gabe von Antiphlogistika, Antibiotika und Kortikosteroiden zu empfehlen. Die Entzündungsreaktion wird unterdrückt, es kommt zu einer geringeren Ausprägung der Schwellung, und durch die Antibiose wird einer Infektion vorgebeugt.
Ein Fallbericht zeigte einen kompletten Rückgang der neuropathischen Schmerzen und eine Reduktion der Sensibilitätsstörung bei einer medikamentösen Kombinationsbehandlung mit Prednison (Kortikosteroid) in der ersten Woche und Pregabalin (Antiepileptikum) über die ersten drei Wochen. Wenn der Patient also nicht in einen chirurgischen Eingriff einwilligt, empfiehlt es sich, bei bestehender Symptomatik eine alternative medikamentöse Therapie durchzuführen.
In der Literatur werden auch die Abgabe von Vitaminpräparaten (meist Vitamin B), Ernährungszusätzen, Antidepressiva und Muskelrelaxanzien sowie die oberflächliche Verwendung eines Low-Level-Lasers an der äußeren Haut zur Beschwerdelinderung von Nervschädigungen beschrieben. Jedoch gibt es nach wie vor kein eindeutiges, standardisiertes Protokoll mit einem nachweisbaren Effekt auf die Langzeitprognose für die Patienten.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Es ist völlig normal, dass der Heilungsprozess nach einer Weisheitszahn-OP einige Tage in Anspruch nimmt. Dennoch gibt es bestimmte Anzeichen, bei denen Sie nicht zögern sollten, Ihre Zahnarztpraxis aufzusuchen. Dazu gehören starke oder zunehmende Schmerzen, unangenehmer Geruch oder Geschmack im Mund, Fieber oder auffällige Schwellungen. Auch Taubheitsgefühle, die nach mehreren Tagen noch bestehen, oder Blutungen, die nicht aufhören, sollten unbedingt abgeklärt werden. In seltenen Fällen infiziert sich die Wunde und es treten erneute Schwellungen, ggf. Fieber, starker Mundgeruch und ein deutliches Krankheitsgefühl auf. Diese Symptome treten frühestens nach 5 bis 6 Tagen auf. Bitte umgehend die Praxis aufsuchen.Auch eine Spätinfektion ist nach ca. 4 bis 6 Wochen möglich. Es tritt dann meistens über Nacht eine erneute Schwellung der Wange auf.
Prophylaktische Maßnahmen bei Sensibilitätsstörungen
Bei geplanter endodontischer Therapie von Molaren im Unterkiefer, insbesondere bei radiologisch erkennbarer Nervnähe, ist der Patient über das Risiko einer Sensibilitätsstörung aufzuklären. Bei Bestätigung einer direkten Kommunikation zwischen Wurzelspitzen und Mandibularkanal sollte die Indikation zur endodontischen Therapie eher eng gestellt und gegebenenfalls auf die Spülung mit Natriumhypochlorit verzichtet werden. Eine adäquate Spültechnik mit leichtem Druck und der Verwendung von seitlich perforierten Spülkanülen ist unabdingbar, um in jedem Fall die periradikulären Strukturen zu schonen, da Natriumhypochlorit bereits in niedrigen Konzentrationen zytotoxisch wirkt.
Außerdem sollte auf die Wahl des Sealers geachtet werden. Eugenol- oder paraformaldehydhaltige Sealer sind in der endodontischen Obturation wegen ihres Potenzials der chemischen Zersetzung von Nervaxonen ohnehin nicht mehr empfohlen. Jedoch ist festzuhalten, dass auch moderne Sealer ohne Eugenol wie calciumhydroxidhaltige Produkte oder solche mit biokeramischen Grundstoffen eine neurotoxische Wirkung haben. Alternativ kann eine extrakorporale Wurzelkanalbehandlung mit anschließender Replantation oder eine geplante kürzere Instrumentierung und Abfüllung unter dem Mikroskop erwogen werden.
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