Bewegung, soziale Interaktion und die Angst vor dem Fortschreiten: Ein umfassender Blick auf Parkinson

Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die mit motorischen und nicht-motorischen Einschränkungen einhergeht. Die Erkrankung wird durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn verursacht. Bislang gibt es keine pharmakologischen Maßnahmen, die Parkinson heilen oder ihren Verlauf verlangsamen können. Die verfügbaren symptomatischen medikamentösen Behandlungen sind zudem nur begrenzt wirksam und können Nebenwirkungen verursachen. Es ist wichtig, die verschiedenen Aspekte dieser Krankheit zu verstehen, um Betroffenen eine bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen.

Die Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung (Progredienzangst)

Die Angst vor dem Fortschreiten einer Erkrankung wird als Progredienzangst bezeichnet. Besonders betroffen scheinen PatientInnen mit chronischen Erkrankungen wie dem idiopathischen Parkinson-Syndrom oder rheumatischen Beschwerden. Bisher gibt es nur wenig Forschung, die sich mit dem Konzept der Progredienzangst bei Parkinson-PatientInnen befasst. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass Progredienzangst mit der Entwicklung von Angststörungen in Verbindung steht und einen negativen Einfluss auf das Depressionsniveau und die Lebensqualität der betroffenen PatientInnen hat.

Studie zur Progredienzangst bei Parkinson

Eine Studie hat sich zum Ziel gesetzt, das Vorkommen und die Mechanismen der Progredienzangst bei Parkinson-PatientInnen zu untersuchen, um die Rate der an Progredienzangst erkrankten Parkinson-Patienten zu erfassen. Für diese Studie werden 120 Parkinson-PatientInnen während ihres stationären Aufenthalts in dem Neurologischen Fachkrankenhaus Beelitz bzw. der Paracelsus-Elena-Klinik Kassel bzw. im Neurologischen Rehabilitationszentrum Godeshöhe in Bonn getestet.

Die Testung besteht aus umfangreichen neuropsychologischen und klinischen Untersuchungen (Papier- und Bleistifttests, motorische Untersuchung), Fragebögen zur Selbstauskunft und einem kurzen Interview zwischen Testleitung und PatientIn. Während die Testungen in den Kliniken vor Ort ablaufen werden, erfolgt die Datenanalyse in der Abteilung für Medizinische Psychologie | Neuropsychologie und Gender Studies der Uniklinik Köln.

Hintergrund der Studie

Progredienzangst, also die reaktive und bewusst wahrgenommene Angst vor dem Fortschreiten einer Erkrankung, ist bisher nur rudimentär untersucht. Erste Studien, v.a. mit KrebspatientInnen, zeigen jedoch, dass Progredienzangst von hoher klinischer Relevanz ist, da sie u.a. mit der Entwicklung von Angststörungen assoziiert ist und sich negativ auf die Lebensqualität und das Depressionsniveau von PatientInnen auswirkt. Eine Untersuchung, die Progredienzangst bei verschiedenen chronischen Erkrankungen analysierte, lieferte erste Hinweise dafür, dass PatientInnen mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (neben Rheuma-PatientInnen) besonders stark von Progredienzangst betroffen sind.

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Ziele der Studie

Das übergeordnete Studienziel ist, das Phänomen der Progredienzangst bei Parkinson-PatientInnen besser zu verstehen. Hierbei soll einerseits die Prävalenz von Progredienzangst bei Parkinson-PatientInnen ermittelt, andererseits sollen mit der Progredienzangst assoziierte soziodemographische, klinische und neuropsychologische Einflussfaktoren näher bestimmt werden.

Studiendesign

Innerhalb der geplanten Querschnittserhebung sollen 120 Parkinson-PatientInnen während eines stationären Aufenthaltes in einer der kooperierenden Fachkliniken, dem Neurologischen Fachkrankenhauses Beelitz, der Paracelsus-Elena-Klinik Kassel und dem Neurologischen Rehabilitationszentrum Godeshöhe in Bonn, einmalig untersucht werden. Die Erhebung besteht aus einer elaborierten neuropsychologischen und klinischen Untersuchung.

Outcomes

Es werden neuropsychologische sowie klinische Testverfahren in Form von Papier- und Bleistift-Tests zum Einsatz kommen. Das primäre Outcome stellt die Progredienzangst dar (gemessen mit einem etablierten Fragebogen; eine vertiefende Untersuchung erfolgt mit Hilfe eines teilstrukturierten qualitativen Interviews).

Auswertung

Die Dateneingabe und -analyse erfolgen in der Abteilung für Medizinische Psychologie | Neuropsychologie und Gender Studies der Uniklinik Köln. Die Datenanalyse wird mittels des Statistikprogrammes IBM SPSS Statistics 25 nach Beendigung der Datenerhebung durchgeführt. Neben der deskriptiven Datenauswertung sollen Korrelations- und Prädiktionsanalysen durchgeführt werden. Die Interviewauswertung erfolgt mit Hilfe von MAXQDA 2018.1.

Erhebung der Outcomes

Die Erhebung der Outcomes erfolgt einmalig im Rahmen einer ca. zweistündigen Erhebung und umfasst:

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  • Progredienzangst (operationalisiert mit dem Progredienzangst-Fragebogen PA-F; Herschbach et al., 2005; Waadt et al., 2011)
  • Krankheitsschwere (UPDRS-III, Hoehn und Yahr-Stadium)
  • Aktivitäten des täglichen Lebens (UPDRS-II)
  • Schmerz (Visuelle Analog-Skala)
  • Globale Kognition (MoCA)
  • Exekutivfunktionen (RWT, Key Search, TMT A und B)
  • Schlussfolgerndes Denken (LPS 50+, Subtest 4)
  • Depression (HADS-D)
  • Angst (HADS-D)
  • Hypochondrie (Whiteley-Index)
  • Persönlichkeit (NEO-FFI)
  • Lebensqualität (PDQ-8)
  • Kohärenzgefühl (Sense of Coherence-Scale, SOC-L9)
  • Coping/Selbstbeobachtung/Selbstverbalisation/Hoffnung/Soziale Unterstützung, Änderungsmotivation (FERUS)
  • Gesundheitskompetenz (HLS-EU-Q47)
  • Informationsstand bzgl. der Grunderkrankung (Selbsteinschätzung auf einer mehrstufigen Analogskala)

Die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson

Basierend auf einer umfangreichen Literaturübersicht, die kürzlich in der Fachzeitschrift 'Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry' veröffentlicht wurde, gelangen dänische Forschende zu dem Schluss, dass körperliche Bewegung ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Parkinson-Patienten sein sollte. Es wäre deutlich erkennbar, dass körperliche Aktivität dazu beitragen kann, die Krankheitsentwicklung zu verhindern und möglicherweise ihren Verlauf zu verlangsamen.

Bewegung senkt Parkinson-Risiko

Bewegung ist bereits ein fester Bestandteil der Rehabilitation von Parkinson-Patienten. Die Forschungsgruppe aus Dänemark betont jedoch, dass Bewegung noch grundlegendere klinische Vorteile bieten könnte. So kann Bewegung ein äußerst wirksamer präventiver Faktor sein. „Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass moderate bis intensive körperliche Aktivität das Risiko, an Parkinson zu erkranken, verringert. Bestehende Studien zeigen, dass ein hohes Maß an körperlicher Aktivität das Risiko um bis zu 25% senken kann“, erklärt Associate Professor Martin Langeskov-Christensen von der Abteilung für klinische Medizin an der Universität Aarhus und der Abteilung für Neurologie am Regionalkrankenhaus Viborg, Dänemark. Er ist einer der Forscher, die die wichtigsten Studien zur Verbindung von Bewegung und Parkinson-Krankheit gesammelt und ausgewertet haben.

Individuelle Bewegungsprogramme sind ideal

Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass sich eine Reihe von Symptomen, für die es in der Regel keine pharmakologische Therapie gibt, ebenfalls durch Bewegung verbessern. „Viele Parkinson-Patienten haben zum Beispiel Schwierigkeiten beim Gehen, und Bewegung kann diese erheblich lindern. Dies kann die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern. Wenn sie Schwierigkeiten haben, von Ihrem Stuhl aufzustehen, sollten sie sich auf Kraft- oder Gleichgewichtsübungen konzentrieren“, so der Professor.

Auch Patienten mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck sollten sich sportlich betätigen. Wichtig ist jedoch ein maßgeschneiderter Trainingsplan. Man könne nicht davon ausgehen, dass der Einzelne weiß, welche Übungen seine Symptome verbessern werden. Daher sollten Patienten mit Parkinson-Krankheit in Verbindung mit ihrer pharmakologischen Medikation personalisierte Bewegungsprogramme erhalten, einschließlich regelmäßiger Nachuntersuchungen. Ideal wäre ein Bewegungsprogramm mit aktuellen Übungsanleitungen, dass kontinuierlich von Physiotherapeuten, Sportphysiologen, Neurologen und anderen relevanten Berufsgruppen überwacht wird. Hier würden Leitlinien, in denen die Bedeutung von Bewegung für die Patientengruppe anerkannt wird, helfen, so der Parkinson-Experte.

Bewegung senkt Arzneimittel-Bedarf

Die Beweise dafür, dass Bewegung das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen kann, sind weniger solide, wenn auch sehr plausibel. Der Parkinson-Forschung fehlt jedoch der entscheidende empfindliche Biomarker, um den Verlauf der Erkrankung bei allen Patienten vorherzusagen. Es gibt jedoch überzeugende Bewegungsstudien mit Tieren, die an einer Parkinson-ähnlichen Krankheit leiden, wenngleich man die beobachteten Effekte nicht immer mit denen beim Menschen gleichsetzen kann, weiß Langeskov-Christensen.

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Parkinson könne man nicht einfach wegtrainieren. Aber Studien zeigen, dass die Menge der Medikamente durch Bewegung stabilisiert und sogar reduziert werden kann, wenn das Aktivitätsniveau erhöht wird. Andere Studien zeigen Verbesserungen in der klinischen Testbatterie MDS-UPDRS (Unified Parkinson's Disease Rating Scale), die derzeit der beste Marker zur Verlaufsbeobachtung bei der Parkinson-Krankheit ist.

Vielfalt der Bewegungsformen

Fußball spielen, Krafttraining oder spazieren gehen - Hauptsache Bewegung. Die meisten Studien über Parkinson und Bewegung untersuchen die Auswirkungen von Kraft- oder Ausdauertraining. Beides funktioniert, aber für unterschiedliche Bereiche, erklärt Langeskov-Christensen. Patienten, die an Parkinson erkrankt sind, sollten die Art von Bewegung wählen, die ihnen am besten liegt.

Betroffene sind bereits durch einen niedrigen Dopaminspiegel beeinträchtigt, sodass es schwierig sein kann, sich zu motivieren. Dennoch können Patienten, die aufgrund von Komplikationen der Parkinson-Krankheit Schwierigkeiten haben, sich intensiv zu bewegen, positive Ergebnisse erzielen, indem sie zu Hause Aktivitäten mit geringer Intensität durchführen, wie Gartenarbeit oder tägliche Spaziergänge mit dem Hund.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Patienten mit neurologischen Krankheiten wie Parkinson unter starker Müdigkeit und einem starken Gefühl der Erschöpfung leiden, das sich nicht so einfach abschütteln lässt. Dies kann sich noch verstärken, wenn mit dem Training begonnen oder das Bewegungsprogramm intensiviert wird. Studien zu Multipler Sklerose (MS) zeigen jedoch, dass Bewegung tatsächlich gegen Müdigkeit helfen kann. Neue Studien über die Auswirkungen von Bewegung auf die Müdigkeit bei Parkinson-Patienten sind bereits in Vorbereitung, weiß Langeskov-Christensen.

Paradigmenwechsel: Bewegung als Medizin bei Parkinson

„Auf Grundlage der aktuellen Erkenntnisse schlagen wir einen Paradigmenwechsel vor: Bewegung sollte Menschen mit Parkinson im Frühstadium neben der konventionellen medizinischen Behandlung als Medizin verschrieben werden“, sagt der Parkinson-Experte. In jedem Fall ist es besser, etwas zu tun, als untätig zu sein, denn die Vorteile überwiegen bei weitem die möglichen Nachteile.

Bewegung ist eine sichere, kostengünstige, leicht zugängliche und wirksame Maßnahme für Menschen mit Parkinson-Krankheit.

Musik- und Tanztherapie

Musik- und Tanztherapie wirken sich positiv auf Emotion, Kognition und Motorik von Parkinsonpatienten aus. Mehrere Studien belegen die Wirksamkeit beider Therapieansätze. Ihr verstärkter Einsatz in der Praxis scheint daher ratsam. Musik kann bei der Heilung von Krankheiten helfen. Sie wirkt auf den Blutdruck, die Atmung und andere Körperfunktionen. Bei von Morbus Parkinson betroffenen Menschen verbessern Melodien das aufgrund der Krankheit gestörte Rhythmusgefühl. Diese Effekte werden für therapeutische Anwendungen wie Tanztherapie oder musikgestütztes Gangtraining genutzt. Betroffene trainieren hierbei beispielsweise zum Klang eines gleichmäßigen Grundschlags das Gehen.

Der gezielte Einsatz von Melodien hat also eine therapeutische Wirkung auf die Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der psychischen und körperlichen Gesundheit.

Auswirkungen der Musik- und Tanztherapie

  • Beweglichkeit: Im Verlauf der Parkinson’schen Erkrankung nimmt die Beweglichkeit der Betroffenen kontinuierlich ab. Die Schritte werden kleiner und Gang- sowie Gleichgewichtsstörungen kommen hinzu. Dass Musik- und Tanztherapien eine lindernde Wirkung auf die Symptomatik haben, wurde in Studien aufgezeigt. Es wurde bestätigt, dass sich die Beweglichkeit und die Balance verbessern können.
  • Stimmung: Bis zu 70 Prozent der von Parkinson Betroffenen entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine Depression. Es ist bewiesen, dass die Therapieansätze eine Verbesserung in der Stimmung und bei einer Depression haben. Die Erkrankten empfinden Freude an den Tanzstunden.
  • Soziale Interaktion: Die Krankheit verändert in vielen Fällen das Erscheinungsbild, wofür sich viele Erkrankte schämen. Daher meiden viele der Betroffenen den Kontakt mit anderen und ziehen sich nach und nach zurück. Die Folge ist eine immer weiter zunehmende Isolation. Musik- und Tanztherapie können die soziale Interaktion fördern und verbessern. Durch die Trainingsgruppen und das regelmäßige Treffen von erkrankten Personen können neue Kontakte geknüpft werden. Die Betroffenen können sich auch über ihre Erfahrungen austauschen und die emotionale Wahrnehmung besser verarbeiten. Die Therapie wird zu einer soziale Aktivität. Die Veranstaltungen in der Gruppe können auch neue Freundschaften initiieren.

Tanztherapie im Detail

Die Tanztherapie ist eine psychotherapeutische Disziplin aus dem Bereich der künstlerischen Therapien. Sie definieren Tanztherapie als „die psychotherapeutische Verwendung von Bewegung im Sinne eines Prozesses, der die emotionale und körperliche Integration des Individuums zum Ziel hat“. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die starke Vitalisierung im Tanz, zudem spielt das unmittelbare Körpererleben eine bedeutsame Rolle. Der Tanz als „höchster Ausdruck menschlichen Lebensgefühls setzt gewaltige Kräfte im Menschen frei, von denen er im Normalzustand nichts ahnt, der Tanz eröffnet ihm Zugang zum kollektiven Unterbewusstsein“. Der positive Einfluss von Bewegung spiegelt sich ebenso in sozialen und kommunikativen Aspekten wider. Die gemeinsamen Stunden binden die Kranken in die Gemeinschaft ein und verhindern so eine soziale Isolierung.

Musik und Tanz als Stimmungsaufheller

Musikalische Geh- oder Tanzübungen können zu einer verbesserten Beweglichkeit und Stabilität führen. Die Balance verbessert sich, was der Sturzprophylaxe dient. So wurden die Schritte der Betroffenen größer und sie konnten schneller aus dem Sitzen aufstehen und gehen. Andere Studien belegen, dass die Erkrankten wieder mehr Kontrolle über ihren eigenen Körper erlangen und verstärkt am sozialen Leben teilnehmen. Markant ist auch, dass eine Depression durch diese Therapien verringert werden kann. Schon die Teilnahme an wöchentlichen Tanzkursen kann die Stimmung bei Morbus-Parkinson-Erkrankten verbessern.

Zunehmende Relevanz

Nach Angaben der Deutschen Parkinson Gesellschaft sind weltweit rund 4,1 Millionen Menschen an Morbus Parkinson erkrankt. In Deutschland sind etwa 250.000 Menschen betroffen. Bis 2030 steigt die Zahl an Betroffenen weltweit voraussichtlich auf 8,7 Millionen. Diese Tatsache und die positive Studienlage sprechen dafür, dass Morbus-Parkinson-Betroffene Musik- und Tanztherapie im Pflegeheim, Krankenhaus oder in Rehakliniken erhalten sollten. Die Therapieansätze fördern insgesamt die Beweglichkeit der Betroffenen. Präventiv können die Therapien Folgeerkrankungen oder Zweiterkrankungen wie Depressionen, Kontrakturen und soziale Isolation verhindern. Regelmäßige körperliche Bewegung ist für die Erkrankten von zentraler Bedeutung.

Einrichtungen können Musik und Tanz in die Regelversorgung einbinden. Dies könnte durch individuelle oder Gruppeninterventionen erfolgen. Die Umsetzung kann durch qualifizierte Pflegefachpersonen durchgeführt werden. In der Akutklinik könnten Patienten auf Angebote von entsprechenden Selbsthilfegruppen hingewiesen werden.

Soziale Interaktion und Einsamkeit bei Parkinson

Der Mensch ist ein soziales Wesen, er braucht menschliche Beziehungen. Einsamkeit kann nicht erst im hohen Alter zur Belastung werden, wenn der Kontakt zur eigenen Familie weniger wird, wenn die Mobilität eingeschränkt ist oder Lebenspartner und Freunde bereits gestorben sind. Auch Jüngere oder viele Mittdreißiger leiden unter Einsamkeit, etwa nach einer Trennung oder wenn sie sich sozial isoliert fühlen. Natürlich kann es sehr wohltuend sein, mal allein zu sein. Und auch wenn man nicht allein ist, kann man sich sehr einsam fühlen. Einsamkeit ist eher ein Gefühl, das schwer messbar ist.

Einsamkeit wird zum Problem, wenn sie chronisch wird und mit zu wenig sozialen Kontakten einhergeht. Denn Einsamkeit wirkt sich negativ auf die Psyche und die körperliche Gesundheit aus. Entwicklungsgeschichtlich haben Menschen immer versucht, in Gemeinschaften zu leben. Gemeinsam lassen sich Gefahren leichter abwehren und das Überleben lässt sich leichter sichern. Einsame Menschen weisen entsprechend einen erhöhten Cortisol-Anteil auf, was zu einem dauerhaft zu hohen Blutdruck und zu hohen Blutzuckerwerten führen kann.

Chronische Einsamkeit erhöht also das Risiko, an Herzinfarkten, Schlaganfällen, Krebs oder Demenz zu erkranken, ganz erheblich.

Einsamkeit als Risikofaktor für Parkinson?

Einsamkeit verursacht kein Parkinson, die Ursache für diese neurodegenerative Erkrankung ist noch nicht abschließend geklärt. Aber laut einer Langzeitstudie ist das Risiko, an Parkinson zu erkranken, bei einsamen Menschen um 37 Prozent erhöht. Selbst nachdem andere Faktoren wie genetische Veranlagung oder andere Erkrankungen herausgerechnet worden waren, hatten die sich einsam fühlenden Personen ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko, heißt es in der Studie.

Klar ist allerdings, dass Einsamkeit neben Depression, Angststörungen und Müdigkeit ein frühes non-motorisches Symptom für eine Parkinson-Erkrankung ist.

Wege aus der Einsamkeit

Wenn Menschen einsam sind, können Telefongespräche oder Videoanrufe sicherlich ein stückweit die Distanz überwinden und ein Gefühl von Teilhabe vermitteln. Einsamkeit ist selten selbst gewählt. Aber wer sich einsam fühlt, muss vor allem selber aktiv werden und gezielt den Kontakt zu anderen aufnehmen. Ein neues Hobby oder gemeinsames Musizieren können dabei helfen, neue Kontakte zu knüpfen. Ein Hund etwa bringt Bewegung ins Leben und sorgt für Gesprächsstoff mit anderen Hundebesitzern.

Wenn Unsicherheit oder ein geringes Selbstwertgefühl hinter der Einsamkeit stecken, kann professionelle Unterstützung durch Therapeuten oder Beratungsstellen hilfreich sein.

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