Pseudodemenz bei Epilepsie: Ursachen, Symptome und Therapie

Die Diagnose einer Demenz oder Epilepsie kann sowohl für den Betroffenen als auch für seine Angehörigen eine einschneidende Erfahrung sein. Wenn diese beiden Erkrankungen zusammen auftreten oder eine die andere vortäuscht (Pseudodemenz), kann die Situation noch komplexer werden. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten der Pseudodemenz bei Epilepsie, um ein besseres Verständnis dieser komplexen Thematik zu ermöglichen.

Einführung

Wenn bei einem selbst oder einem Angehörigen eine gesteigerte Vergesslichkeit oder andere kognitive Probleme auftreten, können sich dahinter zahlreiche Ursachen verbergen, die einer unterschiedlichen Behandlung bedürfen. Es gilt zu klären, ob es sich um eine Demenz, ein Delir, eine leichte kognitive Störung oder eine Pseudodemenz handelt. Die Unterscheidung ist entscheidend, da jede dieser Erkrankungen unterschiedliche Ursachen hat und somit auch unterschiedliche Therapieansätze erfordert.

Was ist Pseudodemenz?

Pseudodemenz ist ein Zustand, der die Symptome einer Demenz nachahmt, aber durch andere Faktoren verursacht wird. Im Gegensatz zu einer echten Demenz, bei der organische Veränderungen im Gehirn vorliegen, ist die Pseudodemenz oft auf psychische oder andere behandelbare Ursachen zurückzuführen. Depressionen, Stressfaktoren, Medikamentennebenwirkungen, Stoffwechselstörungen oder Vitaminmangel können die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und so eine Demenz vortäuschen.

Ursachen der Pseudodemenz bei Epilepsie

Bei Menschen mit Epilepsie kann eine Pseudodemenz durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Antiepileptika: Einige Antiepileptika können kognitive Nebenwirkungen haben, die sich als Symptome einer Demenz äußern können. Topiramat kann beispielsweise kognitive Einschränkungen verursachen, die in der Gruppe von Menschen mit Behinderung schwerer erfassbar sind.
  • Häufige Anfälle: Wiederholte epileptische Anfälle können zu kognitiven Beeinträchtigungen führen, die fälschlicherweise als Demenz interpretiert werden können.
  • Depressionen und Angstzustände: Menschen mit Epilepsie leiden häufiger unter Depressionen und Angstzuständen, die sich negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken und eine Pseudodemenz verursachen können.
  • Vitamin-B12-Mangel: Ein Mangel an Vitamin B12 kann neurologische Symptome wie Verwirrtheit und Gedächtnisprobleme verursachen, die einer Demenz ähneln.
  • Andere medizinische Ursachen: Hormonstörungen oder Infektionskrankheiten können ebenfalls zu einer Pseudodemenz führen.

Ein Fallbeispiel illustriert dies: Eine 56-jährige Frau aus Kap Verde zeigte zunächst leichte Verhaltensveränderungen, die sich zu Desorientiertheit und Halluzinationen entwickelten. Nach epileptischen Anfällen wurde eine fortschreitende Demenz diagnostiziert. Erst eine erneuteBlutuntersuchung ergab einen Vitamin-B12-Mangel als Ursache.

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Symptome der Pseudodemenz bei Epilepsie

Die Symptome einer Pseudodemenz können denen einer Demenz ähneln, was die Diagnose erschwert. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Gedächtnisprobleme: Schwierigkeiten, sich an aktuelle Ereignisse oder neue Informationen zu erinnern.
  • Verwirrtheit: Desorientiertheit bezüglich Zeit, Ort und Person.
  • Sprachprobleme: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder sich klar auszudrücken.
  • Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, Aggressivität, Depressionen oder Angstzustände.
  • Halluzinationen und Wahnvorstellungen: Wahrnehmungen oder Überzeugungen, die nicht der Realität entsprechen.
  • Aufmerksamkeitsstörungen: Konzentrationsschwierigkeiten.
  • Problemlösungs- und Entscheidungsfindungsschwierigkeiten.
  • Verminderte Leistungsfähigkeit im Alltag.

Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Symptome einer Pseudodemenz oft schneller entwickeln als bei einer Demenz und dass die Betroffenen sich ihrer kognitiven Defizite oft bewusst sind und darunter leiden. Im Gegensatz dazu zeigen Menschen mit Demenz oft wenig Einsicht in ihre Erkrankung.

Diagnostik der Pseudodemenz bei Epilepsie

Die Diagnose einer Pseudodemenz bei Epilepsie erfordert eine sorgfältige Abklärung, um andere Ursachen für die kognitiven Beeinträchtigungen auszuschließen. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte des Patienten und seiner Angehörigen, einschließlich Informationen über die Epilepsie, Anfallshäufigkeit, Medikation und psychische Gesundheit.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen, wie Reflexe, Koordination undSensibilität.
  • Neuropsychologische Tests: Standardisierte Tests zur Beurteilung der kognitiven Funktionen, wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Problemlösungsfähigkeit.
  • Elektroenzephalographie (EEG): Messung der Hirnströme, um epileptische Aktivität festzustellen.
  • Bildgebung des Gehirns: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT), um strukturelle Veränderungen im Gehirn auszuschließen.
  • Blutuntersuchungen: Überprüfung auf Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel oder andere medizinische Ursachen.
  • Liquoruntersuchung: Analyse des Nervenwassers, um Entzündungen oder andere Erkrankungen des zentralen Nervensystems auszuschließen.

Differenzialdiagnose

Es ist entscheidend, andere Ursachen für die kognitiven Beeinträchtigungen auszuschließen, um eine korrekte Diagnose zu stellen. Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen gehören:

  • Demenz: Alzheimer-Krankheit, vaskuläre Demenz, frontotemporale Demenz, Lewy-Körperchen-Demenz.
  • Delir: Akuter Verwirrtheitszustand aufgrund einer medizinischen Erkrankung, Medikamentennebenwirkung oder Entzugserscheinung.
  • Leichte kognitive Störung (LKS): Vorstufe einer Demenz, bei der die kognitiven Beeinträchtigungen noch nicht schwerwiegend genug sind, um den Alltag zu beeinträchtigen.
  • Depression: Psychische Erkrankung, die sich durch Traurigkeit,Interessenverlust und Antriebslosigkeit äußert.
  • Angststörung: Psychische Erkrankung, die sich durch übermäßige Angst und Besorgnis äußert.
  • Schizophrenie: Psychische Erkrankung, die sich durch Halluzinationen, Wahnvorstellungen undDenkstörungen äußert.

Therapie der Pseudodemenz bei Epilepsie

Die Therapie der Pseudodemenz bei Epilepsie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Zu den wichtigsten Behandlungsansätzen gehören:

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  • Anpassung der Medikation: Wenn Antiepileptika die Ursache für die kognitiven Beeinträchtigungen sind, kann eine Anpassung der Dosis oder ein Wechsel zu einem anderen Medikament erforderlich sein.
  • Behandlung von Depressionen und Angstzuständen: Psychotherapie und/oder Antidepressiva können helfen, die psychischen Symptome zu lindern und die kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern.
  • Vitamin-B12-Substitution: Bei einem Vitamin-B12-Mangel kann eine Substitution mit Vitamin B12-Präparaten erforderlich sein. Die Ärzte behandelten die Frau zunächst mit einem Neuroleptikum, das bei schizophrenen Erkrankungen zum Einsatz kommt und die Halluzinationen behebt.
  • Kognitive Therapie: Kognitive Trainingseinheiten können helfen, die Gedächtnisleistung und andere kognitive Funktionen zu verbessern.
  • Anfallskontrolle: Eine gute Anfallskontrolle kann dazu beitragen, weitere kognitive Beeinträchtigungen zu verhindern.
  • Behandlung anderer medizinischer Ursachen: Wenn eine andere medizinische Erkrankung die Ursache für die Pseudodemenz ist, muss diese entsprechend behandelt werden.

Im Fall der 61-Jährigen mit Vitamin-B12-Mangel führte die Behandlung mit Vitamin B12 zu einer deutlichen Verbesserung ihrer kognitiven Fähigkeiten und zum Verschwinden der Halluzinationen. Sie konnte wieder selbstständig kochen, einkaufen und sich orientieren.

Epilepsie und Kognition

Epilepsie und Kognition stehen in einer komplexen Beziehung. Einerseits können epileptische Anfälle selbst zu kognitiven Beeinträchtigungen führen, insbesondere wenn sie häufig auftreten oder lange andauern. Andererseits können auch die Antiepileptika, die zur Behandlung der Epilepsie eingesetzt werden, kognitive Nebenwirkungen haben. Darüber hinaus können auch die der Epilepsie zugrunde liegenden Hirnschädigungen oder Hirnentwicklungsstörungen selbst zu kognitiven Problemen führen.

Epilepsie bei Menschen mit geistiger Behinderung

Menschen mit geistiger Behinderung erkranken häufiger an Epilepsie. Bei der Behandlung von Epilepsie bei Menschen mit geistiger Behinderung gelten grundsätzlich die gleichen Prinzipien wie bei nichtbehinderten Epilepsiekranken. Es gibt jedoch einige Besonderheiten zu beachten:

  • Menschen mit Intelligenzminderung vertragen Antiepileptika manchmal schlechter.
  • Die Diagnose von Anfällen und Epilepsiesyndromen kann schwieriger sein, da man in besonderem Maße auf Informationen von anderen Personen angewiesen ist.
  • Die Differenzialdiagnose zwischen epileptischen und nichtepileptischen anfallsartigen Störungen kann schwierig sein.
  • Bei jeder Epilepsie-Erstdiagnose, bei der eine symptomatische Genese zu vermuten ist, ist eine bildgebende Untersuchung erforderlich.
  • Nichtmedikamentöse Maßnahmen, wie Tagesstrukturierung und Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus, sind besonders wichtig.
  • Bei der Substanzauswahl ist zu bedenken, dass einige Antiepileptika bei Patienten mit geistiger Behinderung ein erhöhtes Risiko insbesondere psychiatrischer Nebenwirkungen bergen.
  • Einigen Patienten ist es nicht möglich, Tabletten oder Kapseln zu schlucken, sodass andere Applikationsformen erforderlich sind.
  • Beim Aufdosieren eines Antiepileptikums ist daran zu erinnern, dass die Überdosierungsgrenze bei geistig oder körperlich behinderten Menschen aufgrund ihrer Hirnschädigung schon bei Serumkonzentrationen erreicht sein kann, die man bei der Behandlung nichtbehinderter Patienten als in der Regel noch gut verträglich erlebt hat.
  • Patienten mit geistiger und insbesondere zusätzlicher körperlicher Behinderung sind wegen des häufigeren Bewegungsmangels oder einer Immobilisierung und oft verminderter Sonnenexposition besonders gefährdet, eine Antiepileptika-induzierte Osteoporose zu entwickeln.
  • Bei einer zunehmenden Verhaltensauffälligkeit oder kognitiven Einschränkung unter der Aufdosierung eines Antiepileptikums ist differenzialdiagnostisch auch ein non-konvulsiver Status epilepticus zu erwägen.

Altersepilepsie und Demenz

Epilepsien sind die dritthäufigste neurologische Erkrankung beim älteren Menschen. Bei alten Menschen stehen Anfälle häufig in Verbindung mit zerebrovaskulären Erkrankungen (Schlaganfall) oder Demenzerkrankungen. Die Beziehung zwischen Epilepsie und Demenz ist bidirektional: Ältere Patienten mit neu diagnostizierter Epilepsie weisen bereits vor Therapiebeginn häufiger kognitive Defizite auf und haben ein erhöhtes Risiko, innerhalb von 8 Jahren eine Demenz zu entwickeln. Anfälle bei alten Menschen werden häufig erst spät erkannt, und die Rate an initialen Fehldiagnosen ist hoch. Die Symptome können unspezifisch sein und als Verwirrtheitszustand im Rahmen einer Demenz fehlinterpretiert werden. Die Diagnosestellung kann in diesen Fällen insbesondere bei zudem fehlender Fremdanamnese herausfordernd sein.

Medikamentöse Behandlung der Epilepsie im Alter

Die medikamentöse Behandlung der Epilepsie bei alten Patienten stellt den behandelnden Arzt vor eine Reihe von Herausforderungen:

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  • Alte Menschen reagieren meist sensibler auf Medikamente, insbesondere zentral wirksame Substanzen, wobei unspezifische Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit, Gangunsicherheit und Konzentrationsstörungen häufig sind.
  • Eingeschränkte Nierenfunktion, reduzierter hepataler Metabolismus und Mangelernährung mit verminderter Eiweißbindung führen zu Veränderungen von Pharmakokinetik und Pharmakodynamik beim alten Patienten.
  • Aufgrund von Komorbiditäten nehmen alte Patienten häufig eine Reihe unterschiedlicher Medikamente ein, sodass das Risiko von Medikamenteninteraktionen hoch ist.
  • Die Wirkung von Medikamenten auf Lipidstoffwechsel, Reizleitungssystem des Herzens, Knochenstoffwechsel und Kognition etc. ist bei älteren, multimorbiden Patienten von entscheidender Bedeutung.

Die Rolle von Vitamin B12

Der Fall der 61-jährigen Frau verdeutlicht die Bedeutung von Vitamin B12 für die neurologische Gesundheit. Vitamin B12 ist ein essentieller Nährstoff, der für die Funktion der Nerven und die Bildung von roten Blutkörperchen benötigt wird. Ein Mangel an Vitamin B12 kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter Verwirrtheit, Gedächtnisprobleme, Psychosen und Lähmungen.

Vitamin B12 kommt vor allem in tierischen Produkten vor, daher ist ein Mangel häufig Folge einer schlecht geplanten veganen Ernährung. Auch Erkrankungen des Verdauungstrakts können einen Vitamin-B12-Mangel verursachen, da der Körper ein von der Magenhaut gebildetes Eiweiß benötigt, um Vitamin B12 über den Darm aufzunehmen. Chronische Magen-Darm-Erkrankungen können einen Mangel dieses Stoffes hervorrufen und infolgedessen einen Mangel an Vitamin B12 verursachen.

Gedächtnis und seine Teilbereiche

Das Gedächtnis ist die Fähigkeit des Gehirns, Informationen zu erlernen, abzuspeichern, sich an sie zu erinnern und diese wieder abzurufen. Für die Teilbereiche des Gedächtnisses sind jeweils spezifische Hirnregionen zuständig. Die wichtigsten Hirnregionen hierfür liegen im sogenannten limbischen System, zu denen der Hippocampus gehört.

Es gibt verschiedene Teilbereiche des Gedächtnisses:

  • Kurzzeitgedächtnis: Bezieht sich auf Informationen, die im Zeitraum von Sekunden bis Minuten unter kontinuierlicher Aufmerksamkeitszuwendung gehalten werden.
  • Arbeitsgedächtnis: Befähigt, gehaltene Informationen mental zu manipulieren und gegenüber Störinformationen abzuschirmen.
  • Langzeitgedächtnis: Beinhaltet alle Informationen, die nach längerer Zeit abrufbar sind.
  • Neugedächtnis: Betrifft Informationen, die nach einer Hirnschädigung ins Gedächtnis aufgenommen wurden.
  • Altgedächtnis: Betrifft Informationen, die vor längerer Zeit bzw. vor einer Hirnschädigung ins Gedächtnis aufgenommen wurden und bereits lange gespeichert sind.
  • Prospektives Gedächtnis: Erlaubt es Aufgaben, Termine, Erledigungen zu einem bestimmten Zeitpunkt oder bei Eintreffen eines bestimmten Ereignisses in der Zukunft zu erinnern und auszuführen.
  • Deklaratives Gedächtnis: Gedächtnisinhalte können bewusst wiedergegeben werden (semantisches und episodisches Gedächtnis).
  • Nondeklaratives Gedächtnis: Läuft eher unbewusst (Priming, prozedurales Gedächtnis, Konditionierung sowie nicht assoziatives Lernen).

Störungen des Gedächtnisses werden als Amnesien bezeichnet. Anterograde Amnesie bedeutet, dass nach einer Hirnschädigung keine neuen Gedächtnisinhalten mehr aufgenommen werden, während retrograde Amnesien mit einem Verlust der Abruffähigkeit älterer Gedächtnisinhalte einhergeht.

Weitere kognitive Domänen

Gedächtnisstörungen treten selten vollständig isoliert auf. Gerade im Bereich der Demenzen fallen in der Regel auch andere Hirnleistungen weg. Teilweise ist das Gedächtnis an und für sich gar nicht betroffen. Die Störung wird jedoch für den Laien als eine des Gedächtnisses wahrgenommen. Wichtige weitere kognitive Teilbereiche, die wir erfragen und untersuchen betreffen:

  • Exekutive Funktionen: Planung, Organisation, Steuerung und Bewertung des eigenen Verhaltens auch das Zusammenleben mit anderen betreffend.
  • Sprachliche Fertigkeiten: Sprachproduktion und Sprachverständnis.
  • Praktische Fertigkeiten: Werkzeugnutzung, Gestik, Mimik.
  • Visuelle und räumliche Wahrnehmung: Erkennen von Objekten, Symbolen oder Gesichtern.
  • Weitere Hirnwerkzeuge und psychische Funktionen: Lesen, Schreiben, Rechnen, Stimmungslage, Angst, Wahn, Rituale und Zwänge etc.

Akute und chronische Gedächtnisstörungen

Einige Gedächtnisstörungen treten akut und dramatisch auf, heilen aber spontan wieder aus (z.B. bei der transienten globalen Amnesie). Hormonstörungen und Vitamin-Mangelzustände führen zuweilen zu einer heilbaren Demenz. Andere akute Gedächtnisstörungen laufen weniger glimpflich ab (z.B. bei Schädigung des Gehirns durch einen Schlaganfall, eine Infektion, einen Unfall, eine Entzündung oder einen Tumor). Im Zuge der Rehabilitation können hier aber teilweise auch erhebliche Rückgewinne erreicht werden. Viele chronische, neurologische und psychiatrische Erkrankungen können langfristig das Gedächtnis und andere kognitive Funktionen beeinträchtigen (Epilepsie, Parkinson, Schizophrenie, Depression und multiple Sklerose). Hier stehen mittlerweile effektive Therapien bereit, um den Verlauf günstig zu beeinflussen.

Neurodegenerative Demenzen

Diese Erkrankungen treten vornehmlich im höheren Lebensalter auf. Es ist eine der wesentlichen Aufgaben unserer Praxis, „normale“ Alterungserscheinungen von krankhaften Veränderungen zu unterscheiden. Frühe Demenzerkrankungen sind viel seltener und meist erblich bedingt. Bei den neurodegenerativen Demenzen ist ein Teil erblich bedingt. Ein großer Teil wird aber auch durch allgemeine gesundheitliche Faktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder die Ernährungsweise mitbestimmt. Ein gut durchblutetes Gehirn wird in der Regel seltener und weniger schwer von einer Demenz betroffen als ein Gehirn mit Durchblutungsstörungen. Viele kleine Durchblutungsstörungen, die im Laufe der Zeit immer weitere Hirnanteile betreffen, stellen eine der häufigsten Demenzursachen dar. Hier können präventive Maßnahmen ansetzen. Die häufigste Demenzursache ist die Alzheimer-Erkrankung. Hier kommt es zu Ablagerungen von Zellabfällen im Gehirn, bestehend aus Amyloid-beta und tau-Protein, welche den Betrieb stören. Die Folge ist das allmähliche Absterben der Nervenzellen. Eine ähnliche Problematik findet sich bei den frontotemporalen Demenzen (tau- und/oder TDP-43-Ablagerungen) und bei der Lewy-Körperchen- und Parkinson-Demenz (Alpha-Synuklein-Ablagerungen).

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