Neurologische Ambulanz: Aufgaben und Schwerpunkte

Die neurologische Ambulanz spielt eine zentrale Rolle in der Versorgung von Patienten mit Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur. Sie dient als Schnittstelle zwischen stationärer Behandlung und ambulanter Weiterbetreuung und bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen.

Aufgaben der neurologischen Ambulanz

Die neurologische Ambulanz übernimmt vielfältige Aufgaben, um eine umfassende Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen zu gewährleisten. Dazu gehören:

  • Diagnostik: Die neurologische Ambulanz führt eine umfassende Diagnostik zur Abklärung neurologischer Beschwerden durch. Hierzu gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, neurologische Tests sowie apparative Untersuchungen wie EEG, EMG, Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen, Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Gefäße und bildgebende Verfahren wie CT und MRT.
  • Therapie: Die neurologische Ambulanz bietet ein breites Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung neurologischer Erkrankungen. Hierzu gehören medikamentöse Therapien, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie sowie interventionelle Verfahren wie Botulinumtoxin-Injektionen und tiefe Hirnstimulation.
  • Beratung: Die neurologische Ambulanz berät Patienten und Angehörige zu neurologischen Erkrankungen, deren Ursachen, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten. Sie unterstützt Patienten bei der Krankheitsbewältigung und gibt Hilfestellung bei der Organisation des Alltags.
  • Nachsorge: Die neurologische Ambulanz übernimmt die Nachsorge von Patienten nach stationärer Behandlung oder nach Akutereignissen wie Schlaganfall. Sie überwacht den Krankheitsverlauf, passt die Therapie an und unterstützt Patienten bei der Rehabilitation.
  • Spezialsprechstunden: Viele neurologische Ambulanzen bieten Spezialsprechstunden für bestimmte neurologische Erkrankungen an, wie z. B. Epilepsie, Multiple Sklerose, Parkinson-Syndrom, Demenz oder Bewegungsstörungen. Diese Spezialsprechstunden ermöglichen eine noch gezieltere und individuellere Betreuung der Patienten.

Schwerpunkte neurologischer Ambulanzen

Die neurologischen Ambulanzen haben oft unterschiedliche Schwerpunkte, je nach Ausrichtung der jeweiligen Klinik oder Einrichtung. Einige häufige Schwerpunkte sind:

Vaskuläre Erkrankungen

In der vaskulären Spezialsprechstunde werden Patienten mit Erkrankungen der Hirn- und Rückenmarksgefäße betreut. Dazu gehören Schlaganfälle, Hirnblutungen, Gefäßverschlüsse und Gefäßentzündungen. Die Ambulanz bietet eine umfassende Diagnostik und Beratung sowie die Einleitung und Überwachung der Therapie. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung niedergelassener Kollegen bei der Indikationsstellung für gefäßrekonstruktive Eingriffe.

Bewegungsstörungen

In der Ambulanz für Bewegungsstörungen werden Patienten mit Erkrankungen wie Parkinson-Syndrom, Dystonie, Tremor, Chorea und Restless-Legs-Syndrom behandelt. Die Ambulanz bietet eine umfassende Diagnostik, Beratung und Therapie. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören medikamentöse Therapien, Botulinumtoxin-Injektionen und tiefe Hirnstimulation.

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Epilepsie

In der Epilepsie-Ambulanz werden Patienten mit Epilepsie und anderen anfallsartigen Erkrankungen behandelt. Die Ambulanz bietet eine umfassende Diagnostik, Beratung und Therapie. Ziel ist es, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Diagnostik besteht aus einer ausführlichen Anamnese, Bestimmung differenzierter Laborwerte, der Aufzeichnung eines EEG und Bewertung sowie Empfehlung zur Bildgebung.Therapeutisch werden Antiepileptika in Einzel- und Kombinationsmedikation angewendet. In unserer Sprechstunde bieten wir die Neueinstellung und Beratung zu bestehenden Medikationen an.

Multiple Sklerose

In der MS-Ambulanz werden Patienten mit Multipler Sklerose betreut. Die Ambulanz bietet eine umfassende Diagnostik, Beratung und Therapie. Ziel ist es, die Entzündung im Nervensystem zu reduzieren, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Behandlung mit Immuntherapeutika für den milden/moderaten Verlauf und den hoch-aktiven Verlauf (u.a.

Demenz

In der Demenz-Sprechstunde werden Patienten mit Gedächtnisstörungen und anderen kognitiven Beeinträchtigungen untersucht und behandelt. Die Ambulanz bietet eine umfassende Diagnostik zur Abklärung der Ursachen der Demenz sowie eine Beratung zu den Behandlungsmöglichkeiten und zur Unterstützung im Alltag. Gemeinsam mit den Patienten und ihren Angehörigen ein Konzept zur (medikamentösen) Therapie entsprechend dem neuesten wissenschaftlichen Stand und adäquaten Unterstützung im Alltag zu erarbeiten.

Neuromuskuläre Erkrankungen

Das Zentrum für Neuromuskuläre Erkrankungen bietet das hierfür volle Spektrum der Diagnostik und erforderlichen Therapien an. Neuromuskuläre Erkrankungen im Kinder- und Jugendalter werden in der Neuropädiatrie der Klinik für Kinderheilkunde I unter Leitung von Prof. Dr. med.

Schmerzerkrankungen

Die Universitäre Schmerzmedizin bündelt und koordiniert die Expertise aller Kliniken, Institute und Fachzentren, die sich der Behandlung akuter und chronischer Schmerzen widmen. Wir bieten Ihnen ein ganzheitliches Konzept: Diagnostik und Therapie erfolgen interdisziplinär mit mehreren Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen im Team. In den uns angegliederten Fachzentren erarbeiten wir gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten, Physio- und Psychotherapeutinnen und -therapeuten eine genau auf Sie abgestimmte Therapiestrategie.

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Neuroonkologie

Im Schwerpunkt Klinische Neuroonkologie der Klinik für Neurologie werden Patientinnen/ Patienten mit gutartigen und bösartigen Tumoren des Gehirns, des Rückenmarks und ihrer Hüllen, mit Hirnmetastasen anderer Krebserkrankungen und mit Tumoren, die durch lokale Ausbreitung in das Schädelinnere eingedrungen sind, behandelt. Der Schwerpunkt ist assoziiert mit dem Westdeutschen Tumorzentrum, eines der größten Tumorzentren in Deutschland, und Teil eines interdisziplinären Behandlerteams. Wir bieten die neuesten medikamentösen Therapieentwicklungen und Studien mit vielversprechenden Medikamenten an.

Gerontoneurologie

Die Neuro-Ambulanz der Klinik Königshof konzentriert sich besonders auf den Schwerpunkt der gerontoneurologischen Erkrankungen. bietet eine modernste Struktur zur Vorbeugung, Erkennung, konservative und interventionelle Behandlung körperlicher und seelischer Erkrankungen im biologisch fortgeschrittenen Lebensalter. Apparative Zusatzdiagnostik mit spezifischen geriatrischen Aspekten (z.B.

Funktionelle neurologische Störungen

Als funktionell bezeichnet man neurologische Symptome, denen keine Schädigung des Nervensystems zugrunde liegt, sondern eine Fehlschaltung zwischen Bewegungskontrolle und Gedankenwelt. Zu den Krankheitsformen gehören funktionelle Bewegungsstörungen, dissoziative Anfälle, der phobische Schwankschwindel, Sensibilitätsstörungen und diverse weitere Symptome. Ausgelöst werden funktionelle neurologische Störungen häufig durch akute Krankheitszustände oder chronische Belastungen, es können jedoch eine Vielzahl von körperlichen und psychische Einflussfaktoren mitwirken.

Musikermedizin

Professionelle Musikerinnen und Musiker sind durch jahrelanges intensives Training sowie hohem Leistungs- und Konkurrenzdruck ganz besonderen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Dies kann zu sehr speziellen körperlichen aber auch psychischen Problemen führen. In der Ambulanz für Musikermedizin des Universitätsklinikums rechts der Isar arbeitet ein erfahrenes Team aus Ärzten und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen zusammen und bietet Musiker*innen ein spezialisiertes Präventions-, Diagnose- und Therapieangebot. Wir arbeiten in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musiker-Medizin (DGfMM). Spiel- bzw. gesangsbedingte Beschwerden behandeln wir interdisziplinär, angepasst an die Bedürfnisse der Musikerinnen und Musiker und Sängerinnen und Sänger.

Autoimmunerkrankungen

Für bestimmte neurologische Erkrankungen, Fragestellungen und Therapien bieten wir Spezialsprechstunden an. Hier kümmern wir uns um die Beratung und Behandlung von Patientinnen und Patienten, die an einer neurologischen Autoimmunerkrankung leiden. Sämtliche diagnostische Methoden zur Abklärung und Verlaufskontrolle neuroimmunologischer Erkrankungen stehen in unserer Klinik zur Verfügung; dabei arbeiten wir insbesondere mit der Abteilung für Neuroradiologie eng zusammen. Unser Ziel ist es, Ihnen eine individuell maßgeschneiderte Therapie zu ermöglichen - das betrifft sowohl die Auswahl und Einleitung einer geeigneten immunmodulatorischen Therapie als auch die Begleitung während der Therapie. In unserer Ambulanz stehen alle Infusionstherapien zur Verfügung.

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Ataxien

Bei den Ataxien handelt es sich um Erkrankungen, die bevorzugt das Kleinhirn betreffen. Im Vordergrund steht eine gestörte Koordination von Bewegungen, z.B. des Stehens und Gehens, von Armbewegungen oder dem Sprechen. Es gibt ganz unterschiedliche Erkrankungen, die zu Ataxien führen können. Neben Erberkrankungen [z.B. der Friedreich Ataxie oder den spinozerebellären Ataxien (SCA)] können das seltene Entzündungen oder Stoffwechselerkrankungen sein. In anderen Fällen [z.B. der sporadischen Ataxie des Erwachsenenalters (SAOA)] ist die Ursache noch nicht bekannt. Für die meisten Formen der Ataxien gibt es bisher keine wirksame medikamentöse Therapie. Nähere Informationen zu den verschiedenen Formen der Ataxie finden Sie unter www.ataxie.de, der Webseite der Deutschen Heredo-Ataxie Gesellschaft. Die Sprechstunde wird seit vielen Jahren von Frau Prof. Dr. Dagmar Timmann-Braun geleitet.Frau Timmann-Braun ist seit 1997 Mitglied des Ärztlichen Beirates der Deutschen Heredo-Ataxie Gesellschaft (DHAG).

Motoneuronerkrankungen

Motoneuronerkrankungen sind eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen, die mit dem Absterben von motorischen Nervenzellen (Motoneuronen) einhergehen. Diese Nervenzellen verlaufen vom Gehirn zum Rückenmark (1. Motoneuron) bzw. vom Rückenmark zum Muskel (2. Motoneuron). Zu der Gruppe der Motoneuronerkrankungen gehören u.a. die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und die Spinale Muskelatrophie (SMA). Zu den Aufgaben unserer Ambulanz gehört zunächst die Stellung bzw. Sicherung einer Diagnose oder die Beurteilung einer geäußerten Verdachtsdiagnose ("Zweitmeinung"). Der erste Schritt ist ein ärztliches Gespräch sowie eine umfassende körperliche Untersuchung. Im Anschluss erfolgen häufig laborchemische Analysen des Blutes und ggf. des Nervenwassers, elektrophysiologische Untersuchungen (z.B. NLG, EMG, MUNIX) und bildgebende Verfahren (z.B. MRT/CT). Im Rahmen der Ursachenfindung sind in manchen Fällen zudem gezielte molekulargenetische Untersuchungen einer Blutprobe erforderlich. Nach Diagnosestellung erfolgt eine detaillierte Beratung hinsichtlich der individuellen Prognoseabschätzung und Behandlungsmöglichkeiten. Das Therapiekonzept umfasst je nach persönlichem Bedarf den Einsatz von verschiedenen Medikamenten, Hilfsmitteln (z.B. Rollstuhl, Kommunikationshilfen, Hustenassistent) und Heilmitteln (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) sowie eine Unterstützung bei Schluck- und Atemstörungen. Wichtige Ziele sind die Verbesserung der Lebensqualität, die Verzögerung des Krankheitsfortschrittes sowie die Prävention und Behandlung von Komplikationen.

Erbliche neurologische Erkrankungen

Erbliche Erkrankungen gewinnen in der Neurologie zunehmend an Bedeutung. Dies betrifft insbesondere Muskelerkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Polyneuropathien und Bewegungsstörungen wie z.B. Ataxien, aber auch bei Schlaganfällen gibt es manchmal erbliche Ursachen. Daher arbeitet die Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen eng mit den anderen Spezialambulanzen der Klinik zusammen. Sowohl die diagnostischen Möglichkeiten („Next-Generation-Sequencing“) als auch die kausalen Therapieoptionen (z.B. Antisense-Oligonukleotid-Therapie und Genersatztherapie) befinden sich in einer rasanten Entwicklung. Bei Verdacht auf eine erbliche neurologische Erkrankung ist eine ausführliche Erhebung der Familiengeschichte wichtig, ggf. auch eine klinische Untersuchung von Familienmitgliedern. Bei vielen erblichen Erkrankungen kann mittlerweile durch den Fortschritt der molekulargenetischen Diagnostik ("Next-Generation-Sequencing") die Ursache in einer Blutprobe identifiziert werden. Manchmal ist zur Einordnung von Genveränderungen auch eine Untersuchung gesunder Familienmitglieder sinnvoll.

Diagnostische und therapeutische Verfahren

Die neurologische Ambulanz verfügt über ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Verfahren, um eine umfassende Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Zu den wichtigsten Verfahren gehören:

  • Elektrophysiologische Untersuchungen: EEG, EMG, Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen, evozierte Potentiale
  • Bildgebende Verfahren: CT, MRT, Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Gefäße
  • Liquordiagnostik: Untersuchung des Nervenwassers
  • Medikamentöse Therapien: Behandlung mit Medikamenten zur Linderung der Symptome und zur Beeinflussung des Krankheitsverlaufs
  • Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie: Unterstützende Therapien zur Verbesserung derFunktionen und zurReduzierung von Beeinträchtigungen
  • Botulinumtoxin-Injektionen: Behandlung von Dystonien, Spastik und anderen Bewegungsstörungen
  • Tiefe Hirnstimulation: Behandlung von Parkinson-Syndrom, Tremor und Dystonie
  • Immuntherapien: Behandlung von Multipler Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen

Botulinumtoxin A in der Neurologie

Botulinumtoxin A, bekannt für seine kosmetische Anwendung, hat sich als wirksam in der Behandlung neurologischer Erkrankungen erwiesen:

  • Blepharospasmus: Behandlung von unkontrolliertem Blinzeln oder Lidkrämpfen.
  • Hemispasmus facialis: Behandlung von unwillkürlichen Gesichtsbewegungen.
  • Aufgabenspezifische Dystonie: Behandlung von Dystonien, die bei bestimmten Bewegungen auftreten.
  • Sialorrhoe: Behandlung von übermäßigem Speichelfluss bei neurologischen Erkrankungen.

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