Die Periduralanästhesie (PDA), auch Epiduralanästhesie genannt, ist eine Form der Regionalanästhesie, die zur Schmerzlinderung eingesetzt wird, insbesondere während der Geburt. Sie beinhaltet die Injektion von Medikamenten in den Periduralraum, um die Schmerzsignale vom Rückenmark zum Gehirn zu blockieren. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der PDA, von der Vorbereitung und Durchführung bis hin zu potenziellen Risiken und Auswirkungen auf Mutter und Kind.
Anatomische Grundlagen
Um das Verfahren der PDA zu verstehen, ist es wichtig, die anatomischen Strukturen der Wirbelsäule und des Rückenmarks zu kennen. Die Wirbelsäule besteht aus 24 Wirbelkörpern, die durch Bänder und Muskeln stabilisiert werden. Diese Wirbelkörper bilden den Wirbelkanal, der das Rückenmark schützend umgibt.
Das Rückenmark selbst ist wie das Gehirn von einer Haut, der Dura (harte Rückenmarkshaut), umgeben. Der Raum zwischen der Dura und den Knochen der Wirbelsäule wird als Epiduralraum (Periduralraum) bezeichnet. Dieser Raum enthält Fett, Blutgefäße und die Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark austreten und für die Schmerzleitung verantwortlich sind. Bei der PDA wird das Betäubungsmittel in diesen Periduralraum injiziert.
Vorbereitung auf eine PDA
Die Vorbereitung auf eine PDA umfasst mehrere Schritte, um die Sicherheit der Patientin zu gewährleisten. Dazu gehören:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte des Patienten, einschließlich Allergien, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme.
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands des Patienten.
- Laboruntersuchungen: Überprüfung der Blutwerte, insbesondere der Gerinnungsparameter.
- Aufklärungsgespräch: Ausführliche Information des Patienten über den Ablauf der PDA, mögliche Risiken und Alternativen. Ein detaillierter schriftlicher Aufklärungsbogen sollte vor dem Gespräch genau durchgelesen und ausgefüllt werden.
- Blutverdünnende Medikamente: Die präoperative, internistisch notwendige Medikation zur Blutverdünnung (etwa Lixiana®, Pradaxa®, Eliquis® und andere sowie Ticlopidin, Marcumar, Ticagrelor, CIlostazol, Prasugel, Dipyridamol, etc. ) wird rechtzeitig auf Spritzen mit einem niedermolekularen Heparin umgestellt - oder es wird in Absprache mit dem Hausarzt anders vorgegangen. Aspirin®, Godamed®, ASS und ähnliche Medikamente brauchen Sie jedoch für eine Allgemeinanästhesie nur nach Rücksprache mit Ihrem Anästhesisten abzusetzen.
Durchführung der PDA
Die PDA wird in der Regel von einem Anästhesisten durchgeführt. Der Patient sitzt mit vornüber gebeugtem Oberkörper oder liegt mit rundem Rücken und angewinkelten Beinen auf der Seite, um den Raum zwischen den Wirbeln zu vergrößern. Der Ablauf der PDA umfasst folgende Schritte:
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- Desinfektion: Sorgfältige Desinfektion der Einstichstelle, um Infektionen zu vermeiden.
- Lokalanästhesie: Örtliche Betäubung der Einstichstelle mit einer sehr dünnen Nadel.
- Punktion: Einführung einer speziell geschliffenen Kanüle (Hohlnadel) in die Haut über der Wirbelsäule und Vorschieben der Nadel zwischen zwei Wirbeln, bis die Spitze im Periduralraum liegt. Die Punktionsstelle liegt weit unterhalb vom Rückenmark, wodurch die Verletzungsgefahr von Rückenmark oder Nervenfasern äußerst gering ist.
- Katheterisierung: Einführen eines dünnen Plastikschlauchs (Katheter) durch die Nadel in den Periduralraum. Nach Entfernen der Nadel verbleibt der Katheter im Periduralraum.
- Testdosis: Beim Erreichen des Periduralraumes wird eine kleine Testdosis gespritzt, um sicherzugehen, dass die Periduralnadel korrekt platziert wurde, und um nicht wie bei der Spinalanästhesie den Liquorraum, sondern mit der Kanüle vor der harten Rückenmarkshaut korrekt den Periduralraum zu treffen.
- Medikamentenapplikation: Injektion eines örtlichen Betäubungsmittels über den Katheter, das die Wurzeln der schmerzleitenden Nerven blockiert. Je nach Bedarf kann die Medikamentendosis kontinuierlich oder wiederholt über den Katheter verabreicht werden.
- Überwachung: Während des Eingriffs und danach werden die Vitalfunktionen des Patienten (Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung) kontinuierlich überwacht.
Etwa zehn bis 20 Minuten nach der Injektion beginnt das Medikament zu wirken. Ein Wärmegefühl breitet sich im betäubten Gebiet aus, gefolgt von Gefühllosigkeit und möglicherweise Beeinträchtigungen der Beweglichkeit.
Anwendung der PDA
Die PDA findet in verschiedenen Bereichen der Medizin Anwendung, darunter:
- Geburtshilfe: Schmerzlinderung während der Geburt ist die häufigste Anwendung der PDA. Sie ermöglicht es der Frau, die Geburt wach mitzuerleben, während die Schmerzen im Unterleib deutlich reduziert werden. Eine PDA kann auch im Fall eines Kaiserschnitts verwendet werden.
- Chirurgie: Anästhesie bei Operationen an der unteren Körperhälfte, insbesondere bei ausgedehnten Eingriffen.
- Postoperative Schmerztherapie: Längerfristige Schmerzlinderung nach Operationen über einen Periduralkatheter.
- Chronische Schmerztherapie: Behandlung chronischer Schmerzsyndrome, z. B. bei Bandscheiben- oder Wirbelgelenkserkrankungen.
- Posttraumatische Schmerzbehandlung
Vergleich mit anderen Anästhesieverfahren
Die PDA unterscheidet sich von anderen Anästhesieverfahren wie der Spinalanästhesie und der Allgemeinanästhesie.
Spinalanästhesie
Bei der Spinalanästhesie wird das Betäubungsmittel direkt in den Liquorraum, also noch näher an das Rückenmark, gespritzt. Dadurch tritt die Wirkung schneller und stärker ein als bei der PDA. Allerdings ist bei der Spinalanästhesie keine kontinuierliche Medikamentenverabreichung über einen Katheter möglich. Die Spinalanästhesie wird häufig bei Kaiserschnitten eingesetzt, wenn eine schnelle Wirkung erforderlich ist.
Allgemeinanästhesie
Bei der Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) wird der Patient in einen schlafähnlichen Zustand versetzt und spürt während der Operation keine Schmerzen. Die Allgemeinanästhesie wird bei komplexen oder langwierigen Eingriffen eingesetzt, bei denen eine Regionalanästhesie nicht ausreichend ist. In manchen Fällen kann die PDA mit einer leichten Vollnarkose kombiniert werden, um die Vorteile beider Verfahren zu nutzen.
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Mögliche Nebenwirkungen und Risiken der PDA
Wie bei jedem medizinischen Eingriff birgt auch die PDA gewisse Risiken und Nebenwirkungen.
Häufige Nebenwirkungen
- Blutdruckabfall: Durch die Wirkung des Lokalanästhetikums kann es zu einem Blutdruckabfall kommen, der Schwindel und Übelkeit verursachen kann. Dies lässt sich jedoch in der Regel medikamentös gut beherrschen.
- Probleme beim Wasserlassen: Die Betäubung des Unterleibs kann zu vorübergehenden Problemen beim Wasserlassen führen. In diesem Fall kann ein Blasenkatheter erforderlich sein.
- Juckreiz: Als Zeichen der einsetzenden Wirkung kann es zu Juckreiz der Haut kommen, oft an den Oberschenkeln.
- Fieber: Gelegentlich entwickeln Frauen einige Stunden nach dem Legen der PDA vorübergehend Fieber.
- Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit: Je nach Dosierung der PDA kann es sein, dass die Beine taub und kraftlos werden, sodass die Patientin vorübergehend nicht aufstehen kann.
Seltene, aber schwerwiegende Komplikationen
- Postpunktionelle Kopfschmerzen: Wenn bei der Anlage des Periduralkatheters die harte Rückenmarkshaut (Dura mater) verletzt wird, kann es zu starken Kopfschmerzen kommen, die einige Tage andauern können. Diese Kopfschmerzen können durch viel Trinken, Schmerzmittel und Bettruhe gelindert werden. In manchen Fällen ist ein sogenannter "Blood-Patch" (Eigenblutpflaster) erforderlich, um die Kopfschmerzen zu beseitigen.
- Nervenverletzungen: In sehr seltenen Fällen kann es bei der PDA zu Nervenverletzungen kommen, die zu Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen führen können. Eine Querschnittslähmung ist jedoch extrem selten.
- Hohe Blockade: Wenn das Betäubungsmittel nicht korrekt platziert wird, kann es zu einer sogenannten hohen Blockade kommen, bei der auch die Nerven für das Herz und das Zwerchfell betäubt werden. Dies kann zu einer lebensbedrohlichen gehemmten Herztätigkeit und Atemstillstand führen.
- Infektionen: In seltenen Fällen kann es an der Einstichstelle zu Infektionen kommen, die eine antibiotische Behandlung erfordern.
- Spinale Blutung: Nach der Periduralanästhesie ist eine spezielle, neurologische Überwachung angezeigt, da in seltenen Fällen die Möglichkeit einer Spinalblutung besteht. Diese kann zu starken radikulären Schmerzen (Schmerzen entlang der Einzugsgebiete der Nervenwurzeln aus dem Rückenmark), fortschreitenden motorischen und sensiblen Ausfällen sowie zu Blasenentleerungsstörungen führen und muss sofort neurologisch behandelt werden.
- Arteria-spinalis-anterior-Syndrom: Ischämie (Durchblutungsstörung) des Rückenmarks durch Verletzung der A.
- Neurogene Schädigung
Auswirkung auf das Kind
Jedes Medikament, das die Mutter während der Geburt erhält, gelangt über die Nabelschnur auch in den Körper des Kindes. Dies gilt auch für die Narkosemittel, die bei der PDA eingesetzt werden. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Medikamente in der Regel nur in geringem Umfang in den kindlichen Kreislauf gelangen und keine nachteiligen Auswirkungen auf das Kind haben. Gelegentlich kann es zu einem kurzzeitigen Herztonabfall des Kindes (fetale Bradykardie) kommen, der jedoch in der Regel keine Auswirkungen auf den Zustand des Kindes nach der Geburt hat.
Auswirkungen der PDA auf den Geburtsverlauf
Die PDA kann den Geburtsverlauf in unterschiedlicher Weise beeinflussen.
- Geburtsdauer: Geburten mit einer PDA dauern im Durchschnitt etwas länger, möglicherweise weil sich einige Kinder dann langsamer in die richtige Geburtsposition drehen.
- Verwendung von Saugglocke oder Geburtszange: Geburten mit einer PDA müssen etwas häufiger durch eine Saugglocke oder eine Geburtszange unterstützt werden. Davor ist außerdem meist ein Dammschnitt nötig, der dann genäht werden muss.
- Pressdrang: Viele Frauen spüren aufgrund der PDA nicht, wann und wohin sie pressen müssen. Dann müssen Hebammen, Ärztinnen oder Ärzte ihnen sagen, wann sie mit dem Pressen anfangen sollen.
- Kaiserschnittrate: Eine PDA erhöht nicht das Risiko für einen Kaiserschnitt.
- Bewegungsfreiheit: Die PDA wird möglichst so dosiert, dass die Frau aufstehen und umhergehen kann (Walking-PDA). Je nach Dosierung kann es aber sein, dass ihre Beine taub und kraftlos werden, sodass sie vorübergehend nicht aufstehen kann oder unsicher auf den Beinen ist.
Kontraindikationen für eine PDA
In bestimmten Fällen darf keine PDA gelegt werden. Zu den Kontraindikationen gehören:
- Gerinnungsstörungen: Frauen mit Gerinnungsstörungen oder Einnahme gerinnungshemmender Medikamente sollten dies mit dem geburtshilflichen Team besprechen.
- Infektionen im Punktionsbereich: Bei Infektionen im Bereich der Einstichstelle darf keine PDA gelegt werden.
- Allergie gegen Lokalanästhetika: Bei einer Allergie gegen lokale Betäubungsmittel ist die PDA kontraindiziert.
- Sehr niedriger Blutdruck: Bei einem sehr niedrigen Blutdruck kann keine PDA gelegt werden.
- Blutungsneigung: Um epidurale Blutungen zu vermeiden, ist eine Blutungsneigung eine absolute Kontraindikation für eine rückenmarknahe Analgesie. Daneben müssen entsprechende Richtlinien in Bezug auf die Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten eingehalten werden.
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