Fußprobleme sind weit verbreitet und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Kleine Verletzungen, Fehlstellungen oder Erkrankungen können das komplexe System der Füße stören und jeden Schritt zur Qual machen. In diesem Artikel werden wir uns mit Kleinzehendeformitäten befassen, einschließlich ihrer Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien.
Die komplexe Anatomie des Fußes
Der Fuß ist ein komplexes Organsystem aus 26 Knochen und etwa 30 Gelenken, die durch Muskeln, Sehnen und Bänder zusammengehalten werden. Ähnlich wie an den Händen werden auch die Fußknochen von dynamischen und statischen Stabilisatoren zusammengehalten. Zu den dynamischen Stabilisatoren, die willentlich beeinflusst werden können, zählen sämtliche Muskeln mit den dazugehörigen Sehnen. Zu den nicht willentlich ansteuerbaren Stabilisatoren zählen beispielsweise die Gelenkkapseln, die von Bändern verstärkt sind.
Ursachen von Fußproblemen
Die gängigsten Fußprobleme lassen sich nach der Stelle ihres Auftretens einteilen: Vorfuß, Mittelfuß und Rückfuß mit Ferse. Generell sind diese Deformitäten fast immer multifaktoriell, selten ist nur ein einziger Auslöser verantwortlich.
Genetische Veranlagung
Eine genetische Prädisposition kann eine Rolle bei der Entstehung von Fußdeformitäten spielen. Oft haben bereits Mutter und Großmutter einer Patientin dieselben Probleme (sog. positive Familienanamnese).
Muskuläre Dysbalance
Eine muskuläre Dysbalance gilt als häufigste Ursache für Kleinzehendeformitäten. Wer davon betroffen ist, sollte schon früh beginnen, aktiv dagegen anzusteuern.
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Verkürzte Wadenmuskulatur
Eine verkürzte Wadenmuskulatur kann für den Hallux valgus verantwortlich sein, denn dies führt dazu, dass man oft wie auf Zehenspitzen läuft und dabei den Vorfuß übermäßig belastet.
Schuhe
Orthopäden wissen heute, dass die herkömmliche Lehrmeinung, hohe und enge Schuhe seien in erster Linie dafür verantwortlich, so nicht mehr haltbar ist. Schlechtes Schuhwerk, etwa mit hohen Absätzen, kann einem Hallux valgus Vorschub leisten. Wesentlich bedeutsamer scheint aber dessen negativer Einfluss auf das Voranschreiten der Deformität zu sein.
Neuropathie
Beim diabetischen Fuß führt die Zuckerkrankheit (Diabetes) zu einer Schädigung vieler großer und zahlreicher kleiner, peripherer Nerven (Polyneuropathie) und der großen und kleinen Blutgefäße (Makro- und Mikroangiopathie). Weil sowohl Blutgefäße als auch Nerven beim diabetischen Fuß geschädigt sind, kann ein Patient kleinere Verletzungen nicht wahrnehmen.
Kleinzehendeformitäten
Solche Verformungen beziehen sich auf die Kleinzehenstrahlen, also die Zehen zwei bis fünf. Mediziner sprechen in dem Fall von Kleinzehendeformitäten, oft treten sie allerdings in Kombination mit dem Hallux valgus auf.
Hammerzehe
Bei einer Hammerzehe ist das Zehenmittelgelenk (PIP-Gelenk) gebeugt, während das Zehengrundgelenk (MTP-Gelenk) und das Endgelenk (DIP-Gelenk) überstreckt sind.
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Krallenzehe
Bei einer Krallenzehe sind sowohl das Zehenmittelgelenk (PIP-Gelenk) als auch das Zehenendgelenk (DIP-Gelenk) gebeugt.
Ursachen von Kleinzehendeformitäten
Eine muskuläre Dysbalance gilt als häufigste Ursache für Kleinzehendeformitäten. Weitere Ursachen können sein:
- Enge oder schlecht sitzende Schuhe
- Hallux valgus
- Neurologische Erkrankungen
- Verletzungen
Symptome von Kleinzehendeformitäten
- Schmerzen beim Gehen oder Stehen
- Schwielen oder Hühneraugen an den Zehen
- Schwierigkeiten beim Tragen von Schuhen
- Verformung der Zehen
Behandlung von Kleinzehendeformitäten
Nicht jede Zehendeformität muss gleich operiert werden. Bei milden Verformungen kann man versuchen, regelmäßig bestimmte Kräftigungs- und Dehnübungen durchzuführen und konservativ-orthopädisch einzugreifen, also zum Beispiel Einlagen, Zehenspreizer und Hallux-Schienen zu verwenden. Rückgängig machen lässt sich das Problem damit zwar eher selten, immerhin jedoch oft aufhalten oder ein Fortschreiten verlangsamen.
Konservative Behandlung
- Schuhwechsel: Tragen von Schuhen mit ausreichend Platz für die Zehen
- Einlagen: Individuell angepasste Einlagen können helfen, die Fußstellung zu korrigieren und die Belastung zu verteilen.
- Zehenspreizer: Zehenspreizer können helfen, die Zehen in ihrer natürlichen Position zu halten und Druckstellen zu vermeiden.
- Kräftigungs- und Dehnübungen: Regelmäßige Übungen können helfen, die Muskeln zu stärken und die Flexibilität der Zehen zu verbessern. In vielen Fällen kann bei Übungen gegen Vorfußdeformitäten die Hilfe von Physiotherapeuten sinnvoll sein, nach deren Anleitung man dann selbständig üben muss.
- Podologische Behandlung: Ein Podologe kann Hornhaut entfernen, Hühneraugen behandeln und bei der Nagelpflege helfen.
Operative Behandlung
Liegt jedoch eine höhergradige Deformität vor und ist ein gewisses Maß an Fehlstellung erreicht, so kann nur noch eine fachgerecht durchgeführte Operation die Beschwerden lindern und die Fehlstellung korrigieren. Eine lang anhaltende Fehlstellung führt häufig zu irreversiblen Schädigungen (Arthrose) des betroffenen Gelenks. Deshalb kann auch bei einer schmerzfreien Fehlstellung der richtige Zeitpunkt einer Operation verpasst werden. In vielen Fällen kann eine Hallux valgus- und Hammer- oder Krallenzehehndeformität inzwischen erfolgreich minimal-invasiv durch den in dieser Technik geschulten und entsprechend erfahrenen Operateur korrigiert werden. Eine bessere Beweglichkeit der Großzehe, weniger Schmerzen und deutlich kleinere Narben sind die Vorteile dieser Operationstechnik. Diese Techniken werden jedoch nicht von jedem Orthopäden angeboten und erfordern eine spezielle Ausbildung.
- Arthroplastik: Entfernung eines Teils des Gelenks, um die Beweglichkeit zu verbessern
- Arthrodese: Versteifung des Gelenks, um Schmerzen zu lindern
- Osteotomie: Durchtrennung und Neuausrichtung des Knochens, um die Zehe zu begradigen
Prävention von Fußproblemen
- Barfußlaufen: Wer gesunde, stabile Füße hat, dem empfehlen Mediziner so oft wie möglich, zum Beispiel am Strand, barfuß zu laufen, denn dabei müssen die Muskeln zwischen den Fußknochen, die sog. intrinsische Muskelgruppen, sehr viel mehr arbeiten als in steifen Schuhen. Auf diese Weise kann man verhindern, dass diese Muskeln nachlassen und sich ein Ungleichgewicht zu den extrinsischen Fußmuskeln, welche ihren Ursprung am Unterschenkel haben, ausbildet.
- Geeignetes Schuhwerk: Tragen von Schuhen mit ausreichend Platz für die Zehen, guter Unterstützung des Fußgewölbes und flachem Absatz
- Regelmäßige Fußpflege: Regelmäßiges Waschen, Trocknen und Eincremen der Füße, sowie das Schneiden der Zehennägel
- Kräftigungs- und Dehnübungen: Regelmäßige Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur und Verbesserung der Flexibilität
- Gewichtskontrolle: Übergewicht kann die Füße zusätzlich belasten und das Risiko von Fußproblemen erhöhen.
- Diabetiker sollten ihre Füße täglich auf Verletzungen untersuchen und regelmäßig einen Podologen aufsuchen.
Der diabetische Fuß
Beim diabetischen Fuß kommt es durch die Polyneuropathie und die Schädigung der Blutgefäße zu einer verminderten Wahrnehmung von Verletzungen und einer schlechten Wundheilung. Dies kann zu schweren Komplikationen wie Infektionen und Amputationen führen.
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Vorbeugung und Behandlung des diabetischen Fußes
- Gute Blutzuckereinstellung: Eine gute Blutzuckereinstellung ist entscheidend, um Nerven- und Gefäßschäden zu vermeiden.
- Regelmäßige Fußuntersuchung: Diabetiker sollten ihre Füße täglich auf Verletzungen untersuchen und regelmäßig einen Podologen aufsuchen.
- Geeignetes Schuhwerk: Diabetiker sollten Schuhe mit ausreichend Platz für die Zehen, guter Unterstützung des Fußgewölbes und ohne Druckstellen tragen.
- Sorgfältige Wundversorgung: Kleine Verletzungen sollten sofort desinfiziert und mit einem sterilen Verband versorgt werden. Bei größeren Wunden sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Rauchverzicht: Rauchen verschlechtert die Durchblutung und erhöht das Risiko von Komplikationen.
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