Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen sind weit verbreitete Probleme, die viele Menschen im Laufe ihres Lebens betreffen. Zahlreiche freiverkäufliche Präparate versprechen Abhilfe und werben damit, die Gehirnleistung bis ins hohe Alter zu erhalten. Doch welche Inhaltsstoffe stecken in diesen "Gehirntabletten", wie wirken sie und welche Risiken sind mit ihrer Einnahme verbunden?
Einleitung
Mit zunehmendem Alter nimmt die Hirnleistung oft ab, was zu Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen führen kann. Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihre geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern, insbesondere in Zeiten von Prüfungsangst, Arbeitsdruck oder belastenden Arbeitsverhältnissen. Freiverkäufliche Präparate, sogenannte "Gehirntabletten", versprechen hier Abhilfe. Diese Nahrungsergänzungsmittel enthalten unterschiedliche Wirkstoffe, die laut Werbung das Gehirn fit halten sollen. Doch halten diese Präparate, was sie versprechen?
Inhaltsstoffe und ihre angebliche Wirkung
Die Vielfalt der Inhaltsstoffe in Gehirntabletten ist groß. Einige Beispiele sind:
- Grüner Tee, Guarana-Koffein, Vitamin B, Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) und Zitronenmelisse: Diese Mixtur wird in Kapselform als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass diese Kapseln tatsächlich das Gedächtnis verbessern. Da sie als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden, muss der Hersteller keine Wirksamkeit belegen.
- Vitamin B12, Vitamin B5, Zink, Folsäure, DHA und Cholin: Cholin wird im Körper im besten Fall in den Botenstoff Acetylcholin umgewandelt, der wichtig für das Gehirn ist. Es gibt jedoch keine Studien, die belegen, dass Cholin die Entwicklung einer Demenz verhindern kann. Der Körper stellt Cholin in geringem Umfang selbst her und nimmt es ausreichend über die Nahrung auf.
- Ginkgo biloba: Ginkgo-Präparate werden als natürliche "Gehirn-Power" mit Anti-Stress-Formel beworben. Eine Langzeitstudie hat jedoch gezeigt, dass der Spezial-Extrakt den geistigen Verfall nicht aufhalten kann. Lediglich Patienten mit dementiellen Symptomen und Verhaltensstörungen können von einer hohen Dosis (240 mg) Ginkgo pro Tag profitieren.
Ginkgo Biloba: Ein genauerer Blick
Der Ginkgobaum zählt zu den ältesten Pflanzen unserer Erde und wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin seit mehr als 2.000 Jahren für seine heilende Wirkung eingesetzt. Seine fächerförmigen Blätter enthalten wertvolle Wirkstoffe, die das Gedächtnis und die Konzentration unterstützen können.
Wirkungsweise von Ginkgo Biloba
Ginkgo biloba verbessert die Durchblutung im Gehirn und schützt Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen. Die Wirkstoffe aus den Blättern unterstützen die Funktion von Botenstoffen im Gehirn, die für Gedächtnis und Lernen wichtig sind. Dadurch können sich Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit verbessern.
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Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen beeindruckende Ergebnisse: Bei Teilnehmenden, die Ginkgo biloba Extrakt in einer höheren Dosierung von 240 mg pro Tag einnahmen, verbesserte sich die Gedächtnisleistung messbar. Diese Wirkung entsteht durch mehrere Mechanismen. Zum einen fördert Ginkgo biloba die Durchblutung im Gehirn, was die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Nervenzellen optimiert.
Besonders interessant erscheint die Wirkung bei Menschen mit Demenz oder Alzheimer. Studien deuten darauf hin, dass Ginkgo biloba den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung verlangsamen kann. Betroffene bewältigen alltägliche Tätigkeiten wie Haushaltsarbeiten oder die eigene Körperpflege zumindest vorübergehend wieder etwas besser.
Inhaltsstoffe von Ginkgo Biloba
Die wirksamen Substanzen des Ginkgo biloba befinden sich in den Blättern. Sie enthalten spezielle Verbindungen wie Diterpene, die vorwiegend aus den Ginkgoliden A, B und C bestehen. Daneben kommen Sesquiterpene vor, besonders die Substanz Bilobalid. Für die positiven Effekte auf Gedächtnis und Konzentration ist das Zusammenspiel der verschiedenen Inhaltsstoffe verantwortlich. Die Flavonoide, Ginkgolide und Terpene wirken gemeinsam, um die Gehirnfunktion zu verbessern. Sie unterstützen die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und fördern die Bildung neuer Verbindungen im Gehirn.
Neben der positiven Wirkung auf die Gehirnfunktion verbessert Ginkgo biloba auch die Fließeigenschaften des Blutes. Die Inhaltsstoffe greifen hemmend in die Blutgerinnung ein und fördern so die Durchblutung im gesamten Körper. Auch bei Tinnitus (Ohrgeräuschen) wird Ginkgo biloba eingesetzt. Seine Inhaltsstoffe können die Durchblutung fördern und dadurch Ohrgeräusche lindern. Allerdings fehlen für diese Anwendung eindeutige wissenschaftliche Belege.
Anwendung und Dosierung von Ginkgo Biloba
Bei Demenz und altersbedingten Gedächtnisstörungen zeigt Ginkgo biloba in der richtigen Dosierung messbare Erfolge. Wissenschaftliche Studien belegen, dass besonders eine höhere Dosierung von 240 mg pro Tag die Gedächtnisleistung verbessern kann. Bei dieser Dosierung bewältigen Betroffene alltägliche Tätigkeiten wie Haushaltsarbeiten oder die eigene Körperpflege zumindest vorübergehend wieder etwas besser. Interessanterweise zeigt Ginkgo biloba in niedrigeren Dosierungen deutlich weniger Wirkung. Studien belegen, dass eine Dosierung von 120 mg pro Tag keine eindeutige Wirkung auf Alzheimer-Symptome hat. Dies unterstreicht, wie wichtig die richtige Menge für den therapeutischen Erfolg ist.
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Geduld erweist sich als wichtiger Faktor bei der Anwendung von Ginkgo biloba. Die Substanzen aus dem Ginkgobaum entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern erst nach mehrwöchiger regelmäßiger Einnahme. Fachleute empfehlen, das Medikament für mindestens acht Wochen einzunehmen, um positive Effekte zu erzielen.
Risiken und Nebenwirkungen von Ginkgo Biloba
Ginkgo biloba gilt als vergleichsweise gut verträglich. In wissenschaftlichen Untersuchungen zeigten sich bei Teilnehmenden, die Ginkgo-Präparate nahmen, nicht häufiger Nebenwirkungen als bei denen, die ein Scheinmedikament erhielten. Dennoch können bei manchen Menschen unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten. Besondere Vorsicht gilt bei der Kombination mit anderen Medikamenten. Arzneimittel mit Ginkgo können die Blutungsneigung erhöhen und Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten erzeugen. Dies betrifft beispielsweise ASS (Acetylsalicylsäure) und Warfarin. Die Substanzen aus den Ginkgo-Blättern verstärken möglicherweise die Wirkung dieser Medikamente, was zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen kann. Wer Ginkgo biloba einnehmen möchte und gleichzeitig andere Medikamente verwendet, sollte dies unbedingt mit medizinischem Fachpersonal besprechen.
Gegenanzeigen für Ginkgo Biloba
Ginkgo biloba ist nicht für jede oder jeden geeignet. Bestimmte Personengruppen sollten auf die Einnahme verzichten oder besondere Vorsicht walten lassen. Schwangere Frauen dürfen Ginkgo-Präparate nicht verwenden. Auch Menschen mit Allergien gegen Bestandteile von Ginkgo biloba sollten die Finger davon lassen. Tebonin konzent und andere Ginkgo-Präparate darf man nicht einnehmen, wenn man allergisch auf Ginkgo biloba oder einen der anderen Bestandteile des Medikaments reagiert. Besonders die in Ginkgo-Blättern enthaltenen Ginkgolsäuren können Allergien auslösen.
Qualität von Ginkgo-Produkten
Bei der Auswahl eines geeigneten Produkts lohnt sich ein genauer Blick auf die Qualität. Nicht alle Präparate bieten die gleiche Wirksamkeit. Aus einem Ginkgoblätter-Tee werden die wirksamen Stoffe nur unzureichend herausgelöst. Um eine therapeutische Wirkung zu erzielen, müssen die aktiven Substanzen in Extrakten aufkonzentriert werden. Eine Untersuchung von 28 Ginkgo-Produkten ergab, dass 18 mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durchfielen. Gerade einmal ein Arzneimittel mit Ginkgo erhielt die Note „gut“.
Teure Produkte sind frei von Ginkgolsäure. Gingolsäuren sind in den Blättern enthalten, aus denen der Extrakt gewonnen wird. In höher Konzentration können sie zu Magen-Darm-Beschwerden führen und Allergien auslösen.
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Nootropika: Mehr als nur Ginkgo
Neben Ginkgo biloba gibt es eine Vielzahl weiterer Substanzen, die als Nootropika oder "Smart Drugs" beworben werden. Diese sollen die kognitiven Funktionen, das Gedächtnis, die Konzentration und sogar das emotionale Wohlbefinden positiv beeinflussen.
Was sind Nootropika?
Der Begriff „Nootropika“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "geistdrehend". Es handelt sich um Präparate wie Nahrungsergänzungsmittel, die zur Steigerung der Gehirnleistung und kognitiven Fähigkeiten eingesetzt werden. Je nach Substanz sind die „Smart Drugs“ entweder frei verkäuflich oder verschreibungspflichtig.
Natürliche Nootropika, die beispielsweise in Kräuterextrakten, Aminosäuren und Vitaminen vorkommen, gelten als ungiftig und bergen in der Regel keine Suchtgefahr. Synthetische Nootropika hingegen weisen oft eine stärkere Wirkung auf, können jedoch auch zahlreiche Nebenwirkungen mit sich bringen.
Anwendungsbereiche von Nootropika
Die Nutzung von Nootropika lässt sich in drei verschiedene Anwendungsbereiche unterteilen:
- Gehirndoping (Cognitive Enhancement): Hierbei werden verschreibungspflichtige Mittel oder sogar Betäubungsmittel genutzt, um kognitive Fähigkeiten deutlich über das normale Maß hinaus zu steigern. Die Anwendung durch gesunde Menschen gilt als Missbrauch und ist strengstens verboten.
- Soft-Enhancement (Optimierung im Alltag): Hier geht es um eine sanfte Verbesserung der kognitiven Funktionen mit frei verkäuflichen Substanzen wie Koffein oder pflanzlichen Stoffen.
- Mood Enhancement (Stimmungsverbesserung): Hier werden Nootropika zur Stimmungsaufhellung oder zur Stressbewältigung eingesetzt, beispielsweise Johanniskraut.
Wirkungen und Risiken von Nootropika
Nootropika wirken auf sehr unterschiedliche Weise. Sie können kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Motivation, Kreativität, Wachsamkeit, Aufnahmefähigkeit und Denkfähigkeit steigern. Zudem fördern einige die Durchblutung und können den altersbedingten Rückgang der Gehirnfunktion verlangsamen. Je nach Art können Nootropika auch dazu beitragen, die mentale Gesundheit zu verbessern.
Die erhoffte Wirkung kann jedoch ausbleiben oder hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben. Insbesondere bei verschreibungspflichtigen Nootropika besteht ein erhöhtes Risiko der Abhängigkeitsentwicklung. Stattdessen sollten Sie besser auf effektives Stressmanagement, eine gute Schlafhygiene und regelmäßige Pausen im Arbeits- und Alltag setzen.
Synthetische Nootropika können Nebenwirkungen haben, darunter Schlafstörungen, Nervosität oder Kopfschmerzen. Zudem sind die Langzeitfolgen vieler „Smart Drugs“ noch nicht ausreichend erforscht. Einige Medikamente haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial, insbesondere verschreibungspflichtige Präparate.
Beispiele für Nootropika
- L-Theanin: Diese Aminosäure, die in Teeblättern enthalten ist, kann stressreduzierend, beruhigend, angstlösend und konzentrationsfördernd wirken.
- Koffein: Koffein, enthalten in Kaffee, Schwarz- und Grüntee, Mate oder Guarana, kann die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit steigern. Allerdings sind auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Unruhe, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Zittern, Bluthochdruck oder Herzrasen möglich.
- Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren können Gehirnzellen schützen, Entzündungen verringern und das Gedächtnis verbessern.
- Kreatin: Kreatin unterstützt die Energieproduktion im Gehirn und steigert die körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit.
- Cholin: Cholin ist ein essenzieller Nährstoff, der für die Gehirnentwicklung, kognitive Funktionen und die Zellmembranen wichtig ist.
- Vitamin B12: Vitamin B12 ist wichtig für die Blutbildung, das Nervensystem und die kognitive Funktion.
- Bacopa monnieri (Kleines Fettblatt): Diese asiatische Pflanze soll antioxidativ und entzündungshemmend wirken, die Gedächtnisleistung steigern sowie Stress und Angst reduzieren.
- Ginseng: Ginseng wird traditionell zur Förderung von Gedächtnis, Energielevel und Stressresistenz eingesetzt.
- Adaptogene: Adaptogene sind natürliche Pflanzenstoffe, die die Widerstandskraft gegen Stress und Erschöpfung stärken können, beispielsweise Rhodiola rosea (Rosenwurz) und Ashwagandha.
Die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Gehirns. Bestimmte Nährstoffe sind besonders wichtig für die kognitiven Funktionen:
- Vitamine: B-Vitamine (B1, B5, B12, Folsäure) sind wichtig für den Energiestoffwechsel im Gehirn und tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Vitamin C trägt zur Bildung von Kollagen bei, das für die Struktur der Blutgefäße im Gehirn wichtig ist.
- Mineralstoffe: Zink ist ein Spurenelement, das für viele Körperfunktionen relevant ist, einschließlich der Gehirnfunktion. Magnesium unterstützt die Funktion von Muskeln, Nerven und Energiestoffwechsel.
- Omega-3-Fettsäuren: DHA (Docosahexaensäure) ist eine Omega-3-Fettsäure, die zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion beiträgt.
- Cholin: Cholin ist ein semiessentieller Nährstoff, der für die Herstellung des Neurotransmitters Acetylcholin benötigt wird, der für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen verantwortlich ist.
- L-Glutamin: L-Glutamin ist ein Baustein der Neurotransmitter-Synthese und kann Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit unterstützen.
Alternativen zu Gehirntabletten
Bevor man zu Gehirntabletten greift, sollte man zunächst andere Möglichkeiten zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit in Betracht ziehen:
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten versorgt das Gehirn mit wichtigen Nährstoffen.
- Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung fördern die Durchblutung des Gehirns und können die kognitiven Funktionen verbessern.
- Ausreichend Schlaf: Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Gehirns und die Festigung von Gedächtnisinhalten.
- Stressmanagement: Stress kann die Gehirnleistung beeinträchtigen. Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
- Mentales Training: Regelmäßiges mentales Training, wie z.B. Gedächtnisübungen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten, kann die Gehirnleistung verbessern.