Gehirntraining mit Controllern: Studien und Perspektiven

Einführung

Die Idee des Gehirntrainings, oft auch als "Gehirnjogging" bezeichnet, hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen. Hersteller versprechen, dass solche Trainings den Geist fit halten und sogar Demenz vorbeugen können. Doch die wissenschaftliche Evidenz für diese Behauptungen ist oft dünn. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Studien zum Thema Gehirntraining, insbesondere im Zusammenhang mit der Nutzung von Controllern und Videospielen, und diskutiert die potenziellen Vor- und Nachteile.

Die Herausforderung des Gehirnjoggings

Frühe Studien, wie die von der BBC-Show „Bang goes the theory“ in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Cambridge durchgeführte, zeigten, dass Teilnehmer zwar in den geübten Aufgaben besser wurden, dieser Effekt aber nicht auf andere kognitive Bereiche übertragbar war. Adrian Owen von der Universität Cambridge fasste dies treffend zusammen: „Übung macht den Meister. Das wissen wir. Aber wer Geige spielt, wird dadurch nicht zum Trompeten-Virtuosen.“

Diese Erkenntnisse stellten die Wirksamkeit von pauschalen Gehirnjogging-Programmen in Frage und führten zu einer differenzierteren Betrachtung des Themas.

NeuroRacer: Ein gezieltes Gehirntraining

Ein vielversprechender Ansatz kommt von Adam Gazzaley und seinem Team an der Universität von Kalifornien in San Francisco. Sie entwickelten das Spiel „NeuroRacer“, das speziell darauf abzielt, die kognitive Kontrolle älterer Menschen zu verbessern. Kognitive Kontrolle bezieht sich auf die Fähigkeit, sich nicht ablenken zu lassen und mehrere Dinge gleichzeitig im Kopf zu behalten, um ein Ziel zu erreichen.

Wie funktioniert NeuroRacer?

In „NeuroRacer“ steuert der Spieler ein Auto auf einer kurvenreichen Straße und muss gleichzeitig mit dem Zeigefinger bestimmte Zeichen abschießen, die unberechenbar auftauchen. Nur wer beides meistert, erreicht den nächsten Level. Das Spiel wird mit der Zeit schwieriger, indem das Auto schneller wird, die Straße kurviger oder die Zeichen kürzer angezeigt werden.

Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben

Ergebnisse der Studie

Die Studie von Gazzaley zeigte, dass ältere Menschen, die vier Wochen lang drei Mal pro Woche für eine Stunde „NeuroRacer“ spielten, ihre kognitive Kontrolle deutlich verbesserten. Sie erreichten das Niveau von ungeübten 20-Jährigen. Die Messung der Hirnströme bestätigte diese Verbesserung. Zudem schnitten die Senioren, die das komplette Spiel absolvierten, auch besser in Tests zum Arbeitsgedächtnis ab und blieben bei langweiligen Aufgaben aufmerksamer.

Übertragbarkeit der Ergebnisse

Gazzaley argumentiert, dass die Verbesserungen in der kognitiven Kontrolle auf andere Bereiche übertragbar sind, da das Spiel ein Nervenzell-Netzwerk schult, das Überschneidungen mit denen für kognitive Kontrolle hat. Allerdings betont er, dass weitere Forschung notwendig ist, um die Auswirkungen auf den Alltag zu beweisen.

Kritik an der Studie

Adam Hampshire vom Imperial College London bleibt skeptisch. Er argumentiert, dass Gazzaleys Daten nicht ausreichen, um Videospiele generell als empfehlenswert für ältere Menschen einzustufen. Er betont, dass man keine pauschalen Urteile fällen könne und dass der Teufel im Detail stecke. Spieleentwickler sollten genau wissen, welches Defizit sie verbessern wollen, was dabei im Hirn geschieht und danach das Spiel entwerfen und überprüfen.

Computerspiele als Prävention von Demenz

Neuere Studienergebnisse legen nahe, dass Computerspiele nicht nur die kognitive Kontrolle verbessern, sondern auch einer Demenz vorbeugen können. Spiele können geistig fit halten, und gezieltes Gehirntraining wirkt sich positiv auf den Körper aus. Der Spaß sollte dabei nie zu kurz kommen.

Wie fördern Spiele das Gehirn?

Spielende Senioren sollten neuen Reizen ausgesetzt werden, um das Wachstum von Nervenzellen im Hippocampus anzuregen. Der Hippocampus ist entscheidend daran beteiligt, dass Inhalte von unserem Kurz- in das Langzeitgedächtnis überführt werden.

Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.

Beispiele für geeignete Spiele

Ein Beispiel ist das von Adam Gazzaley entwickelte Computerspiel, bei dem ein Fahrzeug durch enge Straßen manövriert werden soll. Gleichzeitig hat der Spieler die Aufgabe, verschiedene Symbole am Bildschirm wegzuklicken. Ein weiteres Projekt ist die gestengesteuerte Spielekonsole memoreCare, die für Senioren in Betreuungseinrichtungen entwickelt wurde und abwechslungsreiche Spiele bietet, mit dem Ziel, die physische und geistige Gesundheit zu fördern.

Analoge Spiele als Alternative

Auch beliebte analoge Spiele wie Kniffel, Scrabbel oder Sudoku lassen sich online spielen und können die geistige Leistungsfähigkeit anregen.

Videospiele und Hirnstrukturen

Deutsche Forscher haben herausgefunden, dass Videospielen Hirnbereiche vergrößert, die für räumliche Orientierung, Gedächtnisbildung, strategisches Denken sowie Feinmotorik bedeutsam sind. In einer Studie spielten Erwachsene über zwei Monate hinweg täglich 30 Minuten das Videospiel „Super Mario 64“. Die anschließende Untersuchung der Gehirnstrukturen mittels Magnetresonanztomographie (MRT) zeigte eine Vergrößerung des rechten Hippokampus, des präfrontalen Kortex und Teile des Kleinhirns.

Positive Effekte von Videospielen

  • Steigerung der kognitiven Fähigkeiten
  • Verbesserung der Reaktionsgeschwindigkeit, Gedächtnisleistung und des räumlichen Denkens
  • Förderung der Fähigkeit zur kreativen Problemlösung
  • Stärkung der Konzentration
  • Förderung des Einfühlungsvermögens

"Serious Games"

Neben Unterhaltungsspielen entwickeln Spielehersteller auch sogenannte "Serious Games", die Bildungsinhalte vermitteln und darauf abzielen, Wissen zu erweitern sowie geistige Fähigkeiten zu verbessern.

Kognitives Training im Breitensport

Das TSG ResearchLab in Zuzenhausen führt Studien zum kognitiven Training im Breitensport durch. Dabei werden innovative Technologien wie die Helix-Arena und Virtual-Reality-Brillen eingesetzt, um die kognitiven Fähigkeiten von Sportlern zu verbessern.

Lesen Sie auch: Tinnitus und Gehirnaktivität: Ein detaillierter Einblick

Exergames: Sportliche Aktivitäten vor dem Bildschirm

Exergames sind interaktive Videospiele, die körperliche Bewegung mit spielerischen Elementen kombinieren. Sie fördern die Fitness und trainieren kognitive Fähigkeiten. Studien belegen deutliche kortikale Aktivitäten bei der Nutzung von Exergames, insbesondere im frontalen Gehirnbereich.

Vorteile von Exergames

  • Förderung der körperlichen Fitness
  • Stimulierung von Gehirnarealen, die für die Kognition wichtig sind
  • Motivation zur Bewegung in einer sicheren Umgebung
  • Keine Berührungsängste mit der Technik bei Senioren

Gehirnjogging: Mythos und Realität

Kreuzworträtsel, Sudokus, Gehirnjogging-Übungen auf dem Papier, als App oder Videogame - sie alle versprechen uns ein besseres Gedächtnis, mehr Konzentration oder mehr Intelligenz. Aber stimmt das auch? Die Studienergebnisse sind verwirrend und zum Teil auch widersprüchlich.

Kritik am Gehirnjogging

Zahlreiche Studien können keine Wirkung von Gehirnjogging-Übungen auf die kognitiven Fähigkeiten unseres Gehirns belegen. Die meisten finden höchstens einen sehr begrenzten Effekt bei der jeweils untersuchten Übung.

Alternativen zum Gehirnjogging

Vieles deutet darauf hin, dass Beschäftigungen, die die "Person als Ganzes" fordern, wie zum Beispiel asiatische Kampfsportarten, Yoga oder das Erlernen eines Musikinstruments, einen stärkeren und nachhaltigeren Effekt auf ein besseres Gedächtnis haben. Auch regelmäßiger Sport und die richtige Ernährung sind entscheidend für ein fittes Gehirn.

tags: #gehirn #training #mit #controller