24-Stunden-Pflege bei Parkinson: Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven

Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. In Deutschland sind schätzungsweise 300.000 Menschen betroffen, und jährlich kommen bis zu 20.000 Neuerkrankungen hinzu. Da die Krankheit mit zunehmendem Alter häufiger auftritt und nicht heilbar ist, stellt sie Betroffene und ihre Familien vor erhebliche Herausforderungen. Die Symptome reichen von Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsverlangsamung bis hin zu psychischen Beschwerden wie Depressionen. Im fortgeschrittenen Stadium benötigen Parkinson-Patienten oft umfassende Unterstützung im Alltag, was viele Familien vor die Frage einer geeigneten Pflege stellt. Eine mögliche Lösung ist die 24-Stunden-Pflege, bei der eine Betreuungskraft im Haushalt des Pflegebedürftigen wohnt und ihn rund um die Uhr betreut.

Die Rolle der 24-Stunden-Pflege bei Parkinson

Die 24-Stunden-Pflege hat sich als eine wertvolle Option für Parkinson-Patienten erwiesen, die eine umfassende Betreuung in ihrer gewohnten Umgebung benötigen. Die Betreuungskräfte unterstützen die Patienten bei verschiedenen Aufgaben, darunter:

  • Unterstützung bei motorischen Tätigkeiten: Hilfe beim Gehen, Ankleiden, Waschen, Zähneputzen und Essen.
  • Medikamenteneinnahme: Achten auf die pünktliche Einnahme der Medikamente.
  • Strukturierung des Tagesablaufs: Gestaltung eines geregelten Tagesablaufs.
  • Gesellschaft und soziale Interaktion: Leisten Gesellschaft, sind Gesprächspartner und begleiten bei Spaziergängen.
  • Hauswirtschaftliche Tätigkeiten: Übernahme von Aufgaben im Haushalt.

Durch die individuelle Betreuung können Parkinson-Patienten so lange wie möglich in ihrem eigenen Zuhause bleiben und ein selbstbestimmtes Leben führen. Dies trägt maßgeblich zur Lebensqualität bei und kann die psychische Belastung der Betroffenen reduzieren.

Erfahrungen mit 24-Stunden-Pflege: Einblick in die Praxis

Die Erfahrungen mit der 24-Stunden-Pflege bei Parkinson sind vielfältig. Viele Familien berichten von einer deutlichen Entlastung und einer Verbesserung der Lebensqualität sowohl für den Patienten als auch für die Angehörigen. Die Betreuungskräfte sind oft nicht nur Pflegekräfte, sondern auch wichtige Bezugspersonen, die den Patienten Gesellschaft leisten und ihnen emotionale Unterstützung bieten.

Allerdings gibt es auch Herausforderungen, die bei der 24-Stunden-Pflege auftreten können. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Wichtige Aspekte der 24-Stunden-Demenzpflege

  • Sprachbarrieren: Schwierigkeiten in der Kommunikation, insbesondere wenn die Betreuungskraft nur geringe Deutschkenntnisse besitzt.
  • Soziale Isolation: Vereinsamung des Patienten, wenn die Betreuungskraft sich hauptsächlich in ihrem Zimmer aufhält und wenig Kontakt zum Patienten pflegt.
  • Qualitätsunterschiede: Unterschiede in der Qualifikation und Erfahrung der Betreuungskräfte.
  • Arbeitsbedingungen: Problematische Arbeitsbedingungen für die Betreuungskräfte, insbesondere im Hinblick auf Arbeitszeiten, Bezahlung und Pausen.

Ein Beispiel für die Schwierigkeiten, die bei der 24-Stunden-Pflege auftreten können, ist der Fall von Dobrina D., einer bulgarischen Betreuungskraft, die in Deutschland gearbeitet hat. Sie erlebte schlechte Arbeitsbedingungen und wurde von ihrer Agentur um einen Teil ihres Lohns betrogen. Dobrina klagte vor dem Bundesarbeitsgericht und bekam Recht. Ihr Fall machte auf die Probleme der ausländischen 24-Stunden-Betreuungskräfte in Deutschland aufmerksam und führte zu einem Vermerk im Koalitionsvertrag der Ampelregierung.

Rechtliche und finanzielle Aspekte der 24-Stunden-Pflege

Die 24-Stunden-Pflege ist ein komplexes Thema, das auch rechtliche und finanzielle Aspekte umfasst. Es ist wichtig, sich über die Rechte und Pflichten der Betreuungskräfte, der Vermittlungsagenturen und der Familien zu informieren.

Ein wichtiger Punkt ist die Einhaltung des Mindestlohns. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass 24-Stunden-Betreuungskräfte für ihre vertraglich festgelegten Arbeitszeiten und ihre Zeiten in Bereitschaft den Mindestlohn erhalten müssen. Dies gilt jedoch nur für angestellte Betreuungskräfte, die aus ihrem Heimatland nach Deutschland entsendet werden. Selbstständige Betreuungskräfte sind davon nicht betroffen.

Die Kosten für eine 24-Stunden-Pflege variieren je nach Pflege- und Betreuungsaufwand, Qualifikation und Sprachkenntnissen der Betreuungskraft. Um die Kosten zu senken, können verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden, darunter Pflegegeld, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie Steuervorteile. Seit dem 1. Juli 2025 steht zudem das sogenannte Entlastungsbudget zur Verfügung, das Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 einen gemeinsamen jährlichen Betrag von bis zu 3.539 Euro für Verhinderungs- und/oder Kurzzeitpflege bietet.

Die Rolle der Vermittlungsagenturen

Vermittlungsagenturen spielen eine wichtige Rolle bei der Organisation der 24-Stunden-Pflege. Sie vermitteln Betreuungskräfte aus Osteuropa und anderen Ländern an Familien in Deutschland. Es ist wichtig, eine seriöse Vermittlungsagentur zu wählen, die über langjährige Erfahrung verfügt und die Bestimmungen des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes einhält.

Lesen Sie auch: Herausforderungen der Demenzpflege

Eine seriöse Vermittlungsagentur zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Transparente Informationen: Klare Informationen über die Kosten, Leistungen und Vertragsbedingungen.
  • Qualifizierte Betreuungskräfte: Vermittlung von Betreuungskräften mit ausreichenden Deutschkenntnissen und Erfahrung in der Pflege von Parkinson-Patienten.
  • Individuelle Beratung: Beratung und Unterstützung bei der Auswahl der geeigneten Betreuungskraft.
  • Schnelle Reaktion: Schnelle und unkomplizierte Reaktion bei Problemen oder Beschwerden.
  • Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen: Einhaltung des Mindestlohns, der Arbeitszeitgesetze und anderer relevanter Bestimmungen.

Es ist ratsam, mehrere Angebote von verschiedenen Vermittlungsagenturen einzuholen und die Vertragsbedingungen sorgfältig zu prüfen, bevor man sich für eine Agentur entscheidet.

Alternativen zur 24-Stunden-Pflege

Neben der 24-Stunden-Pflege gibt es auch andere Möglichkeiten, Parkinson-Patienten zu betreuen. Dazu gehören:

  • Ambulante Pflegedienste: Ambulante Pflegedienste bieten individuelle Pflegeleistungen im eigenen Zuhause an. Sie können beispielsweise bei der Körperpflege, der Medikamenteneinnahme oder der Wundversorgung helfen.
  • Tagespflege: Die Tagespflege ist eine teilstationäre Betreuungseinrichtung, in der Parkinson-Patienten tagsüber betreut werden. Sie bietet eine Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen und den Alltag abwechslungsreicher zu gestalten.
  • Pflegeheim: Ein Pflegeheim ist eine stationäre Einrichtung, in der Parkinson-Patienten rund um die Uhr betreut werden. Es bietet eine umfassende Versorgung, ist aber oft mit hohen Kosten verbunden.

Die Wahl der geeigneten Betreuungsform hängt von den individuellen Bedürfnissen und Wünschen des Patienten sowie von den finanziellen Möglichkeiten der Familie ab.

Herausforderungen an die Pflege von Parkinson-Patienten

Die Pflege von Parkinson-Patienten stellt besondere Anforderungen an die Betreuungskräfte. Neben den körperlichen Einschränkungen können auch psychische Beeinträchtigungen auftreten, die eine sensible und einfühlsame Betreuung erfordern.

Lesen Sie auch: Wichtige Aspekte der 24-Stunden-Pflege bei Demenz

Zu den Herausforderungen gehören:

  • Körperliche Einschränkungen: Patienten haben Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben selbstständig zu erledigen.
  • Psychische Beeinträchtigungen: Patienten neigen zu Depressionen, Angstzuständen oder aggressivem Verhalten.
  • Kommunikationsschwierigkeiten: Patienten haben Schwierigkeiten, sich verständlich zu machen.
  • Sturzgefahr: Patienten sind aufgrund ihrer eingeschränkten Bewegungsfreiheit besonders sturzgefährdet.

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, ist es wichtig, dass die Betreuungskräfte über eine entsprechende Ausbildung und Erfahrung verfügen. Sie sollten in der Lage sein, sich jedem einzelnen Pflegefall individuell anzupassen und dem Patienten die Art häuslicher Betreuung zu geben, die er benötigt.

tags: #24 #stunden #pflege #parkinson