Kathrins Geschichte ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie eine einzelne Erfahrung das Leben nachhaltig verändern kann. Nach dem Konsum von Cannabis erlebte sie einen Horrortrip mit Derealisation, der ihr Leben monatelang beeinträchtigte. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Derealisation, um Betroffenen und Interessierten ein besseres Verständnis zu ermöglichen.
Kathrins Erfahrung: Ein Horrortrip mit Folgen
Kathrin, eine junge Frau, die viel lacht, erlebte nach dem ersten Konsum von Cannabis einen beängstigenden Zustand. Sie beschreibt, wie sie sich von ihrem Körper entkoppelt fühlte, zitterte, nicht sprechen konnte und Angst hatte, ihre Identität zu verlieren. "Ich driftete immer wieder ab, war weg und plötzlich sprachen wieder meine Freunde zu mir." Obwohl die akuten Symptome am nächsten Tag verschwanden, hinterließ die Erfahrung tiefe Spuren.
Zwei Wochen später erlebte Kathrin in der Schule eine Panikattacke mit Herzrasen und Atemnot, die sich wie der Horrortrip anfühlte. Monatelang litt sie unter chronischer Derealisation, die ihr Leben stark beeinträchtigte. "Ich wusste, dass etwas schiefgegangen war beim Kiffen. Das schlimmste war, als ich eines Tages in die Küche kam und meine Eltern nicht erkannte."
Was ist Derealisation?
Derealisation ist ein Zustand, in dem sich die Umgebung unwirklich anfühlt. Betroffene beschreiben es oft als Gefühl, hinter einer unsichtbaren Mauer zu stehen oder als ob die Welt um sie herum nicht echt ist. "Ich habe das Gefühl, neben mir zu stehen", "Ich kann das noch gar nicht realisieren" oder "Ich bin gerade irgendwie nicht ich selbst" sind gängige Beschreibungen. Viele Menschen erleben Derealisation im Laufe ihres Lebens kurzzeitig, beispielsweise bei Müdigkeit oder in ungewohnter Umgebung. Auch nach traumatischen Erlebnissen kann die Psyche mit Derealisation oder Depersonalisation reagieren.
Im Gegensatz zu vorübergehenden Episoden leiden Menschen mit chronischer Derealisation unter einem anhaltenden Gefühl der Entfremdung. Sie fühlen sich wie abgeschirmt oder nicht richtig da, als hätte sich etwas verändert. Dabei wird zwischen Derealisation (die Wahrnehmung der Umgebung als unwirklich) und Depersonalisation (das Gefühl, der eigene Körper sei fremdgesteuert) unterschieden. Erinnerungen und Gefühle können sich ebenfalls unwirklich anfühlen. "Ich hatte oft das Gefühl, als könne ich mich nicht erinnern, was ich die letzten Tage gemacht habe. Dabei wusste ich es, es fühlte sich nur nicht echt an, wenn ich mich daran erinnerte." Auch das eigene Spiegelbild kann fremd erscheinen. "Ich konnte meine Stimme hören, aber es war irgendwie nicht meine. Sie klang, als käme sie von jemand anderem."
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Ursachen von Derealisation
Obwohl Kathrins Fall durch den Drogenkonsum ausgelöst wurde, sind Drogen meist nur der Auslöser, nicht die eigentliche Ursache. "Eine Cannabis-Intoxikation führt oft zu Wahrnehmungsveränderungen wie Derealisation und Depersonalisation", erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Michal von der Universitätsklinik in Mainz. Sobald die Cannabinoide den Körper verlassen haben, ist das Unwirklichkeitsgefühl jedoch nicht mehr durch die Drogen bedingt.
Häufig liegt die Ursache in einer tieferliegenden Angst vor den eigenen Gefühlen. "Viele suchen körperliche Ursachen für ihre Beschwerden", sagt Prof. Dr. Michal. Betroffene sind oft sensibel und ängstlich, beobachten sich ständig selbst und steigern sich in ihre Angst hinein. Die Derealisation dient eigentlich als Schutzmechanismus vor unerträglichen Gefühlen, wird aber paradoxerweise durch die Angst verstärkt. Dr. Michal bezeichnet dies als Flucht vor dem vollen Erleben der Wirklichkeit, eine Reaktion der Psyche.
Auch traumatische Erlebnisse, Panikattacken oder veränderte Lebensumstände können Derealisation auslösen. Menschen mit chronischer Derealisation haben oft in ihrer Kindheit gelernt, ihre Gefühle zu unterdrücken oder zu ignorieren. "Es kam mir vor, als fühlte ich gar nichts mehr - außer Angst und Verzweiflung. Als würde ich gar nicht existieren." Oft liegt diesen Gefühlen eine tiefe Angst vor dem Alleinsein zugrunde. Die Betroffenen haben Angst, so wie sie sind nicht akzeptiert und verlassen zu werden. Darum schirmen sie sich innerlich vor ihren eigenen Ängsten und Gefühlen ab und bleiben nur als eine Art Beobachterin in der Welt. So müssen sie ihre Emotionen nicht fühlen und können es vermeiden, sich vor anderen zu blamieren oder bloßgestellt zu werden. Nicht jeder Mensch, der seine Gefühle unterdrückt, leidet sofort an Derealisation. Aber so gut wie jeder, der*die an Derealisation leidet, unterdrückt sie. "Für die Betroffenen können die Gefühle selbst zur Bedrohung werden", so Prof. Dr. Michal.
Symptome von Derealisation
Die Symptome von Derealisation können vielfältig sein und sich von Person zu Person unterscheiden. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Gefühl der Unwirklichkeit: Die Umgebung, andere Menschen oder der eigene Körper fühlen sich fremd und unwirklich an.
- Entfremdung: Das Gefühl, von der Welt und den eigenen Gefühlen abgeschnitten zu sein.
- Emotionale Taubheit: Schwierigkeiten, Gefühle zu empfinden oder auszudrücken.
- Veränderte Wahrnehmung: Die Umgebung wirkt verzerrt, entfernt oder unwirklich.
- Gedächtnisprobleme: Schwierigkeiten, sich an Ereignisse zu erinnern oder das Gefühl, Erinnerungen seien nicht echt.
- Angst und Panik: Häufig begleitet von Angstzuständen und Panikattacken.
- Konzentrationsschwierigkeiten: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder aufmerksam zu bleiben.
- Depersonalisation: Das Gefühl, außerhalb des eigenen Körpers zu stehen oder sich selbst als Beobachter zu erleben.
Therapie gegen die Unwirklichkeitsgefühle
In der Uniklinik Mainz wird versucht, Patient*innen in stationärer Behandlung wieder in Einklang mit ihrem Körper zu bringen. Zum Beispiel durch Achtsamkeitsübungen. Viele erleben dann erst mal Angstgefühle statt Entspannung. Trotzdem oder gerade deshalb kann Achtsamkeit auf lange Sicht helfen, wieder ins Leben zu finden. Viele Betroffene hinterfragen oft die Realität. Sie denken über den Sinn oder die mögliche Sinnlosigkeit des Lebens nach. Fragen sich, was real ist. So steigern sie sich immer mehr in den Zustand hinein. Sie müssen lernen, mit der Angst umzugehen und wieder im Hier und Jetzt anzukommen. "Man muss nicht akzeptieren, dass man die Symptome hat. Man muss aber akzeptieren, dass man emotionale Probleme hat." So Prof. Dr.
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Die meisten brauchen dafür eine Therapie. Eine positive Wirkung von Medikamenten konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Anders als zum Beispiel bei Depressionen, für die es wirksame Medikamente gibt. Dafür müssen aber Widerstände überwunden und ein Zugang zu den Gefühlen geschaffen werden. Prof. Dr. Michal konnte in der Uniklinik Mainz bereits Erfolge bei seinen Patient*innen erzielen.
Auch Kathrin hat sich für eine Psychotherapie entschieden, um ihre Angststörung zu behandeln und zu lernen, mehr auf ihre Gefühle zu hören. Sie hat oft ihr Bauchgefühl ignoriert und sich so in Situationen gebracht, die ihr nicht guttaten. Sie hat versucht, stark zu sein, nicht zu weinen, nicht wütend zu werden, nicht sie selbst zu sein. Zu wissen, woher die Unwirklichkeitsgefühle kommen, hat ihr dabei geholfen, mit ihnen umzugehen. Manchmal sind sie noch da, aber mittlerweile hat sie gelernt, ihnen nicht mehr die Kontrolle über sich zu überlassen. Seitdem sie angefangen hat, ihre Gefühle aufzuarbeiten und zuzulassen, hat sie keine Panikattacken mehr. Kathrin glaubt fest daran, dass sie bald wieder ein ganz normales Leben führen kann. Ohne Angst, ohne Derealisation.
Weitere Strategien zur Bewältigung von Derealisation
Neben einer Psychotherapie gibt es weitere Strategien, die Betroffenen helfen können, mit Derealisation umzugehen:
- Achtsamkeit: Achtsamkeitsübungen helfen, im Hier und Jetzt präsent zu sein und die eigenen Gefühle wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Angst und Stress abzubauen.
- Selbstfürsorge: Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf sind wichtig für das psychische Wohlbefinden.
- Soziale Unterstützung: Der Austausch mit Freunden, Familie oder einer Selbsthilfegruppe kann helfen, sich weniger isoliert zu fühlen.
- Kreative Ausdrucksformen: Malen, Schreiben oder Musizieren können helfen, Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten.
Schneller denken: Ein zweischneidiges Schwert
In unserer schnelllebigen Gesellschaft wird schnelles Denken oft als Vorteil angesehen. "Schneller denken zahlt sich aus. Sie kommen auf eine zündende Idee, haben die perfekte und schlagfertige Antwort in Sekundenbruchteilen und können Situationen oder Probleme in kürzester Zeit erfassen." Gerade im Beruf kann schnelles Denken zum Erfolg führen. "Vorgesetzte wollen Ergebnisse, Anregungen und Leistungen - und zwar sofort. Wer im Meeting vor den Kollegen reagiert, punktet beim Chef."
Es gibt verschiedene Strategien, um das schnelle Denken zu fördern:
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- Aufmerksamkeit: Zuhören und Verstehen sind die Grundlage für schnelles Denken.
- Intuition: Bei ausreichend Fachwissen kann man seinem Bauchgefühl vertrauen.
- Stressabbau: Stress kann das Denken vernebeln. Entspannungstechniken wie Kaugummikauen können helfen.
- Kreativität: Querdenken und ungewöhnliche Perspektiven können neue LösungenFinden.
- Zeitdruck: Zeitdruck kann die Kreativität fördern.
- Bewegung: Spaziergänge in der Natur können den Geist befreien und neue Ideen bringen.
Allerdings ist schnelles Denken nicht immer die beste Lösung. "Nicht jede schnelle Lösung ist wirklich die Beste! Bei Schnelldenkern besteht immer auch das Risiko von Schnellschüssen, die sich bei genauerer Betrachtung als wenig zielführend oder gar nicht umsetzbar erweisen." Es ist wichtig, Vorschläge gründlich zu überprüfen und abzuwägen, wann schnelles Denken angebracht ist und wann nicht.
Mehr Licht! Wege aus dem Stimmungstief
Neben den spezifischen Strategien zur Bewältigung von Derealisation ist es wichtig, auf das allgemeine psychische Wohlbefinden zu achten. Gerade in den dunklen Wintermonaten leiden viele Menschen unter Stimmungstiefs oder saisonalen Depressionen. "Der Sommer geht und mit ihm die Leichtigkeit: Bei etwa einem Viertel der Menschen sinkt die Stimmung jetzt - bei manchen entwickelt sich daraus sogar eine saisonale Depression."
Hier einige Tipps, um das Stimmungstief zu überwinden:
- Tageslicht: Viel Zeit im Freien verbringen, um das Tageslicht zu nutzen.
- Vitamin D: Die Einnahme von Vitamin D wird kontrovers diskutiert, kann aber in Absprache mit einem Arzt sinnvoll sein.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kann die Stimmung aufhellen.
- Tageslichtlampe: Bei Bedarf kann eine Tageslichtlampe helfen, den Lichtmangel auszugleichen.