Wenn das Gehirn im Wachzustand zu träumen versucht: Ursachen und Behandlung

Ein faszinierendes und zugleich beängstigendes Phänomen ist es, wenn das Gehirn versucht, im Wachzustand zu träumen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Begleiterscheinungen dieses Phänomens, insbesondere im Zusammenhang mit Schlafstörungen wie der REM-Schlaf-Verhaltensstörung und der Schlafparalyse.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Wenn Träume zur Realität werden

Einige Menschen schreien, schlagen oder treten im Traum um sich - obwohl die Muskeln dann normalerweise nicht aktiv sind. Ursache kann eine sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung sein. Sie gilt als Vorläuferstadium einer Parkinson-Erkrankung. Man sollte sie daher frühzeitig untersuchen lassen. Seit einiger Zeit träumt Klaus Berghoff nachts sehr lebhaft und bewegt sich dabei viel. Auch riecht der 65-Jährige schlechter als früher. Als er seine Frau eines Nachts ungewollt schlägt, lässt er sich untersuchen. Die Diagnose: eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung.

Symptome und Diagnose

„Aktionsgeladene, teilweise aggressive Träume, die immer wieder auftreten, sind typisch für diese Schlafstörung“, sagt Prof. Dr. Kathrin Reetz, Vizepräsidentin der Deutschen Hirnstiftung. Träumende berichten häufig von einer Flucht oder einem Angriff, gegen den sie sich mit Tritten wehren wollen. Die Abkürzung REM steht für den englischen Begriff „Rapid Eye Movement“, übersetzt „schnelle Augenbewegung“. Dieses Phänomen tritt in bestimmten Schlafphasen auf.

Die Diagnose wird mittels einer sogenannten Schlafableitung mit Video gestellt. Dabei lassen sich die Schlaf- und die Muskelaktivitäten im Schlaflabor genau messen. Auch erfolgen eine neurologische Untersuchung mit der Frage nach ersten Parkinson-Symptomen und gegebenenfalls weitere Tests.

Ursachen und Behandlung

Die Ursachen einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung sind bis heute nicht vollständig geklärt, eine Heilung ist daher nicht möglich. Um die Bewegungen im Schlaf zu verringern, gibt es Medikamente. Denn oft ist die Nachtruhe für Betroffene wenig erholsam. Die eingesetzten Medikamente wirken für die Nacht krampflösend und beruhigend. Wichtig für Betroffene ist auch, dass sie sich selbst oder andere bei ihren aktionsgeladenen Träumen nicht verletzen. „Spitze oder schwere Gegenstände sollten daher nachts nicht in greifbarer Nähe sein“, empfiehlt die Vizepräsidentin der Hirnstiftung. „Nachttische und andere Möbel räumt man auch besser weg, wenn man sich daran verletzten kann.“ Hilfreich können auch ein weicher Teppich oder eine Matte vor dem Bett sein, falls man herausfällt.

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REM-Schlaf-Verhaltensstörung als Vorläufer von Parkinson

Noch wichtiger aber ist: In bis zu 80 Prozent aller Fälle kann die REM-Schlaf-Verhaltensstörung in einem Zeitraum von bis zu 15 Jahren in eine neurologische Krankheit wie Parkinson, die sogenannte Lewy-Körperchen-Demenz oder eine Multisystematrophie übergehen. Das sind neurodegenerative Erkrankungen, bei denen sich in bestimmten Gehirnregionen das Eiweiß Alpha-Synuklein ansammelt, verklumpt und ablagert.

Risikofaktoren und Häufigkeit

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist eine relativ seltene Schlafstörung, die schätzungsweise bei 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung auftritt. Die Häufigkeit nimmt jedoch mit dem Alter zu und betrifft schätzungsweise 5 Prozent der Menschen über 60 Jahre. Neben neurologischen Krankheiten wie Parkinson, Lewy-Körperchen-Demenz und Multisystematrophie sind die wichtigsten Faktoren das Alter und Geschlecht. Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung tritt mit dem Alter häufiger auf und vor allem bei Männern über 60 Jahren. Wichtig zu beachten ist: Wenn Menschen einen oder mehrere dieser Risikofaktoren haben, muss sich bei ihnen nicht zwangsläufig eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung entwickeln.

Medikamentöse Behandlung und Empfehlungen

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist gut medikamentös behandelbar. Zum Einsatz kommen beispielsweise das krampflösende und beruhigende Medikament Clonazepam (Handelsname Rivotril) und Melatonin - ein Hormon, das den Wach-Schlaf-Rhythmus steuert. Eine Behandlung mit Clonazepam oder Melatonin verringert allerdings nicht das Risiko im weiteren Verlauf an Parkinson zu erkranken. Daher sind regelmäßige neurologische Kontrollen notwendig. Generell sind körperliche Aktivität und Sport zu empfehlen.

Schlafparalyse: Gefangen im eigenen Körper

Wenn Sie das erste Mal eine Schlafparalyse erleben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie gar nicht wissen, was Ihnen widerfährt. Der Körper ist gelähmt, Sie fühlen sich, als könnten Sie nicht atmen, geschweige denn um Hilfe rufen. Was sich wie ein Albtraum anfühlt, ist pure Realität. Sie sind bei vollem Bewusstsein in Ihrem Schlafzimmer und erleben eine Starre, die sich auf den ganzen Körper ausdehnt. Allein Ihre Augen folgen noch Ihren Befehlen.

Symptome und Empfindungen

Doch damit nicht genug, Sie spüren eine Präsenz im Raum, etwas Böses, das sie beobachtet. Dann sehen Sie es und es sieht Sie, kommt näher, auf Ihr Bett zu. Eine schwarze Gestalt ohne erkennbare Züge, die sich langsam über Sie beugt. Der Körper gerät in Panik, Adrenalin schießt ins Blut. Mit aller Kraft versuchen Sie, Ihre Gliedmaßen wieder unter Kontrolle zu bringen.Dann, ganz unvermittelt, ist es vorbei. Sie sind wieder in der Lage sich zu bewegen. Doch das ungute Gefühl hält an, Sie sind sicher, dass das mehr als nur ein gewöhnlicher Traum war. Die gefühlte Bewegungsunfähigkeit, die Erscheinung - das alles haben Sie so bewusst erlebt, dass es sich unmöglich um ein Traumgebilde gehandelt haben konnte.

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Wissenschaftliche Erklärung

Die Wissenschaft ist sich derzeit noch nicht einig, wie genau und warum es zu der Schlaflähmung kommt. Eine weithin verbreitete Theorie geht jedoch davon aus, dass es sich bei dem Phänomen um eine Fortsetzung der in der REM-Phase auftretenden Muskellähmung handelt. REM steht für Rapid Eye Movement, zu Deutsch „schnelle Augenbewegungen“, und bezeichnet eine etwa zweistündige Phase im Schlaf, die von eben diesen Augenbewegungen geprägt ist. Es wird angenommen, dass der Körper während dieser Traumphasen in eine Starre verfällt, um geträumte Bewegungen nicht tatsächlich auszuführen und sich versehentlich zu verletzen. Während der Schlafparalyse hält dieser Zustand an, wobei das Bewusstsein fälschlicherweise wieder zurückkehrt. Daher tritt die Schlaflähmung auch immer unmittelbar vor dem Einschlafen oder Aufwachen auf.

Häufigkeit und Arten der Schlafparalyse

Es ist schwierig für die Wissenschaft, eine Prognose über die Häufigkeit von Schlafparalysen in der Gesamtbevölkerung zu geben. Eine systematische Übersichtsarbeit zweier Professoren aus den USA ergab, dass etwa 7,6 % der Gesamtbevölkerung mindestens eine Schlafparalyse in ihrem Leben erlebt haben. Allerdings war die Rate unter den Studenten mit 28,3 % bedeutend höher. Bei psychiatrischen Patienten waren es sogar 31,9 %.

Es gibt verschiedene Arten der Schlafparalyse:

  • Isolated Sleep Paralysis Episode: Eine einmalige Schlafparalyse, die nicht als besonders beängstigend empfunden wird.
  • Fearful Isolated Sleep Paralysis Episode: Eine einmalige Schlafparalyse, die mit Furcht verbunden ist.
  • Reccurent Isolated Sleep Paralysis Episode: Wiederholte Schlafparalysen über einen gewissen Zeitraum.
  • Recurrent Fearful Isolated Sleep Paralysis Episode: Wiederholte, besonders beängstigende Schlafparalysen.

Halluzinationen während der Schlafparalyse

Als wäre die Lähmung des Körpers nicht erschreckend genug, kommt es in vielen Fällen der Schlafparalyse zusätzlich zu Halluzinationen. Während in diesem Zusammenhang oft von schwarzen Gestalten die Rede ist, gibt es eine ganze Bandbreite an verschiedenen Wahrnehmungen, die sich wie folgt gestalten:

  • Geräusche: Brummen, Summen, Rauschen oder gar Stimmen.
  • Präsenzen: Das Gefühl, beobachtet zu werden, meist von einer bösartigen Präsenz.
  • Empfindungen: Hitze- oder Kältewahrnehmungen, Druck oder Gewicht auf dem Körper, meist dem Brustkorb, wodurch ein Gefühl des Erstickens entsteht.
  • Außerkörperliche Erfahrungen: Ein Gefühl des Schwebens oder die komplette Loslösung vom Körper.
  • Dämonen oder Geister: Schwarze Gestalten, die als Dämonen oder Geister interpretiert werden.

Umgang mit Schlafparalyse

Die Erfahrung einer Schlafparalyse ist ein erschreckendes Erlebnis. Die erlebte Angst, oftmals gepaart mit dem Gefühl zu ersticken oder realer Todesfurcht, kann sich bis weit über den Tag des Geschehens hinausziehen.

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Ist eine Schlafparalyse gefährlich?

Nein, aus schlafmedizinischer Sicht ist die Schlafparalyse ungefährlich. Auch die oftmals verspürte Atemnot ist nicht real, da die Atmung bei einem Wachanfall automatisch vom Körper gesteuert wird. Das Gefühl zu ersticken rührt von der Bewegungsunfähigkeit, die Atmung wird dabei nicht aktiv gespürt. Zu gesundheitlichen Folgen kann es aber kommen, sobald die Schlafparalysen oder die Angst davor die Schlafqualität beeinträchtigen. In diesem Fall sollte über eine ärztliche Untersuchung nachgedacht werden.

Wann sollte man zum Arzt?

Für viele Betroffene ist die Schlafstarre ein einmaliges Ereignis. Anders sieht es bei Menschen aus, die regelmäßig unter solchen Schlafparalysen leiden. Erfüllen Sie die folgenden Kriterien, sollten Sie über eine schlafmedizinische Untersuchung nachdenken:

  • Sie fürchten sich regelrecht vor dem Zubettgehen
  • Sie glauben, die Schlafparalyse liegt in einer psychischen Erkrankung begründet.
  • Sie schlafen nicht mehr durch und sind dadurch im Alltag eingeschränkt.
  • Sie haben bereits eine andersgeartete Schlafstörung, die in Verbindung mit der Schlafparalyse stehen könnte.

Ursachen für die Schlafparalyse

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es noch keine allgemeingültige Theorie über die Ursachen der Schlafparalyse. Es gibt jedoch Hypothesen, die die folgenden Auslöser als Ursache für die Schlafparalyse sehen:

  • Schlafmangel
  • Nicht erholsamer Schlaf, zum Beispiel wegen Lärmbelästigung
  • Unregelmäßige Schlafenszeiten und -gewohnheiten
  • Psychischer Stress oder Stress im Allgemeinen
  • Medikamente
  • Drogenmissbrauch
  • Angststörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen usw.
  • Altersbedingte Prädisposition, zum Beispiel bei jungen Leuten.

Dauer und Prävention

Es gibt Schätzungen, die von sechs bis sieben Minuten als durchschnittliche Dauer für eine Schlafparalyse ausgehen. Andere Schätzungen bewegen sich im Sekundenbereich. In extremen Einzelfällen wird sogar von mehreren Stunden ausgegangen.

Eine Strategie zu Vermeidung gibt es nicht. Natürlich können Sie versuchen, die oben genannten Ursachen auszumerzen, doch selbst dann besteht keine hundertprozentige Garantie, vor der Schlafstarre gefeit zu sein. Grundsätzlich kann es aber helfen, die Schlafstarre als solches als medizinische Gegebenheit zu akzeptieren. So real die Halluzinationen auch erscheinen mögen, es handelt sich weder um Geister noch Dämonen.

Umgang mit anhaltenden Schlafparalysen

Vielen Betroffenen hilft es, sich mit den medizinischen Hintergründen einer Schlafstarre vertraut zu machen. Während der Schlafparalyse sollten Sie sich selbst gut zureden und sich überzeugen, dass es bald vorbei ist. Sollte es zu Halluzinationen kommen, halten Sie sich an die wissenschaftlichen Fakten: Sie erleben einen Wachanfall, was Sie sehen ist nicht real und für Sie besteht keinerlei Gefahr. Manche Betroffene schaffen es, durch pure Willenskraft einen Finger oder Zeh zu bewegen, um die Schlaflähmung zu durchbrechen. Übrigens beenden Reize von außen die Bewegungsunfähigkeit sofort. Wenn Ihr Partner im Bett liegt, können Sie versuchen, ihn durch lautes Atmen oder Knurren zu wecken. Sprechen Sie sich am besten darüber ab, welche Signale auf eine Schlafparalyse hindeuten.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt weiterhin folgende Maßnahmen:

  • Verbessern Sie die Schlafqualität und -dauer.
  • Falls Sie unter Stress leiden, sollten Sie aktiv nach Methoden zur Bewältigung suchen.
  • Verwenden Sie ein schwaches Nachtlicht am Bett.
  • Vermeiden Sie die Rückenlage, da sie Schlafparalysen begünstigt.
  • Verzichten Sie auf Alkohol und andere Drogen, um zu sehen, ob diese Auslöser für die gehäuften Schlafparalysen sein können.
  • Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt über die Möglichkeiten einer medikamentösen Behandlung, wenn die Schlafparalysen besonders belastend sind.

Träume und ihre Bedeutung

Wenn das Gehirn einschläft, besonders jedoch in der REM-Phase, laufen darin Szenen ab, die sich kein Drehbuchautor und kein Historiker besser ausdenken könnte. Träume gehören zu den interessantesten Themenbereichen der Neurowissenschaft und sind zudem auch in einer aufgeklärten Gesellschaft immer wieder Anlass für Deutungsversuche.

Die Wissenschaft der Träume

Jeder Mensch träumt und sogar viele Tiere träumen. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass sie sich nach dem Aufwachen nicht an ihre Träume erinnern können. Der Träumende muss mindestens drei Minuten wach gewesen sein, um sich am Morgen noch an den Traum erinnern zu können. So sind bei einigen Menschen zwei Gehirnareale aktiv, wenn sie träumen, die normalerweise für die Aufmerksamkeit zuständig sind. Demgegenüber sind diese beiden Areale bei Personen weniger aktiv, die sich nur selten oder nie an ihre Träume erinnern können.

REM-Schlaf und Gehirnaktivität

Der „bewusste“ Traum findet ausschließlich in der sogenannten REM-Phase statt. Das Interessante ist, dass das Gehirn in dieser Schlafphase fast so aktiv ist wie im Wachzustand. Forscher wissen beispielsweise, dass beim Träumen nur gewisse Gehirnareale aktiv sind. Dabei handelt es sich um die Bereiche für die Motorik, die visuelle Wahrnehmung sowie das emotionale Empfinden. Träume lassen sich beeinflussen. Manche Menschen können diese sogar aktiv steuern. Sie werden als Klarträumer bezeichnet.

Die Funktion des Träumens

Das Träumen ist keine Laune der Natur, sondern eine Begleiterscheinung der wichtigen Prozesse, welche beim Schlafen im Körper ablaufen. In einigen Schlafphasen kann das Gehirn entspannen und somit das Erlebte des Tages „sortieren“, um neue Ressourcen für den kommenden Tag zu schaffen. Ordnung ins Chaos bringen, so lautet tatsächlich das Motto für das Gehirn im Schlaf. In der REM-Phase ist das Gehirn daher nicht entspannt, sondern überaus aktiv. Es verrichtet sozusagen Schwerstarbeit und spult immer wieder gewisse Sequenzen ab, zum Beispiel die Erlebnisse des Tages. Eine Vermutung lautet, dass es versucht, gewisse Erinnerungen, Eindrücke oder Emotionen miteinander in Verbindung zu bringen und wo dies nicht logisch möglich ist, entstehen die skurrilen Gedankensprünge, die in vielen Träumen auftreten. Fakt ist aber: Das Träumen selbst hat zwar keinen Nutzen, aber die Prozesse, welche einen Traum verursachen, sind für das Gehirn und den Körper lebenswichtig.

Die Praxis des Träumens

Die meisten Menschen kennen Träume aus eigener Erfahrung, da sie sich zumindest teilweise nach dem Aufwachen an diese erinnern können. Dennoch handelt es sich dabei nur um einen Bruchteil der Träume, die tatsächlich im Gehirn stattgefunden haben - meistens um die letzte Traumsequenz vor dem Aufwachen. Es handelt sich um die sogenannten Einschlafträume. Denn Träume verändern sich im Laufe der Nacht und können sich, aufgrund der geschilderten Wirkmechanismen, absolut real anfühlen. Das kann dazu führen, dass eine Person denkt, wach zu sein, aber in Wirklichkeit bereits schläft und träumt. Es handelt sich um einen Zustand, der von den Betroffenen oft als Halbschlaf bezeichnet wird.

Einfluss von Schlafstörungen auf Träume

Beeinflusst werden unsere Träume auch von der Qualität des Schlafs. Schlafstörungen können bei jedem Menschen auftreten und sowohl die Einschlafphase betreffen oder auch ein erholsames Durchschlafen verhindern. Solche körperliche oder seelische Unruhen können sich dann auch auf die Träume auswirken. Menschen, die unter Einschlafstörungen oder Schlafstörungen anderer Art leiden, haben häufig besonders realistische Träume, die sie immer wieder aus dem Schlaf reißen. Wer also oft einen scheinbaren Halbschlaf erlebt oder gefühlt sehr viel und schlecht träumt, sollte dies als Warnzeichen für eine bestehende oder sich entwickelnde Schlafstörung betrachten. Das gilt vor allem, wenn sich die „Traumgewohnheiten“ zum Negativen verändern.

Traumdeutung: Wissenschaft oder Aberglaube?

Die Theorien reichen von der Behauptung, Träume hätten keinerlei Bedeutung, bis hin zur Annahme, sie seien Zukunftsvorhersage. Es gibt viele Möglichkeiten, was bei der Entstehung von Träumen eine Rolle spielen könnte. Vielleicht sind es mehrere von ihnen, vielleicht auch nichts davon. Solange die Forschung keine stichhaltigen Ergebnisse liefert, wird es um diese Thematik wohl noch viele Diskussionen geben.

Träume als Schlüssel zur Kreativität

Die eigenen Träume zumindest zu beobachten, ist auf alle Fälle interessant. Nicht nur, um - wie bereits erwähnt - eventuelle Schlafstörungen frühzeitig erkennen zu können, sondern auch, da Träume der Schlüssel zur Kreativität sein können. Viele Künstler lassen sich nämlich von ihren Träumen inspirieren, für Gemälde, musikalische Kompositionen, Theaterstücke oder andere kreative Werke. Allein deshalb kann es wertvoll sein, sich bewusst an die eigenen Träume zu erinnern oder dies zu lernen.

Albträume: Wenn Träume zur Qual werden

Furcht, Angst, Ärger, Ekel oder Scham: Nach einem durchlebten Albtraum in der Nacht wachen wir meistens voller Angst schweißgebadet auf. Ab und an macht vermutlich jeder Mensch im Laufe seines Lebens Bekanntschaft mit einem Albtraum. Treten die furchteinflößenden Träume jedoch fast jede Nacht auf, zittern wir meist nicht mehr nur vor Angst, wenn sie auftreten.

Was genau sind Albträume?

Albträume sind Träume, die uns emotional zutiefst erschüttern können. Sie ängstigen uns manchmal so sehr, dass wir nachts aus dem Schlaf gerissen werden und nicht wieder einschlafen können. Albträume rufen starke negative Gefühle in uns hervor, wie z. B. existentielle Angst, Trauer, Scham und Schuldgefühle, aber auch Wut, Ärger oder Abscheu.

Albträume und Parasomnien

Albträume werden nach der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den sogenannten Parasomnien zugeordnet. Bei dieser Art Schlafstörung treten unbewusst Phänomene oder Verhaltensauffälligkeiten während der Nachtruhe auf, die von Betroffenen nicht erwünscht sind.

Arten von Albträumen

  • Idiopathische Albträume: Rein fiktive Albträume.
  • Posttraumatische Albträume: Albträume und Flashbacks aufgrund eines erlebten Traumas.

Ursachen von Albträumen

Es gibt viele verschiedene Ursachen und Faktoren, die Albträume hervorrufen können.

  • Genetische Veranlagung: Eine finnische Zwillingsstudie deutet auf einen genetischen Faktor hin.
  • Persönlichkeit: Albtraum-Patienten scheinen eher sensible, aufgeschlossene Personen zu sein.
  • Stresszustände: Stresszustände sind wohl auch daran beteiligt, wenn Albträume häufiger auftreten.
  • Traumatische Ereignisse: Beängstigende und traumatische Ereignisse können ebenfalls dazu beitragen, dass wir uns häufiger auf einen nächtlichen Horrortrip begeben.
  • Negative Selbstbilder, Schlaflosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung: Laut einer Studie aus Finnland zählen zu den stärksten Risikofaktoren für das häufige Erleben von Albträumen ein depressiv bedingtes, negatives Selbstbild, Schlaflosigkeit sowie Müdigkeit und Erschöpfung.
  • Medikamente: Anscheinend beeinflussen nicht nur Schlafmittel und Antidepressiva das Auftreten von Albträumen. Dazu gehören u. a. bestimmte Blutdrucksenker und cholesterinsenkende Arzneien.

Auswirkungen von Albträumen

Regelmäßige Angstträume können uns auf Dauer ganz schön zusetzen und nicht nur unsere Schlafqualität beeinträchtigen, sondern sich auch negativ auf unseren Alltag auswirken. Belastende Albträume gehören in den Bereich der Angststörungen und können auch im wachen Zustand nachwirken. Es besteht durch regelmäßige, unbehandelte Albträume auch ein erhöhtes Risiko, eine Depression oder Angststörung zu entwickeln.

Was wollen uns Albträume sagen?

Wiederholen sich unsere Albträume thematisch immer wieder, könnten die Träume auf ein reales Problem in unserem Leben hinweisen.

  • Sturz in die Tiefe: Der Albtraum bedeutet nicht unbedingt, dass wir unter Höhenangst leiden.
  • Verfolgung: In diesem Albtraum laufen wir vor etwas davon, was uns ängstigt.
  • Tod: Träume über den Tod eines geliebten Menschen oder über den eigenen Tod sind sehr verstörend.

Wann besteht Handlungsbedarf?

Leidest Du über einen längeren Zeitraum und mehr als einmal pro Woche unter furchteinflößenden Träumen, deutet dies nach dem Diagnosekatalog ICD-10 auf eine Angsttraumstörung hin. Wenn Du unter Albträumen leidest, könntest Du Dich zunächst an Deine:n Hausärzt:in wenden.

Behandlung von Albträumen

Therapeutische Maßnahmen hängen bei Albträumen immer von der Ursache oder den auslösenden Faktoren ab. Treten die nächtlichen Horrorszenarien als Nebenwirkung von Medikamenten auf, wäre eine Umstellung auf ein anderes Medikament möglicherweise sinnvoll. Auch bei anderen Grunderkrankungen wie z. B. Zusätzlich können weitere Maßnahmen ergriffen werden, um den Albträumen etwas entgegenzusetzen. Dazu gehören ein bewusstes Auseinandersetzen mit den Angstträumen („Imagery Rehearsal Therapy“), Verhaltenstherapie, Hypnotherapie oder auch das Erlernen des sogenannten luziden Träumens.

Methoden zur Bewältigung von Albträumen

  • Imagery Rehearsal Therapy: Im ersten Schritt steht die Konfrontation mit der Angst im Vordergrund. Dafür dokumentieren Betroffene den Albtraum zunächst in einem Tagebuch. Im zweiten Schritt wird das Ende des Albtraums neu geschrieben oder neu skizziert. Im dritten Schritt übst Du die neue Geschichte Deines Traums täglich über zwei Wochen für jeweils zehn bis 15 Minuten in einem Kopfkino ein.
  • Expositionstherapie: Im Rahmen einer Verhaltenstherapie gibt es die sogenannte Expositionstherapie (Konfrontationstherapie), die bei Albträumen eingesetzt werden kann.
  • Hypnotherapie: Bei wiederkehrenden Albträumen kann auch die Hypnotherapie Erfolg bringen.
  • Luzides Träumen: Beim luziden Träumen oder Klarträumen werden sich die Träumer:innen bewusst, dass sie sich gerade in einem Traum befinden. Auf diese Weise können sie während des Träumens in die Traumhandlung eingreifen und so den Verlauf selbst beeinflussen.

Medikamentöse Behandlung

Weil Albträume aufgrund von Traumata zusätzlich die Gefahr für Alkohol- und Drogensucht sowie Suizid erhöhen können, scheint es Sinn zu machen, für diese schweren Fälle Medikamente für die Behandlung zur Verfügung zu haben.

Weitere Tipps für einen besseren Schlaf

Ob Angst vor einem Jobverlust, Schwierigkeiten innerhalb der Familie oder Prüfungsangst, verschiedenste Stresszustände können dazu beitragen, dass Albträume vermehrt auftreten. Um grundsätzlich besser schlafen zu können, empfiehlt es sich, auch das Schlafverhalten und die Schlafqualität zu verbessern.

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