Dystonie und Schwindel sind zwei unterschiedliche neurologische Zustände, die jedoch beide das Gleichgewicht und Wohlbefinden beeinträchtigen können. Während Dystonie unwillkürliche Muskelkontraktionen verursacht, die zu abnormalen Bewegungen und Körperhaltungen führen, ist Schwindel durch ein Gefühl von Drehungen oder Benommenheit gekennzeichnet. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser beiden Beschwerden und bietet Einblicke für Betroffene und Interessierte.
Dystonie im Kopf- und Hals-Bereich
Dystonie am Kopf- und Halsbereich kann zu unkontrollierten Bewegungen und Muskelanspannungen führen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen. Betroffene berichten häufig über Kopfwackeln oder eine Fehlhaltung des Kopfes und Halses. Es gibt jedoch effektive Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Symptome der Dystonie im Kopf- und Hals-Bereich
Die Symptome der Dystonie im Kopf- und Hals-Bereich sind individuell unterschiedlich und können schubweise auftreten. Zu den häufigsten Beschwerden gehören unkontrollierte Bewegungen, unwillkürliche Muskelkontraktionen und eine abnorme Haltung. Viele Betroffene erleben zusätzlich Schmerzen oder Spannungsgefühle in den betroffenen Muskelgruppen. Spontan auftretende, nicht kontrollierbare Kopfbewegungen sind ein typisches Symptom, das sich durch rhythmische oder ruckartige Bewegungen äußern kann. Die Symptome können durch Stress oder bestimmte Kopfbewegungen verstärkt werden.
Erscheinungsformen der Dystonie am Kopf
Dystonie am Kopf- und Hals-Bereich kann sich in verschiedenen Formen äußern, abhängig davon, welche Muskelgruppen betroffen sind. Die häufigste Form ist die zervikale Dystonie (Schiefhals), die zu einer anhaltenden oder wiederkehrenden Fehlstellung des Kopfes und/oder Halses führt. In manchen Fällen tritt auch ein Blepharospasmus (Lidkrampf) auf, der durch unkontrolliertes Blinzeln oder ein Zusammenkneifen der Augen gekennzeichnet ist. Eine weitere Erscheinungsform ist die oromandibuläre Dystonie, die die Gesichtsmuskulatur betrifft und Probleme beim Sprechen oder Kauen verursachen kann. Die Symptome können variieren und sich über die Zeit hinweg verändern, weshalb eine gezielte Diagnose entscheidend ist.
Einige spezifische Formen der Dystonie sind:
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- Lidkrampf (Blepharospasmus): Unkontrolliertes Zusammenkneifen der Augen.
- Spastischer Schiefhals (Torticollis, zervikale Dystonie): Fehlhaltung des Kopfes und Halses.
- Stimmbandkrampf (Spasmodische Dysphonie): Krampf der Stimmbänder.
- Schreibkrampf, Fußdystonie (Gliederdystonie): Dystonie der Gliedmaßen.
- Mund-, Zungen-, Schlundkrampf (Oromandibuläre Dystonie): Dystonie im Mundbereich.
- Segmentale Dystonie: Betrifft einzelne Muskelgruppen mehrerer benachbarter Körperteile (z. B. Schiefhals und Stimmbandkrampf).
- Multifokale Dystonie: Betrifft zwei nicht benachbarte Körperregionen (z. B. Schreibkrampf und Lidkrampf).
- Hemidystonie: Betrifft die Muskeln einer Körperhälfte.
- Torsionsdystonie: Betrifft die Muskeln des gesamten Rumpfes.
- Generalisierte Dystonie: Betrifft den ganzen Körper, häufig beginnend als segmentale/fokale Dystonie.
Ursachen von Kopfwackeln bei Dystonie
Kopfwackeln tritt auf, wenn die Muskeln im Nacken- und Kopfbereich nicht mehr harmonisch zusammenarbeiten. Eine gestörte Signalübertragung im Gehirn führt dazu, dass die betroffenen Muskelgruppen unkontrollierte Bewegungen ausführen. Genetische Faktoren, Verletzungen oder neurologische Erkrankungen können die Entstehung der Dystonie begünstigen. Auch chronischer Stress oder bestimmte Medikamente können als Auslöser infrage kommen. Die genaue Ursache ist oft schwer zu bestimmen und erfordert eine umfassende neurologische Untersuchung.
Die Ursachen der Dystonien sind noch nicht endgültig erforscht. Es liegt eine genetische Disposition mit familiärer Häufung vor. Auslösend sind - auf dem Boden einer Veranlagung - zunächst willkürlich auszuführende gleichförmige Bewegungsmuster, wie sie z.B. bei Musikern notwendig sind, so dass diese Berufsgruppe überzufällig häufig betroffen ist.
Folgen von Kopf-Dystonie die Lebensqualität
Dystonie-bedingtes Kopfwackeln kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Neben den sichtbaren unkontrollierten Bewegungen können Schmerzen, Verspannungen und psychische Belastungen auftreten. Viele Betroffene fühlen sich im sozialen Umfeld verunsichert oder ziehen sich zurück. Besonders bei berufsbedingten Herausforderungen kann die Störung erhebliche Einschränkungen mit sich bringen. Eine frühe Diagnose und eine gezielte Behandlung sind daher essenziell.
Unwillkürlich einsetzende, nicht steuerbare Bewegungen werden nicht selten sowohl von Ärzten als auch von Beobachtenden missdeutet als Angewohnheit, Manieriertheit oder Tic. Dies führt oft zu Vermeidungsverhalten der Betroffenen und dem fehlenden Bedürfnis, einen Spezialisten aufzusuchen.
Diagnose von Dystonie im Kopfbereich
Die Diagnose von Dystonien im Kopfbereich erfolgt meist durch spezialisierte Fachärzte für Neurologie. Der erste Schritt ist eine ausführliche Anamnese, bei der sowohl die individuelle Krankengeschichte als auch familiäre Vorbelastungen erfasst werden. Anschließend folgt eine neurologische Untersuchung, bei der gezielt unwillkürliche Bewegungen, Muskelverkrampfungen und Fehlhaltungen im Gesichts-, Kiefer- und Halsbereich beurteilt werden. Typisch sind dabei wiederkehrende oder anhaltende Muskelanspannungen und Bewegungsmuster, zum Beispiel unwillkürliches Blinzeln, Kieferverspannungen oder Kopfdrehungen.
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Um andere Ursachen - etwa strukturelle Hirnveränderungen, Tumore oder entzündliche Erkrankungen - auszuschließen, kommen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder in Einzelfällen eine Computertomographie (CT) zum Einsatz. In bestimmten Fällen kann auch eine elektrophysiologische Diagnostik, wie die Elektromyographie (EMG), sinnvoll sein, um die Muskelaktivität genauer zu analysieren. Eine frühzeitige und differenzierte Diagnose ist entscheidend, um rasch eine individuell passende Therapie einzuleiten. Personen mit anhaltenden oder sich verstärkenden Symptomen im Kopfbereich sollten sich daher zeitnah an eine neurologische Fachpraxis wenden.
Therapieoptionen bei Dystonie
Die Behandlung der Dystonie im Kopf- und Halsbereich richtet sich nach der Schwere der Symptome und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Eine effektive Behandlungsoption ist die Injektion von Botulinumtoxin, das den erhöhten Muskeltonus reduziert und unkontrollierte Bewegungen lindert. Ergotherapie und Physiotherapie können helfen, die Muskulatur zu entspannen und gezielt zu trainieren. In einigen Fällen kann auch eine medikamentöse Therapie mit Muskelrelaxantien oder Anticholinergika sinnvoll sein.
Eine Behandlung der Krankheitsursache ist ursächlich noch nicht möglich. Es gibt jedoch die Möglichkeit, die Symptome zu lindern durch lokale Injektionen des Nervengiftes Botulinumtoxin - das aus der ästhetischen Medizin zur Faltenglättung bekannt ist - in die betroffene überaktive Muskulatur.
Schwindel: Ursachen, Diagnose und Behandlung
Schwindel, in der medizinischen Fachterminologie auch als Vertigo bezeichnet, kann sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise äußern. Einige Betroffene haben das Gefühl, dass sich um sie herum alles dreht. Andere wiederum packt der Schwindel auf der Rolltreppe. Neben Rücken- und Kopfschmerzen gehören Schwindelgefühle zu den am häufigsten auftretenden Beschwerden. Schwindel ist eher ein sogenanntes „multisensorisches Syndrom“ und keine eigenständige Erkrankung. Nach Kopfschmerzen ist es das häufigste Symptom im Nervensystembereich.
Arten und Ursachen von Schwindel
Schwindel tritt ganz unterschiedlich auf. Er kann plötzlich da sein, sekunden- bis stundenlang dauern, wieder vergehen und zurückkommen. Auslöser sind häufig bestimmte Bewegungen oder die Schwindelattacke setzt bei körperlichen Belastungen und in bestimmten Situationen ein. Wenn die Schwindelzustände über Tage und Monate anhalten, spricht man von chronischem Schwindel. Der Schwindel selbst ist dabei Leitsymptom verschiedener Erkrankungen. Schädigungen im Innenohr, im Hirnstamm oder Kleinhirn können dabei die Ursache sein, auch psychische Störungen können zu Schwindel führen.
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- Vestibulärer Schwindel: Entsteht im Gehirn durch eine gestörte Informationsverarbeitung oder widersprüchliche Reize. Auslöser sind Reizungen oder Erkrankungen des Gleichgewichtssystems im Hirnstamm. Die Betroffenen erleben diese Schwindelattacken meist als Drehschwindel.
- Peripherer vestibulärer Schwindel: Betrifft den Gleichgewichtsnerv oder das Innenohr. Diese Form ist im Allgemeinen harmlos und die häufigste Erscheinungsform. Kleinste Steinchen oder Kristalle (Otolithen) im Gleichgewichtsorgan sind der Auslöser.
- Gutartiger Lagerungsschwindel: Tritt auf, wenn man sich im Bett umdreht oder aufsteht. Ursachen liegen in den Bogengängen des Innenohrs, wo sich winzige Kristalle ansammeln, die bei Kopfbewegungen die Sinneszellen irritieren und den Schwindel auslösen.
- Schwankschwindel: Geht mit einem ausgeprägten Schwankgefühl des eigenen Körpers einher, meist im Stehen. Bei plötzlicher Fallneigung in eine Richtung kann dies Ausdruck einer Durchblutungsstörung im Gehirn sein.
- Benommenheitsschwindel: Hier werden vom Patienten keine über den Schwindel selbst hinausgehenden Symptome berichtet. Ursachen können z.B. bei Diabetikern Über- oder Unterzuckerung, Augenprobleme oder Nebenwirkungen von Medikamenten sein.
- Altersschwindel: Tritt mit fortschreitendem Lebensalter auf. Wenn keine körperlichen Ursachen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schädigungen des Nervensystems festgestellt werden können, sprechen Ärzte von einem „Altersschwindel“. Eine Ursache können Durchblutungsstörungen sein.
- Phobischer Schwankschwindel: Zählt zur somatoformen Schwindelgruppe und tritt in psychischen Belastungssituationen auf. Die Betroffenen entwickeln häufig eine ängstliche Erwartungshaltung vor der nächsten Attacke.
Weitere Erkrankungen, die mit Schwindel einhergehen können, sind Innenohrentzündungen, Migräne oder entzündliche sowie degenerative Hirnerkrankungen. Auch Herzerkrankungen können indirekt Schwindel verursachen. Bestimmte Arzneipräparate, die das Innenohr schädigen können (z. B. bestimmte Antibiotika), können ebenfalls Schwindel auslösen.
Symptome von Schwindel
Schwindel tritt grundsätzlich immer mit bestimmten Begleitsymptomen auf. Diese Begleiterscheinungen hängen immer von der jeweiligen Schwindelform ab und können von Patient zu Patient variieren. Häufig bemerkbar sind Begleitbeschwerden wie Herzrasen, Übelkeit, Schweißausbrüche oder Erbrechen. Auch schnelle Augenbewegungen in eine bestimmte Richtung sind nicht selten. Bei einigen Schwindelformen können sogar Doppelbilder, Schluck- und Hörstörungen auftreten.
Einige spezifische Symptome, die bei Schwankschwindel auftreten können, sind:
- Stand- und Gangunsicherheit
- Benommenheit und Fallneigung
- Angstgefühle, die über den Anfall hinaus bestehen
- Schwarzwerden vor den Augen (selten)
- Übelkeit bis hin zu Erbrechen (selten)
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wem öfter schwindelig ist, sollte den Rat eines Arztes einholen. Mit seinem Arzt sollte man zum Beispiel sprechen, wenn heftige Schwindelattacken ohne äußere Ursache aus heiterem Himmel auftreten. Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Benommenheit, Sehstörungen oder Atemnot können den empfundenen Leidensdruck erhöhen und einen Hinweis auf die zugrunde liegende Erkrankung liefern.
Sollten wiederholt Schwindelgefühle auftreten, sollte unbedingt ein Facharzt für Neurologie konsultiert werden. Er kann gefährliche Erkrankungen wie zum Beispiel Schlaganfall, Nervenentzündungen oder Tumore ausschließen. Besonders wichtig ist die Untersuchung beim Neurologen, wenn Schwindelanfälle in Kombination mit starken Kopfschmerzen auftreten. Auch wenn sich der Schwindel über mehrere Tage hinweg erstreckt, sollten Sie unbedingt mit einem Facharzt darüber sprechen.
Diagnose von Schwindel
Die fachärztliche Diagnostik umfasst in der Regel eine neurologische und HNO-ärztliche Untersuchung. Wenn keine Ursache der Beschwerden gefunden werden konnte oder therapeutische Fragen offen geblieben sind, kann z.B. die Schwindel-Sprechstunde des Tübinger Zentrums für Schwindel- und Gleichgewichtserkrankungen hinzugezogen werden. Sie bündelt die fachliche Expertise am Uniklinikum zur weiterführenden Diagnostik und Therapie.
Hilfreich ist es, wenn Schwindelpatienten ihre Anfälle, sollten sie häufiger auftreten, schriftlich festhalten - dies kann z. B. in Form eines Schwindelkalenders stattfinden.
Therapieoptionen bei Schwindel
Die medizinische Behandlung ist abhängig von der Art und der Ursache des Schwindels. Vor allem bei starken und akuten Schwindelattacken sprechen einige Medikamente sehr gut an. Sie verbessern jedoch hauptsächlich die Symptome und nicht die Krankheit an sich. Als Akut-Medikation können auch Antihistaminika zum Einsatz kommen. Das kann vor allem bei Menière-Patienten in anfallsfreien Zeiten gute Resultate zeigen. Es gibt eine große Palette an weiteren Medikamenten, die gegen Schwindel helfen können. Diese sind meist pflanzlich oder homöopathisch und frei verkäuflich.
Körperliche Übungen können sehr wirksam gegen Schwindel helfen. Körperliche Schonung und Ruhe können den Schwindel sogar noch verschlimmern. Das Gleichgewichtssystem ist sehr komplex. Auch wenn beim Schwindel bestimmte Funktionen „ausfallen“, so gibt es doch bestimmte „Kompensationsmöglichkeiten“: Sie können beispielsweise die Funktion von anderen ausgefallenen „Systempartnern“ übernehmen. Im Rahmen dieser Therapie werden bestimmte körperliche Übungen durchgeführt, die beim betroffenen Patienten Haltungsunsicherheiten hervorrufen und von ihm eine Korrekturbewegung erfordern.
Sind die Schwindelgefühle psychisch bedingt, können psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen wie zum Beispiel eine Verhaltenstherapie weiterhelfen.
Bei muskulären Verspannungen können Massagen und gezielter Aufbau von z.B. Nackenmuskulatur helfen.
Für den gutartigen Lagerungsschwindel gibt es spezielle Lagerungsmanöver, bei denen durch bestimmte Kopfhaltungen die kleinen Störkristalle im Innenohr umgelagert werden, wodurch die Beschwerden verschwinden.
Funktionelle Schwindelsyndrome
Funktionelle Schwindelsyndrome äußern sich häufig durch die Wahrnehmung einer „Unsicherheit auf den Beinen“. Menschen haben das Gefühl „zu einer Seite zu kippen“ oder „den Boden unter den Füßen zu verlieren“. Der Schwindel kann auch mit Herzklopfen oder Brustenge, Zittern, Muskelverspannungen und weiteren Beschwerden einhergehen. Die Aufmerksamkeit für die körperlichen Symptome ist dabei hoch.
Besonders hoch ist die Gefahr, einen funktionellen Schwindel zu entwickeln bei plötzlichem Auftreten oder nicht abschließender diagnostischer Einordnung von Schwindelsymptomen. Es kann sogar eine Verschlimmerung beobachtet werden, wenn anfänglich spezifische Auslösesituationen vermieden werden und sich dies im Verlauf auf eine Vielzahl von Alltagsaktivitäten ausweitet.
Mit der Einleitung einer spezifischen Therapie, die individuelle Faktoren der Entstehung sowie die Exposition, d. h. die Konfrontation mit auslösenden Bedingungen berücksichtigt, bestehen gute Aussichten auf eine Besserung der Symptomatik. Die Therapie kann durch spezielle Physiotherapie, Psychotherapie oder eine Kombination beider Ansätze erfolgen.
Benommenheit und Schwindel
Benommenheit und Schwindel sind häufige Symptome, die viele Menschen im Laufe ihres Lebens erleben. Sie können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, von denen einige harmlos sind, während andere auf ernstere Gesundheitsprobleme hinweisen können.
Unterscheidung zwischen Schwindel und Benommenheit
Wenn Sie zwischen Schwindel und Benommenheit unterscheiden können, dann sind Sie im Hinblick auf die Ursachenfindung der Wahrnehmungsstörung schon einen großen Schritt weitergekommen. Schwindel entsteht durch widersprüchliche Informationen, die verschiedene Sinnesorgane an Ihr Gehirn senden. Benommenheit hingegen ist eine diffuse Störung der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung der Umgebung.
- Schwindel: Entsteht in der Regel durch eine eindeutig anatomisch zuordenbare Störung, wie z.B. Probleme im Innenohr.
- Benommenheit: Ist eine diffuse Störung der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung der Umgebung. Die globale Hirnfunktion, das heißt das Gehirn als Ganzes, ist gestört.
Ursachen von Benommenheit
Im Gegensatz zum systematischen Schwindel, wo wir die Störung anatomisch einem einzelnen Teil des Gehirns beziehungsweise Sinnesorgan zuordnen können, ist das bei der Benommenheit nicht der Fall. Das liegt daran, dass die globale Hirnfunktion, das heißt das Gehirn als Ganzes gestört ist.
Einige mögliche Ursachen für Benommenheit sind:
- Brain Fog: Eine Bewusstseinsstörung, die sich durch Körperlage, -bewegung oder -position nicht beeinflussen lässt. Ursache sind Störungen von Stoffwechselprozessen im Gehirn, z.B. Nährstoffmangel, Entzündungen oder Medikamente.
- Herzrhythmusstörungen: Können eine wichtige Ursache für Benommenheit sein. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen zu langsamen (bradykarden) und zu schnellen (tachykarden) Herzrhythmusstörungen.
- Orthostatische Benommenheit: Ist von der Körperposition abhängig und tritt typischerweise beim ruhigen Stehen auf. Sie wird durch einen Abfall des arteriellen Mitteldrucks verursacht.
- Kreislaufprobleme: Ein labilisiertes Kreislaufsystem kann besonders empfindlich auf Kreislauf-aktive und Stoffwechsel-aktivierende Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel reagieren.
Diagnose von Benommenheit
Neurologen und Hals-Nasen-Ärzte setzen bei den verschiedenen Formen des systematischen Schwindels gut standardisierte etablierte Tests ein. Die orthostatische Benommenheit sollte die Domäne der Herz-Kreislaufmediziner sein.
In der Cardiopraxis® wird eine unblutige photoplethysmografische Methode, das Finapres®-System, eingesetzt, um den Kreislauf differenziert zu bewerten. Dabei werden Blutdruck und Blutfluss sowie die Herzfrequenz in unterschiedlichen Körperlagen (Rückenlage vs. Stehen) gleichzeitig bestimmt.
Behandlung von Benommenheit
Die Behandlung von Benommenheit hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige allgemeine Maßnahmen, die helfen können, sind:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie 30 ml pro kg Körpergewicht pro Tag.
- Körperliches Training: Bio-Feedback Becken-Bodentraining und apparatives Atemmuskeltraining können helfen, Kreislaufstörungen zu beheben.
- Anpassung der Medikation: Kreislauf-aktive und Stoffwechsel-aktivierende Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sollten gegebenenfalls angepasst werden.
- Vermeidung von langem Stehen: Gerade längere Autofahrten erhöhen das Risiko für Benommenheit und kompensatorische innere Unruhe.
Brain Fog: Nebel im Gehirn
„Brain Fog“ bedeutet auf Deutsch „Nebel im Gehirn“. Darunter werden vor allem folgende Symptome zusammengefasst:
- Verwirrtheit
- Vergesslichkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Müdigkeit
- Antriebslosigkeit
- Wortfindungsstörungen
- langsames Denken
- Orientierungsprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Kopfschmerzen
Insgesamt macht es der Nebel im Gehirn den Betroffenen schwer, ihre Arbeit und ihren Alltag zu bewältigen. Der Begriff „Brain Fog“ wird in der Regel dann verwendet, wenn die Beschwerden nicht nur kurzfristig und vorübergehend auftauchen, sondern wenn sich daraus ein verfestigter Zustand entwickelt.
Ursachen von Brain Fog
Die unter dem Begriff „Brain Fog“ zusammengefassten Beschwerden können durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden. Einige davon sind eher leicht behebbar, etwa Flüssigkeitsmangel, zu wenig Schlaf, Bewegungsmangel oder schlechte Ernährung. Ein Übermaß an Stress kann ebenfalls für Nebel im Gehirn sorgen. Und auch Veränderungen infolge von Schwangerschaft oder Wechseljahren, können den Zustand begünstigen. Außerdem ist „Brain Fog“ als Symptom diverser Krankheiten und als Nebenwirkung von Therapien dokumentiert. Das gilt zum Beispiel für Diabetes, ADHS, Long Covid und das Posturale Tachykardiesyndrom, also Herzrasen und Schwindel beim Aufstehen. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können mit „Brain Fog“ einhergehen.
Auch ein Zusammenhang mit Migräne oder vergangenen Gehirnerschütterungen scheint zu existieren. Außerdem tritt der Zustand als Nebenwirkung von Chemotherapien gegen Krebs und anderen medikamentösen Therapien auf. Und auch im Zusammenhang mit langen Krankenhausaufenthalten wurde „Brain Fog“ beobachtet.
Es gibt Hinweise darauf, dass „Brain Fog“ in manchen Fällen durch Entzündungen im Gehirn ausgelöst werden könnte. Andere Forschungsergebnisse deuten auf eine fehlerhafte Regulierung des Blutflusses im Hirn der Betroffenen. Und auch ein Mangel an Serotonin, einem wichtigem Botenstoff, der eine Fülle von Funktionen im Gehirn beeinflusst, könnte eine Rolle spielen.
Brain Fog und Corona
Auch Menschen, die dauerhaft oder über längere Zeit unter den Folgen einer Infektion mit dem Corona-Virus leiden, klagen oft über „Brain Fog“. Betroffene sind nicht nur häufig körperlich schnell erschöpft, auch konzentriertes Denken fällt ihnen schwer.
Eine wissenschaftliche Hypothese sagt, dass sich die Entzündungsreaktion bei diesen Menschen auch nach der scheinbaren Genesung von Covid noch im Darm fortsetzt. Das wiederum könnte für eine verminderte Produktion von Serotonin sorgen, die Konsequenzen für die Arbeit des Gehirns hat. Ein ähnlicher Mechanismus wurde im Rahmen der Studie auch bei anderen Virusinfektionen beobachtet. Allerdings ist hier noch weitere Forschung nötig.
Was kann man gegen Brain Fog tun?
Die gezielte Behandlung von „Brain Fog“ als Folge von Krankheiten oder medizinischen Therapien ist in vielen Fällen deshalb problematisch, weil die Wissenschaft noch nicht die genauen Mechanismen verstanden hat, die für die Probleme im Gehirn sorgen.
Punktgenaue Behandlungen gegen „Brain Fog“ existieren in solchen Fällen leider nicht, hilfreich kann es aber schon sein, gesünder zu schlafen, sich mehr zu bewegen oder Stress abzubauen.
Auch eine gute Ernährung sorgt dafür, dass das Gehirn optimal mit Nährstoffen versorgt wird. Achten sollte man hier auf Kohlenhydrate aus Vollkorn, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (etwa aus Nüssen, Avocados oder Lachs), Eiweiß (vor allem aus mageren Milchprodukten, Eiern, Fisch, Hülsenfrüchten und Nüssen), Gemüse und Obst sowie mindestens anderthalb Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag.
Zur Behandlung von Diabetes oder ADHS zum Beispiel gibt es Medikamente. Depressionen oder Angstzustände können mit Psychotherapien oder Antidepressiva behandelt werden.
Solange das keine Linderung bringt, können Betroffene versuchen, sich mit den Symptomen zu arrangieren, um ihr Leben bestmöglich weiterzuführen. Pausen geben im Alltag dem Gehirn die Möglichkeit, sich zu erholen.