Gesättigte Fettsäuren und ihr Zusammenhang mit Alzheimer: Eine umfassende Analyse

Einführung

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Angesichts der steigenden Lebenserwartung nimmt auch die Zahl der Betroffenen stetig zu. Die Forschung konzentriert sich daher verstärkt auf die Identifizierung von Risikofaktoren und präventiven Maßnahmen. In diesem Zusammenhang rückt die Ernährung zunehmend in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen gesättigten Fettsäuren und dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken, unter Berücksichtigung aktueller Studienergebnisse und verschiedener Ernährungsansätze.

Alzheimer im Überblick

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, von der in Deutschland derzeit rund 1,8 Millionen Menschen betroffen sind. Jedes Jahr kommen etwa 440.000 Neuerkrankungen hinzu. Typische Symptome sind Gedächtnisverlust, Orientierungsprobleme, Sprachstörungen und Verhaltensänderungen. Die Erkrankung ist durch Eiweißablagerungen im Gehirn (Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Protein-Verklumpungen) und den Verlust von Hirnsubstanz gekennzeichnet.

Der Einfluss von Ernährung auf das Alzheimer-Risiko

Eine im Journal of Alzheimer's Disease veröffentlichte Studie von William B. Grant und Steven M. Blake wertete wissenschaftliche Arbeiten aus den vergangenen drei Jahrzehnten aus und zeigte, dass das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, durch die Ernährung deutlich gesenkt werden kann.

Risikofaktoren in der Ernährung

Bestimmte Ernährungsgewohnheiten und Inhaltsstoffe können das Risiko für Alzheimer erhöhen. Dazu gehören:

  • Häufiger Verzehr von rotem Fleisch: Dieser ist assoziiert mit Entzündungen, Insulinresistenz, oxidativem Stress, Homocysteinämie und Veränderungen des Darmmikrobioms.
  • Gesättigte Fettsäuren: Eine erhöhte Aufnahme von gesättigten Fetten ist mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer verbunden.
  • Advanced Glycation End Products (AGEs): Diese entstehen bei der Verarbeitung von Lebensmitteln und können Entzündungen fördern.
  • Hochverarbeitete Nahrungsmittel: Diese begünstigen Adipositas und Diabetes, beides Risikofaktoren für Alzheimer. Sie enthalten oft viel Zucker und raffiniertes Getreide und es fehlen ihnen die Alzheimer-protektiven, antientzündlichen und antioxidativen Inhaltsstoffe, die in vollwertigen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind.

Gesättigte Fettsäuren im Fokus

Eine Übersichtsanalyse von vier Einzeluntersuchungen mit Tausenden von Teilnehmern ergab deutliche Hinweise darauf, dass gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischem Fett vorkommen, in zu großen Mengen zu dem Risiko für eine Demenzerkrankung wie Alzheimer beitragen können. Das Risiko für die Alzheimererkrankung stieg um 39 %, das Risiko für eine Demenz stieg sogar um 105 % an. Eine Steigerung der Aufnahme gesättigter Fettsäuren von 4 g/Tag war mit einem um 15 % gestiegenen Risiko für die Alzheimerdemenz verbunden.

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Es ist wichtig zu beachten, dass die Gesamtfettmenge oder Fette mit ungesättigten Fettsäuren scheinbar nicht an dem erhöhten Demenzrisiko beteiligt sind.

Protektive Ernährung

Eine gesunde, vollwertige, pflanzenbasierte Kost kann hingegen vor Alzheimer schützen. Protektive Nahrungsmittel sind:

  • Grüne Blattgemüse
  • Buntes Obst und Gemüse
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Omega-3-Fettsäuren
  • Vollkornprodukte

Ernährungsformen wie die DASH- und die MIND-Diät mit reduziertem Fleischverzehr könnten das Risiko für Alzheimer um 40-50% reduzieren im Vergleich zu westlichen Ernährungsweisen.

Mediterrane Ernährung als Schutzfaktor

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass eine mediterrane Ernährung präventiv gegen Alzheimer-Demenz wirken kann. Diese Ernährungsweise ist reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Getreide, Fisch und einfach ungesättigten Fettsäuren wie Olivenöl. Forschende des DZNE fanden in einer Studie heraus, dass eine mediterrane Ernährungsweise möglicherweise vor Eiweißablagerungen im Gehirn und Gehirnatrophie schützen kann.

Diejenigen, die sich ungesund ernährten, wiesen höhere pathologische Werte an diesen Biomarkern im Nervenwasser auf als diejenigen, die sich regelmäßig mediterran ernährten. Auch bei den Gedächtnistests schnitten sie schlechter ab. Ein signifikanter positiver Zusammenhang bestand zwischen einer hohen Punktzahl auf der Lebensmittel-Skala für das mediterrane Ernährungsmuster und einem hohen Volumen des Hippocampus, einem Hirnareal, das als Schaltzentrale des Gedächtnisses gilt und bei Alzheimer frühzeitig und stark schrumpft.

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Weitere Risikofaktoren für Alzheimer

Neben der Ernährung gibt es weitere Faktoren, die das Alzheimer-Risiko beeinflussen können:

  • Armut: In den USA wird Armut als ein wichtiger Treiber der Alzheimer-Krankheit angesehen, da hochverarbeitete Nahrungsmittel billigere Energiequellen als gesunde Alternativen darstellen.
  • Adipositas und Diabetes: Diese Erkrankungen sind eng mit Alzheimer verbunden. Berechnungen gehen davon aus, dass die Alzheimer-Inzidenz in den USA von 2018 bis 2038 um etwa 50% steigen wird, basierend auf Vergleichen für die Entwicklung von Adipositas und Alzheimer in den USA.
  • Cholesterin: Hohe Cholesterinwerte - besonders in der Lebensmitte (40 bis 60 Jahre) - erhöhen das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Ein hoher LDL-Spiegel kann die Ablagerung der Proteine Amyloid-beta und Tau fördern.
  • Mangel an ungesättigten Fettsäuren: Eine britische Studie fand heraus, dass Frauen mit Alzheimer deutlich weniger ungesättigte Fettsäuren im Blut hatten, während gesättigte Lipide erhöht waren. Je mehr ungesättigte Fette im Blut vorhanden waren, desto besser schnitten die Betroffenen in kognitiven Tests ab.

Präventive Maßnahmen und Empfehlungen

Um das Alzheimer-Risiko zu senken, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Ernährungsumstellung: Reduzierung des Konsums von rotem Fleisch, gesättigten Fettsäuren und hochverarbeiteten Lebensmitteln. Stattdessen sollte eine pflanzenbasierte, vollwertige Kost mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen, Omega-3-Fettsäuren und Vollkornprodukten bevorzugt werden.
  • Mediterrane Ernährung: Diese Ernährungsweise kann das Gehirn vor Eiweißablagerungen und Gehirnatrophie schützen.
  • Regelmäßige Bewegung: Bereits 30 Minuten moderate Bewegung am Tag verbessern den Fettstoffwechsel.
  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol: Dies entlastet Herz und Gefäße.
  • Gewichtskontrolle: Schon eine moderate Gewichtsabnahme kann den LDL-Spiegel senken.
  • Cholesterinwerte im Blick behalten: Lassen Sie spätestens ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig Ihre Cholesterinwerte überprüfen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Es gibt Hinweise darauf, dass sich der Zusammenhang zwischen Fettsäuren und Alzheimer bei Männern und Frauen unterscheiden kann. Eine Studie fand heraus, dass bei Frauen mit Alzheimer deutlich weniger ungesättigte Fettsäuren im Blut vorhanden waren, während gesättigte Lipide erhöht waren. Bei Männern mit Alzheimer zeigten sich solche Veränderungen nicht. Dies deutet darauf hin, dass der Fettstoffwechsel von Frauen anders funktioniert und dass Frauen möglicherweise stärker von einer Ernährung mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren profitieren.

Cholesterin und Alzheimer

Hohe Cholesterinwerte, insbesondere in der Lebensmitte, erhöhen das Risiko, später an Demenz zu erkranken. Ein hoher LDL-Spiegel kann die Ablagerung der Proteine Amyloid-beta und Tau fördern, die typisch für die Alzheimer-Krankheit sind. Zu viel LDL-Cholesterin schädigt die Blutgefäße, erhöht das Risiko für Schlaganfälle und damit auch für eine vaskuläre Demenz. Die Lancet Commission on Dementia bestätigte 2024 diesen Zusammenhang: Menschen mit dauerhaft hohen LDL-Werten in der Lebensmitte haben ein messbar höheres Risiko für Demenz.

Es ist wichtig zu wissen, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel keine Beschwerden verursacht. Nur ein Bluttest zeigt, ob die Werte im Normbereich liegen. Cholesterin lässt sich jedoch beeinflussen - und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz.

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