Pferde sind sensible Lebewesen, die ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen. Die Art und Weise, wie sie visuelle Informationen verarbeiten, insbesondere in Bezug auf die Gehirnhälften, hat einen wesentlichen Einfluss auf ihre Reaktionen und ihr Stressniveau. Jüngste Forschungsergebnisse aus Italien und Großbritannien haben interessante Einblicke in diesen Zusammenhang geliefert.
Die Augen als Fenster zum Gehirn
Die Studie beweist: Pferde haben mehr Stress, wenn sie unbekannte Gegenstände mit dem linken Auge sehen. Denn jedes Auge nimmt die Umgebung eigenständig wahr. Die aufgenommenen Eindrücke durch das Sehen sind demnach nur an jeweils eine Gehirnhälfte gekoppelt. Daher bekommen die linke und rechte Gehirnhälfte von jedem Auge eigene Reize - von links nach rechts und von rechts nach links. Die visuelle Wahrnehmung von Pferden ist einzigartig, da jedes Auge mit der gegenüberliegenden Gehirnhälfte verbunden ist. Das linke Auge ist an die rechte Gehirnhälfte gekoppelt und umgekehrt. Diese laterale Spezialisierung des Gehirns bedeutet, dass die Informationen, die jedes Auge empfängt, unterschiedlich verarbeitet werden.
Sieht ein Pferd also ein unbekanntes Objekt mit dem linken Auge, ist die rechte Gehirnhälfte aktiv und andersherum. Kleines Manko: Zwischen den beiden Gehirnhälften hakt die Verbindung manchmal und die Informationen bleiben einfach „stecken“. Das eigentlich bekannte Objekt auf der rechten Seite hat das Pferd auf der linken Seite dann schon wieder völlig vergessen.
Experimentelle Befunde: Ballon-Studie enthüllt Zusammenhänge
Um die Auswirkungen der visuellen Wahrnehmung auf das Stressniveau von Pferden zu untersuchen, führten Forscherin Martina Felici von der Universität Pisa und ihr Team eine Studie mit 20 Pferden durch. Die Wissenschaftler füllten einen orangefarbenen Ballon mit Luft und platzierten ihn in der Box der Tiere. Sie beobachteten, mit welchem Auge die Pferde den unbekannten Gegenstand betrachteten und zeichneten gleichzeitig die Herzaktivität der Tiere mittels Elektrokardiogramm (EKG) auf.
Die Analyse der Daten ergab, dass Pferde, die den Ballon länger mit dem linken Auge betrachteten, eine deutliche physiologische Reaktion der Herzströme zeigten. Dies deutete darauf hin, dass die rechte Gehirnhälfte aktiv war und die Pferde sich in einem emotionalen Zustand befanden.
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Die Rolle der Gehirnhälften: Bedrohung vs. Reizverarbeitung
Laut Forschern unterscheidet sich die Aktivität der Gehirnhälften je nach Situation. Während die linke Seite an der Verarbeitung von Reizen beteiligt zu sein scheint, springt die rechte Seite bei akuter Bedrohung und Fluchtinstinkt an. „Daher scheint die rechte Gehirnhälfte zu dominieren, wenn eine starke Reaktion durch einen Reiz ausgelöst werden kann, der die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich gezogen hat - zum Beispiel eine Stressreaktion“, halten die Wissenschaftler fest. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die rechte Gehirnhälfte eine größere Rolle bei der Verarbeitung von Bedrohungen und der Auslösung von Stressreaktionen spielt.
Laterale Präferenzen: Dominantes Auge und Temperament
Auffällig war auch, dass die meisten Pferde den Ballon lieber mit dem ein oder anderen Auge erkundeten. Rund 40 Prozent der Vierbeiner hatten dagegen keine Präferenz. Die Forscher stellten fest, dass viele Pferde eine Präferenz für ein bestimmtes Auge zeigten. Dies bedeutet, dass sie dazu neigten, unbekannte Objekte eher mit dem einen als mit dem anderen Auge zu betrachten. „Pferde mit dominantem linkem Auge haben möglicherweise eine höhere Wahrscheinlichkeit, Angst oder Stress zu empfinden, weil die rechte Gehirnhälfte den ungewohnten Reiz verarbeitet.
Es wurde auch festgestellt, dass das Temperament eines Pferdes eine Rolle bei der lateralen Präferenz spielen kann. Dr. Isabell Marr hat gezeigt, dass sich aus der Startbeinpräferenz Rückschlüsse auf die Persönlichkeit ziehen lassen: „Tritt ein Pferd häufiger mit dem rechten Vorderbein an (Startbeinpräferenz), bringt es meist mehr Neugier mit - ideal für spielerisches Lernen. Tritt es vermehr mit links an, braucht es eher emotionale Sicherheit, Vertrauen und einen behutsamen Trainingsaufbau.“
Dualaktivierung: Das natürliche Ungleichgewicht ausgleichen
Die Dualaktivierung® wurde aus der Idee geboren, das natürliche Ungleichgewicht des linken und rechten Auges bzw. der Gehirnhälften auszugleichen. Linke und rechte Gehirnhälfte sind beim Pferd (fast) nicht miteinander verbunden, was dazu führt, dass ein Pferd alles von 2 Seiten lernen muss. Da das linke Auge mit der rechten Gehirnhälfte und das rechte Auge mit der linken Gehirnhälfte verbunden ist, kommt es zu Transferproblemen. Informationen, welche mit dem linken Auge aufgenommen werden, können nicht von der rechten in die linke Gehirnhälfte übertragen werden. Die Dualaktivierung® aktiviert durch die ständigen Rechts/Links-Reize das Pferd dazu, mehr Informationen von beiden Seiten aufzunehmen und sie im Gehirn zu verarbeiten. Durch Reizen beider Augen soll das Ungleichgewicht gemindert bzw. aufgehoben werden. Durch die Geitner Dual-Gassen kann man die Pferde sehr gut abwechselnd gerade stellen und biegen. Volte kehrt“ kann das Pferd durch Hilfe der Gassen besser bewältigen.
Weitere Sinne: Ein Zusammenspiel der Wahrnehmung
Pferde sind darauf angewiesen, ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Farben erkennen sie dagegen anders als der Mensch. Die Farben Blau und Gelb können sie eindeutig unterscheiden, Rot sehen sie als Grauton. Pferde sehen weniger scharf als wir. können sie erst bei größerem Abstand wahrnehmen. Sie sehen dabei etwa so gut wie ein Huhn. Pferdeaugen befinden sich seitlich am Kopf. Es entsteht vor den Vorderbeinen und hinter dem Rücken ein „toter Winkel“. Nur grasend kann ein Pferd seine Umwelt rundherum komplett sehen. Einige Pferderassen haben relativ weit nach vorne gerichtete Augen und können dir fast geradeaus in die Augen sehen. Diese Tiere erkennen Gegenstände viel klarer als andere. Mit dem linken Auge scheinen die meisten Pferde besser zu sehen als rechts. Die meisten nehmen eine Gefahr eher links als rechts wahr. einerseits unmittelbarer und schneller Angst als rechts, andererseits können sie ihn auch besser als ungefährlich einstufen. meist nach rechts weg. Rechts wahrgenommene Gegenstände scheinen Pferde weniger zu Beeindrucken. Neue Dinge zeigen wir dem Pferd immer von beiden Seiten. Wenn es lernt, sollte es immer von beiden Seiten lernen. jedem möglichen Blickwinkel betrachten. Nur dann kann man ziemlich sicher sein, dass es wirklich gelernt hat, sie als ungefährlich zu erkennen. Gegenstand mit dem anderen Auge womöglich vollkommen neu finden und sehr heftig reagieren.
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Pferde hören gut. Sie können im Gegensatz zu uns sehr hohe Töne (Ultraschall; 55 Hz bis 38 kHz) wahrnehmen. Tiefe Töne (Infraschall; unter 20 Hz) hören Menschen besser. Maulwürfe oder Wühlmäuse. Ein Pferd kann ängstlich oder nervös reagieren, wenn Ultraschall-Geräte aufgestellt werden. Die beweglichen Ohren orten Geräusche aus jeder Richtung genau. Ein verdächtiges Geräusch ist oft das erste Anzeichen einer Gefahr. Das Knacken eines Zweiges warnt vor Raubtieren. der Wind Töne über weite Strecken. Mit den Hufen nehmen Pferde die Schwingungen des Bodens wahr. So bemerken sie z.B. früh, wenn andere Tiere vor einer Gefahr fliehen. Auch Erdbeben können Pferde frühzeitig fühlen.
Implikationen für den Umgang mit Pferden
Auf die sensiblen Sinnesorgane der Pferde muss jeder Rücksicht nehmen, der mit dem Pferd umgeht. Es hört viel mehr als wir. unsichtbar oder gar nicht wichtig sind. Manchmal bekommt ein Pferd Angst, ohne dass wir die Ursache erkennst. Manchmal nehmen wir das Gleiche wahr, empfinden die Situation aber als ungefährlich. Pony sieht das vielleicht anders! Es ist ein Pferd. Sein Instinkt sagt ihm, dass es besonders aufmerksam sein muss. Bestrafen wir es also nie, wenn es erschrickt oder scheut. haben. Strafe lässt ein Pferd unsicher werden.
Der Tastsinn des Pferdes lässt sie selbst kleinste Fliegen auf dem Fell spüren. Lange Tasthaare machen den Maulbereich besonders sensibel. Hierbei helfen auch Geschmacks- und Geruchssinn. Über das Jacobson‘sche Organ nimmt das Pferd Gerüche besonders gut wahr. Es gibt eine sehr schnelle Verbindung zum Gehirn. In einer Pferdeherde müssen Informationen sehr schnell weitergegeben werden. Die Tiere sind daher sehr empfänglich für die Stimmung der Herdenmitglieder. werden alle Tiere sofort aufmerksam. Furcht, Angst oder Panik übertragen sich besonders schnell und gehen wie ein Lauffeuer durch die Herde. versetzen. Für die Stimmungen „seines” Menschen (oder auch eines fremden Reiters) ist ein Pferd sehr sensibel. haben oder uns freuen. Hat ein Pony Angst, sollten wirselbst ruhig bleiben. Schnell passieren Unfälle, weil der Reiter die Angst seines Pferdes noch verstärkt. das, was ein Pony eben geschafft hat, wird es das genauso spüren. Man merkt das an seinem Gang, seiner Kopfhaltung, seinen Bewegungen.
Pferdegedächtnis: Ein Elefantengedächtnis
Pferde haben ein echtes Elefantengedächtnis. Sie erkennen bekannte Gesichter sogar auf Fotos und wissen, wie unsere Laune beim letzten Besuch war. Denken Sie beim nächsten Training daran! Waren Sie mal länger von Ihrem Pferd getrennt? Schön ist das nicht! Doch in Zukunft wissen Sie: So schnell vergisst Ihr Pferd Sie nicht. Was Pferdebesitzer erlebt haben, ist nun Stand der Forschung: Pferden haben eine hochentwickelte Fähigkeit, sich an Gesichter zu erinnern. Völlig überraschend ist diese Fähigkeit für die Forscher nicht - immerhin sind Pferde soziale Tiere. Daher ist es für sie nützlich, sich daran zu erinnern, ob ein anderes Pferd bei der letzten Begegnung freundlich oder aggressiv war. So können sie ihr eigenes Verhalten entsprechend anpassen. Auch ob eine Begegnung mit einem Menschen für sie positiv oder negativ war, wissen Pferde noch Monate später. Das zeigen frühere Forschungsergebnisse von Léa Lansade.
Gesichtserkennung und emotionale Reaktionen
„Hey, dich kenn ich doch!“ Pferde können sich erstaunlich gut an Gesichter erinnern. Im Experiment sahen die Pferde zwei Minuten lang das Foto einer Person, entweder mit ärgerlichem oder glücklichem Gesichtsausdruck. Trafen sie diese Person einige Stunden später mit neutralem Gesichtsausdruck, zeigten die Pferde eine andere Reaktion, je nachdem welches Foto sie zuvor gesehen hatten. War die Person zuvor verärgert, schauten sie diese signifikant häufiger zuerst und auch länger mit dem linken Auge an, das Pferde für negative oder potenziell gefährliche Reize bevorzugen. Außerdem zeigten sie häufiger Übersprungshandlungen wie Scharren, Schnüffeln am Boden oder Lecken und Kauen. Hatten sie den Menschen zuvor glücklich gesehen, gab es für den ersten Blick auf die Person kein eindeutig bevorzugtes Auge. Die Pferde betrachteten den Menschen aber insgesamt länger mit dem rechten Auge, das für die Wahrnehmung positiver sozialer Reize zuständig ist.
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Positive Trainingsabschlüsse
Das Trainings-Ende bleibt in Erinnerung"Die Ergebnisse zeigen nochmal, wie wichtig ein positiver Abschluss des Trainings ist, damit das Pferd motiviert bleibt", findet Dr. Vivian Gabor, Pferdewissenschaftlerin und Leiterin des Instituts für Verhalten und Kommunikation in Greene/Niedersachsen. Kann das Pferd die letzte Aufgabe gut meistern und wird dafür auch noch belohnt, wird es beim nächsten Mal gerne mitarbeiten. Dr. Vivian Gabor lässt ihr Pferd auch bei der Bodenarbeit bewusst stehen und Pause machen.
Bedeutung des Kleinhirns und regelmäßige Wiederholungen
Nicht nur das Gedächtnis für Emotionen ist beim Herdentier Pferd gut entwickelt. "Als Bewegungstier hat das Pferd auch ein ausgeprägtes Kleinhirn. Es ist für die Motorik und die Koordination zuständig, was natürlich für ein Fluchttier sehr wichtig ist", sagt Dr. Vivian Gabor. Auch wenn das Pferd neue Bewegungsabläufe lernt, wird das Kleinhirn aktiviert. Damit Pferde sich nach Jahren noch an Lektionen erinnern, sollte man diese regelmäßig wiederholen. "Dann werden sie - ähnlich wie bei uns das Fahrradfahren - als automatisierte Prozesse tief abgespeichert und nicht mehr verlernt", betont Vivian Gabor. Das betrifft etwa Seitengänge oder auch Zirkuslektionen wie spanischen Schritt.
Scheinbarer Gedächtnisverlust und Konzentrationsfähigkeit
Manchmal können Fluchttier-Körper und -Gedächtnis im Training auch irritieren. Beim Pferd liegen die Augen seitlich und sehen unabhängig voneinander (monokular). Das linke Auge ist mit der rechten Gehirnhälfte verbunden, das rechte Auge mit der linken. Bei der Verknüpfung hakt es jedoch. Deshalb scheuen Pferde häufig, wenn sie ein längst bekanntes Schreckgespenst zum ersten Mal aus der anderen Richtung kommend passieren. "Wir müssen uns als Pferdehalter dieser Eigenschaften bewusst sein und dürfen nicht sauer werden, wenn der Fluchtinstinkt unseres Pferdes einsetzt, weil es vermeintlich unter Gedächtnisverlust leidet", so Dr. Vivian Gabor. Für die Verhaltensforscherin ist die Konzentrationsfähigkeit während des Trainings der Schlüssel zur Erinnerung. Denn nur ein aufmerksames und konzentriertes Pferd kann Informationen aus dem Gedächtnis abrufen.
Pausen und Trainingsgestaltung
Pausen helfen beim Speichern im GedächtnisPausen sind für die Trainerin das A und O, damit sich Pferde beim nächsten Mal gut an neu Gelerntes erinnern: "30 Sekunden am langen Zügel Schritt gehen oder entspannt stehen, ohne etwas vom Pferd zu fordern, reichen oft schon aus. Auch Pausentage sind sinnvoll, zwei bis drei Einheiten in der Woche reichen, um Neues zu festigen." (Mehr zum Lern-Training lesen Sie in Vivian Gabors neuem Buch "Mein Pferd kann’s", Müller Rüschlikon) Wer diese Regeln beherzigt, wird staunen, was sich Pferde alles merken. Vivian Gabor sieht es so: "Unsere Pferde haben ein richtiges Elefantengedächtnis und können sich langfristig an mehr erinnern als gedacht. Nun liegt es bei uns Pferdebesitzern, ob die Erinnerungen an uns negativ oder positiv sind."
Forschung vs. Alltagserfahrung
"Wir bestätigen Vermutungen"Lisa Rädlein Pferdeverhaltensforscherin Prof. Konstanze Krüger erklärt, wie Alltagserfahrung und Forschung zusammenspielen. Pferdeverhaltensforscherin Prof. Konstanze Krüger erklärt im Interview, wie Alltagserfahrung und Forschung zusammenspielen. CAVALLO: Dass Pferde ihre Menschen kennen, und das auch nach längerer Zeit, ist Reitern nicht neu. Warum beweisen Studien oft scheinbar schon Bekanntes? Konstanze Krüger: In der Wissenschaft geht es darum, Vermutungen zu bestätigen oder zu widerlegen. Auf persönliche Erfahrungen ist im Prinzip kein Verlass, weil sie immer subjektiv sind. Wir wollen Verhaltensmuster zuverlässig testen und nachweisen, dass es sich nicht um Zufall handelt.
Herausforderungen der Gedächtnisforschung
Welche Herausforderungen gibt es bei der Erforschung des Pferdegedächtnisses? Das Kurzzeitgedächtnis von Pferden über eine Spanne von zehn Sekunden bis zwei Minuten ist mit Hilfe von Lern- und Merkfähigkeitstests schon relativ gut erforscht - das ist übrigens ziemlich miserabel. Interessant und noch wenig erforscht ist das Langzeitgedächtnis über Jahre. Solche Langzeitstudien durchzuführen, ist aber nicht einfach, weil zum Beispiel die Pferde und ihre Besitzer über sechs bis zehn Jahre dabeibleiben müssen.
Visuelle Wahrnehmung und Fotografie
Hat Sie überrascht, dass Pferde ihre Besitzer laut einer aktuellen französischen Studie nach sechs Monaten noch auf Fotos erkennen? Einerseits nicht wirklich, denn wir sind in unseren Studien immer davon ausgegangen, dass Pferde die Personen kennen, die sich um sie kümmern. Andererseits war bisher nicht klar, ob sie diese auch auf Fotos erkennen würden, da die visuelle Wahrnehmung von Pferden anders ist als die von Menschen.
Zusammenarbeit von Forschung und Pferdebesitzern
Wie kommt die Pferde-Forschung überhaupt zu ihren Themen? Oft geht es darum, Wissen aus der Bevölkerung zu überprüfen. Der Input von Pferdebesitzerin ist für uns auch wichtig, beispielsweise lassen meine Kolleginnen und ich uns für unser Buch-Projekt "The Beautiful Equine Mind" von originellen und besonders cleveren Verhaltensweisen erzählen, die Pferde an den Tag legen. Das ist sehr beeindruckend und so kommen Forschung und Alltagsbeobachtungen zusammen.
Widerlegung von Mythen
Wo hat die Pferde-Wissenschaft denn schon falsche Annahmen von Reitern über Pferde entlarvt? Wir konnten den Mythos der alleinigen Leitstute widerlegen. Man ist davon ausgegangen, dass eine Gruppe von der ranghöchsten Stute und dem ranghöchsten Hengst geführt wird. Allerdings ist das nicht der Fall. Bei gezielten Beobachtungen stellten wir fest, dass Stuten sich die Leitung der Gruppe teilen. Selbst rangniedrige Tiere bewegten die Gruppe, allerdings viel seltener.
Erfahrungen von Pferdebesitzern
"Nach sieben Jahren erkannte mich mein Wallach wieder und konnte die gemeinsam gelernten Zirkuslektionen immer noch"Aufgrund seiner EMS-Erkrankung gab ich meinen Wallach schweren Herzens ab. Er zog in einen weit entfernten Offenstall, da es bei mir in der Umgebung keinen geeigneten gab. Ihn in der Zwischenzeit zu sehen, hätte zur sehr geschmerzt. Nach sieben Jahren habe ich nun einen eigenen Offenstall und holte ihn zurück. Die früheren Besitzer hatten mit ihm keine Zirkuslektionen geübt. Der kleine Kerl kam bei mir zur Welt, nach dem Absetzten gaben wir ihn an den Besitzer zurück. Drei Jahre später besuchte ich ihn. Er kam auf mich zugetrabt und schleckte mir hingebungsvoll durchs Gesicht. Etwas ungezogen, aber so hatte er mich auch als Fohlen immer begrüßt. Sonst mache er das bei niemandem, sagte mir sein Besitzer. Er hatte das Pferd verkauft und besuchte es nach etwa einem Jahr im neuen Stall. Das Pferd stand auf der Koppel, sah den Mann, kam prompt zum Zaun - und wendete ihm gleich das Hinterteil zu: Es wusste offenbar genau, dass dieser Mensch seine Lieblingskraulstelle kannte.
Gesichtsausdrücke und Emotionen
Diese gewagte Behauptung versuchten Wissenschaftler um Karen McComb, University of Sussex, Brighton, anhand von Untersuchungen mit 28 Pferden auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen. Sie beobachteten 21 Wallache und 7 Stuten, die am Halfter vor lebensgroße Fotos von Menschen (aggressiv bzw. freundlich blickend) geführt wurden. Das freundliche Menschengesicht betrachteten die Pferde mit beiden Augen gleich lange, das aggressive Männergesicht (mit gefletschten Zähnen) hingegen häufiger mit ihrem linken Auge. Laut Aussage der Studie - ja. Denn das linke Auge leitet Informationen als erstes zur rechten Gehirnhälfte. Und diese wiederum verarbeitet Gefühle. Anscheinend wollten die Testpferde die mögliche Gefahr besser einschätzen können, die von dem aggressiven Gesicht offenbar ausgehen könnte. Und schauten deshalb eher mit dem linken Auge? Einerseits wird von der Fähigkeit der Pferde ausgegangen, den Gesichtsausdruck von Menschen richtig deuten zu können. Andererseits konnten laut Fazit der Forscher signifikante Verhaltensunterschiede der Pferde nicht festgestellt werden. Im Übrigen handelt es sich um eine sehr kleine Probandenzahl, die die Aussagekraft der Versuche natürlich schmälert.
EquiFACS: Ein Kodierungssystem für Pferdemimik
Mittlerweile wurde ein sogenanntes Kodierungssystem (EquiFACS, Equine Facial Action Coding System) für Pferdemimik entwickelt. Ausgehend vom bereits existierenden Kodierungssystem für menschliche Gesichtsbewegungen modifizierte man dieses System hinsichtlich der Gesichtsmuskulatur von Pferden - und erarbeitete 17 verschiedene „Bewegungseinheiten“. Hierzu zählen alle Gesichtsausdrücke, die ein Pferd mit seiner Gesichtsmuskulatur zeigen kann: Augenbrauen hochziehen, Augen rollen, Zähne zeigen, Lippenstellungen - und natürlich die vielfältigen Möglichkeiten des Ohrenspiels. Dieses Kodierungssystem förderte das erstaunlich reiche Repertoire an Ausdrucksnuancen von Pferden zutage (Menschen 27 Bewegungseinheiten, Schimpansen 13, Hunde 16, Katzen 21). Welch Fortschritt, Schmerzanzeichen des Pferdes kodieren zu können. Allerdings: Bisher noch nicht erforscht sind „pferdische“ Gesichtsausdrücke, die mit positiven Erfahrungen assoziiert sind - Freude, Zufriedenheit, Fröhlichkeit, Gelassenheit usw. Hier kann es zu groben Fehlinterpretationen der Pferdemimik und Körpersprache kommen. Trotz Kodierungssystems! Dr. Diese gewagte Behauptung versuchten Wissenschaftler um Karen McComb, University of Sussex, Brighton, anhand von Untersuchungen mit 28 Pferden auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen. Sie beobachteten 21 Wallache und 7 Stuten, die am Halfter vor lebensgroße Fotos von Menschen (aggressiv bzw. freundlich blickend) geführt wurden. Das freundliche Menschengesicht betrachteten die Pferde mit beiden Augen gleich lange, das aggressive Männergesicht (mit gefletschten Zähnen) hingegen häufiger mit ihrem linken Auge. Laut Aussage der Studie - ja. Denn das linke Auge leitet Informationen als erstes zur rechten Gehirnhälfte. Und diese wiederum verarbeitet Gefühle. Anscheinend wollten die Testpferde die mögliche Gefahr besser einschätzen können, die von dem aggressiven Gesicht offenbar ausgehen könnte. Und schauten deshalb eher mit dem linken Auge? Einerseits wird von der Fähigkeit der Pferde ausgegangen, den Gesichtsausdruck von Menschen richtig deuten zu können. Andererseits konnten laut Fazit der Forscher signifikante Verhaltensunterschiede der Pferde nicht festgestellt werden. Im Übrigen handelt es sich um eine sehr kleine Probandenzahl, die die Aussagekraft der Versuche natürlich schmälert. Mittlerweile wurde ein sogenanntes Kodierungssystem (EquiFACS, Equine Facial Action Coding System) für Pferdemimik entwickelt. Ausgehend vom bereits existierenden Kodierungssystem für menschliche Gesichtsbewegungen modifizierte man dieses System hinsichtlich der Gesichtsmuskulatur von Pferden - und erarbeitete 17 verschiedene „Bewegungseinheiten“. Hierzu zählen alle Gesichtsausdrücke, die ein Pferd mit seiner Gesichtsmuskulatur zeigen kann: Augenbrauen hochziehen, Augen rollen, Zähne zeigen, Lippenstellungen - und natürlich die vielfältigen Möglichkeiten des Ohrenspiels. Dieses Kodierungssystem förderte das erstaunlich reiche Repertoire an Ausdrucksnuancen von Pferden zutage (Menschen 27 Bewegungseinheiten, Schimpansen 13, Hunde 16, Katzen 21). Welch Fortschritt, Schmerzanzeichen des Pferdes kodieren zu können. Allerdings: Bisher noch nicht erforscht sind „pferdische“ Gesichtsausdrücke, die mit positiven Erfahrungen assoziiert sind - Freude, Zufriedenheit, Fröhlichkeit, Gelassenheit usw. Hier kann es zu groben Fehlinterpretationen der Pferdemimik und Körpersprache kommen. Trotz Kodierungssystems! Dr.
Der Kluge Hans: Körpersprache statt Rechenkünste
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein Pferd bekannt, das angeblich rechnen konnte. Das Ergebnis zeigte der "Kluge Hans" per Hufklopfen an. Sein Trick: Das Pferd erkannte an der Körpersprache seines Besitzer, wann er mit Klopfen aufhören sollte.
Emotionale Reaktionen und Herzfrequenz
Pferde sind Flucht- und Herdentiere und wurden vor ungefähr 6.000 Jahren vom Menschen domestiziert. "Mich interessierte schon immer, wie Tiere und Menschen miteinander kommunizieren. Kollegen von uns konnten zeigen, dass Hunde verärgerte und fröhliche Gesichtsausdrücke von Menschen deuten können. An dem Versuch nahmen 28 Pferde teil. Amy Smith von der University of Sussex im britischen Brighton ging mit ihren Kolleginnen zu den Pferden in den Stall und zeigte ihnen ohne vorheriges Training Fotos, auf denen entweder ein verärgertes oder ein fröhliches Gesicht zu sehen war. Während des Versuchs schauten die Forscherinnen die Pferde nicht an, um die Tiere nicht zu beeinflussen. Bereits bekannt ist, dass sich ihr Herzschlag erhöht, wenn Menschen um sie herum gestresst sind. Auch die Psychologinnen um Amy Smith maßen den Herzschlag der Tiere, und zwar fünf Minuten bevor sie die Fotos präsentierten, und fünf Minuten danach. "Immer wenn sie das verärgerte Gesicht gesehen haben, hat sich ihr Herzschlag erhöht. Aus der Literatur wussten die Wissenschaftlerinnen außerdem, dass viele Säugetiere, auch der Mensch, vor allem das linke Auge nutzen, um Gefahren zu taxieren. Diese Art von Stimuli werden dann in der rechten Hirnhälfte verarbeitet. "Immer wenn sie das verärgerte Gesicht angeschaut haben, dann taten sie dies vor allem mit dem linken Auge. "Ihre Augen sind seitlich am Kopf. Sie drehen ihn, um ein Objekt besser mit dem einen oder dem anderen Auge sehen zu können. Bei den fröhlichen Gesichtern zeigten sie dieses Verhalten deutlich seltener. Auch erhöhte sich ihr Herzschlag dann nicht so stark, wie beim Anblick der verärgerten Gesichter. "Das könnte mit der langen gemeinsamen Evolution von Pferd und Mensch zu tun haben. Wir haben die Pferde vor 6.000 Jahren domestiziert. Sie konnten sich also lange Zeit an unser Verhalten gewöhnen. Wir glauben, dass es für sie vorteilhaft ist, unsere Emotionen zu verstehen. Nicht nur Hunde, auch Pferde können also die Emotionen in Menschengesichtern deuten.
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