Botox bei Migräne: Anwendung, Wirkung und alles, was Sie wissen müssen

Chronische Migräne kann den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Wenn herkömmliche Medikamente nicht ausreichend wirken, kann Botox® eine wirksame Behandlungsoption sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anwendung von Botox® bei Migräne, einschließlich der Wirkungsweise, des Behandlungsablaufs, der Risiken, Nebenwirkungen und Alternativen.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Kopfschmerzen zeichnet sich Migräne durch ihre Intensität und begleitende Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit aus. Es gibt verschiedene Arten von Migräne, darunter Migräne mit Aura (neurologische Symptome wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühle) und Migräne ohne Aura.

Von chronischer Migräne spricht man, wenn ein Patient länger als 3 Monate an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet, die an mindestens acht Tagen migräneartig sind. Schätzungsweise 1-2 % der Bevölkerung leiden an chronischer Migräne.

Wie wirkt Botox® gegen Migräne?

Botox®, auch bekannt als Botulinumtoxin Typ A, ist ein Medikament, das vielen Menschen aus der Faltenbehandlung bekannt ist. Tatsächlich wird Botox® aber auch in vielen anderen Bereichen medizinisch genutzt, zum Beispiel in der Behandlung von Spastiken oder dem Schielen. Auch bei Migräne lässt sich mit Botox® in vielen Fällen eine nachhaltige Besserung erzielen.

Botox® hemmt die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe, die für die Muskelaktivität verantwortlich sind. Dadurch können sich Muskeln in den von der Migräne betroffenen Regionen nicht mehr so stark anspannen. Die Migräneschmerzen lassen nach oder klingen sogar vollständig ab.

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Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass eine Migräne entsteht, wenn der sogenannte Trigeminusnerv, der unter anderem für die sensorische Wahrnehmung im Gesicht verantwortlich ist, verschiedene Botenstoffe ausschüttet. Dadurch können Schmerzsignale erzeugt oder entzündliche Reaktionen in der Hirnhaut angeregt werden. Zu den beteiligten Botenstoffen gehören Glutamat, Substanz P und Calcitonin-Gene-Related-Peptid (CGRP).

BOTOX® mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A kann dies reduzieren, indem es die Ausschüttung der Botenstoffe hemmt. Ohne diese Botenstoffe kann der Nerv nur eingeschränkt Schmerzsignale weiterleiten und auch die Erweiterung der Blutgefäße in der Hirnhaut und das dortige Entzündungsgeschehen werden gehemmt. Damit kann BOTOX® gegen Kopfschmerzen bei chronischer Migräne helfen.

Es ist bis heute nicht vollständig geklärt, wie BOTOX in der vorbeugenden Behandlung der chronischen Migräne genau wirkt. Studien zeigen jedoch, dass das Botox zusätzlich zum Botenstoff Acetylcholin auch noch andere Neuropeptide und Neurotransmitter hemmt, die an der Schmerzreizung beteiligt sind, darunter Glutamat, Substanz P, CGRP und Neurokinin A.

Für wen ist eine Botox®-Behandlung geeignet?

BOTOX® kommt für Erwachsene infrage, bei denen vorbeugende Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden.

Die Migräne Behandlung mit Botox® eignet sich für Patient:innen, die unter chronischer Migräne leiden und deren Lebensqualität dadurch erheblich beeinträchtigt ist. Insbesondere Betroffene, bei denen herkömmliche Therapien wie Medikamente nicht ausreichend wirksam sind oder Nebenwirkungen verursachen, können von dieser Methode profitieren. Vor der Behandlung führt der Arzt ein ausführliches Beratungsgespräch, um zu prüfen, ob Botox® bei Migräne für Sie geeignet ist. Dabei werden Ihre individuellen Symptome, die Häufigkeit der Migräneanfälle und bisherige Behandlungsansätze berücksichtigt.

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Ablauf der Botox®-Behandlung

Wenn im Rahmen der schmerztherapeutischen Behandlung die Indikation zur Botox-Behandlung gesehen wird, d.h. Sie leiden unter chronischer Migräne und vorige Therapien mit Betablockern, Topiramat waren unwirksam, erhalten Sie eine Aufklärung und einen Behandlungstermin, sowie ein Rezept über Botox. Zur Behandlung bringen Sie dann bitte Botox gekühlt mit, oder wir arrangieren mit Ihrer Apotheke, daß Botox zu uns geliefert wird.

In der Praxis erfolgt dann nach Desinfektion die Injektion 0,05ml Botox an 31-39 definierten Stellen mittels der feinsten gebräuchlichen Nadel sowie Mikroliterspritze.

Bei der Behandlung mit BOTOX® werden geringe Mengen Botulinumtoxin Typ A in bestimmte Punkte in den Muskeln Ihres Kopfes, Nackens und Schulterbereichs gespritzt. In der direkten Umgebung dieser Injektionsstellen liegen unter anderem der Gesichtsnerv und weitere Nerven, die an der Entstehung von Migräne beteiligt sind. Hier entfaltet BOTOX® gegen Migräne seine Wirkung.

Für die Anwendung gibt es ein spezielles Behandlungsschema, das sich PREEMPT-Schema nennt. Hierbei wird BOTOX® mit besonders dünnen Nadeln in 31 festgelegte Punkte injiziert. Die Behandlung selbst dauert meist nur wenige Minuten und kann im Sitzen oder Liegen durchgeführt werden. Je nach Schmerzmuster kann zusätzlich an weiteren Injektionsstellen eine Behandlung erfolgen. Somit sind bis zu 39 Punkte für die Injektion möglich.

Die aktuelle Standarddosierung gemäß Herstellerempfehlung und Zulassung in Deutschland beträgt pro Behandlung zwischen 155 und 195 sogenannten „Allergan-Einheiten“ (AE). Die Erstbehandlung erfolgt dabei regelmäßig mit 155 AE, verteilt über die folgenden 7 Zonen und insgesamt 31 Injektionspunkte für die Migränespritze.

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Sollte sich nach der Erstbehandlung mit der Standarddosis kein Erfolg einstellen, so sollte in einer zweiten Sitzung die Erhöhung auf 195 E erwogen werden. Die zusätzlichen Einheiten werden dann auf die Zonen verteilt, in denen der Patient das intensivste Schmerzempfinden verspürt. (Follow the Pain)

Üblicherweise erfolgt die Behandlung alle 3 Monate. Im 2. Behandlungsjahr kann bei anhaltendem Therapieerfolg versucht werden, das Intervall auf 4 Monate zu verlängern. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, den 3-Monatszeitraum beizubehalten, aber die Dosierung zu verringern.

Es kann auch versucht werden, die Behandlung auszusetzen und erst bei erneut einsetzenden Beschwerden wieder aufzunehmen.

Es ist wichtig, von Beginn an drei Behandlungstermine einzuplanen, jeweils im Abstand von 12 Wochen, da die Wirkung mit der Zeit zunimmt.

Was ist nach der Migränebehandlung mit Botox® zu beachten?

Die Migräne Therapie verursacht in der Regel keinerlei Ausfallzeiten. Auch eine spezifische Nachsorge ist nicht erforderlich. Sie sollten lediglich darauf achten, dass Sie den Kopf in den folgenden Stunden aufrecht halten und sich nicht hinlegen. So gehen wir sicher, dass das Botox® in der gewünschten Region verbleibt und wirkt.

Weiterhin empfehlen wir, sich für 1 - 2 Tage körperlich zu schonen und auf Sonnenbäder, Sauna- und Solariumgänge zu verzichten. Die Behandlungsstellen sollten nicht massiert werden.

Direkt nach der Behandlung können Ihnen folgende Tipps helfen: Bleiben Sie noch ein paar Minuten in der Praxis, um sicherzugehen, dass Sie die Behandlung mit BOTOX® gut vertragen. Mögliche Schwellungen im behandelten Bereich bilden sich meist innerhalb von 30 Minuten von selbst wieder zurück. In den ersten 24 Stunden nach der Behandlung achten Sie bitte auf Folgendes: Vermeiden Sie es, den Bereich der Injektion zu reiben oder zu massieren. Wenden Sie keine Gesichtsmaske oder Peeling an. Lassen Sie keine Physiotherapie und Lymphdrainagen durchführen. Verzichten Sie auf einen Saunabesuch oder ein Sonnenbad. Mit diesen Maßnahmen können Sie einer Verteilung von BOTOX® an andere Stellen vorbeugen bzw. eine mögliche Verringerung der Wirkung verhindern. Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen: Vielleicht sind Sie im Anschluss an die Behandlung etwas erschöpft. Gönnen Sie sich nach einem Behandlungstermin etwas Ruhe. Führen Sie über die Zeit der Behandlung ein Migräne- und Kopfschmerztagebuch.

Wie lange hält das Ergebnis einer Behandlung gegen Migräne mit Botox® an?

Die Wirkung einer Botox® Migräne Behandlung hält in der Regel etwa drei bis sechs Monate an. Die Dauer kann jedoch individuell variieren. Nach dieser Zeit können die Migränesymptome allmählich zurückkehren. Um einen langfristigen Erfolg zu gewährleisten, empfiehlt es sich, die Behandlung in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Bei fortlaufender Therapie kann es sogar zu einer weiteren Reduzierung der Migräneanfälle kommen. Der Arzt erstellt gemeinsam mit Ihnen einen individuell angepassten Behandlungsplan.

Mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen

BOTOX® ist im Allgemeinen gut verträglich. Wie bei jeder medikamentösen Behandlung ist es jedoch möglich, dass Nebenwirkungen auftreten. Meist sind diese nur leicht bis mittelschwer ausgeprägt und treten vorübergehend auf.

Die häufigsten Nebenwirkungen beim Einsatz von BOTOX gegen Migräne sind Nacken- und Kopfschmerzen für 2-3 Tage. An den Einstichstellen der Migräne Spritze kommt es zu kurzzeitigen Rötungen, die binnen weniger Minuten wieder vergehen. Vereinzelt können auch leichte Blutergüsse auftreten.

Weil BOTOX ähnlich wie bei Faltenbehandlungen in den Stirnmuskel injiziert wird, kann es zu hängenden Augenbrauen (Ptosis) kommen. Auch eine Schwäche der Nackenmuskulatur bei sehr schlanken Patienten kann vorkommen.

Es gibt einige Erkrankungen, bei denen Botox generell nicht angewendet werden sollte:

  • Neuromuskulären Erkrankungen
  • bei Schluckstörungen oder chronischen Atembeschwerden.
  • Das Bestehen akuter Infekte und Entzündungen der vorgesehenen Injektionsstellen.
  • Die gleichzeitige Einnahme bestimmter Medikamente, die die muskuläre Transmission beeinflussen sowie bestimmter Antibiotika (Aminoglykosid-Antibiotika, Spectinomycin).
  • Die nachgewiesene Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile von BOTOX.
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Kosten und Kostenübernahme

Botox bei chronischer Migräne wird von den gesetzlichen und den privaten Krankenkassen übernommen, wenn die o.g. Voraussetzungen erfüllt sind.

Sollte Botox bei episodischer Migräne versucht werden, belaufen sich die Kosten einer 3-Monats-Behandlung auf ca. 580 Euro (für 155 AE) als ungefährer Richtwert. Die konkreten Kosten hängen dann von den spezifischen Bedingungen des individuellen Falles ab und werden nach GOÄ abgerechnet.

Damit die Kassen die Kosten der BOTOX Spritze gegen Migräne übernehmen, muss jedenfalls eine chronische Migräne nach den weiter oben im Text dargestellten Kriterien vorliegen. Darüber hinaus muss ein prophylaktische Migräne-Behandlung mit herkömmlichen Medikamenten, wie Metoprolol, Flunarizin oder Topiramat erfolglos versucht worden sein.

Am besten ist es, Sie nehmen vor dem Beginn der Therapie mit BOTOX® gegen Migräne Kontakt zu Ihrer Krankenkasse auf und reichen dort einen Behandlungsplan ein, den Ihnen Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihr behandelnder Arzt erstellen und aushändigen kann.

Alternativen zur Botox®-Behandlung

Seit Ende 2018 stehen mit Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab neue Wirkstoffe zur Verfügung. Hier greift der Wirkstoff als Antikörper gezielt am CGRP-Rezeptor an, der an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Migräne zentral beteiligt ist. CGRP ist ein sogenannter Neurotransmitter, ein Botenstoff, der bei Migräne vermehrt freigesetzt wird. Die in Studien erzielten Ergebnisse mit Erenumab waren teilweise vergleichbar zu BOTOX, teilweise blieben sie dahinter zurück.

Neben der BOTOX Behandlung kann eine medikamentöse Prophylaxe eingenommen werden. Eine zumindest teilweise wirksame Medikation kann daher zunächst beibehalten werden, und nach erfolgreicher Behandlung mit BOTOX eventuell abgesetzt werden. Hat sich eine medikamentöse Prophylaxe hingegen als erfolglos herausgestellt, dann besteht kein vernünftiger Grund, warum neben der BOTOX-Therapie damit fortgefahren werden sollte.

Es gibt medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren, um der Migräne vorzubeugen. Bei Patienten, bei denen die Migräne noch nicht sehr stark ausgeprägt ist, sollten zunächst die nicht-medikamentösen Verfahren ausgeschöpft werden. Dazu gehören zum Beispiel Entspannungs-Übungen und / oder ein regelmäßiger Ausdauersport. Oft helfen auch gewisse Lebensstil-Modifikationen, wie regelmäßig zu essen, regelmäßig zu schlafen und ein gutes Stress-Management. Wenn trotzdem noch häufig Attacken vorkommen, die die Lebensqualität eines Patienten deutlich beeinträchtigen, sollte eine medikamentöse Therapie, optimalerweise in Kombination mit nicht-medikamentösen Verfahren, begonnen werden.

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