Ein Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor, der oft mit epileptischen Anfällen einhergeht. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Zusammenhänge zwischen Glioblastomen und dem Auftreten von Anfällen.
Was ist ein Glioblastom?
Ein Glioblastom, auch Glioblastoma multiforme genannt, ist ein bösartiger Hirntumor, der von den Gliazellen ausgeht, den Stützzellen des Gehirns. Es ist der häufigste und aggressivste Hirntumor bei Erwachsenen, der sich durch schnelles Wachstum und die Fähigkeit auszeichnet, gesundes Hirngewebe zu infiltrieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Glioblastome als Grad-IV-Tumoren ein, was den höchsten Grad an Malignität bedeutet.
Arten von Glioblastomen
Mediziner unterscheiden primäre und sekundäre Glioblastome:
- Primäres Glioblastom: Entsteht direkt aus gesunden Gliazellen und tritt häufiger bei älteren Menschen (60-70 Jahre) auf.
- Sekundäres Glioblastom: Entwickelt sich aus einem niedriggradigen Hirntumor und betrifft jüngere Menschen (40-60 Jahre).
Ursachen von Glioblastomen
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Glioblastomen sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die mit einem erhöhten Risiko verbunden sind:
- Ionisierende Strahlung: Eine Strahlentherapie des Kopfes aufgrund anderer Erkrankungen kann das Risiko erhöhen.
- Erbliche Krankheitsbilder: Bestimmte genetische Erkrankungen wie Neurofibromatose, Tuberöse Sklerose, Turcot-Syndrom, Lynch-Syndrom und Li-Fraumeni-Syndrom können die Entstehung von Hirntumoren begünstigen.
- Radiofrequenzfelder: Es gibt Hinweise darauf, dass Radiofrequenzfelder (z. B. durch Mobiltelefone) möglicherweise das Risiko erhöhen, aber die Forschungsergebnisse sind noch nicht eindeutig.
- Alter: Glioblastome treten am häufigsten im fortgeschrittenen Alter auf, typischerweise zwischen 55 und 80 Jahren.
Symptome von Glioblastomen
Die Symptome eines Glioblastoms hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Da der Tumor schnell wächst und das umliegende Hirngewebe verdrängt, können die Symptome rasch zunehmen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Kopfschmerzen: Vor allem nachts oder am frühen Morgen, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen.
- Epileptische Anfälle: Oft das erste Symptom eines Hirntumors.
- Neurologische Ausfälle: Je nach Lage des Tumors können Taubheitsgefühl, Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder Gleichgewichtsstörungen auftreten.
- Bewusstseinsstörungen: Benommenheit, Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen.
- Wesensveränderungen: Reizbarkeit, Aggressivität, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Depressionen oder Angstgefühle.
Epileptische Anfälle bei Glioblastomen
Epileptische Anfälle sind ein häufiges Symptom bei Patienten mit Hirntumoren, insbesondere bei Glioblastomen. Sie können das erste Anzeichen der Erkrankung sein oder im weiteren Verlauf auftreten.
Ursachen für epileptische Anfälle bei Glioblastomen
Epileptische Anfälle bei Hirntumorpatienten sind in der Regel fokale Anfälle, die von einem umschriebenen Herd im Hirngewebe um den Tumor ausgehen. Die Anfälle entstehen durch die Erregung von gesundem Hirngewebe in den Randbereichen des Tumors.
Arten von epileptischen Anfällen bei Glioblastomen
- Einfach-fokale Anfälle: Motorische Zuckungen oder Kribbeln einer Extremität, Geschmacks- oder Geruchswahrnehmungen oder ein merkwürdiges Gefühl in der Magengrube.
- Komplex-fokale Anfälle: Diese Anfälle haben häufig ein typisches klinisches Erscheinungsbild: Betroffene Patienten können zunächst ein merkwürdiges Gefühl in der Bauchregion empfinden (epigastrische Aura), eine Geruchswahrnehmung haben (olfaktorische Aura) oder vegetative Symptome (z.B. Herzrasen) spüren. Mitunter führen Betroffene stereotype, wiederkehrende, unsinnige Handlungen durch und zeigen dabei unzureichende oder fehlende Reaktionsfähigkeit auf Umgebungsreize.
- Sekundär generalisierte Anfälle (Grand mal): Wenn sich die hirnelektrische Aktivität eines fokalen Anfalls auf das gesamte Gehirn ausbreitet, kann dies zu einem sekundären generalisierten Anfall (Grand mal) führen. Dieser zeigt sich häufig durch rhythmische Zuckungen der Arme und Beine. Der Patient ist während des Anfalls bewusstlos und nimmt den großen Anfall an sich daher weder wahr, noch kann er sich in der Regel später daran erinnern.
Diagnose von Glioblastomen und epileptischen Anfällen
Die Diagnose eines Glioblastoms und der damit verbundenen epileptischen Anfälle umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der Symptome.
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen, wie z. B. Reflexe, Koordination, Kraft, Sensibilität, Sehen, Hören und Gleichgewicht.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Das wichtigste diagnostische Verfahren, um den Tumor sichtbar zu machen und seine Größe, Lage und Ausdehnung zu bestimmen.
- Computertomographie (CT): Kann als Alternative zur MRT verwendet werden, insbesondere in Notfällen.
- Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Kann helfen, Bereiche mit erhöhter Stoffwechselaktivität im Gehirn zu identifizieren, die auf Tumorgewebe hindeuten.
- Elektroenzephalographie (EEG): Eine EEG-Untersuchung kann die Diagnose eines Status komplex-fokaler Anfälle sichern.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung, um die Art des Tumors zu bestimmen und weitere molekulare Analysen durchzuführen.
Behandlung von Glioblastomen und epileptischen Anfällen
Die Behandlung von Glioblastomen zielt darauf ab, das Tumorwachstum zu verlangsamen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Standardbehandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus:
- Operation: Entfernung des Tumors, soweit möglich, unter Schonung wichtiger Hirnfunktionen. Da sich die Tumorzellen aber über diese Grenze hinaus entlang der Nervenfasern ausbreiten, ist eine komplette Entfernung des Tumors in der Regel nicht möglich.
- Strahlentherapie: Einsatz von hochenergetischer Strahlung, um die verbleibenden Tumorzellen abzutöten.
- Chemotherapie: Einsatz von Medikamenten, um das Wachstum der Tumorzellen zu hemmen. Das Medikament Temozolomid wird häufig in Kombination mit Strahlentherapie eingesetzt.
- Tumortherapiefelder (TTFields): Eine nicht-invasive Behandlung, bei der Elektroden auf der Kopfhaut platziert werden, um ein elektrisches Feld zu erzeugen, das die Zellteilung der Tumorzellen stört.
Behandlung epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle werden in der Regel mit Antiepileptika behandelt, um das Wiederholungsrisiko zu verringern. Die Auswahl des geeigneten Medikaments und die optimale Dosierung sollten in Absprache mit einem erfahrenen Neurologen oder Epileptologen erfolgen.
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Weitere Therapieansätze
Neben den Standardbehandlungen gibt es weitere Therapieansätze, die in klinischen Studien untersucht werden:
- Immuntherapie: Aktivierung des körpereigenen Immunsystems, um die Tumorzellen zu bekämpfen.
- Gezielte Therapie: Einsatz von Medikamenten, die spezifisch auf bestimmte molekulare Veränderungen in den Tumorzellen abzielen.
- Interstitielle Strahlentherapie: Einsetzen von strahlenden Teilchen (Seeds) in den Tumor, um diesen von innen heraus zu behandeln.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit Glioblastomen ist trotzFortschritten in der Behandlung weiterhin schlecht. Die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose beträgt in der Regel 15 bis 18 Monate. Es gibt jedoch Patienten, die länger als fünf Jahre überleben, insbesondere wenn sie an einer speziellen Unterart des Glioblastoms leiden, die einen besseren Krankheitsverlauf verspricht.
Die Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. dem Alter des Patienten, dem allgemeinen Gesundheitszustand, der Größe und Lage des Tumors sowie bestimmten molekularen Markern.
Leben mit einem Glioblastom
Ein Glioblastom ist eine schwere Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinträchtigt. Neben der medizinischen Behandlung ist es wichtig, auch die psychischen und sozialen Bedürfnisse der Patienten zu berücksichtigen.
- Psychoonkologische Betreuung: Unterstützung bei der Bewältigung der emotionalen Belastung durch die Diagnose und Behandlung.
- Rehabilitation: Maßnahmen zur Verbesserung der körperlichen und geistigen Funktionen, die durch den Tumor oder die Behandlung beeinträchtigt sind.
- Palliativversorgung: Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung.
- Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen.
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