Glonoinum, auch bekannt als Nitroglycerin, ist eine geruchlose, klare und meist farblose Flüssigkeit, die in der Homöopathie zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt wird, insbesondere bei Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die Herstellung, Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und Dosierung von Glonoinum, um ein umfassendes Verständnis dieses homöopathischen Mittels zu ermöglichen.
Was ist Glonoinum?
Glonoinum wird aus Glycerin (einem Zuckeralkohol mit drei Kohlenstoffatomen und jeweils einer OH-Gruppe) und Salpetersäure (HNO3) unter Verwendung von Schwefelsäure (H2SO4) als Katalysator hergestellt. Der Name Glonoinum leitet sich von den Formeln für Glycerin (Gl) und den veresterten Nitratresten (ONO2) ab. Chemisch gesehen handelt es sich um Glycerintrinitrat.
Historischer Hintergrund
Nitroglycerin wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom italienischen Chemiker Ascanio Sobrero erstmals synthetisiert. Alfred Nobel, ein schwedischer Chemiker, Industrieller und Stifter des Nobelpreises, entwickelte daraus einen handhabungssicheren und effektiven Sprengstoff, das Dynamit. Nobel gründete die Alfred Nobel & Co.
In den 1880er Jahren, mit der zunehmenden Industrialisierung, traten gesundheitliche Probleme bei Arbeitern in Sprengstofffabriken auf, die engen Kontakt mit Nitroglycerin hatten. Diese Arbeiter litten unter starken Kopfschmerzen und Schwindelanfällen. Wissenschaftler fanden heraus, dass Nitroglycerin gefäßerweiternd wirkt. Der englische Arzt William Murrell erkannte das Potenzial der Substanz und setzte sie bei Patienten mit durchblutungsbedingten Brustschmerzen (Angina pectoris) ein. Nitroglycerin, oft als Nitro abgekürzt, wird in der Medizin noch heute bei Angina pectoris eingesetzt.
Wirkungsweise von Glonoinum
Glycerintrinitrat setzt Stickstoffmonoxid (NO) frei, welches die Muskulatur der Gefäße entspannt und sie so erweitert. Dadurch wird eine bessere Sauerstoffversorgung des Herzens gewährleistet. In der Medizin wird Glycerintrinitrat als „Nitrospray“ oder in Form von Nitroglycerin-Kapseln zur Behandlung von Herzenge und anderen Beschwerden rund um Herz und Kreislauf eingesetzt.
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Glonoinum in der Homöopathie
Auch die Homöopathie setzt Glycerintrinitrat ein. Für die Herstellung des homöopathischen Einzelmittels Glonoinum wird Nitroglycerin in gereinigtem Wasser gelöst, verdünnt und verschüttelt. Das homöopathische Mittel ist in verschiedenen Potenzen und Darreichungsformen erhältlich: Globuli, Tabletten, Tropfen oder auch Mittel zur Injektion.
Anwendungsgebiete von Glonoinum
Nach dem Ähnlichkeitsprinzip wird Glonoinum vor allem bei plötzlich auftretenden und starken Symptomen eingesetzt. Zu den Hauptanwendungsgebieten gehören:
- Migräne und Kopfschmerzen: Insbesondere bei pulsierenden, stechenden Kopfschmerzen, die sich durch Hitze, Erschütterung oder Bewegung verschlimmern. Oft begleitet von einem Gefühl, dass der Schädel zu klein für das Gehirn ist.
- Herz-Kreislauf-Beschwerden: Anfallartige Bluthochdruckintervalle mit pulsierenden Halsschlagadern und Gesichtsrötung. Krampfartige Schmerzen in der Herzregion (Angina pectoris) mit dem Gefühl, dass der Hals anschwillt und Luftnot entsteht.
- Wechseljahrbeschwerden: Hitzewallungen und Schweißausbrüche.
- Sonnenstich und Hitzschlag: Rötungen an verschiedenen Körperregionen, die mit einem Pulsieren unter der Haut einhergehen.
- Schwindel: Insbesondere, wenn er mit Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden verbunden ist.
Weitere Anwendungsgebiete
- Reizbarkeit: Starke Reizbarkeit und plötzliche Erregung, die zu Blutdrucksteigerungen und Blutwallungen zum Kopf führen kann.
- Psychische Symptome: Ohnmachtsanfälle, Benommenheit, Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit und Panikattacken.
- Verdauungsbeschwerden: Völlegefühl und Schmerzen in der Magengegend, Durchfall oder Verstopfung.
- Urogenitale Beschwerden: Vermehrter Harndrang, dunkler Urin, Brennen beim Urinieren, Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö).
- Beschwerden des Bewegungsapparates: Schwäche in Beinen und Knien, wackeliger Gang, Schmerzen im Bereich des Ischiasnervs, Hitze und Brennen zwischen den Schulterblättern.
Dosierung und Anwendung von Glonoinum
Die Dosierung von Glonoinum hängt von der Potenz und der Art der Beschwerden ab. Es ist wichtig, die Dosierungs- und Einnahmeempfehlungen der Packungsbeilage zu beachten oder Rücksprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker zu nehmen.
Darreichungsformen und Potenzen
Glonoinum ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich:
- Globuli (Streukügelchen): Für Säuglinge (bis 12 Monate) 1 Kügelchen, für Babys (2-3 Jahre) 2 Globuli, für größere Kinder 3 Globuli. Die Globuli werden in die Wangentasche gelegt.
- Tabletten: Können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen.
- Tropfen (Dilution): Werden immer in Wasser gelöst und können mit einem Plastiklöffel oder einer Pipette verabreicht werden.
Für die Selbstbehandlung werden meist die Potenzen D6 bis D12 empfohlen. Höhere Potenzen sollten nur unter Aufsicht eines erfahrenen Homöopathen eingenommen werden.
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Einnahmehinweise
- Homöopathische Mittel sind empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize beeinflusst werden kann.
- Die Einnahme sollte unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
- Die Mittel sollten nicht mit Metall in Berührung kommen (z.B. Metalllöffel).
- Während der Behandlung sollten keine stark riechenden Substanzen (z.B. ätherische Öle, Kampfer) verwendet werden.
Dauer der Behandlung
Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Bei akuten Beschwerden können häufigere Einnahmen erforderlich sein, wobei die Abstände mit Besserung der Beschwerden verlängert werden.
Wann ist Vorsicht geboten?
Glonoinum ist bis einschließlich Potenz D3 verschreibungspflichtig, da es in bestimmten Mengen sehr toxisch sein kann. Es sollte daher niemals eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Besondere Vorsicht ist bei Kindern unter einem Jahr geboten, da zur Verabreichung bei Säuglingen keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.
Nebenwirkungen
Wie bei anderen Arzneimitteln auch, kann es bei der Behandlung neben der angestrebten Wirkung auch zu Nebenwirkungen kommen. Welche dies sind und wie häufig sie beim jeweiligen Mittel vorkommen, ist in der entsprechenden Packungsbeilage unter "Nebenwirkungen und Wechselwirkungen" zu finden.
Erstverschlimmerung
Bei der Einnahme homöopathischer Mittel, insbesondere bei Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), kann es zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Diese kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet.
Ergänzende Maßnahmen bei Migräne
Neben der Einnahme von Glonoinum können folgende Maßnahmen zur Linderung von Migräne beitragen:
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- Ernährungsumstellung: Vermeidung von Trigger-Nahrungsmitteln wie Käse, Rotwein, Bananen oder Schokolade.
- Entspannungsübungen: Autogenes Training, Muskelrelaxation nach Jacobson.
- Regelmäßige Bewegung und Sport: Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren.
- Schmerztagebuch: Um die genauen Umstände der Migräne zu erfassen und mögliche Trigger zu identifizieren.
- Hausmittel: Salz-Eis-Packung zur Linderung der Kopfschmerzen, Kamillentee zur Beruhigung des Magens.
Alternative Homöopathische Mittel bei Migräne
Neben Glonoinum gibt es eine Vielzahl anderer homöopathischer Mittel, die bei Migräne eingesetzt werden können. Die Wahl des geeigneten Mittels hängt von den individuellen Symptomen und Begleitumständen ab. Einige Beispiele sind:
- Acidum formicicum: Bei körperlicher Abgeschlagenheit.
- Acidum picrinicum: Bei Migräne, Akne und Entzündungen der Niere.
- Belladonna: Bei Erkrankungen mit sehr starken Symptomen, wie grippale Infekte mit hohem Fieber oder entzündliche Atemwegserkrankungen. Kann auch bei Sonnenbrand und Sonnenstich helfen.
- Cimicifuga racemosa: Bei Migräne im Zusammenhang mit den Wechseljahren.
- Cocculus: Bei Schwindel, Migräne und anderen Kopfschmerzen.
- Coffea: Bei Störungen des Schlafs, Migräne und anderen Kopfschmerzen.
- Ferrum phosphoricum: Bei Migräne.
- Formica rufa: Bei Beschwerden des Bewegungsapparats und des Verdauungstrakts.
- Gelsemium: Bei Migräne, die mit einer Aura einhergeht.
- Ignatia: Bei Migräne.
- Luffa: Bei Migräne und anderen Kopfschmerzen.
- Nux vomica: Bei Beschwerden des Magen-Darm-Trakts.
- Pulsatilla pratensis: Bei Kopfschmerzen, wie Migräne, und Erkältungen.
- Sulfur: Bei verschiedenen Beschwerden des Körpers.
Komplexmittel
Es gibt auch homöopathische Komplexmittel, die verschiedene Wirkstoffe enthalten und bei Migräne eingesetzt werden können, wie z.B.:
- Antimigren® Tropfen: Enthält Iris D3, Gelsemium D4, Cyclamen D4, Paris quadrifolia D4.
- Contramigren Hevert: Enthält Aconitum D3, Atropinum sulfuricum D3, Gelsemium D3, Glonoinum D3, Iris D3, Secale cornutum D3.