Eine Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt, ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die durch eine Schädigung des Nervus facialis (Gesichtsnerv) verursacht wird. Dieser Nerv steuert nahezu alle wichtigen Muskeln im Gesicht und im Halsbereich. Eine Lähmung kann weitreichende Folgen haben, insbesondere wenn der Lidschluss beeinträchtigt ist. Die Goldplättchenimplantation stellt eine innovative und effektive Methode dar, um den Lidschluss wiederherzustellen und die damit verbundenen Risiken zu minimieren.
Was ist eine Fazialisparese?
Eine Fazialisparese ist eine Lähmung des Nervus facialis, der für die Steuerung der mimischen Muskulatur und der Tränendrüse verantwortlich ist. Ist der Nervus facialis geschädigt, führt dies zu einer schlaffen Lähmung einer Gesichtshälfte. Betroffene leiden oft unter einem herabhängenden Mundwinkel, einer Auswärtsdrehung des Unterlids (Ektropium) und einem Herabhängen der Augenbraue (Brauenptosis). Besonders problematisch ist, dass das Auge nicht mehr vollständig geschlossen werden kann.
Ursachen einer Fazialisparese
Die Ursachen für eine Fazialislähmung sind vielfältig. Der häufigste Grund ist ein Schlaganfall (Apoplex). Weitere Auslöser können Entzündungen, Tumore und Verletzungen sein. Auch Operationen, die den Verlauf der Gesichtsnerven betreffen, neurologische Erkrankungen oder Infektionen können eine Fazialisparese verursachen. In einigen Fällen bleibt die Ursache jedoch unklar.
Symptome einer Fazialisparese
Die Symptome einer Gesichtslähmung sind oft sofort sichtbar und können den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen:
- Unvollständiger Lidschluss: Dies erhöht das Risiko für Augentrockenheit und Hornhautschäden.
- Herabhängender Mundwinkel: Erschwert das Lächeln, Sprechen, Essen oder Trinken.
- Asymmetrische oder starre Mimik: Beeinträchtigt den natürlichen Gesichtsausdruck.
- Synkinesien: Unwillkürliche Mitbewegungen, beispielsweise das Schließen des Auges beim Lächeln.
- Verlust des natürlichen, emotionalen Gesichtsausdrucks.
- Empfindungs- oder Geschmacksstörungen: Je nach Ausprägung der Lähmung.
Warum ist ein inkompletter Lidschluss gefährlich?
Durch den inkompletten Lidschluss besteht die Gefahr der Entwicklung eines Hornhautgeschwürs, das zu einer bleibenden und starken Sehminderung durch eine Hornhautnarbe führen kann. Der Lidschluss dient dem Schutz des Auges vor Austrocknung und Fremdkörpern. Ist dieser Schutzmechanismus gestört, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Wichtig ist auch der Blinzelreflex, der für eine ausreichende Befeuchtung des Auges wesentlich ist.
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Die Goldplättchenimplantation: Eine innovative Lösung
Die Implantation eines Lidgewichts, insbesondere aus Gold oder Platin, in das Oberlid ist eine effektive Möglichkeit, einen intakten Lidschluss und ein natürliches Blinzeln wiederherzustellen. Dieses Verfahren wird in spezialisierten Zentren angeboten, die über langjährige Erfahrung mit Lidimplantaten verfügen.
Das Prinzip der Goldplättchenimplantation
Bei der Goldplättchenimplantation wird ein dünnes Platin- oder Goldimplantat auf dem Lidknorpel unter der Haut des Oberlids eingesetzt. Das Gewicht des Implantats unterstützt den Lidschluss, ohne die natürliche Bewegung des Lids zu beeinträchtigen.
Vorteile von Platin-Implantaten
Der Einsatz von Platin bietet im Vergleich zu anderen Materialien einige Vorteile:
- Hohes Gewicht bei minimaler Konturierung: Dank des hohen Gewichts von Platin kann eine nur minimale Konturierung des Oberlids mit einem optimalen Ergebnis erzielt werden.
- Anpassungsfähigkeit: Platin-Implantate bestehen oft aus mehreren Einzelelementen und passen sich so ideal der Rundung des Lidknorpels (Tarsus) an.
- Biokompatibilität: Das Material Platin und Iridium bietet gegenüber den weit verbreiteten Goldimplantaten einige deutliche Vorteile, insbesondere im Hinblick auf die Biokompatibilität und die bessere Gewichtsverteilung.
Der Eingriff
Die Implantation des Gold- oder Platinplättchens ist ein mikrochirurgischer Eingriff, der in der Regel unter lokaler Betäubung durchgeführt wird. Der Chirurg setzt einen kleinen Schnitt in das Oberlid und platziert das Implantat präzise auf dem Lidknorpel. Der Eingriff dauert in der Regel nicht lange und ist mit geringen Risiken verbunden. Der stationäre Aufenthalt zur Durchführung von statischen operativen Korrekturmaßnahmen beträgt in der Regel zwischen 2-7 Tagen.
Weitere operative Möglichkeiten bei Fazialisparese
Neben der Goldplättchenimplantation gibt es weitere operative Möglichkeiten, um die Folgen einer Fazialisparese zu behandeln:
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- Brauenhebung: Oftmals entwickelt sich aufgrund der Muskellähmung eine Brauenptosis mit einer Gesichtsfeldeinschränkung, die durch eine Brauenhebung korrigiert werden kann.
- Nervenrekonstruktion oder Nerventransfer: Zum Beispiel Cross-Face-Nerventransfer zur Wiederherstellung dynamischer Bewegungen.
- Muskeltransplantation (Gracilis-Flap): Ermöglicht die aktive Wiederherstellung des Lächelns.
- Statische Suspensionen: Sorgen für eine bessere Gesichtssymmetrie in Ruhe.
- Selektive Neurektomie: Sinnvoll bei ausgeprägten Synkinesien und Fehlspannungen.
- Anhebung der Augenbrauen: Zur Korrektur der Gesichtssymmetrie.
- Straffung oder Aufhängeplastik des Unterlides.
- Straffung der Wangen und Mundwinkel durch Eigengewebe.
- Nerventransplantation und Nervenumlagerung.
- Umlagerung von Muskeln/Muskelersatzplastiken.
- Transplantation von Muskeln und zugehörigen Nerven.
- Gezielte und präzise Durchtrennung einzelner Nervenäste und/oder Gesichtsmuskeln bei Synkinesien.
Häufig werden verschiedene Techniken kombiniert, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Konservative Behandlungsmethoden
Neben operativen Eingriffen gibt es auch konservative Behandlungsmethoden, die bei einer Fazialisparese eingesetzt werden können:
- Physiotherapie und Mimik-Training: Zur Verbesserung von Koordination und Muskelaktivität.
- Botulinumtoxin-Injektionen: Um überaktive Muskelgruppen zu entspannen und Synkinesien zu reduzieren.
- Schutz des Auges mit einem Uhrglasverband und Salben: In der Akutphase, um das Austrocknen zu verhindern.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine operative Behandlung wird empfohlen, wenn:
- Die Lähmung länger als 6-12 Monate besteht.
- Keine spontane Regeneration mehr erkennbar ist.
- Deutliche funktionelle Einschränkungen bestehen (Lidschluss, Mundschluss, Sprache, Symmetrie).
- Schmerzen, muskuläre Fehlspannungen oder ausgeprägte Synkinesien auftreten.
Gerade bei langanhaltenden Gesichtslähmungen kann eine Operation Lebensqualität, Selbstvertrauen und Ausdrucksfähigkeit nachhaltig verbessern. Wenn keine Besserung eintritt, sollte man eine OP nicht allzu lange hinauszögern. Nach einem bis anderthalb Jahren ohne neuronale Impulse wird die Gesichtsmuskulatur in Fettgewebe umgewandelt. Dann müssen die nicht mehr vorhandenen Muskeln mittels Muskeltransfer aus dem Oberschenkel ersetzt werden.
Die Rolle spezialisierter Zentren
Die Behandlung einer Fazialisparese erfordert spezialisierte Expertise und eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Zentren, die sich auf Fazialisrekonstruktionen spezialisiert haben, bieten moderne mikrochirurgische Verfahren, erfahrene Spezialisten und eine eng vernetzte Diagnostik.
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Vorteile spezialisierter Zentren
- Hochspezialisierte mikrochirurgische Expertise.
- Enge Zusammenarbeit mit Neurologie, HNO und Physiotherapie.
- Kombination aus funktioneller und ästhetischer Rekonstruktion.
- Langjährige Erfahrung.
Das Ziel dieser Zentren ist es, nicht nur Bewegung, sondern Ausdruck, Natürlichkeit und Lebensfreude zurückzugeben.
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die operative Fazialisrekonstruktion ist eine medizinisch notwendige Rekonstruktion und keine Schönheitsoperation. Die Kosten werden in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen, sobald funktionelle Einschränkungen oder Schmerzen bestehen. Spezialisierte Kliniken unterstützen Patienten bei der medizinischen Begründung und Antragstellung.
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