Die Psychologie hat sich bereits im späten 19. Jahrhundert als Wissenschaft etabliert, die versucht zu verstehen, wie wir zu dem werden, was wir als unser "Ich" bezeichnen. Seitdem hat die Forschung in diesem Bereich enorme Fortschritte gemacht und uns tiefe Einblicke in die Funktionsweise unseres Gehirns und unseres Verhaltens ermöglicht. Der Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der menschlichen Psyche, basierend auf den Erkenntnissen der Hirnforschung und Psychologie.
Das trügerische Gedächtnis
Das menschliche Gedächtnis ist keineswegs ein zuverlässiges Aufzeichnungsinstrument. Es ist erstaunlich einfach, Menschen falsche Erinnerungen einzupflanzen. Diese Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen, insbesondere im Hinblick auf Zeugenaussagen vor Gericht.
Die Angst vor dem Tod
Psychologen scheuen sich nicht, die großen Fragen des Lebens und des Todes zu untersuchen. Experimente zeigen, dass die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit unbewusst Strategien zur Bewältigung der Todesangst auslöst.
Geschlechterrollen und Verhalten
Männer sind oft gerne mit vielen Frauen allein in einem Raum. Dieses Verhalten, das auf uralten Verhaltensmustern unserer Vorfahren basiert, kann an der Börse zu kapitalen Fehlentscheidungen führen.
Glück und politische Gesinnung
Forscher, die Fragebögen von Tausenden Menschen aus 70 Ländern ausgewertet haben, vermuten, dass Sozialisten weniger glücklich durchs Leben gehen als andere. Ob dies tatsächlich auf die politische Gesinnung zurückzuführen ist, bleibt jedoch fraglich.
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Intuition und Partnersuche
Die Intuition führt den Menschen wie ein Kompass durchs Leben. Wer auf Partnersuche ist, kann seinen Blick buchstäblich nicht von attraktiven Menschen des anderen Geschlechts losreißen.
Verborgene Vorurteile
Mithilfe von Reaktionstests versuchen Psychologen, unsere verborgenen Vorurteile ans Licht zu bringen. Latenter Rassismus, Schwulenfeindlichkeit oder Ressentiments gegen ältere Menschen sollen so entlarvt werden.
Nahtoderfahrungen
Menschen mit Nahtoderfahrungen und intensiven Träumen berichten von dem Gefühl, sich selbst von außen zu sehen. Dieses Phänomen wirft Fragen nach dem Verhältnis von Körper und Geist auf.
Energieeffizienz im Gehirn
Wer Pronomen wie "er" oder "sie" verwendet, spart Energie im Gehirn. Dies zeigt, wie unser Gehirn ständig bestrebt ist, effizient zu arbeiten.
Das Löschen von Erinnerungen
Wissenschaftlern ist es gelungen, das Gedächtnis von Ratten wie eine Festplatte zu löschen. Noch Wochen nachdem die Tiere eine schlechte Erfahrung gemacht hatten, ließ sich die Erinnerung daran vollständig ausradieren. Diese Entdeckung könnte in Zukunft neue Therapieansätze für Menschen mit traumatischen Erfahrungen ermöglichen.
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Vorherbestimmung und Strafrecht
Der Hirnforscher Hans Markowitsch argumentiert, dass das Verhalten des Menschen vorherbestimmt ist und unser Strafrecht reformiert werden muss: Therapie statt Gefängnis. Diese These ist jedoch umstritten, da sie die Frage nach der Willensfreiheit aufwirft.
Verdrängung
Gibt es Verdrängung, das Wegschieben unangenehmer Erinnerungen? Seit mehr als 100 Jahren streiten die Gelehrten darüber.
Einfühlungsvermögen
Chinesische Versuchspersonen haben sich in einem Experiment als einfühlsamer erwiesen als US-Amerikaner. Sie bewältigten eine Team-Aufgabe deutlich besser, weil sie sich in die Lage des Gegenübers versetzten.
Multitasking
Alles gleichzeitig, lautet an vielen Arbeitsplätzen das Gebot der Stunde: Telefon, viele Computerprogramme und ein Handy streiten zeitgleich um die Aufmerksamkeit. Diese Überlastung kann zu Stress und Fehlern führen.
Emotionale Regulation
Es könnte eine Gute-Laune-Mechanik sein, die US-Forscher im Gehirn ihrer Probanden beobachtet haben: Wenn Menschen negative Emotionen aussprechen, dann dämpft das Denkorgan offenbar Ärger oder Traurigkeit.
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Angeborene Hilfsbereitschaft
Die Bereitschaft zum Geben ist dem Menschen anscheinend angeboren: Im Labor aktivierten freiwillige ebenso wie erzwungene Spenden das Belohnungszentrum im Gehirn.
Fußball im Kopf
Fußballspiele werden im Wesentlichen im Kopf entschieden. Ein Spieler muss ständig die Positionen der anderen Spieler und die Bewegung des Balles berechnen. Die Leistung, die dem Gehirn beim Fußball abverlangt wird, ist größer als beim Schach. Das Spiel fordert Logik und Kombinationsgabe. Fußball ist vielschichtiger: Motorik ist gefragt, Orientierung, Koordination, Aufmerksamkeit, Interaktion. Es ist klar, dass Schweinsteigers Gehirn die anspruchsvollere Aufgabe lösen muss. Es gibt wenig Fußballprofis mit Abitur, aber das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Ob Kopfbälle fürs Gehirn gefährlich sind, ist eine endlose Diskussion.
Verstädterung
Die Verstädterung der Erde schreitet unaufhaltsam voran.
Arzt-Patienten-Gespräche
Viele Ärzte quasseln lieber über sich, statt ihren Patienten zuzuhören. Eine neue Untersuchung zeigt, dass das nett gemeinte Geschwätz regelmäßig in einen privaten Redeschwall des Doktors ausartet.
Archäologie
Nach der Mumie von Königin Hatschepsut fahnden Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten. Sie herrschte im Alten Ägypten für 20 Jahre und hinterließ einen faszinierenden Totentempel in Theben. Am Ufer des Nils im Sudan graben Forscher eine Goldschmiede aus, die zwischen 3500 und 4000 Jahre alt ist.
Genetik
Forscher glauben, das Erbgut des Neandertalers komplett rekonstruieren zu können.
Sucht
Ob Videospiele ebenso süchtig machen können wie Alkohol oder Nikotin, ist unter Experten seit Jahren umstritten.
Drogenkonsum
Kiffen ist out: Eine aktuelle Bundesstudie berichtet erstmalig von sinkendem Cannabis-Konsum bei deutschen Jugendlichen. Nach jahrelangem Anstieg könnte dies eine Trendwende sein.
Intelligenz
Das älteste Kind einer Familie besitzt im Durchschnitt einen etwas höheren Intelligenzquotienten als seine Geschwister. Norwegische Forscher haben dies jetzt in einer Studie mit fast 250.000 Männern nachgewiesen.
Kriminalität
Immer mehr Einbrecher greifen zu explosiven Gasgemischen statt zu Brecheisen. Nun erforschen Ingenieure, wie man Geldautomaten detonationssicher machen kann.
Stammzellenforschung
Paare gegen Präsident: Fast zwei Drittel der Patienten von US-Fortpflanzungskliniken würden überzählige Embryonen an Stammzellforscher spenden. Die hohe Bereitschaft überrascht und konterkariert das Veto George W. Es könnte eine Gute-Laune-Mechanik sein, die US-Forscher im Gehirn ihrer Probanden beobachtet haben: Wenn Menschen negative Emotionen aussprechen, dann dämpft das Denkorgan offenbar Ärger oder Traurigkeit. US-Präsident Bush hat ein umstrittenes Gesetz zur Ausweitung der Stammzellenforschung in den USA mit seinem Veto zu Fall gebracht.
Gewalt
Wer mit derben Worten und Schlägen nicht weiterkommt, beißt gern auch mal zu. Männer werden einer Studie zufolge zwölf Mal häufiger Opfer menschlicher Beiß-Attacken, und fast immer ist Alkohol im Spiel. Forscher sind in Peru auf 500 Jahre alte Skelette mit Schussverletzungen gestoßen.
Unfälle
Wie sicher sind Aufzüge für Kleinkinder? Hunderte verletzen sich jedes Jahr am Kopf, weil sie zwischen den Lifttüren eingeklemmt werden. Das haben US-Forscher herausgefunden und geben unaufmerksamen Eltern die Schuld.
Doping
Doping unter Schülern ist offenbar keine Seltenheit mehr. Laut einer französischen Studie greift jeder hundertste Elfjährige zu leistungssteigernden Mitteln.
Umwelt
China wird die USA bald als weltgrößter Kohlendioxid-Verursacher ablösen - so hieß es bisher. Doch neuen Schätzungen zufolge ist das schon geschehen. Dreckiges Wasser, verpestete Luft, unwürdige Arbeitsbedingungen: Jährlich sterben 13 Millionen Menschen an den Auswirkungen ihrer Umwelt. T-Shirts statt Schlips und Anzug, Klimaanlagen drosseln: Peking propagiert das Energiesparen - nach eigenen Vorgaben. Vom Westen will man sich nichts vorschreiben lassen. Deutschland im Biorausch: Supermarktkunden greifen immer häufiger zu Obst und Gemüse mit grünem Siegel. Um diesen Hunger zu stillen, werden Biofrüchte aus Übersee importiert - aus Chile, Südafrika, Neuseeland. Ein Ökosündenfall?
Unglücke
Eine unheilvolle Begegnung: Der Hurrikan "Carrie" kreuzt die Route der deutschen Viermastbark "Pamir". Das Schiff kentert. 50 Jahre nach dem Unglück erklärt Autor Johannes K.
Tabak
Warum Raucher zu Rauchern werden, ist eine schwierige Frage. Ein US-Mediziner hat schon seit längerem nicht nur rauchende Eltern und Freunde in Verdacht, sondern auch die Süßwarenindustrie. Tabaksteuer rauf, Zigaretten weg vom Arbeitsplatz, Warnplakate und Werbespots mit Kranken: Jedem fünften New Yorker Raucher ist da die Lust auf Zigaretten vergangen.
Osteoporose
Ein leichter Sturz, und die Hüfte ist gebrochen: Die Osteoporose gilt als ebenso tückische wie typische Frauenerkrankung. Allerdings sind auch Männer nicht sicher vor dem Knochenschwund.
Terrorismus
Neue Computersimulationen stellen den Terroranschlag auf das World Trade Center so detailliert nach wie nie zuvor - bis hin zu einzelnen Flugzeugtrümmern und Glassplittern.
Armut
Armut, Gewalt, Ungleichheit - Forscher haben 177 Staaten der Erde auf das Risiko des Scheiterns hin untersucht. Ihr Index zeigt, dass Afrika am schlimmsten dran ist. Bitter für die US-Regierung: Der Irak liegt auf Platz zwei der Negativliste.
Geschichte
Engelsgestalt oder Machtmensch im Blutrausch: Historiker rekonstruieren das Leben Kaiser Konstantins zwischen antiker Wahrheit und christlichem Wunschdenken.
Alkoholkonsum
Für Russen zwischen 25 und 54 Jahren ist Trunksucht die häufigste Todesursache, vor allen anderen Krankheiten. Das folgern britische Mediziner aus einer neuen Untersuchung.
Gene
Der Bauplan für den Menschen steckt nicht bloß in den Genen.
Klatsch
Von wegen Klatschweiber: Eine englische Studie hat nun nachgewiesen, dass Männer mindestens genauso gerne tratschen wie Frauen.
Mathematik
Gehirnjogging mit Zahlenrätseln ist extrem beliebt. Was die wenigsten Rätselfreunde wissen: Hinter den Aufgaben steckt anspruchsvolle Mathematik.
Alzheimer
Der menschliche Körper besitzt möglicherweise einen angeborenen Schutz vor Alzheimer.
Suizid
US-Soldaten haben ein doppelt so hohes Suizidrisiko wie Männer, die nicht im Kriegseinsatz waren. Das hat eine Studie unter mehr als 300.000 Männern ergeben.
Musik
Dan Ellsey kann nicht sprechen, seine Arme und Beine nicht rühren. Trotzdem komponiert er, Konzertreisen sind geplant.
Der Placebo-Effekt
Der Placebo-Effekt ist ein faszinierendes Phänomen, bei dem eine Behandlung, die keine spezifische Wirkung hat, dennoch eine positive Wirkung auf den Patienten erzielen kann. Dies liegt daran, dass die Erwartung des Patienten, dass die Behandlung wirksam sein wird, physiologische Veränderungen im Gehirn und Körper auslösen kann, die zu einer Linderung der Symptome führen.
Die Macht der Suggestion
Die Geschichte der Heilkunst ist reich an Beispielen für die Macht der Suggestion. Die sogenannte Dreckapotheke, bei der Spinnennetze, Asseln und sogar Vipern als Heilmittel verkauft wurden, ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Auch im alten Rom wurden der Verzehr von Hundekot und das Laben an den Brüsten milchgebender Sklavinnen angeraten, um die Gefahr des Herztodes zu bannen.
Der Placebo-Effekt in der modernen Medizin
Auch in der modernen Medizin spielt der Placebo-Effekt eine wichtige Rolle. Studien haben gezeigt, dass Scheinoperationen bei bestimmten Erkrankungen genauso wirksam sein können wie echte Operationen. So ergab eine Untersuchung an Patienten mit Rückenschmerzen, dass eine Scheinoperation bei 43 Prozent der Behandelten zu einer Linderung der Schmerzen führte. Auch eine der häufigsten medizinischen Prozeduren überhaupt, ein bestimmtes arthroskopisches Operationsverfahren, scheint auf einem Placebo-Effekt zu beruhen.
Die Rolle des Arztes
Der Arzt spielt eine entscheidende Rolle bei der Auslösung des Placebo-Effekts. Ein Arzt, der seinen Patienten mit spöttischen Bemerkungen oder dummen Sprüchen entmutigt, kann einen negativen Placebo-Effekt (Nocebo-Effekt) auslösen. Umgekehrt kann ein Arzt, der seinen Patienten Mut macht und Zuversicht vermittelt, den Placebo-Effekt verstärken.
Die Neurobiologie des Placebo-Effekts
Die Forschung hat gezeigt, dass der Placebo-Effekt mit Veränderungen in der Gehirnaktivität verbunden ist. So konnte gezeigt werden, dass die Verabreichung eines Placebos bei Patienten mit Zahnschmerzen zu einer Aktivierung des körpereigenen Opioidsystems im Gehirn führt, was zu einer Schmerzlinderung führt. Auch das Immunsystem kann durch die Erwartung beeinflusst werden.
Die ethischen Aspekte des Placebo-Effekts
Der Einsatz von Placebos in der medizinischen Praxis wirft ethische Fragen auf. Kritiker argumentieren, dass die Verabreichung eines Placebos eine Täuschung des Patienten darstellt. Befürworter argumentieren, dass der Einsatz von Placebos in bestimmten Fällen gerechtfertigt sein kann, wenn er dem Patienten hilft und keine Schäden verursacht.
Der Einfluss des Fernsehens auf die Gehirnentwicklung
Der Hirnforscher Manfred Spitzer warnt vor den negativen Auswirkungen des Fernsehkonsums auf die Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Er argumentiert, dass der massiv gestiegene Fernsehkonsum unsere wirtschaftliche Zukunft bedroht.
Die Spurenbildung im Gehirn
Spitzer erklärt, dass im Gehirn ständig Impulse über die Synapsen der Nervenzellen laufen. Wenn solche Impulse immer wieder ähnlich ablaufen, entstehen quasi Spuren, zunächst in den einfachen Arealen, dann in den komplexeren, und je öfter diese Spuren benutzt werden, umso mehr verfestigen sie sich, wie bei einem Trampelpfad im Tiefschnee. Diese Spurenbildung nennen wir Lernen.