Der Pottwal (Physeter macrocephalus) ist ein faszinierendes Lebewesen, das in den Weltmeeren beheimatet ist. Als größter Zahnwal der Welt und mit dem größten Gehirn aller Lebewesen ausgestattet, hält er einige bemerkenswerte Rekorde. Dieser Artikel beleuchtet die Lebensweise, die besonderen Merkmale und die Gefährdungen dieser beeindruckenden Meeressäuger.
Steckbrief des Pottwals
- Lebensraum: Pottwale sind in allen Weltmeeren verbreitet, von den Polarregionen bis zum Äquator. Sie bevorzugen tiefere Gewässer.
- Geografische Verbreitung: Auf beiden Erdhalbkugeln.
- Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft Pottwale als "gefährdet" ein. CITES listet sie in Anhang I.
- Bestandsgröße: Schätzungsweise 200.000 bis 1,5 Millionen Individuen, mit einem stabilen bis ansteigenden Trend.
Rekordverdächtige Eigenschaften
Pottwale sind wahre Rekordhalter. Sie sind nicht nur die größten Zahnwale, sondern besitzen auch das größte Gehirn aller Lebewesen. Mit einem Gewicht von rund acht Kilogramm ist es etwa sechsmal schwerer als das menschliche Gehirn. Zudem sind Pottwale exzellente Taucher und können tiefer und länger tauchen als jedes andere Säugetier.
Äußere Merkmale und Orientierung
Die Haut der Pottwale ist in der Regel dunkelgrau, wobei sie mit zunehmendem Alter helle Flecken entwickelt. Ältere Männchen können sogar komplett weiß werden. Pottwale orientieren sich mittels Echoortung, ähnlich wie Fledermäuse. Sie senden Klickgeräusche aus, die von Objekten reflektiert werden. Anhand der Echos erstellen sie ein akustisches Bild ihrer Umgebung.
Jagdverhalten und Ernährung
Auf der Suche nach Nahrung, hauptsächlich Tintenfische und Kalmare, tauchen Pottwale bis zu 2.000 Meter tief. Ein Tauchgang kann bis zu zwei Stunden dauern. Um dem hohen Wasserdruck standzuhalten, haben Pottwale nachgebende Rippen. Ein ausgewachsener Pottwalbulle benötigt pro Tag etwa eineinhalb Tonnen Nahrung. Pottwale sind Fleischfresser und benötigen täglich rund 3 % ihres Körpergewichts in Nahrung. Bei einem Gewicht von 50 Tonnen sind das 1.500 kg am Tag. Am liebsten essen sie Tintenfische wie den Riesenkalmar, den sie in großer Tiefe erbeuten.
Das Spermaceti-Organ
Ein besonderes Merkmal des Pottwals ist das Spermaceti-Organ im Kopf, das mit einer öligen Substanz, dem Walrat, gefüllt ist. Dieses Organ dient der Echoortung und möglicherweise auch der Tarierung beim Tauchen. Die ölige Masse macht die Nase des Pottwals zum mächtigsten Akustikorgan der Welt. Wenn Pottwale im Schwarz der Tiefsee jagen, lokalisieren sie ihre Beute, indem sie Schallwellen ausstoßen, die bis zu 230 Dezibel erreichen.
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Sozialverhalten und Kommunikation
Pottwale sind soziale Tiere, die in Gruppen von 15 bis 20 Tieren leben. Sie kommunizieren miteinander durch Klicklaute, die sogenannten Codas. Diese Codas sind artspezifisch und dienen möglicherweise der Identifikation und der Kommunikation innerhalb der Gruppe. Pottwale können die lautesten Töne im ganzen Tierreich erzeugen. Es wurden Werte von mehr als 235 Dezibel gemessen - das ist doppelt so laut wie ein Düsenjet.
Fortpflanzung und Lebenserwartung
Weibliche Pottwale bringen alle fünf bis sieben Jahre ein Kalb zur Welt. Die Tragzeit beträgt 14 bis 16 Monate. Bei der Geburt ist ein Kalb bereits vier bis fünf Meter lang und wiegt um die 1.000 kg. Es wird ein bis zwei Jahre gesäugt und von den älteren Tieren beschützt. Pottwale können ein Alter von 60 Jahren erreichen.
Gefährdung und Schutzmaßnahmen
Die Jagd auf Pottwale ist seit 1981 verboten. Hauptgefahr für die großen Säuger ist heute der Beifang in riesigen Fischernetzen, in denen sie sich verfangen und ertrinken. Der WWF setzt sich seit seiner Gründung 1961 für den Schutz der Wale und Delfine ein. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung von Maßnahmen zur Reduzierung des Beifangs, die Ausweisung von Walschutzgebieten und Studien über den Einfluss der Meeresverschmutzung auf die Wale.
Pottwale gelten laut IUCN als gefährdet. Doch die Bestandszahlen variieren stark von 200.000 bis über 1 Millionen Tiere. Daneben ist der Beifang in Fischernetzen eine der Haupttodesursachen. Jedes Jahr stranden auch einige der Tiere, weil sie in zu flaches Wasser geraten. Pro Wildlife kämpft international gegen den Fang von Walen und klärt die Öffentlichkeit über das Vorgehen der drei Walfangnationen auf.
Die Bedeutung der Wale für das Ökosystem
Pottwale sind sehr wichtig für das Ökosystem. Sie helfen mit, CO2 „zu binden“, also in der Luft zu verringern. Das geschieht wie folgt: Sie nehmen Nahrung aus der Tiefsee mit nach oben, wo sie die Nahrung verdauen und ausscheiden. Die Ausscheidungen fördern das Wachstum von kleinen Algen, dem Phytoplankton.
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Besonderheiten des Gehirns
Das Gehirn der Wale ist in der Dorsalansicht breiter als lang. Endhirn -und Kleinhirn sind lateral ausladend und die deutlich größten Teilsysteme. Die Cortexoberfläche des stark gefurchten Telencephalon von Tursiops truncatus wird mit 3745 cm2 (Mensch 2275 cm2) angegeben. Die Dicke des Cortex beträgt beim Wal 1, 3 mm und beim Menschen 1, 8 mm. Daraus ergibt sich für das Cortexvolumen eines Delphins etwa 80 Prozent des menschlichen Cortex.
Die Rückkehr ins Meer
Die Wale sind vor ca. 60 Millionen Jahren im Alttertiär aus Vorfahren hervorgegangen, die sie mit den heutigen Paarhufern, insbesondere dem Flußpferd verbinden. Sie sind rezent mit etwa 86 Arten in 40 Gattungen und 14 Familien vertreten und werden meist als zwei lange getrennte Unterordnungen, die Zahnwale (Odontoceti) und die Bartenwale (Mysticeti), an die Urwale (Archaeoceti) angeschlossen.
Pottwale und der Mensch
Jahrhundertelang jagten die Menschen Pottwale. Aus ihrem Speck und der öligen Nasensubstanz - bis heute Spermazeti genannt - fertigte man Brennstoff für Straßenlampen und Leuchttürme, aber auch Kerzen, Salben und Maschinenöl. Noch Anfang der 1970er-Jahre nutzten manche US-Autohersteller Spermazeti im Getriebeöl. Anders als andere Walarten wehren sich Pottwale gelegentlich. So basiert Herman Melvilles Weltroman „Moby Dick“ auf einem Vorfall, bei dem ein Pottwal ein Walfangschiff angriff und versenkte. Dennoch dezimierten die Jäger die Population der Tiere von einst knapp zwei Millionen um mehr als die Hälfte.
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