Gyrus Sulcus Gehirn Zeichnung: Anatomie, Funktion und Klinische Bedeutung

Die komplexe Struktur des menschlichen Gehirns, insbesondere die Großhirnrinde, ist durch ein faszinierendes Muster von Windungen (Gyri) und Furchen (Sulci) gekennzeichnet. Diese Faltungen ermöglichen es, eine größere Oberfläche im begrenzten Raum des Schädels unterzubringen und spielen eine entscheidende Rolle bei zahlreichen kognitiven und sensorischen Funktionen. Der Sulcus centralis, die Zentralfurche, ist eine besonders markante Struktur, die als wichtiger anatomischer Orientierungspunkt dient und funktionelle Bereiche des Gehirns voneinander abgrenzt.

Die Anatomie von Gyri und Sulci

Gyri sind die nach außen gewölbten Bereiche der Großhirnrinde, während Sulci die dazwischenliegenden Vertiefungen darstellen. Dieses System aus Windungen und Furchen ermöglicht die Maximierung der Hirnoberfläche und fördert die Effizienz neuronaler Netzwerke. Die Gyri und Sulci entstehen während der embryonalen Entwicklung durch ein Zusammenspiel von genetischen und mechanischen Faktoren. Bereits im zweiten Trimester beginnt die Großhirnrinde, sich zu falten.

Der Sulcus Centralis: Eine Schlüsselstruktur

Der Sulcus centralis, auch als Zentralfurche bezeichnet, ist eine prominente Furche in der Großhirnrinde. Er trennt den Gyrus praecentralis (vor dem Sulcus centralis) vom Gyrus postcentralis (hinter dem Sulcus centralis) und markiert damit die Grenze zwischen dem Frontallappen und dem Parietallappen. Funktionell trennt der Sulcus centralis den primären motorischen Cortex (Gyrus praecentralis) vom primären somatosensorischen Cortex (Gyrus postcentralis).

Der Sulcus centralis beginnt an der medialen Hirnoberfläche nahe der Interhemisphärenspalte, etwa in Höhe des Scheitelbeins. Von dort verläuft er in schräger Richtung nach lateral und leicht nach unten, wo er typischerweise oberhalb der Sylvischen Fissur endet. Trotz seiner relativ konstanten Lage zeigt der Sulcus centralis individuelle Variationen im Verlauf. In einigen Fällen weist er Unterbrechungen, sogenannte Pli de passage, auf.

Histologisch zeigt sich eine deutliche Differenzierung der angrenzenden Rindenareale. Der Gyrus praecentralis (Brodmann-Areal 4) weist eine agranuläre Struktur auf, während der Gyrus postcentralis (Brodmann-Areale 1 bis 3) eine granuläre Struktur zeigt.

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Funktionelle Bedeutung der Gyri und Sulci

Gyri und Sulci übernehmen eine entscheidende Rolle in der Organisation und Funktion des Gehirns. Sie fungieren als Hotspots für neuronale Aktivität und ermöglichen eine effektive Verarbeitung und Weiterleitung von Informationen. Bestimmte Gyri sind direkt an höheren kognitiven Funktionen beteiligt, wie Denken, Problemlösen und Entscheidungsfindung.

Der Parietallappen und seine Funktionen

Der Parietallappen, der hinter dem Frontallappen liegt und von diesem durch die Zentralfurche getrennt ist, spielt eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung somatosensorischer Informationen. Hier enden wichtige Nervenbahnen, die Körperempfindungen wie Schmerz, Temperatur und Berührung übermitteln.

Die Hauptfunktionen des Parietallappens umfassen:

  • Somatosensorische Wahrnehmung: Verarbeitung von Informationen über Berührung, Schmerz und Temperatur.
  • Propriozeption: Wahrnehmung der Position und Bewegung der eigenen Gliedmaßen.
  • Räumliche Orientierung: Integration propriozeptiver, auditiver, vestibulärer und visueller Informationen zur Erstellung eines dreidimensionalen Bildes der Umwelt.
  • Zahlenverarbeitung: Der intraparietale Sulcus spielt eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Zahlen.

Spezifische Gyri und ihre Funktionen

  • Gyrus praecentralis: Enthält den primären motorischen Cortex für die Ausführung willkürlicher Bewegungen.
  • Gyrus postcentralis: Enthält den primären somatosensorischen Cortex für die Verarbeitung taktiler Reize.
  • Gyrus frontalis superior: Beteiligt an der Kontrolle von Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis.
  • Gyrus frontalis inferior: Enthält das Broca-Areal für die Sprachproduktion (in der linken Hemisphäre).
  • Gyrus temporalis superior: Spielt eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Sprache und auditorischen Signalen.
  • Gyrus cinguli: Teil des limbischen Systems, der kognitive mit emotionalen Prozessen verbindet.

Klinische Relevanz von Gyri und Sulci

Die Struktur und Funktion der Gyri spielen nicht nur für die normale Gehirnaktivität eine zentrale Rolle, sondern sind auch bei vielen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen von Bedeutung.

Entwicklungsstörungen

  • Lissenzephalie: Eine seltene Entwicklungsstörung, die zu einer stark reduzierten oder fehlenden Faltung der Großhirnrinde führt.
  • Polymikrogyrie: Eine Störung, bei der sich viele kleine, unregelmäßige Gyri bilden.

Neurodegenerative Erkrankungen

  • Alzheimer-Krankheit: Führt zum Schrumpfen bestimmter Gyri durch den Verlust von Neuronen und Synapsen.

Psychiatrische Erkrankungen

  • Schizophrenie und Depression: Stehen im Zusammenhang mit Veränderungen in der Gyri-Struktur.

Läsionen des Parietallappens

Läsionen des posterioren Parietallappens können sich auf vielfältige Weise darstellen und haben aufgrund von Lateralisationseffekten besondere Auswirkungen:

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  • Rechtsseitige Läsionen: Können zu Orientierungsstörungen und Neglect führen, bei dem Betroffene Teile des linken Gesichtsfeldes nicht mehr wahrnehmen.
  • Linksseitige Läsionen: Können zu Apraxie führen, bei der Patienten nicht mehr in der Lage sind, gelernte Bewegungsabläufe auszuführen.

Klinische Anwendung des Sulcus Centralis

In der klinischen Praxis besitzt der Sulcus centralis hohe Relevanz, insbesondere in der funktionellen Neurochirurgie, der Epilepsiediagnostik und der Neuroonkologie. Moderne bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglichen eine präzise Darstellung des Sulcus centralis. Bei neurochirurgischen Eingriffen ist die genaue Lokalisation des Sulcus zentralis entscheidend, um Ausfälle motorischer oder sensorischer Funktionen zu vermeiden.

Moderne Hirnforschung und die Rolle der Gyri

Die Gyri stehen im Zentrum der modernen Hirnforschung, da sie zentrale Hinweise zur funktionellen Organisation und den Mechanismen des Gehirns liefern.

  • Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI): Visualisiert Hirnaktivitäten in Echtzeit, indem sie Veränderungen im Sauerstoffgehalt des Blutes misst.
  • Plastizität der Gyri: Beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich an Veränderungen anzupassen, etwa nach einer Verletzung. Studien zeigen, dass benachbarte Gyri oft Funktionen übernehmen können, die durch Schädigungen verloren gegangen sind.

Das Limbische System und seine Bestandteile

Der Lobus limbicus umfasst verschiedene Strukturen der mittleren und basalen Großhirnoberfläche, die sich wie ein Saum (Limbus) um den Hirnstamm legen. Zum limbischen System gehören:

  • Limbische Vorderhirnregion: Area septi, Ncl. interstitialis der Stria terminalis, Ncl. basalis (Meynert).
  • Limbische Areale im Zwischenhirn: Thalamus, Hypothalamus, Ncl. habenulae.
  • Limbische Mittelhirnregion: Ncl. interpeduncularis, Area tegmenti ventralis, Ncl. dorsalis tegmenti.
  • Hippocampusformation: Hippocampus selbst (Ammonshorn, Seepferdchen), Gyrus dentatus und Subiculum.
  • Gyrus cinguli: Windung an der Medialfläche des Großhirns über dem Balken.
  • Amygdala (Mandelkern): Liegt vor dem Unterhorn des Seitenventrikels im vorderen dorso-medialen Teil des Temporallappens.
  • Septalkerne: Liegen unterhalb des Septum pellucidum neben der Kreuzungsstelle der vorderen Kommissur.
  • Ncl. accumbens: Ventraler Abschnitt des Striatums, der funktionell eng mit dem Limbischen System verbunden ist.
  • Ncl. habenulae: Teil des Epithalamus, der Fasern aus der Septalregion erhält.

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