Die Auseinandersetzung mit dem Alter, seinen Herausforderungen und Chancen, ist ein zentrales Thema unserer Zeit. Eine Ausstellung, die dies auf vielfältige Weise beleuchtet, ist die fiktive "Gysi Gehirn Ausstellung". Sie verknüpft persönliche Erfahrungen, politische Ambitionen und künstlerische Reflexionen über das Älterwerden und die damit verbundenen gesellschaftlichen Fragen.
Alter und Gesellschaft im Spiegel der Kunst
Die Ausstellung "Silberglanz. Von der Kunst des Alters", die vor einigen Jahren im Landesmuseum Hannover zu sehen war, präsentierte Kunstwerke aus drei Jahrtausenden, die sich mit dem Thema Alter auseinandersetzen. Von Darstellungen des Alters als Weisheit bis hin zu drastischen Bildern der körperlichen Hinfälligkeit spiegelte die Ausstellung die unterschiedlichen Facetten des Älterwerdens wider. Zeitgenössische Künstler wie John Copland, Annegret Soltau oder Cindy Sherman widmen sich in ihren Werken dem eigenen Älterwerden. Shermans Selbstinszenierungen als alternde Schauspielerin, mit überzeichnetem Make-up, sind eine Reminiszenz an ihre früheren Arbeiten und ein Bekenntnis zum Alter.
Auch die Ausstellung "Fragment of an Infinite Discourse" im Lenbachhaus in München, die als Hommage an die Schenkung von Jörg Johnen entstand, berührte Aspekte des Alterns und der Vergänglichkeit. Die Ausstellung zeigte Werke zeitgenössischer Künstler wie David Claerbout, Katharina Fritsch, Rodney Graham, On Kawara, Anri Sala, Karin Sander, Wilhelm Sasnal, Wiebke Siem, Rosemarie Trockel und Jeff Wall. Katharina Fritschs Arbeit "Vase, Geld, Katze, Madonna, Gehirn, Schal" aus den Jahren 1981-88 könnte in diesem Kontext als Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten des Lebens und deren Vergänglichkeit interpretiert werden.
Gregor Gysi: Ein Politiker trotzt dem Alter
Ein prominentes Beispiel für jemanden, der sich den Herausforderungen des Alters stellt und dennoch aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmt, ist Gregor Gysi. Trotz einer komplizierten Gehirnoperation und drei Herzinfarkten kämpft der Politiker für eine bessere Welt. Gysis Kampfgeist und sein Engagement für die gerechte Sache sind ein Beispiel dafür, dass das Alter kein Hindernis sein muss, um einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
Gysis politische Karriere begann in der DDR, wo er als Anwalt tätig war und Dissidenten verteidigte. In der Wendezeit übernahm er eine führende Rolle in der SED und versuchte, die Partei in die PDS umzuwandeln. Auch nach der Wiedervereinigung blieb Gysi ein profilierter Politiker, der sich durch sein rhetorisches Talent und seine Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären, auszeichnete.
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Seine Erfahrungen mit gesundheitlichen Problemen haben Gysi nicht davon abgehalten, sich weiterhin politisch zu engagieren. Im Gegenteil, sie scheinen ihn noch mehr darin bestärkt zu haben, für seine Überzeugungen einzutreten. Gysis Beispiel zeigt, dass man auch im Alter noch eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen kann.
Best Ager: Die Zielgruppe im Fokus
Der Begriff "Best Ager" wird von Marketingstrategen verwendet, um die Gruppe der 50- bis 70-Jährigen zu bezeichnen. Diese Zielgruppe gilt als genussfreudig und kaufkräftig. Allerdings wird kritisiert, dass der Begriff oft mit einem verlogenen Bild des Älterwerdens verbunden ist, das auf Jugendwahn und Konsumismus basiert.
Anstatt das Alter als etwas Negatives darzustellen, sollte der Fokus auf den positiven Aspekten des Älterwerdens liegen. Dazu gehören die Lebenserfahrung, die Weisheit und die Gelassenheit, die man im Laufe des Lebens erwirbt. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft ein realistisches und positives Bild des Älterwerdens vermittelt, das die Vielfalt und die individuellen Unterschiede der älteren Generation berücksichtigt.
Graue Haare und innere Unabhängigkeit
Das Ergrauen der Haare ist ein natürlicher Prozess, der oft mit dem Alter assoziiert wird. Während manche Menschen versuchen, ihre grauen Haare zu verstecken, sehen andere sie als Zeichen von Reife und innerer Unabhängigkeit. Birgit Schrowange, die Fernsehmoderatorin, präsentiert ihr graues Haar als stilistisches Statement. Patti Smith, die Musikerin und Dichterin, zeigt ihre Haare oft so wie sie sind, also grau. Susan Sontag, die Essayistin, tat nichts gegen das Ergrauen.
Die Entscheidung, ob man seine grauen Haare färbt oder nicht, ist eine persönliche. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, dass man sich in seiner Haut wohlfühlt und zu seiner Entscheidung steht.
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Die Filterblase im Alter
Studien haben gezeigt, dass die Generation 50 plus besonders empfänglich für Verschwörungsmythen und Fake News ist. Dies liegt oft an mangelnder Medienkompetenz und der Tatsache, dass ältere Menschen mit seriösen Medien aufgewachsen sind und sich der Gefahren von KI und finsteren Absichten auf Social Media nicht immer bewusst sind.
Um der Radikalisierung im Alter entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Medienkompetenz älterer Menschen zu fördern. Sie sollten lernen, wie man Fake News erkennt und wie man sich in der digitalen Welt sicher bewegt. Außerdem ist es wichtig, dass ältere Menschen nicht isoliert sind, sondern am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und sich mit anderen austauschen.
Technische Hilfsmittel und die Akzeptanz des Alters
Die Werbung für Hörgeräte und Treppenlifte ist ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft sich zunehmend mit den Bedürfnissen älterer Menschen auseinandersetzt. Allerdings kann die ständige Konfrontation mit diesen Produkten auch dazu führen, dass man sich als "alte Schachtel" fühlt.
Es ist wichtig, dass man technische Hilfsmittel nicht als Zeichen des Alters, sondern als Möglichkeit sieht, die Lebensqualität zu verbessern. Hörgeräte können beispielsweise dazu beitragen, dass man weiterhin aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Treppenlifte können es ermöglichen, dass man weiterhin in seinem eigenen Zuhause wohnen bleiben kann.
Bildung und Forschung im Fokus
Die Universität Hamburg engagiert sich in vielfältigen Forschungsbereichen, die auch für ältere Menschen relevant sind. So wurde beispielsweise die Juristin Dr. Manuela Niehaus für ihre Forschung zur Rolle nicht-staatlicher Akteure im internationalen Klimarecht mit dem Werner-von-Melle-Preis ausgezeichnet. Eine Studie der University of Hamburg Business School hat gezeigt, dass Apples Datenschutzmaßnahme "App Tracking Transparency" (ATT) insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen erhebliche Umsatzeinbußen im E-Commerce verursacht. Die Forschungsgruppe "Relativistic Jets in Active Galaxies", an der auch Forschende aus dem Fachbereich Physik der Universität Hamburg beteiligt sind, erforscht die leistungsstarken Plasmastrahlen, die von supermassiven Schwarzen Löchern ausgehen. Studierende der UHH haben acht Informationsvideos für Besucherinnen und Besucher des ehemaligen Luftschutzbunkers auf dem Heiligengeistfeld gestaltet. Mit dem Master "Higher Education" hat erstmals ein Online-Studiengang der Universität Hamburg den Akkreditierungsprozess erfolgreich abgeschlossen. Und im Zukunfts-Museum "Futurium" in Berlin steht ein Exponat des Klimaclusters CLICCS an der Universität Hamburg.
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Diese Beispiele zeigen, dass die Universität Hamburg einen wichtigen Beitrag zur Forschung und Bildung leistet, die für die Gesellschaft insgesamt von Bedeutung sind.