Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine komplexe psychische Erkrankung, die durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet ist, darunter emotionale Instabilität, Impulsivität, gestörte zwischenmenschliche Beziehungen und ein instabiles Selbstbild. Diese Symptome können das Leben junger Menschen und ihr Umfeld stark beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der BPS, von den Symptomen und Ursachen bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten und der Rolle von Neurotransmittern wie Dopamin.
Einführung in die Borderline-Persönlichkeitsstörung
Das Borderline-Syndrom, auch bekannt als Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS), beeinflusst das Leben junger Menschen und deren Umfeld auf vielfältige Weise. Kinder und Jugendliche, die am Borderline-Syndrom leiden, sind oft im zwischenmenschlichen Miteinander und in der Familie belastet. In der Regel leiden die Betroffenen unter einer unsteten, verzögerten oder gestörten Entwicklung, einer Selbstwertstörung sowie Aggressivität und Impulsivität. Das Krankheitsbild bei Borderline ist eine sogenannte Persönlichkeitsstörung vom “emotional instabilen” Typ.
Borderline ist eine psychische Erkrankung, die vor allem durch starke Schwankungen in den Gefühlen, Gedanken und zwischenmenschlichen Beziehungen gekennzeichnet ist. Junge Menschen, die an dieser Störung leiden, erleben oft intensive emotionale Ups und Downs, was zu Schwierigkeiten in der Bewältigung des Alltags und in sozialen Beziehungen führen kann. Der Begriff „Borderline“ (wörtlich „Grenze“) stammt ursprünglich daher, dass diese Erkrankung zwischen verschiedenen anderen psychischen Störungen zu liegen schien.
Prävalenz und Diagnose
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2011 ergab, dass etwa 2 % der Jugendlichen in Deutschland Anzeichen des Borderline-Syndroms aufwiesen, wobei die Diagnose hier häufig erst in der späten Jugend oder im jungen Erwachsenenalter gestellt wird. Die genaue Prävalenz der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist jedoch nicht vollständig belegt. Borderline wird insgesamt häufiger bei Frauen diagnostiziert als bei Männern. Schätzungsweise 75% der diagnostizierten Fälle liegen bei Frauen, wobei sich das Verhältnis in klinischen Proben (z. B. in psychiatrischen Kliniken) stärker zugunsten der Frauen verschiebt. In psychiatrischen Kliniken ist das Borderline-Syndrom (BPS) eine der häufigsten Diagnosen.
Fallbeispiel: Emma
Emma ist 11 Jahre alt und besucht die weiterführende Schule. Sie hat zunehmend Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu regulieren. Oft schwankt ihr Gemütszustand innerhalb weniger Stunden, was ihre Mitschüler und Lehrer verwirrt. Manchmal ist sie übermäßig euphorisch und zeigt ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. In anderen Momenten ist sie in sich gekehrt, zieht sich zurück und weint ohne ersichtlichen Grund.
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Ihre Wutausbrüche sind intensiv und häufig. Wenn sie sich verletzt fühlt, reagiert sie mit impulsiven Handlungen, wie dem Schreien, dem Werfen von Gegenständen oder sogar dem Ritzen ihres Körpers, um den emotionalen Schmerz zu lindern. Sie hat in den letzten Monaten immer wieder versucht, sich selbst zu verletzen, um mit ihrer inneren Unruhe umzugehen. Ihre Eltern sind besorgt, aber wissen nicht, wie sie ihr helfen können.
Emma hat extreme Ängste, verlassen zu werden. Ihre Beziehungen zu anderen Menschen - sei es zu ihrer Mutter, ihrem Vater oder zu ihren wenigen Freunden - sind von intensiven Schwankungen geprägt. In Momenten der Nähe fühlt sie sich sicher und geliebt, aber sobald es einen Konflikt oder eine Ablehnung gibt, ist sie übermäßig verletzt und stellt die Beziehung in Frage.
Unterschiede in der Symptomatik bei Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich die Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig anders als bei Erwachsenen. Die Symptome bei Borderline sind oft noch fließender und weniger klar erkennbar - viele Symptome (wie Stimmungsschwankungen und Identitätsprobleme) sind zudem auch typische Entwicklungsmerkmale der Adoleszenz. Daher lässt sich oft erst im frühen Erwachsenenalter gesichert diagnostizieren, ob die Symptome auch nach der Persönlichkeitsfestigung weiterhin bestehen. Ein unverkennbares Anzeichen hingegen bleiben die extremen Stimmungsschwankungen, die im Wechsel zwischen Euphorie, Wut, Traurigkeit und Ängsten liegen. Jugendliche mit Borderline neigen dazu, sehr impulsiv zu handeln - sei es durch selbstverletzendes Verhalten, unüberlegte Handlungen oder riskantes Verhalten in sozialen Situationen.
Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung manifestiert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die sowohl psychischer als auch körperlicher Natur sein können.
Psychische Symptome
- Starke Stimmungsschwankungen: Schnelle Wechsel zwischen intensiven Gefühlen von Wut, Traurigkeit, Angst oder Euphorie.
- Intensive Angst vor Ablehnung und Verlassenwerden: Übermäßige Furcht davor, von Bezugspersonen verlassen oder abgelehnt zu werden.
- Instabile zwischenmenschliche Beziehungen: Häufige Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung von anderen Personen.
- Impulsives Verhalten: Unüberlegte Handlungen wie riskantes Verhalten, Drogenmissbrauch oder übermäßiges Geldausgeben.
- Selbstverletzendes Verhalten: In einigen Fällen greifen Jugendliche zu selbstverletzenden Taten wie Schneiden oder Brandwunden, um mit emotionalem Stress umzugehen.
- Instabile Selbstwahrnehmung: Häufige Schwankungen im Selbstbild. Das Gefühl, mal wertlos, mal besonders zu sein.
- Gefühl der Leere oder Langeweile: Empfinden von innerer Leere oder Unzufriedenheit.
- Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation: Schwierigkeiten, starke Emotionen zu kontrollieren, was zu übermäßigen Reaktionen führen kann.
- Häufige Wutausbrüche: Unverhältnismäßig starke Wutausbrüche oder aggressives Verhalten in stressigen Situationen.
- Gefühl von Entfremdung oder Depersonalisation: Das Gefühl, sich selbst oder die Umwelt als unwirklich zu erleben.
Körperliche Symptome
- Chronische Schmerzen oder Beschwerden: Z. B. Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen, die oft psychosomatisch bedingt sind.
- Essstörungen: Schwierigkeiten mit der Nahrungsaufnahme, entweder durch Essanfälle, restriktives Essen oder Bulimie.
- Schlafstörungen: Probleme beim Ein- oder Durchschlafen, häufig aufgrund von innerer Unruhe oder belastenden Gedanken.
- Stressreaktionen: Zum Beispiel Übelkeit, Zittern, Schweißausbrüche oder Herzrasen, die durch emotionale Erschöpfung oder Stress ausgelöst werden.
- Tics oder Zuckungen: Unwillkürliche Muskelbewegungen, die durch Nervosität oder innere Spannungen auftreten können.
- Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch: Als Versuch, mit den intensiven Emotionen und inneren Konflikten umzugehen, können substanzgebundene Suchtverhalten entwickelt werden.
- Hormonelle Schwankungen: Hormonelle Veränderungen oder Ungleichgewichte durch starke emotionale Belastung.
- Verstärkter Puls oder Bluthochdruck: Als Folge von Stress, Angst oder häufigen Wutausbrüchen.
Die körperlichen Symptome des Borderline-Syndroms sind oft ein Zeichen für die tiefgehenden emotionalen Belastungen der Kinder und Jugendlichen mit Borderline. In vielen Fällen sind sie ein Hinweis darauf, dass emotionale Schwierigkeiten auf körperliche Weise ausgedrückt werden. Deshalb ist es wichtig, diese Symptome im Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit zu betrachten und nicht nur isoliert zu behandeln.
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Geschlechtsspezifische Unterschiede
Bei Borderline sollten auch geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich der Borderline-Symptome bei Frauen und Männern bei der Diagnostik berücksichtigt werden. Frauen zeigen beispielsweise häufiger intensive emotionale Instabilität, selbstverletzendes Verhalten und Essstörungen, während Männer eher zu impulsivem, risikoreichem Verhalten, Substanzmissbrauch und Aggression neigen. Zudem äußert sich die Angst vor dem Verlassenwerden bei Frauen oft durch starke emotionale Abhängigkeit, während Männer eher dissoziale oder narzisstische Tendenzen entwickeln können.
Ursachen und Auslöser der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Das Krankheitsbild der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) bei Kindern und Jugendlichen ist ein komplexes und noch nicht vollständig erforschtes Phänomen. Die Ursachen und Auslöser für eine Borderline-Störung sind so individuell wie vielfältig und beinhalten eine komplexe Wechselwirkung von genetischen, biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren.
Genetische und biologische Faktoren
Genetische Faktoren können eine Rolle bei der Entstehung einer Borderline-Störungen spielen. Eine familiäre Häufung von Borderline-Störungen weist auf eine erbliche Komponente hin. Eine Zwillingsstudie fand beispielsweise heraus, dass etwa 35-70% des Risikos, eine Borderline-Störung zu entwickeln, genetisch bedingt sein können.
Biologische Faktoren, insbesondere Veränderungen in der Funktionsweise des Gehirns, wurden ebenfalls in Zusammenhang mit Borderline-Störungen gebracht. Das limbische System, das mit Emotionsregulation und Impulssteuerung verbunden ist, könnte bei betroffenen Jugendlichen fehlerhaft arbeiten. Eine Studie zeigte, dass bei Menschen mit Borderline-Störung Veränderungen in der Aktivität der Amygdala (dem emotionalen Zentrum des Gehirns) sowie in der präfrontalen Hirnregion (die für Impulssteuerung und Entscheidung verantwortlich ist) vorliegen können.
Traumata und familiäre Dynamiken
Frühkindliche Traumata, insbesondere körperlicher, sexueller oder emotionaler Missbrauch, gelten als eine der häufigsten Ursachen für die Entstehung von Borderline-Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Viele Studien haben gezeigt, dass Kinder, die in einem instabilen und missbräuchlichen Umfeld aufwachsen, ein höheres Risiko haben, Borderline-Symptome zu entwickeln. Etwa 70% der Erwachsenen mit einer Borderline-Störung haben in ihrer Kindheit signifikante Missbrauchserfahrungen gemacht.
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Aber nicht nur Missbrauch, sondern auch Vernachlässigung oder eine inkonsistente Erziehung (z. B. wechselnde Bezugspersonen, emotionale Kälte oder extreme Unberechenbarkeit von Bezugspersonen) können als Auslöser für die Entwicklung einer Borderline-Störung fungieren. Die Art und Weise, wie Kinder in ihrer Familie erzogen werden, kann ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Borderline-Störungen sein. Wenn Kinder das Gefühl haben, dass ihre eigenen Gefühlen von den Eltern nicht ernst genommen oder sogar invalidiert werden, ist das Risiko, eine Borderline-Störung zu entwickeln, erheblich erhöht.
Soziale und schulische Belastungen
Adoleszenz ist eine besonders vulnerable Phase für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen. Jugendliche, die in dieser Zeit mit sozialen oder schulischen Belastungen wie Mobbing, Ausgrenzung oder einem gestörten Selbstbild konfrontiert sind, haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Borderline-Störung. Emotionale Krisen im Jugendalter, besonders in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen und Identitätskrisen, können als verstärkende Faktoren für die Entwicklung von Borderline-Verhaltensweisen wirken.
Psychosoziale Faktoren und Stressoren
Ein plötzlicher Verlust von Bezugspersonen, erheblicher sozialer Stress - beispielsweise durch Scheidung der Eltern, Migrationserfahrungen oder langanhaltende soziale Isolation können ebenfalls als auslösende Faktoren für Borderline-Symptome fungieren.
Therapieansätze bei Borderline-Persönlichkeitsstörung
Patient:innen mit einer Borderline-Symptomatik sprechen in der Regel sehr gut auf verhaltenstherapeutische Psychotherapie an. Die moderne Psychotherapie und Psychiatrie bietet verschiedenste Therapieansätze zur Verbesserung der Symptome an. Die Wahl oder Kombination der passendsten Therapieform hängt dabei vom Schweregrad der Borderline-Symptome und den individuellen Bedürfnissen und Ressourcen der Kinder und Jugendlichen ab. Die Therapieziele bestehen zum einen in der Reduktion der Symptome, zum anderen in der emotionalen, aber auch handlungsbezogenen Bewältigung belastender zwischenmenschlicher und psychosozialer Stressoren.
Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
Diese Therapie wurde speziell für Menschen mit dem Krankheitsbild Borderline entwickelt und kombiniert kognitive Verhaltenstherapie mit Achtsamkeitstechniken. DBT kann helfen, emotionale Instabilität, Impulsivität und zwischenmenschliche Probleme zu regulieren. Wichtige Elemente sind:
- Achtsamkeit: Bessere Wahrnehmung und Steuerung von Emotionen
- Stresstoleranz: Strategien zur Bewältigung von Krisen
- Emotionsregulation: Umgang mit starken Gefühlen lernen
- Interpersonelle Fertigkeiten: Verbesserung von Beziehungen
Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)
Diese Therapie hilft Betroffenen, ihre eigenen Emotionen und die anderer besser zu verstehen. Menschen mit BPS haben oft Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen oder ihre eigenen Gefühle klar zu erkennen. MBT stärkt die Fähigkeit zur Reflexion und reduziert dadurch impulsive Reaktionen.
Schematherapie
Hier werden unbewusste, in der Kindheit entstandene Denk- und Verhaltensmuster aufgedeckt und verändert. Schematherapie hilft dabei, tiefe emotionale Wunden zu heilen, die für die instabilen Muster bei BPS verantwortlich sind.
Zusätzlich kann EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) hilfreich sein, wenn Traumata eine Rolle spielen, da viele Kinder und Jugendliche belastende Erfahrungen in ihrer Vergangenheit gemacht haben.
Medikamentöse Unterstützung
Neben diesen Therapieformen kann eine medikamentöse Unterstützung bei bestimmten Borderline-Symptomen sinnvoll sein - auch wenn es keine spezifische Medikation für das Krankheitsbild Borderline gibt. Beispielsweise können Antidepressiva zur Stabilisierung der Stimmung eingesetzt werden oder Antipsychotika bei psychotischen Symptomen.
Wahl des Therapiesettings
Die beste Therapieform beim Krankheitsbild Borderline hängt immer von der individuellen Situation ab - oft ist eine Kombination mehrerer Ansätze am effektivsten. Wichtig bei der passenden Wahl des Therapieverfahrens ist auch das Therapiesetting. Eine ambulante Psychotherapie kann für leichte bis mittelgradige Symptome bei Borderline eine gute Lösung sein, um sich mit den Ursachen und Auslösern der Erkrankung auseinanderzusetzen und neue Verhaltensstrategien zu erarbeiten, um eine bessere Regulierung der Emotionen zu ermöglichen. In der Regel finden die therapeutischen Sitzungen in einem wöchentlichen Rhythmus und im vertraulichen Einzelgespräch statt. Doch auch Gruppentherapiesitzungen unter therapeutischer Anleitung können hilfreich sein.
Medikamentöse Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Die medikamentöse Behandlung der BPS ist komplex und wird in der Regel symptomorientiert durchgeführt. Es gibt keine spezifischen Medikamente, die ausschließlich für die Behandlung der BPS zugelassen sind. Stattdessen werden verschiedene Medikamentengruppen eingesetzt, um die vielfältigen Symptome zu lindern.
Antidepressiva
Antidepressiva sind die am häufigsten verordneten Psychopharmaka bei Persönlichkeitsstörungen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass bei vielen Patienten, die Antidepressiva erhalten, keine klinisch diagnostizierte depressive Störung vorliegt. Studien haben gezeigt, dass bei Patienten mit Persönlichkeitsstörung und komorbider Depression das klinische Ergebnis schlechter sein kann, wenn sie Antidepressiva einnehmen. Antidepressiva sollten daher nur bei mindestens mittelschweren Depressionen eingesetzt werden.
Eine Metaanalyse von Studien zur BPS zeigte, dass Antidepressiva lediglich starke Affekte wie Angst und Wut lindern und impulsive Aggressivität oder Affektlabilität dämpfen können. Trizyklische Antidepressiva können aufgrund ihrer anticholinergen Eigenschaften kognitive Defizite verstärken und sogar Aggressivität und Suizidalität verschlimmern.
Monoaminoxidasehemmer (MAOH) könnten eine Alternative sein, da sie sich als effektiv bei der Behandlung von Impulsivität und Depressivität erwiesen haben. Aufgrund der geringen therapeutischen Breite werden irreversible MAOH jedoch selten bei Patienten mit BPS verordnet.
In der klinischen Praxis sollten Antidepressiva bei der BPS zurückhaltend und nur bei klinisch relevanter depressiver Symptomatik eingesetzt werden. Sedierende Antidepressiva (z. B. Mirtazapin) können häufig zu Gewichtszunahme führen, was insbesondere bei jungen Frauen problematisch sein kann. Bei schweren Antriebsstörungen kann Bupropion hilfreich sein, insbesondere wenn auch Aufmerksamkeit und Konzentration beeinträchtigt sind.
Antipsychotika
Antipsychotika der ersten Generation wie Haloperidol wirken vor allem über den Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonismus und sind in der Behandlung schwerster akuter psychomotorischer Erregungszustände oft unverzichtbar. Unter höheren Dosen muss jedoch mit einer Verlängerung der QTc-Zeit und Herzrhythmusstörungen sowie extrapyramidal motorischen Symptomen (EPMS) gerechnet werden.
Antipsychotika der zweiten Generation werden bei Patienten mit BPS häufiger eingesetzt. Quetiapin wird am häufigsten im Indikationsbereich Schlafstörungen, Impulsivität und emotionale Dysregulation verordnet. Olanzapin wird in der Behandlung von Aggressions- und Angstzuständen eingesetzt. Clozapin scheint einen Effekt auf Impulsivität, Aggressivität und Erregungszustände zu haben. Aripiprazol zeigte sich wirksam im Hinblick auf eine Verbesserung von Affektregulation, Impulskontrolle sowie dissoziative und paranoide Symptome bei insgesamt guter Toleranz von Nebenwirkungen. Risperidon scheint vor allem im Hinblick auf Aggressivität wirksam zu sein.
Metaanalytische Studien zeigen, dass Antipsychotika einen signifikanten Effekt auf kognitiv-perzeptive Symptome haben.
Stimmungsstabilisierer
Stimmungsstabilisierer wie Valproinsäure, Lamotrigin und Topiramat werden eingesetzt, um Stimmungsschwankungen und Impulsivität zu reduzieren. Valproinsäure moduliert Ionenkanäle, Vigabatrin greift in die GABA-erge Neurotransmission ein und Pregabalin beeinflusst exzitatorische Neurotransmitter wie Glutamat.
Benzodiazepine
Die Verordnung von Benzodiazepinen ist rückläufig, da sie ein erhebliches Potenzial für physische und psychische Abhängigkeit haben. Sie können jedoch in Notfallsituationen und zur kurzzeitigen Therapie eingesetzt werden, um starke Spannungen zu reduzieren.
Weitere Medikamente
Der Opiatantagonist Naltrexon zeigt eine gute Wirkung bei autistischen Störungen sowie autoaggressiven Impulsen. Man geht davon aus, dass diese Handlungen Endorphine ausschütten, die die Opiatrezeptoren stimulieren.
Wenn ein SSRI keine ausreichende Wirkung zeigt, kann entweder zusätzlich ein zweites SSRI oder Venlafaxin gegeben werden, das sowohl am noradrenergen als auch serotonergen System ansetzt. Erst in der dritten Stufe kommt ein Neuroleptikum oder eventuell ein lang wirksames Benzodiazepin hinzu.
Die Rolle von Dopamin bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Die genaue Rolle von Dopamin bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt Hinweise darauf, dass Dopamin eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptome spielen kann.
Dopamin und Impulsivität
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Belohnung, Motivation und Impulskontrolle spielt. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit BPS möglicherweise eine gestörte Dopaminfunktion haben, was zu Impulsivität und riskantem Verhalten führen kann.
Dopamin und Stimmungsschwankungen
Dopamin ist auch an der Regulation der Stimmung beteiligt. Veränderungen im Dopaminspiegel können zu Stimmungsschwankungen und emotionaler Instabilität führen, die typisch für BPS sind.
Dopamin und Psychotische Symptome
Einige Studien deuten darauf hin, dass eine Überaktivität des Dopaminsystems zu psychotischen Symptomen wie Paranoia und Halluzinationen beitragen kann, die bei manchen Menschen mit BPS auftreten. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Gabe von Neuroleptika, die Dopamin blockieren, aufgrund ihrer Nebenwirkungen umstritten ist.
Dopamin und DAT1 Gen
Die 9-repeat-Variante des DAT1 Gens bewirkt aufgrund der verringerten DAT-Expression einen Dopaminüberschuss im synaptischen Spalt, weil die geringere Anzahl an Dopamintransportern das Dopamin dann nur unzureichend präsynaptisch wiederaufnimmt. ADHS ist nicht mit DAT1 9R assoziiert, sondern mit DAT1 10/10, die eine erhöhte DAT-Ausprägung im Striatum bewirkt, was mit einem erhöhten Dopaminabtransport und daher mit einem verringerten Dopaminspiegel im Striatum einhergeht.
SNDRI
SNDRI (Serotonin-Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer) hemmen die neuronale Wiederaufnahme von Katecholaminen (Noradrenalin und Dopamin) durch Blockade der für die Aufnahme zuständigen Transporter der präsynaptischen Nervenzellen. Durch diese Wiederaufnahmehemmung (Reuptake-Inhibition) erhöht sich die Konzentration der Botenstoffe und ihre Wirkung hält länger an.
Abgrenzung von ADHS
Es gibt Stimmen, die ADHS-HI (mit Hyperaktivität) und Borderline als ein durch Symptomintensität variiertes Kontinuum betrachten. Eine Studie fand, dass ADHS und Borderline sich weniger anhand einzelner Symptome abgrenzen lassen, sondern sich vor allem in der Intensität der Borderline-Symptome unterscheiden. Wir sehen ebenfalls eine auffällige Verwandtschaft bis zu einer für Laien starken Verwechselbarkeit, gehen jedoch davon aus, dass die bei Borderline hinzutretende Aggressivität durch Gene vermittelt wird, die für ADHS nicht typisch sind.
Emotionale Dysregulation ist bei Borderline noch stärker ausgeprägt als bei ADHS. ADHS: können schnell wütend werden. Ärger fast immer von kurzer Dauer und nicht regelhaft auf interaktionelle Auslöser gerichtet. Borderline zeigt häufig eine verlängerte REM-Phase und Albträume.
Selbsthilfe und Unterstützung
Wenn Sie unter innerer Anspannung leiden oder dazu neigen, sich selbst zu verletzen, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann nach einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen entscheiden, ob eine Überweisung an einen Psychiater oder Psychotherapeuten sinnvoll ist. Die Borderline-Störung galt lange Zeit als ungünstige Prognose, jedoch lassen sich mit den neuen, auf die Erkrankung zugeschnittenen Therapien große Behandlungserfolge erzielen.
Für viele Menschen mit Borderline besteht oftmals ein Interesse daran, etwas über die Borderline-Störung zu erfahren und sich selbst besser zu verstehen. Selbsthilfegruppen und Psychotherapie bieten diese Möglichkeit. Auch für Angehörige ist es empfehlenswert sich gut über die Borderline-Störung zu informieren. Dies kann hilfreich sein, um die Störungen besser einzuordnen und das extreme Verhalten der betroffenen Menschen nicht persönlich zu nehmen.
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