Die Alzheimer-Krankheit, die häufigste Form der Demenz, stellt eine wachsende Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Die Suche nach den Ursachen und Präventionsmaßnahmen ist daher von entscheidender Bedeutung. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen übermäßigem Salzkonsum und der Entstehung von Demenzerkrankungen hin. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Erkenntnisse und gibt Einblicke in die komplexen Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen könnten.
Die Rolle von Beta-Amyloid und Tau-Proteinen bei Alzheimer
Eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit wird dem Beta-Amyloid-Protein zugeschrieben. Dieses Protein verändert seine Form und lagert sich zu Aggregaten zusammen, die sich als Fibrillen, Oligomere und Plaques im Gehirn ablagern und zum Ausbruch der Krankheit führen. Es ist bekannt, dass diese Ansammlung von Proteinen durch die Konzentration körpereigener Salze beeinflusst wird.
Ein weiteres Protein, das bei der Alzheimer-Krankheit eine wichtige Rolle spielt, ist das Tau-Protein. Im gesunden Gehirn erfüllt das Tau-Protein wichtige Funktionen für die Stabilität des Zytoskeletts von Nervenzellen. Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es jedoch zu einer Veränderung der Tau-Proteine, die sich dann zu unlöslichen Fibrillen zusammenlagern. Diese Ablagerungen beeinträchtigen die Funktion der Nervenzellen und führen letztendlich zu deren Absterben.
Forschungsprojekt zur Rolle von Salzen bei der Aggregatbildung von Beta-Amyloid
Dr. Anselm Horn von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg untersuchte in einem von der AFI geförderten Projekt den Einfluss verschiedener gelöster Salze auf Beta-Amyloid-Strukturen. Mithilfe von Computersimulationen auf Hochleistungsrechnern wurden kleinste fibrilläre Anhäufungen untersucht. Die Simulationen zeigten, dass die Bestandteile der Salze sich an die Außenseite der fadenförmigen Strukturen anlagern und so eine Art molekularen Kitt bilden können. Dieser festigt die Amyloid-beta-Strukturen und begünstigt auf diese Weise das weitere Wachstum. Verschiedene Salze zeigten dabei eine unterschiedlich starke Neigung zur Anlagerung an der Außenseite. Im Falle von Kochsalz drangen die Natrium-Bestandteile sogar über schmale, wassergefüllte Kanäle in die Proteinstrukturen ein.
Ziel des Projektes war es, neue Einblicke in den Mechanismus der Aggregatbildung zu erhalten, die bei der zukünftigen Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten hilfreich sein können.
Lesen Sie auch: Neuronale Kommunikation durch Synapsen
Aktuelle Studien zum Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Demenz
Neuere Studien haben gezeigt, dass ein hoher Salzkonsum möglicherweise die Ansammlung veränderter Tau-Proteine im Gehirn fördert. Eine Studie mit Mäusen, die über einen Zeitraum von mehreren Wochen mit stark salzhaltigem Futter gefüttert wurden, zeigte, dass sich im Hirngewebe vermehrt Tau-Proteine ansammelten. Die hohe Salzaufnahme reduzierte die Stickoxid-Synthese im Gehirn und führte zu einer Aktivierung eines Enzyms, das für die Phosphorylierung dieses Proteins eine Rolle spielt, was zu einer abnormen Hyperphosphorylierung führte. Derart veränderte Tau-Proteine sind nicht mehr funktionstüchtig und sammeln sich im Gehirn als Ablagerungen an - ein Merkmal, das unter anderem für die Alzheimer-Krankheit typisch ist.
Diese Ergebnisse deuten auf eine kausale Verbindung zwischen dem über die Ernährung aufgenommenen Salz und der Tau-Pathologie hin. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Mäuse im Experiment im Verhältnis deutlich mehr Salz aufnahmen als die höchsten vom Menschen bekannten Werte. Dennoch halten es die Wissenschaftler für denkbar, dass ein hoher Salzkonsum auch bei Menschen die Ansammlung von Tau-Proteinen im Gehirn und kognitive Defizite fördern kann.
Die Rolle des Immunsystems und der Durchblutung des Gehirns
Eine weitere Studie untersuchte den Einfluss von Salz auf das Immunsystem und die Durchblutung des Gehirns. Mäuse, die eine salzreiche Diät erhielten, zeigten Gedächtniseinbußen und eine schlechtere Durchblutung der Hirnrinde und des Hippocampus. Als Ursache wurde eine erhöhte Anzahl von TH17-Immunzellen identifiziert, die Entzündungsprozesse anstoßen und die Versorgung der Gefäße mit Stickstoffmonoxid behindern. In der Folge wird das Gehirn nicht ausreichend durchblutet.
Es konnte gezeigt werden, dass dieser Zustand umkehrbar ist: Nach einer Umstellung auf normale Kost normalisierte sich die Merkfähigkeit der Tiere wieder. Bei Mäusen, die weiterhin versalzenes Futter bekamen, verschlimmerte sich die Situation jedoch.
Empfehlungen für den Salzkonsum
Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt Erwachsenen einen Salzkonsum von weniger als 6 g pro Tag. Es ist wichtig zu beachten, dass der Großteil des Salzes nicht aus dem Salzstreuer stammt, sondern in verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie enthalten ist. Daher ist es ratsam, den Konsum von Fast Food und Fertiggerichten zu reduzieren und stattdessen auf frische, selbst zubereitete Mahlzeiten zu setzen.
Lesen Sie auch: Serotonin: Ein Schlüsselregulator im Gehirn
Weitere Faktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen
Neben dem Salzkonsum gibt es noch weitere Faktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen können. Dazu gehören:
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, fettem Seefisch und Olivenöl kann das Risiko für Demenzerkrankungen senken. Besonders empfehlenswert ist die traditionelle Mittelmeerküche.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Demenzrisiko reduzieren.
- Geistige Aktivität: Kognitives Training und lebenslanges Lernen können die geistige Leistungsfähigkeit erhalten und das Demenzrisiko senken.
- Soziale Kontakte: Soziale Interaktion und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben können die geistige Gesundheit fördern und das Demenzrisiko reduzieren.
- Blutdruck: Ein gut eingestellter Blutdruck ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns.
- Cholesterinspiegel: Hohe Cholesterinspiegel können das Demenzrisiko erhöhen.
- Rauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Demenzrisiko.
- Alkohol: Übermäßiger Alkoholkonsum kann das Gehirn schädigen und das Demenzrisiko erhöhen.
- Vorerkrankungen: Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen können das Demenzrisiko erhöhen.
Ultrahochverarbeitete Lebensmittel und Demenz
Ein weiterer wichtiger Faktor, der das Demenzrisiko beeinflussen kann, ist der Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF). UPF sind Lebensmittel und Getränke, die einem umfangreichen industriellen Verarbeitungsprozess unterzogen wurden und in der Regel eine Vielzahl von zusätzlichen Zutaten enthalten, insbesondere Zusatzstoffe und energiereiche Inhaltsstoffe mit geringer Essenzialität.
Studien haben gezeigt, dass ein hoher UPF-Konsum mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen einhergeht. Diese Erkrankungen können wiederum das Demenzrisiko erhöhen. Es wird vermutet, dass UPF die mikrobielle Vielfalt im Darm verändern und somit über die Darm-Hirn-Achse krankmachende Veränderungen im Gehirn nach sich ziehen können. Zudem könnten einzelne Stoffe, wie künstliche Aromen oder andere Zusatzstoffe, direkt neurotoxisch wirken und die Entstehung einer Demenz begünstigen.
Präventive Maßnahmen und therapeutische Ansätze
Obwohl es derzeit keine Heilung für Demenz gibt, gibt es einige vielversprechende Ansätze zur Prävention und Behandlung. Dazu gehören:
- Ernährungsumstellung: Eine Reduktion des Salzkonsums und des Konsums von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln sowie eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, fettem Seefisch und Olivenöl können das Demenzrisiko senken.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Demenzrisiko reduzieren.
- Kognitives Training: Kognitives Training und lebenslanges Lernen können die geistige Leistungsfähigkeit erhalten und das Demenzrisiko senken.
- Soziale Interaktion: Soziale Interaktion und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben können die geistige Gesundheit fördern und das Demenzrisiko reduzieren.
- Medikamentöse Therapie: Es gibt Medikamente, die die Symptome der Alzheimer-Krankheit lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können.
- Impfung: Das Biotech-Unternehmen Axon Neuroscience hat neue Ergebnisse der Phase-II-Studie für „AADvac1“ bekanntgegeben, den ersten Impfstoff seiner Klasse, der das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen soll.
Die Bedeutung von Vitaminen und Mineralstoffen
Eine ausreichende Versorgung mit bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen kann ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Prävention von Demenz spielen. Dazu gehören:
Lesen Sie auch: Puzzeln: Ein mentaler Booster
- Vitamin E: Vitamin E schützt vor oxidativem Stress und entzündlichen Prozessen. Gute Quellen für Vitamin E sind Nüsse, Samen und Pflanzenöle sowie Vollkorngetreide und Gemüse.
- B-Vitamine: Eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen, insbesondere Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12, ist für die kognitive Gesundheit von besonderer Bedeutung.
- Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für die Funktion des Gehirns. Gute Quellen für Omega-3-Fettsäuren sind fette Seefische wie Lachs, Hering und Makrele.
- Kalium, Magnesium und Calcium: Diese Mineralstoffe können vor Demenz schützen. Gute Quellen für Kalium sind Bananen, Kartoffeln und Tomaten. Magnesium ist in Nüssen, Samen und Vollkornprodukten enthalten. Calcium findet sich in Milchprodukten, grünem Gemüse und Nüssen.