Dopamin-Halbwertszeit: Ein umfassender Überblick über Anwendungen, Wirkmechanismen und therapeutische Überlegungen

Dopamin, ein biogenes Amin aus der Gruppe der Katecholamine, spielt als Neurotransmitter eine entscheidende Rolle im zentralen Nervensystem und beeinflusst Motorik, Belohnungssystem, Denken, Verhalten, Empfinden und die Hormonsekretion der Hypophyse. Es wirkt sich auch peripher auf Herz und Nieren aus. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Dopamin-Halbwertszeit, seine klinischen Anwendungen, Wirkmechanismen, pharmakokinetischen Eigenschaften, Dosierungsrichtlinien, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen. Darüber hinaus werden therapeutische Überlegungen und alternative Behandlungen für verschiedene klinische Szenarien untersucht.

Einführung

Dopamin ist ein vielseitiger Wirkstoff mit einem breiten Wirkungsspektrum, das ihn in verschiedenen klinischen Situationen wertvoll macht. Das Verständnis seiner Halbwertszeit und pharmakologischen Eigenschaften ist für die Optimierung der therapeutischen Ergebnisse und die Minimierung unerwünschter Wirkungen von entscheidender Bedeutung. Dieser Artikel zielt darauf ab, Gesundheitsdienstleistern und Forschern umfassende Informationen über Dopamin zu liefern, die auf aktuellen Forschungsergebnissen und klinischen Leitlinien basieren.

Dopamin und Parkinson-Krankheit

Das idiopathische Parkinson-Syndrom beginnt meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. In dieser Lebensphase müssen die Betroffenen noch etwa 20 bis 30 Jahre mit ihrer Krankheit leben. Eine Planung der therapeutischen Strategie kann helfen, den Zustand des Patienten so zu stabilisieren, dass seine Alltagskompetenz langfristig erhalten bleibt. Dieses Ziel lässt sich eher erreichen, wenn initial ein Dopamin-Agonist statt Levodopa eingesetzt wird - wie in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie empfohlen. Levodopa ist zwar in Bezug auf den akuten Effekt die wirksamste Therapieoption, doch der Preis dafür ist hoch.

Es ist davon auszugehen, dass nach fünf Jahren 50 bis 90 Prozent der Patienten an Dyskinesien leiden. Diese motorischen Komplikationen sind unter den Dopamin-Agonisten nicht zu erwarten, weil aufgrund ihrer längeren Halbwertszeit die Dopamin-Rezeptoren nicht pulsatil - wie durch Levodopa -, sondern tonisch und damit physiologischer, stimuliert werden.

Es gibt das Vorurteil, dass Dopamin-Agonisten nur im frühen Parkinsonstadium ausreichend wirksam seien. Dem widersprechen die Ergebnisse einer Langzeitstudie mit Ropinirol. In 30 neurologischen Zentren in Europa, Israel und Kanada wurden neu diagnostizierte Parkinsonkranke randomisiert doppelblind fünf Jahre lang entweder mit Ropinirol (n = 179) oder Levodopa (n = 89) behandelt. Dabei hatten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen bei den UPDRS-Scores (Unified Parkinson’s Disease Rating Scale) für die motorische Symptomatik und die Aktivitäten des täglichen Lebens ergeben. Statistisch signifikant geringer war im Ropinirol-Kollektiv die kumulative Inzidenz von Dyskinesien (20 versus 45 Prozent/p < 0,001) gewesen.

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Für die Teilnahme an einer offenen Verlängerungsstudie unter kontrollierten Bedingungen konnten aus dem Ropinirol-Arm 36, aus dem Levodopa-Arm 24 Patienten mit vergleichbaren demographischen und klinischen Variablen gewonnen werden. Nach einem Beobachtungsintervall von 8,5 Jahren gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Kollektiven in Hinblick auf körperliche Beweglichkeit und Alltagskompetenz - mit sogar einer im Trend geringeren Verschlechterung im Ropinirol-Arm. Im Ropinirol-Kollektiv sind auch die motorischen Komplikationen statistisch signifikant seltener (42 versus 71 Prozent/p = 0,0299). Dyskinesien sind nur bei den Patienten aufgetreten, die einer Zusatztherapie mit Levodopa bedürfen.

Man kann nur durch eine ausreichend hohe Dosierung das Potenzial der Dopamin-Agonisten voll ausschöpfen. Allerdings ist bei einigen dieser Optionen ab einer gewissen Dosis kein Wirkzuwachs mehr zu erwarten. Im Gegensatz dazu biete Ropinirol bei guter Verträglichkeit ein besonders langes und breites Therapiefenster.

Klinische Anwendungen von Dopamin

Dopamin wird hauptsächlich zur Behandlung von lebensbedrohlichen Schockzuständen und drohenden Schockzuständen eingesetzt, darunter:

  • Herzversagen: Dopamin wird bei Herzversagen, einschließlich kardiogenem Schock, eingesetzt, um die Herzleistung und den Blutdruck zu verbessern.
  • Postoperative Schockzustände: Dopamin kann bei Patienten eingesetzt werden, die sich einer Operation unterzogen haben und einen Schock entwickeln, um die hämodynamische Stabilität aufrechtzuerhalten.
  • Schwere Infektionen: Dopamin wird bei infektiös-toxischem Schock eingesetzt, um die Organdurchblutung und den Blutdruck zu unterstützen.
  • Anaphylaktischer Schock: Dopamin kann bei anaphylaktischem Schock eingesetzt werden, um den Blutdruck zu erhöhen und die kardiovaskuläre Funktion zu verbessern.
  • Schwere Hypotonie: Dopamin wird bei schwerer Hypotonie eingesetzt, um den Blutdruck auf ein akzeptables Niveau anzuheben.
  • Akutes Nierenversagen: Dopamin kann in den frühen Stadien des akuten Nierenversagens eingesetzt werden, um die Nierendurchblutung und die Diurese zu fördern.

Seit Mai 2025 ist ein neues Arzneimittel (Neoatricon) zur Behandlung von Hypotonie bei hämodynamisch instabilen Neugeborenen, Säuglingen und Kindern unter 18 Jahren zugelassen.

Wirkmechanismus von Dopamin

Dopamin übt seine Wirkung aus, indem es mit dopaminergen und adrenergen Rezeptoren interagiert. Seine Wirkungen sind dosisabhängig:

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  • Niedrige Dosen (0,5-2 µg/kg/min): In niedrigen Konzentrationen stimuliert Dopamin hauptsächlich Dopamin-Rezeptoren, was zu einer Vasodilatation in den mesenterialen und renalen Gefäßbetten führt. Dies fördert die Nierendurchblutung und erhöht die Diurese.
  • Mittlere Dosen (3-10 µg/kg/min): In mittleren Dosen aktiviert Dopamin β-Rezeptoren am Herzen, was zu einer Steigerung der Kontraktilität, Chronotropie und Nachlast führt.
  • Hohe Dosen (>10 µg/kg/min): In hohen Dosen stimuliert Dopamin auch α-Adrenorezeptoren, was zu einer peripheren Vasokonstriktion und einem erhöhten Blutdruck führt. Die adrenergen Effekte können bei Dosierungen über 20 µg/kg/min die dopaminergen Effekte überwiegen und die Nierendurchblutung verringern.

Dopamin spielt auch eine Rolle bei der Steuerung der Motorik, der Aktivierung des Belohnungssystems und der Beeinflussung des Denkens, Verhaltens und Empfindens. Es ist an der Hormonsekretion der Hypophyse beteiligt, indem es die Prolaktinsekretion hemmt, und an der Auslösung des Brechreizes.

Pharmakokinetik von Dopamin

Das Verständnis der pharmakokinetischen Eigenschaften von Dopamin ist für eine optimale Dosierung und Verabreichung unerlässlich:

  • Resorption:
    • Orale Bioverfügbarkeit: Dopamin ist nach oraler Gabe aufgrund des schnellen Stoffwechsels im Magen-Darm-Trakt unwirksam.
    • Intravenöse Gabe: Nach intravenöser Verabreichung tritt die Wirkung innerhalb von etwa 5 Minuten ein.
  • Verteilung:
    • Verteilungsvolumen: Dopamin hat ein großes Verteilungsvolumen im Körper.
    • Blut-Hirn-Schranke: Dopamin überwindet die Blut-Hirn-Schranke nicht.
    • Plazentagängigkeit: Es ist nicht geklärt, ob Dopamin die Plazenta passiert.
  • Metabolismus:
    • Halbwertszeit: Die Plasmahalbwertszeit von Dopamin beträgt etwa 2 Minuten.
    • Metabolismus: Dopamin wird hauptsächlich durch Monoaminoxidase (MAO) und Catechol-O-Methyltransferase (COMT) in Leber, Nieren und Plasma metabolisiert.
    • Hauptmetaboliten: Zu den Hauptmetaboliten gehören Homovanillinsäure (HVS) und 3,4-Dihydroxyphenylessigsäure.
    • Zusätzliche Umwandlung: Etwa 25 % der Dosis werden in sympathischen Nervenendigungen zu Noradrenalin umgewandelt.
    • MAO-Hemmer: Die gleichzeitige Gabe von MAO-Hemmern kann die Wirkdauer von Dopamin auf bis zu einer Stunde verlängern.
  • Elimination:
    • Ausscheidung: Die Metaboliten werden größtenteils renal ausgeschieden, insbesondere als Sulfat- und Glucuronidkonjugate von HVS sowie als 3,4-Dihydroxyphenylessigsäure.
    • Unveränderter Anteil: Nur ein sehr geringer Teil wird unverändert mit dem Urin ausgeschieden.
    • Renale Clearance: Etwa 80 % von radioaktiv markiertem Dopamin werden innerhalb von 24 Stunden über den Urin eliminiert.

Pharmakokinetik bei Kindern und Jugendlichen

  • Halbwertszeit bei Neugeborenen: Die Halbwertszeit bei Neugeborenen liegt zwischen 5 und 11 Minuten.
  • Clearance bei kritisch kranken Kindern und Säuglingen: Die Clearance bei kritisch kranken Kindern und Säuglingen ist variabel und liegt zwischen 48 und 168 ml/kg/min, wobei sie bei jüngeren Kindern in der Regel höher ist.
  • Interindividuelle Unterschiede: Die Pharmakokinetik ist insbesondere bei schwer kranken Neugeborenen schwer vorhersehbar. Die Plasmakonzentrationen lassen sich anhand der Infusionsrate nicht zuverlässig prognostizieren.

Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Pharmakokinetik von Dopamin derjenigen bei Erwachsenen ähnlich ist. Es wurde eine große interindividuelle Variabilität festgestellt. Ein konsistenter Zusammenhang zwischen Clearance und Alter wurde nicht nachgewiesen.

Dosierung und Verabreichung von Dopamin

Die Dosierung von Dopamin muss individuell erfolgen und ist abhängig von Hämodynamik und Nierenfunktion des Patienten. Die Infusionslösung wird bis zum Erreichen des gewünschten systolischen Blutdruckanstiegs titriert. Die Infusionsrate richtet sich nach Schweregrad, klinischem Ansprechen und Verträglichkeit und wird individuell ärztlich titriert.

  • Erwachsene:
    • Zu Beginn sind bei Erwachsenen erfahrungsgemäß 2 bis 5 µg/kg KG/min Dopamin ausreichend.
    • Bei schwer erkrankten Patienten wird in der Regel mit einer höheren Dosierung von 5 µg/kg KG/min begonnen und dann falls erforderlich alle 15 bis 30 Minuten schrittweise um 5 bis 10 µg/kg KG/min auf bis zu 20 bis 50 µg/kg KG/min erhöht.
    • In der Regel zeigen Patienten bereits bei Dosierungen bis 20 µg/kg KG/min eine hämodynamische Wirkung. Insbesondere bei Dosierungen darüber, beispielsweise bei fortgeschrittener Kreislaufdekompensation, kann es zur Abnahme der Nierendurchblutung kommen, sodass nach Erreichen der gewünschten Hämodynamik gegebenenfalls eine Reduktion der Infusionsgeschwindigkeit nötig wird.
  • Kinder und Jugendliche:
    • Zur Behandlung von Hypotonie bei hämodynamisch instabilen Neugeborenen, Säuglingen und Kindern unter 18 Jahren wird die Dopamininfusion initial mit 5 µg/kg/min begonnen und kann schrittweise in 5 µg/kg KG/min-Schritten erhöht werden.
    • Der empfohlene Dosisbereich liegt in der Regel bei 5 bis 10 µg/kg KG/min. Bei Bedarf kann die Dosis auf bis zu 20 µg/kg KG/min gesteigert werden, sofern dies medizinisch gerechtfertigt ist.

Zur Anpassung an verschiedene Körpergewichte steht Dopamin in mehreren Konzentrationen zur Verfügung. Die Infusionsrate kann anhand standardisierter Rechenformeln berechnet werden (siehe Fachinformation Neoatricon). Bei Beendigung der Therapie ist Dopamin schrittweise auszuschleichen, um Kreislaufstörungen zu vermeiden.

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Bei Neugeborenen sowie Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion ist aufgrund der verlangsamten Dopamin-Clearance eine reduzierte Initialdosis und langsame Titration notwendig. Patienten, die zuvor mit MAO-Hemmern behandelt wurden, sollten ebenfalls eine stark reduzierte Startdosis (10% der üblichen Menge) erhalten, da diese Arzneimittel die Wirkung von Dopamin deutlich verstärken können.

Nebenwirkungen von Dopamin

Die folgenden Nebenwirkungen können bei der Behandlung mit Dopamin häufig (≥1/100 bis <1/10) auftreten:

  • Herzrhythmusstörungen (überwiegend Extrasystolen), Sinustachykardien, Herzklopfen
  • Angina-pectoris-Beschwerden
  • Kopfschmerzen, Fingertremor
  • Atemnot
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Blutdruckabfall und Vasokonstriktion
  • Unruhegefühl, Angstgefühl

Aufgrund der häufig auftretenden Herzrhythmusstörungen sowie immunsuppressiver Effekte verliert Dopamin in der Schocktherapie nach und nach an Bedeutung.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei der Gabe von Dopamin treten in Kombination mit folgenden Substanzen Wechselwirkungen auf:

  • Anästhetika: Cyclopropan und halogenierte Kohlenwasserstoffe sensibilisieren das Myokard für Dopamin. Kombination mit Dopamin ist kontraindiziert.
  • Alpha- und Betablocker: β-Blocker (z. B. Propranolol, Bisoprolol) antagonisieren kardiale Wirkungen α-Blocker (z. B. Doxazosin, Prazosin) antagonisieren vasokonstriktorische Effekte. Kombination wird nicht empfohlen.
  • MAO-Inhibitoren: Verstärken Wirkung und Wirkdauer von Dopamin. Deutliche Dosisreduktion erforderlich bei Vorbehandlung (siehe auch Warnhinweise). Kombination sollte möglichst vermieden werden.
  • Phenytoin (i.v.): Risiko für Hypotonie, Bradykardie, Herzstillstand. Anwendung nur mit äußerster Vorsicht.
  • Diuretika (z. B. Furosemid, Torasemid): Wirkung kann durch Dopamin verstärkt werden. Kombination nicht empfohlen.
  • Mutterkornalkaloide (z. B. Ergotamin): Risiko übermäßiger Vasokonstriktion und Gangrän erhöht. Kombination vermeiden.
  • Trizyklische Antidepressiva und Guanethidin: Verstärken das vasopressorische Ansprechen auf Dopamin.
  • Alkalisierende Substanzen (z. B. Natriumbicarbonat): Inaktivieren Dopamin in Lösung. Keine gemeinsame Infusion.
  • Metoclopramid: Beeinträchtigt die Wirkung von Dopamin. Kombination nicht empfohlen.
  • Antidiabetika: Dopamin kann Blutzucker erhöhen. Wirksamkeit von z. B. Gliniden oder Sulfonylharnstoffen kann beeinflusst werden. Blutzuckerüberwachung erforderlich, besonders bei Neugeborenen.

Neben diesen Wechselwirkungen sollten die Inkompatibilitäten von Dopamin mit anderen Arzneistoffen wie beispielsweise Aciclovir, Amphotericin B, Furosemid und Heparin berücksichtigt werden.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Dopamin ist in folgenden Fällen kontraindiziert:

  • Überempfindlichkeit gegen Dopamin
  • Phäochromozytom
  • Engwinkelglaukom
  • Hyperthyreose
  • Prostataadenom mit Restharnbildung
  • Tachyarrhythmien
  • Kammerflimmern
  • Hypovolämie
  • Kombination mit Cyclopropan und halogenierten Kohlenwasserstoff-Anästhetika
  • Schwangerschaft

Anwendungshinweise und Warnhinweise

Bei der Anwendung von Dopamin sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Gleichzeitige Infusion mit anderen Arzneimitteln: Dopamin darf nicht zusammen mit anderen Wirkstoffen in einer Infusion verabreicht werden.
  • Vorsicht bei MAO-Hemmern: Patienten mit Vorbehandlung durch Monoaminoxidase-Inhibitoren (MAO-Hemmer) benötigen reduzierte Dopamindosen, um eine Wirkungsverstärkung zu vermeiden.
  • Hypovolämischer Schock: Dopamin ist bei Volumenmangel nur nach vorheriger Flüssigkeitsgabe sinnvoll. In Einzelfällen mit persistierender Hypotonie kann es vorsichtig angewendet werden.
  • Elektrolytüberwachung: Kaliumfreie Lösungen können eine Hypokaliämie auslösen. Elektrolyte sollten regelmäßig kontrolliert werden.
  • Blutdruckkontrolle: Bei disproportional erhöhtem diastolischem Blutdruck (niedrigem Pulsdruck) muss die Infusion verlangsamt oder angepasst werden.
  • Kardiale Überwachung: Wegen möglicher Tachykardie und Rhythmusstörungen ist eine kontinuierliche kardiovaskuläre Überwachung erforderlich. Ursachen wie Hypoxie oder Schmerzen sind auszuschließen.
  • Durchblutungsstörungen: Bei Anzeichen von Minderdurchblutung der Extremitäten (z. B. Blässe, Kälte) muss die Dosis überprüft oder die Infusion beendet werden.
  • Neugeborene und Kinder: Aufgrund der altersabhängigen Clearance ist bei Neugeborenen eine vorsichtige, schrittweise Dosistitration notwendig.
  • Verabreichungsweg: Eine subkutane, intramuskuläre oder intraarterielle Applikation ist kontraindiziert - es besteht Gewebenekrosegefahr.
  • Extravasation: Infusion vorzugsweise über große Venen. Bei Extravasation: sofortige Infiltration des betroffenen Areals mit einem Vasodilatator (z. B. Phentolamin) erwägen.
  • Nieren- und Leberfunktionsstörung: Die Dopamin-Clearance ist bei eingeschränkter Organfunktion reduziert. Insbesondere bei Neugeborenen ist eine engmaschige Kontrolle notwendig.
  • Absetzerscheinungen: Dopamin darf nicht abrupt abgesetzt werden. Um Hypotonie zu vermeiden, ist eine schrittweise Dosisreduktion erforderlich, ggf. unter Volumengabe.
  • Septischer Schock bei Kindern: Aufgrund erhöhter Mortalität wird Dopamin nicht als First-Line-Therapie bei pädiatrischem septischem Schock empfohlen.
  • Herzoperationen: Dopamin wird selektiv bei niedrigem Herzzeitvolumen eingesetzt. Bei erhöhtem systemischen oder pulmonalen Gefäßwiderstand ist Vorsicht geboten.
  • Erhöhter pulmonalarterieller Druck: Bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie kann Dopamin den Gefäßwiderstand steigern. Dosen über 10 µg/kg KG/min sollten vermieden werden.
  • Intraventrikuläre Blutung (IVH) bei Neugeborenen: Dopamin kann bei Säuglingen das Risiko einer IVH erhöhen. Der Blutdruck muss engmaschig überwacht und individuell angepasst werden.
  • Infektionsrisiko: Hohe Dosen oder lange Therapiedauer können das Infektionsrisiko erhöhen. Präventive Maßnahmen und klinische Überwachung sind erforderlich.
  • Engwinkelglaukom: Dopamin sollte bei Patienten mit Engwinkelglaukom nicht eingesetzt werden.
  • Alkalisierende Substanzen: Natriumbicarbonat darf nur über eine separate Infusionsleitung verabreicht werden, um Inkompatibilitäten zu vermeiden.
  • Interferenzen bei Laborparametern: Dopamin senkt TSH- und Prolaktinspiegel.

Dopamin und Restless-Legs-Syndrom (RLS)

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist durch Missempfindungen in den Beinen gekennzeichnet, die mit einem Bewegungsdrang einhergehen. Diese Symptome treten in Ruhe und nachts auf und können durch Aktivität gelindert werden. Eine Behandlung mit Levodopa kann die Symptome verbessern, aber es kann eine Augmentation auftreten, die die Langzeitbehandlungsmöglichkeiten mit diesem Medikament einschränkt. Dopaminagonisten ermöglichen eine wirksame Therapie des Restless-Legs-Syndroms mit seltener auftretender Augmentation und guter Verträglichkeit. Die Non-Ergot-Dopaminagonisten Pramipexol und Ropinirol haben die Zulassung zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms in Deutschland erhalten.

Eine medikamentöse Therapie des RLS sollte allgemein nur bei Patienten eingesetzt werden, die die spezifischen diagnostischen Kriterien erfüllen und unter klinisch relevanten RLS-Symptomen leiden. Sie sollte entsprechend ausgerichtet werden an dem Schweregrad der Erkrankung, den subjektiven Symptomen und dem Wunsch nach Behandlung. Die Medikamente, die beim Restless-Legs-Syndrom wirksam sind, wirken in aller Regel auch gegen die periodischen Beinbewegungen (PLM) im Schlaf. Am besten hierzu untersucht sind Levodopa und Dopaminagonisten.

Die pharmakologischen Behandlungsstrategien des RLS fokussieren sich entsprechend hauptsächlich auf eine dopaminerge Therapie. Levodopa ist für die Behandlung des RLS in Deutschland zugelassen und das Medikament der Wahl beim leichten und mittelschweren RLS und wird in der Regel gut vertragen. Dopaminagonisten können auch in leichten Fällen zur Behandlung des RLS eingesetzt werden, um unter anderem eine Augmentation, wie sie unter chronischer Behandlung mit Levodopa häufig auftritt, zu minimieren. Der Begriff „Augmentation“ bezeichnet in diesem Zusammenhang eine Änderung der klinischen Symptome nach Behandlungsbeginn: Die RLS-spezifischen Symptome beginnen früher am Tag, involvieren andere Körperteile und nehmen in ihrer Schwere zu. Die Augmentation kann als die klinisch relevanteste Nebenwirkung von Levodopa und seltener auch von Dopaminagonisten angesehen werden. Sollte sie unter Levodopa auftreten, muss auf einen Dopaminagonisten umgestellt werden, da die Augmentation hier ein geringeres Problem darstellt.

Dopaminagonisten sollten als Medikament der ersten Wahl bei mittelschwerem und schwerem RLS eingesetzt werden, insbesondere mit Augmentation und wenn eine Behandlung während des Tages notwendig wird. Falls Dopaminagonisten nicht wirken oder falls Kontraindikationen ihre Anwendung verbieten, gelten Opiate als Medikation der zweiten Wahl. Bei Patienten, die dopaminerge Medikamente nicht vertragen können, gelten Opiate als Medikament der ersten Wahl.

In bisherigen Studien haben sich alle Dopaminagonisten, die für die Behandlung in der Parkinson-Therapie zugelassen sind und beim RLS untersucht wurden, auch in dieser Indikation als wirksam erwiesen. Dopaminagonisten werden zunehmend als pharmakologische Behandlung der ersten Wahl beim mittleren und schweren RLS empfohlen. Lange Zeit war ihr Einsatz beim RLS jedoch „off label“, im Frühjahr dieses Jahres wurden dann die Non-Ergot-Dopaminagonisten Pramipexol und Ropinirol für die Behandlung des RLS in Deutschland zugelassen.

Es können so genannte Ergot- und Non-Ergot-Dopaminagonisten unterschieden werden. Die Ergot-Dopaminagonisten werden aufgrund des gehäuften Auftretens von Herzklappenfibrosen und Lungenfibrosen in den vergangenen Jahren nur noch mit Zurückhaltung eingesetzt. Bei den Non-Ergot-Dopaminagonisten wurden diese Nebenwirkungen bislang nicht beobachtet.

Eine langsame Eindosierung wird für alle Agonisten empfohlen wegen des möglichen Auftretens von Nebenwirkungen, insbesondere von Übelkeit. Vorbeugend kann zu Beginn der Therapie zusätzlich Domperidon für eine bessere Tolerabilität und verbesserte Compliance gegeben werden.

Dopaminagonisten und ihre Halbwertszeiten

Verschiedene Dopaminagonisten werden in der Behandlung von Parkinson-Krankheit und RLS eingesetzt. Hier ist eine Zusammenfassung der Halbwertszeiten einiger gängiger Dopaminagonisten:

  • Bromocriptin: Halbwertszeit von 3 bis 8 Stunden.
  • Pergolid: Halbwertszeit von 7 bis 16 Stunden.
  • Cabergolin: Halbwertszeit von mehr als 65 Stunden.
  • Lisurid: Halbwertszeit von 2 bis 3 Stunden.
  • Alpha-Dihydroergocryptin: Halbwertszeit von etwa 15 Stunden.
  • Ropinirol: Halbwertszeit von etwa 6 Stunden.
  • Pramipexol: terminale Halbwertszeit von 8-12 Stunden

Dopamin und Dopamin-Supersensitivitätspsychose

Bei Langzeitverabreichung von Antipsychotika kann es bei Gabe zu hoher Dosen zu einer Heraufregulation von Dopamin-D2-Rezeptoren im Gehirn und somit zu einer Dopamin-Supersensitivität kommen. Die Patienten benötigen immer höhere Antipsychotika-Dosen, um die gesteigerte Dopamin Rezeptorenanzahl optimal zu besetzen und somit psychotische Symptome zu kontrollieren. Klinische Konsequenzen der Dopamin-Supersensitivität sind u. a. tardive Dyskinesien, Antipsychotikatoleranz und multiple Rückfälle/Dopamin-Supersensitivitätspsychosen trotz stabiler Dosis. Die Dopamin-Supersensitivitätspsychose sollte möglichst früh diagnostiziert werden, um immer weitere Dosissteigerungen zu vermeiden.

Zur Prävention sollten arzneimittelinduzierte motorische Störungen früh diagnostiziert und daraufhin die Antipsychotikadosis reduziert werden. Minimale therapeutische Erhaltungsdosen sollten angestrebt werden. Partialagonisten sind in der Lage, heraufregulierte Dopaminrezeptoren wieder zu reduzieren und induzieren selbst keine Dopamin-Supersensitivität. Ansonsten sollten Atypika mit möglichst starker 5-HT2A-Affinität bevorzugt eingesetzt werden, möglichst als intermittierende Gabe. Die adjuvante Gabe von Antikonvulsiva zu Antipsychotika kann präventiv erwogen werden, aber auch zur Stabilisierung bei bereits bestehender Dopamin-Supersensitivität beitragen. Atypika, insbesondere als Depot, können aufgrund stabiler Arzneistoff Blutspiegel mit geringen Spitzenspiegeln zusätzlich stabilisierend wirken.

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