Migräne und Ernährung: Welche Rolle spielen Lebensmittel?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die mit Symptomen wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit einhergehen können. Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Viele Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass das Gehirn von Migränepatienten empfindlicher auf bestimmte Reize reagiert als das Gehirn gesunder Menschen.

Ernährung als potenzieller Trigger

Immer wieder berichten Patienten davon, dass bestimmte Lebensmittel als Auslöser ihrer Migräne in Frage kommen. Diese inneren und äußeren Einflüsse, die einen Migräne-Anfall provozieren können, werden Triggerfaktoren genannt. Sie sind nicht die eigentliche Ursache, aber der Auslöser von Schmerzattacken.

Vor allem Lebensmittel, die Alkohol, Koffein, Histamin und Tyramin enthalten, stehen im Verdacht, zu Migräne zu führen. Wissenschaftliche Studien sehen hingegen kaum einen Zusammenhang zwischen der Kopfschmerzerkrankung und bestimmten Nahrungsmitteln. Circa 20 Prozent der Migränekranken sind sich sicher, dass gewisse Speisen zu ihren persönlichen Triggern, also Auslösern, zählen. Diese Meinungen dürfen nicht unterschätzt werden. Dabei gilt es jedoch immer zu bedenken, dass der Körper dynamisch ist. So kann es sein, dass man an manchen Tagen das Glas Sekt gut verträgt und an anderen danach mit Kopfschmerzen zu kämpfen hat.

Es gibt eine Reihe Lebensmittel, die bei Migräne immer wieder genannt werden, wie zum Beispiel Schokolade oder Alkohol. Daraus entwickelt sich bei vielen Betroffenen schnell die Annahme, dass dieser Zusammenhang auch bei ihnen bestünde.

Das Migränetagebuch: Auf der Suche nach individuellen Triggern

Um persönliche Triggerfaktoren zu identifizieren, empfiehlt es sich, ein Migränetagebuch zu führen. Darin werden alle Genussmittel, Stressfaktoren und Schmerzereignisse über mindestens vier Wochen protokolliert (Uhrzeit, Essen, Getränk, Besonderheiten, Beschwerden). Ebenfalls vermerken kann man darin auch Ernährungsweise oder andere Faktoren, die als Auslöser verdächtigt werden.

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Besser ist es, ein Migränetagebuch auszufüllen, in dem du über einige Wochen deine Ernährung und Migräneattacken festhälst. Achte dabei auch auf Getränke. Eventuell kannst du dann herausfinden, welche Lebensmittel du bei Migräne meiden solltest. Versuche bei einem bestimmten Verdacht das betreffende Lebensmittel eine Zeit lang vom Speiseplan zu streichen und vermerke das in deinem Schmerzkalender. Beachte dabei, dass der Zusammenhang zwischen Essen und Migräne nicht immer direkt zu beobachten ist. Selbst wenn Migräniker herausgefunden haben, dass bestimmte Nahrungsmittel bei ihnen eine Attacke auslösen können, kommt es immer wieder vor, dass sie diese Nahrungsmittel trotzdem vertragen, wenn keine weiteren Störfaktoren hinzukommen. Erst wenn weitere Trigger „das Fass zum Überlaufen bringen“, kann es sein, dass die Nahrungsmittel einen Anfall provozieren.

Potentielle Trigger-Lebensmittel im Überblick

Einige Migräne-Patienten berichten, dass Käse oder Rotwein ihre Attacken auslösen können. Andere reagieren, wenn auch sehr selten, empfindlich auf bestimmte Eiweißstoffe in Joghurt und Milchprodukten oder auf die Inhaltsstoffe bestimmter Früchte, etwa Bananen. Auch das Koffein in Kaffee und koffeinhaltigen Limonaden, etwa Cola-Getränken, kann eine Attacke verursachen. Manche Patienten reagieren aber auch auf den Koffein-Entzug am bürostressfreien Wochenende mit einem Anfall. Ebenso können Konservierungsstoffe in Fertiggerichten eine Attacke provozieren. Dazu gehören beispielsweise Nitrate, die häufig in Würstchen oder in konservierten Fleisch- und Wurstwaren enthalten sind. Bekannt als Triggerfaktor ist auch der Geschmacksverstärker Glutamat, mit dem häufig chinesische oder andere asiatische Gerichte gewürzt werden. Glutamat kann auch in Fertiggerichten und Tütensuppen sowie in Brühwürfeln enthalten sein. Selbst Speiseeis kann eine Migräne auslösen - wegen des Kälteschocks, der den Trigeminus-Nerv in Aufruhr versetzt.

Alkohol: Alkohol wird am häufigsten genannt, wenn es um Migräne-Trigger geht. Einige Migränepatienten berichten, dass alle alkoholischen Getränke problematisch sind, während andere nur bestimmte wie Sekt oder Rotwein nennen. Generell greift Alkohol in einer Vielzahl biochemischer Prozesse ein, manche spüren schon nach wenigen Schlucken die Auswirkungen. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass Alkohol Migräne auslöst. Einige Experten vermuten, dass die harntreibende Wirkung des Alkohols zu einer Dehydrierung und damit zu Migräne führt.

Koffein: Viele Menschen trinken täglich Kaffee; manche zwei Tassen, andere bis zu fünf. Der Körper gewöhnt sich dadurch an die tägliche Dosis Koffein und gerät in eine Abhängigkeit. Aus diesem Grund ist es eher problematisch, wenn Kaffeetrinker plötzlich ihren Konsum reduzieren oder gar einstellen - etwa am Wochenende. Wer allerdings kaum Kaffee trinkt, kann von dem ungewohnten Koffein Kopfschmerzen bekommen. Interessant: Koffein ist auch in Tee, Cola und Energy-Drinks enthalten.

Histamin und Tyramin: Histamin ist ein natürlicher Stoff, der unter anderem als Signalüberträger (Neurotransmitter) im Gehirn und an Entzündungsreaktionen beteiligt ist. Tyramin ist ein Neurotransmitter, der als Trigger für Migräne im Fokus steht.

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Schokolade: Auch hier beobachten viele einen Zusammenhang zwischen Genuss und Migräne. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass nicht die Schokolade Kopfschmerzen auslöst. Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor.

Die Rolle von Ernährungsmustern und Nährstoffen

Neben einzelnen Lebensmitteln können auch bestimmte Ernährungsmuster und Nährstoffdefizite eine Rolle bei Migräne spielen.

Regelmäßigkeit: Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden. Das zeigte sich bei Muslimen mit Migräne während des Fastenmonats Ramadan. Laut ihrer Kopfschmerztagebücher waren Häufigkeit und Intensität der Migräne-Episoden höher. Daher ist es wichtig, regelmäßig zu essen und Mahlzeiten nicht auszulassen.

Kohlenhydrate: Personen mit Migräne reagieren überempfindlich auf Reize, unter anderem auch auf Schwankungen des Blutzuckerspiegels. Das Gehirn gewinnt seine Energie aus Kohlenhydraten. Dahingegen haben Wissenschaftler in einer Studie Vorteile einer kohlenhydratarmen (ketogenen) Ernährung bei Migräne gesehen: Probandinnen, die sich über mehrere Monate mit wenig Kohlenhydraten ernährten, hatten weniger Migräneanfälle als solche, die sich nur einer kalorienreduzierten Diät unterzogen.

Es ist sinnvoll, regelmäßig zu essen und möglichst komplexe Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Das sind die "guten Kohlenhydrate", die den Blutzucker konstant halten und lange satt machen (im Gegensatz zu den "schlechten Kohlenhydraten", die in Zucker und Weißmehl enthalten sind). Gute Kohlenhydrate finden sich in Vollkornprodukten, Reis, Mais, Hirse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und in vielen Sorten Obst und Gemüse.

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Omega-3-Fettsäuren: Es gibt Hinweise (jüngst erschienene Studie im "British Medical Journal"), dass Omega-3-Fettsäuren die Zahl der Migräneanfälle deutlich verringern können. Omega-3-Fettsäuren sind zum Beispiel in fetten Fischen wie Lachs, Makrele und Hering enthalten oder in Leinsamen und Nüssen. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend. Aus ihnen werden im Körper Botenstoffe hergestellt, die Schmerz unterdrücken. Das kann sich auch positiv auf die Migräne auswirken.

Vitamine und Mineralstoffe: Menschen, die an Migräne leiden, nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf. Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 25 mg Vitamin B6 und 400 μg Vitamin B12 sowie 2 mg Folsäure die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern kann. In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen.

Die ketogene Diät

Die ketogene Diät (KD) wird bereits seit den 1930er Jahren intensiv erforscht und stellt eine etablierte Maßnahme in der Therapie der Epilepsie bei Kindern dar. Die klassische KD sieht ein Verhältnis der Hauptnährstoffe von 4 Teilen Fett zu 1 Teil Kohlenhydrat und Eiweiß vor. In der Regel beschränkt sich die tägliche Aufnahme von Kohlenhydraten je nach Form auf 20-50 Gramm. Um einen therapeutischen Erfolg erzielen zu können, muss die Diät streng und über einen längeren Zeitraum eingehalten werden. Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt. Nach dem ersten Monat konnte neben einer Gewichtsreduktion eine deutliche Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit und der Medikamenteneinnahme festgestellt werden.

Die oligoantigene Diät

Die oligoantigene Diät hat sich in einigen Studien als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne, ADHS und Epilepsie erwiesen. In einer doppelblinden Untersuchung konnte durch die Ernährungsumstellung bei 93 % der untersuchten Kinder eine Kopfschmerzreduktion erzielt werden. Darüber hinaus besserten sich während dieser Zeit auch andere Symptome wie Bauchschmerzen, Verhaltensstörungen, Asthma und Ekzeme. Dabei war der Effekt nach 16 Wochen am stärksten ausgeprägt, wenn die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Lachs) zu- und diejenige an Omega-6-Fettsäuren (z. B. Schweinefleisch, tierische Fette, Innereien, Soja-/Maiskeimöl) abnahm. Die Anzahl der Kopfschmerztage reduzierte sich um 2 bis 4 Tage; auch die Anzahl der Kopfschmerzstunden nahm ab. Einige konnten die Anzahl der eingenommenen Kopfschmerztabletten reduzieren.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Durch Nahrungsmittel ausgelöste Unverträglichkeiten können auf einer allergischen Überempfindlichkeit (Immunoglobin E-vermittelte Nahrungsmittelallergie) oder einer nicht allergischen Überempfindlichkeit (z.B. Nahrungsmittelintoleranz) beruhen. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie ist eine spezifische IgE-Bestimmung und/ oder ein Haut-Pricktest sinnvoll, um die Sensibilisierung gegen ein Nahrungsmittel zu prüfen. Serologische Tests zur Bestimmung von IgG- bzw. In Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien und Migräne finden sich nur wenige Hinweise, dass Nahrungsmittel, die eine IgE-Produktion verursachen, eine Migräne auslösen.

Künstliche Süßstoffe

Die Studienlage zu Aspartam und Migräne ist nicht eindeutig. Zudem stützen sich die bisherigen Ergebnisse auf Studien, die zum Teil mehr als 30 Jahre zurückliegen. Neue Studien fehlen. Anders als Aspartam gilt Sucralose nicht als Migräne-Trigger.

Nitrate und Nitrite

Nitrate und Nitrite kommen als Konservierungsmittel vor allem in verarbeiteten Fleischwaren wie Speck, Salami, Wurst oder Schinken sowie Fertigprodukten und geräuchertem Fisch zum Einsatz. Es existieren jedoch wenige Berichte aus jüngerer Zeit, die zeigen, dass Nitrite Kopfschmerzen bzw. Migräne auslösen.

Koffein

Koffein wird vor allem über Kaffee, Tee und koffeinhaltige Limonaden sowie Erfrischungsgetränke aufgenommen. Bekannt ist zudem, dass eine unregelmäßige Koffeinzufuhr - nicht nur bei Migränepatienten - Kopfschmerzen verursachen kann. Der sogenannte Koffein-Entzugs-Kopfschmerz entwickelt sich innerhalb von 24 Stunden, wenn die über mindestens 2 Wochen andauernde regelmäßige Aufnahme von 200 mg Koffein am Tag unterbrochen wird.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten

Auch wenn es keine spezielle "Migräne-Diät" gibt, können einige allgemeine Ernährungsempfehlungen helfen, Migräneanfälle zu reduzieren:

  • Regelmäßige Mahlzeiten: Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten.
  • Vermeiden Sie Trigger-Lebensmittel: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Trigger-Lebensmittel und vermeiden Sie diese.
  • Reduzieren Sie Stress: Stress kann ein wichtiger Auslöser für Migräne sein. Versuchen Sie, Stress abzubauen, z.B. durch Entspannungsübungen oder Sport.
  • Schlafhygiene: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und einen regelmäßigen Schlafrhythmus.

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