Hals-Nerven-Schmerzen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Nackenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, von dem fast jeder zweite erwachsene Deutsche gelegentlich betroffen ist, wie eine Studie des Robert Koch-Instituts zeigt. Diese Schmerzen können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter eine falsche Körperhaltung, Muskelverspannungen, Stress oder Verletzungen. Es ist wichtig, auf eine ergonomische Arbeitsumgebung zu achten, regelmäßige Pausen einzulegen und den Nacken zu dehnen, um Nackenschmerzen vorzubeugen und zu lindern.

Was sind Nackenschmerzen?

Nackenschmerzen sind Beschwerden, die im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) auftreten. Die Hauptursachen für Nackenschmerzen sind Haltungsprobleme und überlastete Muskeln im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich. Diese Muskeln verkürzen und verhärten sich mit der Zeit, was zu starken Schmerzen führen kann, wenn Druck auf typische Stellen ausgeübt wird. Selbst eine leichte zusätzliche Belastung oder Stress können ausreichen, um das Gleichgewicht zu stören, das mühsam aufrechterhalten wurde. Die Schmerzen können Fehlhaltungen verstärken, die wiederum den Schmerz verstärken - ein Teufelskreis entsteht. Wenn Schmerzen sich verselbstständigen, wird es schwieriger, sie in den Griff zu bekommen. Sie können chronisch werden.

Akute, wiederkehrende und chronische Nackenschmerzen

In den ersten drei Wochen gelten Nackenschmerzen als akut. Wenn sie nach einem beschwerdefreien Monat wieder auftreten oder sich wiederholen, werden sie als wiederkehrend (rezidivierend) bezeichnet. Wenn Nackenschmerzen länger als etwa drei Monate anhalten, gelten sie als chronisch. Ähnlich wie bei Rücken- oder Kreuzschmerzen unterscheiden Ärzte auch bei Nackenschmerzen zwischen spezifischen Ursachen und nicht spezifischen Beschwerden. In Fällen von nicht spezifischen Beschwerden sind normalerweise keine weiteren Untersuchungen erforderlich.

Ursachen von Nackenschmerzen

Die Ursachen von Nackenschmerzen sind vielfältig. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

  • Muskelverspannungen: Muskelverspannungen sind die mit Abstand häufigste Ursache für Nackenschmerzen. Sie können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter eine schlechte Körperhaltung, Stress, Überanstrengung und Kälte. Ein typisches Beispiel ist der sogenannte "Handynacken", der durch die ständige Neigung des Kopfes beim Blick auf das Smartphone entsteht.
  • Degenerative Erkrankungen des Bewegungssystems: Degenerative Erkrankungen wie Chondrose und Osteochondrose der Halswirbelsäule, Bandscheibenvorfall, degenerative Instabilität, Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Arthrose, auch Facettengelenkarthrose), Bildung knöcherner Sporne an den Wirbeln (Spondylose) oder Verkalkung von Bändern können ebenfalls Nackenschmerzen verursachen. Diese Erkrankungen führen zu einer Einengung des Wirbelkanals oder der Zwischenwirbellöcher, was zu Schmerzen und neurologischen Symptomen führen kann.
  • Psychische Faktoren: Psychische Faktoren wie Stress, Angst und Depressionen können ebenfalls Nackenschmerzen verursachen oder verschlimmern. Psychische Anspannungen zeigen sich schnell in verhärteten Muskeln. Wer sich bewusst Zeit zum Entspannen nimmt, kann aktiv dagegenwirken, etwa mit Progressiver Muskelentspannung.
  • HWS-Syndrom: Das Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom) ist ein Sammelbegriff für Schmerzen und Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Die Symptome können in den Kopf, die Arme, Hände und Schultern ausstrahlen. Ursächlich für ein HWS-Syndrom sind häufig Fehlhaltungen und muskuläre Dysbalancen sowie degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule. Aber auch andere Auslöser wie ein Bandscheibenvorfall in der HWS, Verletzungen oder Fehlstellungen der Wirbelsäule können eine Rolle spielen.

Seltenere Ursachen

Neben den häufigen Ursachen gibt es auch einige seltenere Ursachen für Nackenschmerzen:

Lesen Sie auch: Seitliche Halsanatomie im Detail

  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann auf die Nervenwurzeln drücken und Schmerzen, Taubheitsgefühle und Schwäche in Arm und Hand verursachen.
  • Spinalkanalstenose: Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals, die auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln drücken kann. Dies kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Schwäche in Armen und Beinen führen.
  • Wirbelkörperbruch: Ein Wirbelkörperbruch im Bereich der Halswirbelsäule ist ein medizinischer Notfall und bedarf sofortiger ärztlicher Untersuchung.
  • Infektionen: In seltenen Fällen können Infektionen der Wirbelsäule oder des Rückenmarks Nackenschmerzen verursachen.
  • Tumore: Tumore im Bereich der Halswirbelsäule können ebenfalls Nackenschmerzen verursachen.

Diagnose von Nackenschmerzen

Wenn Sie Nackenschmerzen haben, sind die Hausarzt- oder die Orthopädiepraxis die ersten Anlaufstellen. Bei Bedarf werden Sie dann in Spezialpraxen überwiesen, zum Beispiel aus der Neurologie, inneren Medizin, Rheumatologie oder Endokrinologie. Falls keine organischen Ursachen vorliegen, können auch Psychiaterinnen und Psychiater oder Psychotherapeutinnen und -therapeuten die richtige Wahl sein.

Klinische Untersuchung

Unkomplizierte Nackenschmerzen durch Muskelverspannungen werden klinisch diagnostiziert. Das bedeutet, dass die Ärztin oder der Arzt das Beschwerdebild, die Krankengeschichte und den körperlichen Befund für die Diagnose für ausreichend hält. Bei der Untersuchung werden Körperbau, die Beweglichkeit von Kopf, Hals, Schultern, Armen und anderen Gelenken überprüft.

Der Arzt oder die Ärztin beurteilt die Spannung, Kraft und Reflexe der Muskeln sowie die Berührungsempfindlichkeit. Sie oder er prüft, ob bestimmte Bewegungen des Kopfes oder Arms Schmerzen auslösen und ob es schmerzempfindliche Stellen an der Wirbelsäule gibt. Zudem werden Mund und Rachen untersucht und nach eingenommenen Medikamenten, wie Kortison, gefragt. Ein Schmerzfragebogen kann ebenfalls aufschlussreich sein.

Bildgebende Verfahren

Für eine genauere Diagnose können bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT der Halswirbelsäule und gegebenenfalls des Halses oder Kopfes genutzt werden. Untersuchungen der Halsgefäße mit Farbdoppler (Duplexsonografie), Bluttests, kardiologische Tests und neurologische Untersuchungen können ebenfalls erforderlich sein. Wer letztlich die Behandlung übernimmt, hängt von den Untersuchungsergebnissen ab.

Behandlung von Nackenschmerzen

Die Behandlung von Nackenschmerzen richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. In den meisten Fällen können Nackenschmerzen mit konservativen Maßnahmen behandelt werden.

Lesen Sie auch: Eingeklemmter Nerv: Was tun?

Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac können helfen, die Schmerzen zu lindern. Diese sollten jedoch in niedriger Dosierung und nur für kurze Zeit eingenommen werden.
  • Wärmepackungen: Bei nicht entzündlichen Schmerzursachen können Wärmepackungen helfen, die Durchblutung zu fördern und die Muskeln zu entspannen.
  • Medikamente gegen Entzündungen: Wenn eine entzündlich-systemische Ursache vorliegt, wird die Ärztin oder der Arzt spezifische entzündungshemmende Medikamente verschreiben.
  • Physikalische Anwendungen: Elektrotherapie und Massagen können die Durchblutung und den Stoffwechsel im Gewebe fördern und entspannend wirken. Allerdings fehlen aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit dieser Behandlungen.
  • Halskrawatten: Diese werden heute eher zurückhaltend eingesetzt, da sie bei längerer Anwendung die Muskeln schwächen können. Sie sind nur in speziellen Fällen, wie bei bestimmten Instabilitäten der Halswirbelsäule, sinnvoll.
  • Physiotherapie: Besonders bei subakuten oder chronischen Schmerzen ist Physiotherapie wichtig. Sie hilft, verspannte und verkürzte Muskeln zu dehnen und zu kräftigen. Auch Haltungstraining und meditative Bewegungstherapien wie Tai Chi oder Yoga können hilfreich sein.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelrelaxation und Biofeedback können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren und Tiefenentspannung zu erreichen.
  • Psychotherapie: Bei einer überlagernden Depression kann eine psychotherapeutische Behandlung, eventuell kombiniert mit Antidepressiva, hilfreich sein.
  • Chirotherapie/Manuelle Medizin: Diese sollte im Halsbereich nur von erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten und nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Besonders bei der Bechterew-Erkrankung sollte keine Manipulationstechnik angewandt werden. Stattdessen sind vorsichtig-mobilisierende Verfahren zu bevorzugen.

Selbsthilfe bei Nackenschmerzen

Wenn die Ursache der Nackenschmerzen klar ist, kann man nach ärztlicher Absprache die Nackenschmerzen durch eine Vielzahl von Maßnahmen selbst lindern.

  • Wärmeanwendungen: Nutzen Sie Rotlicht, durchblutungsfördernde Salben oder Wärme-Pflaster (z.B. mit Nonivamid oder Cayenne-Pfeffer). Diese können bei schmerzhaften Muskelverspannungen und -zerrungen hilfreich sein. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.
  • Leichte Übungen: Beginnen Sie langsam mit leichten Dehnungsübungen für die Muskeln unter Anleitung eines Physiotherapeuten. Führen Sie diese Übungen regelmäßig fort und steigern Sie sie schrittweise.
  • Haltungskorrektur: Korrigieren Sie gegebenenfalls Ihre Haltung mithilfe eines Physiotherapeuten und lernen Sie Techniken, um Ihren Hals zu entspannen.
  • Stressabbau: Versuchen Sie, Stress zu vermeiden, abzubauen oder auszugleichen. Techniken wie Meditation, Yoga oder progressive Muskelentspannung können dabei hilfreich sein.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine wirbelsäulenfreundliche Sitzposition am Arbeitsplatz. Nutzen Sie ergonomische Möbel und machen Sie regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen.
  • Schutz vor Kälte und Zugluft: Meiden Sie Zugluft und Feuchtigkeit. Halten Sie Ihren Nacken und Hals warm, besonders bei kaltem Wetter.
  • Optimale Schlafbedingungen: Wählen Sie eine geeignete Matratze und sorgen Sie eventuell für einen flachen Ausgleich der Nackenwölbung durch das richtige Kissen.
  • Fehlsichtigkeit korrigieren: Lassen Sie eine Fehlsichtigkeit korrigieren, um unnötige Nackenbelastungen durch falsche Kopfhaltungen zu vermeiden. Bei Alterssichtigkeit empfiehlt es sich, rechtzeitig eine Bildschirmbrille anfertigen zu lassen.
  • Innere Einstellung: Finden Sie innerlich Abstand zu Ihren Nackenschmerzen und richten Sie Ihren Blick zuversichtlich nach vorn. Akzeptieren Sie die Situation, ohne sich zu sehr darauf zu fixieren.

Bewegung bei Nackenschmerzen

Wenn der Nacken schmerzt, neigt man dazu, sich so wenig wie möglich zu bewegen. Allerdings wäre Bewegung in diesem Fall deutlich wirksamer. Weil das viele Patientinnen und Patienten noch nicht wüssten, weist die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) neuerdings in ihrer Leitlinie ausdrücklich darauf hin. Demnach kommt es vor allem auf eine gute Kommunikation zwischen Ärztin und Patient an, um gute Therapieergebnisse zu erzielen.

Bei akuten Nackenschmerzen und anderen Beschwerden, die auf ein HWS-Syndrom zurückgeführt werden können, ist es ratsam, die Halswirbelsäule wieder zu mobilisieren und die Schmerzen zu reduzieren, sodass Sie schnell aus einer Schonhaltung herauskommen. Dabei helfen Dehnübungen, Übungen aus der Rückenschule und ein gezieltes Training der Nackenmuskulatur unter ärztlicher oder physiotherapeutischer Aufsicht. Achten Sie darauf, stets mit kontrollierten, langsamen Bewegungen zu trainieren und abrupte Drehungen des Kopfes zu vermeiden. Geeignete Übungen sind hier z. B. isometrische und kräftigende Übungen für den Nackenbereich, bei der die Halswirbelsäule sanft gedehnt, gekräftigt und mobilisiert wird oder Halteübungen wie der Unterarmstütz. Spazierengehen, Rückenschwimmen und Rudern am Kabelzug tragen ebenfalls dazu bei, die Nackenmuskulatur zu trainieren und zu lockern.

Weniger geeignet sind sportliche Aktivitäten, die die Halswirbelsäule belasten, wie Crunches, Sit-ups, Klimmzüge oder Brustschwimmen sowie ein Training, bei dem der Nackenbereich plötzlich bewegt oder erschüttert wird.

Wann ist ärztliche Hilfe erforderlich?

Wenn die Schmerzen anhalten oder sich verschlimmern, sollten Sie sich weitere ärztliche Hilfe suchen. Bestimmte Alarmzeichen deuten auf eine ernste Ursache der Beschwerden hin und erfordern das umgehende Aufsuchen eines Arztes:

Lesen Sie auch: Ursachen von Halsschmerzen

  • Fieber und starke Nackenschmerzen
  • Schmerzen, die in die Schulter oder den Arm ausstrahlen
  • "Ameisenlaufen", Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Händen
  • Plötzliche Kraftlosigkeit in Armen oder Beinen
  • Plötzliche Lähmungserscheinungen oder Hinken beim Gehen
  • Kontrollverlust über Blase oder Darm

Vorbeugung von Nackenschmerzen

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Nackenschmerzen vorzubeugen:

  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes. Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe sein, und die Tastatur und Maus sollten so positioniert sein, dass Ihre Hände und Arme entspannt sind.
  • Regelmäßige Pausen: Vermeiden Sie es, lange Zeit in derselben Position zu verharren. Machen Sie regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu erhalten.
  • Stress vermeiden: Stress kann die Symptome eines Zervikalsyndroms verschlimmern. Versuchen Sie, Stress zu vermeiden oder abzubauen.
  • Geeignete Matratze und Kissen: Achten Sie auf eine für Sie geeignete Matratze und ergonomisch geformte Nackenkissen oder Nackenrollen.
  • Fehlsichtigkeit korrigieren: Lassen Sie eine Fehlsichtigkeit korrigieren, um unnötige Nackenbelastungen durch falsche Kopfhaltungen zu vermeiden.

tags: #hals #nerv #schmerz