Einführung
Die Behandlung neurologischer Erkrankungen erfordert oft eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, insbesondere wenn Patienten intensivmedizinische Betreuung benötigen. Die enge Kooperation zwischen einer Hautklinik und einer neurologischen Intensivstation (ITS) kann die Versorgung von Patienten mit komplexen neurologischen Erkrankungen erheblich verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung dieser Zusammenarbeit, die verschiedenen Aspekte der Versorgung und die Vorteile für die Patienten.
Die neurologische Intensivstation: Ein Überblick
Die neurologische Intensivstation (ITS) ist eine spezialisierte Einheit innerhalb eines Krankenhauses, die sich auf die Überwachung und Behandlung von Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen konzentriert. Diese Stationen sind mit modernster Technologie und einem hochqualifizierten Team ausgestattet, um eine umfassende Versorgung zu gewährleisten.
Ausstattung und Besonderheiten
Die neurologische Intensivstation verfügt typischerweise über:
- Voll ausgestattete Beatmungsplätze: Diese ermöglichen die Unterstützung der Atmung bei Patienten mit Ateminsuffizienz. Die Station A12 verfügt über 10 vollausgestattete Beatmungsplätze sowie über 2 zusätzliche Plätze für eine Monitorüberwachung.
- Monitorüberwachung: Kontinuierliche Überwachung von Herz-Kreislauf-Parametern und neurologischen Funktionen.
- Isolationszimmer: Einzelzimmer mit Doppelschleusensystem zur sicheren Behandlung von Patienten mit infektiösen Erkrankungen wie Meningitis oder Sars-CoV2-Infektion.
- Zentrale Überwachungseinheit: Digitale Übertragung der Parameter vom Patientenbett zur zentralen Überwachung am Stationsstützpunkt, der rund um die Uhr von einer Pflegekraft besetzt ist.
Überregionale Bedeutung
Eine eigenständige neurologische Intensivstation stellt eine überregionale Besonderheit dar, da die gesamte intensivmedizinische Betreuung der Patienten durch die Klinik für Neurologie erfolgt. Dies ermöglicht die Behandlung auch sehr seltener und herausfordernder neurologischer Erkrankungsbilder wie refraktärer Status epilepticus, autoimmune und infektiöse Enzephalitiden, Meningitiden, Hirnblutungen, Guillain-Barré-Syndrome sowie akute neuromuskuläre Erkrankungen.
Spezialisiertes Team
Aufgrund der Komplexität der neurologischen Intensivmedizin wird großer Wert auf die Aus- und Weiterbildung der Assistenzärzt:innen gelegt, die von Oberärzt:innen betreut werden. Das Pflegepersonal besteht aus speziell ausgebildeten Fachkräften mit Erfahrung und Zusatzqualifikation in der Versorgung von intensivmedizinischen Patient:innen.
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Das Spektrum neurologischer Erkrankungen auf der Intensivstation
Die neurologische Intensivstation behandelt ein breites Spektrum an Erkrankungen, die eine intensive Überwachung und Behandlung erfordern. Dazu gehören:
- Zerebrovaskuläre Erkrankungen: Raumfordernde ischämische Hemisphären-, Hirnstamm- oder Kleinhirninfarkte, schwere Hirnvenen- und Sinusthrombosen, intrazerebrale Blutungen und Subarachnoidalblutungen.
- Epilepsien: Anfälle und Status epilepticus.
- Periphere Nervenerkrankungen: Guillain-Barré-Syndrom, Myasthenie.
- Entzündliche Erkrankungen: Meningitis, Enzephalitis.
- Komatöse Zustände/akute Bewusstseinsstörungen
- Akute, intensivpflichtige neuromuskuläre Erkrankungen z.B. Myasthene Krise bei Myasthenia gravis
Die Rolle der Hautklinik
Obwohl die Hautklinik auf den ersten Blick nicht direkt mit neurologischen Erkrankungen in Verbindung steht, gibt es wichtige Schnittstellen, die eine Zusammenarbeit erforderlich machen.
Dermatologische Manifestationen neurologischer Erkrankungen
Einige neurologische Erkrankungen können dermatologische Manifestationen aufweisen. Zum Beispiel können bestimmte Autoimmunerkrankungen sowohl das Nervensystem als auch die Haut betreffen. In solchen Fällen ist die Expertise der Hautklinik unerlässlich, um die Hautveränderungen zu diagnostizieren und zu behandeln.
Medikamentenbedingte Hautreaktionen
Neurologische Patienten erhalten oft eine Vielzahl von Medikamenten, die potenziell Hautreaktionen auslösen können. Die Hautklinik kann bei der Diagnose und Behandlung dieser Reaktionen helfen, um die Therapie nicht zu gefährden und das Wohlbefinden des Patienten zu verbessern.
Dekubitusprophylaxe und -behandlung
Immobilisierte Patienten auf der Intensivstation haben ein hohes Risiko, Dekubitus (Druckgeschwüre) zu entwickeln. Die Hautklinik kann wertvolle Unterstützung bei der Dekubitusprophylaxe und -behandlung leisten, um Komplikationen zu vermeiden und die Hautgesundheit zu fördern.
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Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Der Schlüssel zur optimalen Versorgung
Die enge Zusammenarbeit zwischen der neurologischen Intensivstation und der Hautklinik ist entscheidend für eine umfassende und qualitativ hochwertige Patientenversorgung.
Gemeinsame Visiten und Fallbesprechungen
Regelmäßige gemeinsame Visiten und Fallbesprechungen ermöglichen den Austausch von Fachwissen und die Entwicklung optimaler Behandlungsstrategien.
Konsiliardienst
Die Hautklinik kann als Konsiliardienst für die neurologische Intensivstation fungieren, um bei Bedarf spezifische dermatologische Fragestellungen zu klären.
Schulungen und Fortbildungen
Gemeinsame Schulungen und Fortbildungen fördern das Verständnis für die jeweiligen Fachgebiete und verbessern die interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Enge Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen
Die neurologische Intensivstation arbeitet eng mit den Kliniken für Kardiologie, Pneumologie, Nephrologie, Endokrinologie, Gastroenterologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Neurochirurgie zusammen, sodass eine optimale Versorgung der Patient:innen auf allen Fachgebieten möglich ist.
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Pflegerische Besonderheiten auf der neurologischen Intensivstation
Die pflegerische Versorgung auf der neurologischen Intensivstation ist durch eine Reihe von Besonderheiten gekennzeichnet, die sie von anderen Bereichen der Intensivpflege unterscheidet.
Spezialisierte Überwachung und Pflege
Pflegekräfte müssen kontinuierlich Kreislauf, Atmung, Bewusstsein, Schmerzen, Motorik und Sensibilität der Patienten überwachen. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Krankenbeobachtung bei neurologischen Defiziten. Zudem erfordert der Umgang mit speziellen Überwachungsgeräten wie Hirndrucksonden, externen Ventrikeldrainagen, Lumbaldrainagen und angelegtem EEG Monitoring besondere Fachkenntnisse.
Therapeutische Maßnahmen
Dazu gehören die Ausführung und Überwachung der Beatmungs- und Weaningtherapie sowie die Durchführung von Oberflächenkühlung. Besonders hervorzuheben ist der Einsatz spezieller pflegerischer Konzepte wie Bobath, Kinästhetik, Basale Stimulation und Komplementäre Pflege, die auf die Bedürfnisse neurologisch erkrankter Patienten zugeschnitten sind.
Durchführung von Plasmapheresen und Immunadsorptionen
Bereits seit vielen Jahren werden diese Verfahren erfolgreich angewendet, beispielsweise bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose, Guillain-Barré-Syndrom oder Myasthenia gravis.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Pflegekräfte arbeiten eng mit Ärzten, Therapeuten und anderen Fachbereichen zusammen. Sie koordinieren diagnostische und therapeutische Maßnahmen.
Ganzheitlicher Ansatz
Neben den körperlichen werden auch die geistigen und seelischen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten berücksichtigt. Die Integration der Angehörigen in den Pflegeprozess, sowie die psychosoziale Betreuung von Patientinnen und Patienten und derer Angehörigen, einschließlich der Trauerbegleitung, sind wichtige Aufgaben für uns.
Spezialisierte Kompetenzen
Wir setzen Fachpersonal mit Zusatzqualifikationen in der intensivmedizinischen Versorgung ein.
Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten
Für die optimale Behandlung neurologischer Intensivpatienten steht ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung:
- Neurovaskuläre Ultraschalldiagnostik der hirnversorgenden Gefäße
- Elektroenzephalographie (EEG)
- Neurographie und Elektromyographie
- Evozierte Potentiale (MEP, SEP, VEP, AEP)
- Breite Labor- und Liquordifferentialdiagnostik
- Langzeit-EKG Monitoring
- Kardiologische Umfelddiagnostik mittels transthorakale Echokardiographie (TTE) und Transösophageale Echokardiographie (TEE)
- Radiologische Bildgebung wie CT und MRT
- Spezifische radiologische Diagnostik wie Digitale Subtraktionsangiographie (DSA)
- Medikamentöse Therapieverfahren
Das Neurozentrum
Als Neurozentrum legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf vaskuläre Erkrankungen. Zusammen mit den Kolleginnen des Instituts für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin bieten wir rund um die Uhr die Möglichkeit zur Thrombektomie. Für Patientinnen mit Subarachnoidalblutung besteht die Möglichkeit zur operativen oder interventionellen Versorgung. Patient*innen mit Epilepsie und Bewegungserkrankungen bieten wir neben der Möglichkeit der ambulanten Behandlung für schwer zu diagnostizierende oder behandelbare Fälle eine Epilepsie- und Parkinsonkomplexbehandlung an.
In unserer Klinik werden außerdem alle Erkrankungen des zentralen, peripheren und autonomen Nervensystems sowie Muskelerkrankungen und Schlafstörungen diagnostiziert und behandelt.
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