Direktoren der Neurologie an der Universitätsmedizin Mainz: Innovation und interdisziplinäre Zusammenarbeit im Fokus

Die Universitätsmedizin Mainz hat sich durch exzellente neurologische Versorgung, Forschung und Lehre einen Namen gemacht. Dies ist maßgeblich auf das Engagement und die Expertise ihrer Direktoren und Führungskräfte im Bereich der Neurologie zurückzuführen. Dieser Artikel beleuchtet die Schwerpunkte und Beiträge verschiedener Direktoren und Zentren, die zur Weiterentwicklung der neurologischen Versorgung in Mainz und darüber hinaus beitragen.

Neurovaskuläres Zentrum: Interdisziplinäre Versorgung von Gefäßerkrankungen des Gehirns

Die Behandlung von Gefäßerkrankungen des Gehirns erfordert heutzutage eine hochspezialisierte und interdisziplinäre Herangehensweise. Um den hohen Standard in Diagnostik, Therapie und Forschung zu gewährleisten und weiter auszubauen, haben sich die Kliniken für Neurologie und Neurochirurgie sowie die Institute für Neuroradiologie und Neurochirurgische Pathophysiologie zum Neurovaskulären Zentrum zusammengeschlossen.

Fokus auf Gefäßmissbildungen und -verschlüsse

Das Zentrum konzentriert sich auf die Behandlung von Gefäßmissbildungen sowie Gefäßverengungen und -verschlüssen im Gehirn. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Schlaganfallversorgung, wobei moderne bildgebende Verfahren wie die Computertomografie oder die Kernspintomografie zur Unterscheidung zwischen einem Gerinnsel und einer Hirnblutung eingesetzt werden. Die Schlaganfallpatienten werden auf einer Spezialstation der Klinik für Neurologie, der sogenannten Stroke Unit, betreut.

Zu den klassischen Gefäßmissbildungen im Gehirn zählen Aneurysmen und Angiome, die in der Regel gemeinsam von Neurochirurgie und Neuroradiologie behandelt werden. Aneurysmen sind beerenförmige Aussackungen in einem Gefäß, die zu einem Aufreißen führen können. Angiome sind angeborene Fehlbildungen mit direkter Verbindung zwischen Arterien und Venen, die als Blutgefäßknäuel veranschaulicht werden können.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Prof. Dr. Peter Stoeter, Sprecher des Neurovaskulären Zentrums und Leiter des Instituts für Neuroradiologie, betont die vielfältigen Schnittmengen zwischen den einzelnen Disziplinen bei der Behandlung und Erforschung neurovaskulärer Krankheitsbilder. Die enge und strukturierte Zusammenarbeit innerhalb des Zentrums kommt nicht nur der Krankenversorgung zugute, sondern auch der klinischen Forschung, der studentischen Lehre und der ärztlichen Fortbildung.

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Bedeutung für die Universitätsmedizin Mainz

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Mainz, begrüßt die Einrichtung des Neurovaskulären Zentrums als Signal für Patienten und klinische Kooperationspartner. Es verdeutlicht die enge Zusammenarbeit von Experten verschiedener medizinischer Fachrichtungen, um eine optimale Diagnose und Behandlung von Patienten mit hochkomplexen Erkrankungen zu gewährleisten und entsprechende Versorgungskonzepte zu etablieren.

Prof. Dr. Sergiu Groppa: Innovationen in der Behandlung von Bewegungsstörungen und neurodegenerativen Erkrankungen

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h. c. Sergiu Groppa, MBA, übernahm am 1. Dezember 2024 die Leitung der Neurologischen Fachklinik des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS). Zuvor war er als Geschäftsführender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz und Univ.-Prof. für Neurologie mit dem Schwerpunkt Bewegungsstörungen tätig.

Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten in Mainz

Seit 2014 erweiterte Prof. Groppa die klinischen Schwerpunkte der Universitätsmedizin Mainz um die Behandlung von Bewegungsstörungen, Therapie von Neurodegenerationen, Neurostimulation und insbesondere den Einsatz der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson, Tremor und Dystonien.

Innovative Projekte für eine verbesserte Patientenversorgung

Prof. Groppa trug maßgeblich dazu bei, die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit neurologischen Erkrankungen zu verbessern. Er initiierte innovative Projekte, die Telemedizin integrieren, die Einführung von Advanced Practice Nurses (APNs) in die ambulante Versorgung ermöglichen und durch die Bildung von interprofessionellen Netzwerken zu einer besseren patientenzentrierten Versorgung beitragen. Diese Projekte zielten darauf ab, nahtlose, leitliniengestützte und ressourceneffiziente Behandlungen anzubieten und gleichzeitig die Autonomie und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Schwerpunkte am Universitätsklinikum des Saarlandes

Am Universitätsklinikum des Saarlandes setzt Prof. Groppa die Tradition der exzellenten neurologischen Akutversorgung und Schlaganfallbehandlung fort und baut diese aus. Er entwickelt neue Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit Morbus Parkinson und verschiedenen Tremorformen, auch mit dem Einsatz der Tiefen Hirnstimulation. Spezialisierte Behandlungsangebote für Menschen mit Epilepsien, Multipler Sklerose und anderen neuroimmunologischen Erkrankungen werden in den nächsten Monaten etabliert. Er setzt sich intensiv für eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Fakultät mit anderen klinischen Einrichtungen, aber auch mit den theoretischen Instituten in Homburg und Saarbrücken sowie mit außeruniversitären Einrichtungen ein.

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Forschungsschwerpunkte

Die wissenschaftlichen Schwerpunkte von Prof. Groppa liegen im Bereich der translationalen und klinisch-experimentellen Neurowissenschaften, Bildgebung von M. Parkinson, Multipler Sklerose und anderen neuro-psychiatrischen Erkrankungen. Experimentelle und klinische Arbeiten unter der Leitung von Sergiu Groppa wurden mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern u.a. aus den USA, Großbritannien und Frankreich konzipiert und durchgeführt und führten zu neuen diagnostischen und therapeutischen Strategien und Versorgungskonzepten.

INSPIRE-PNRM+: Ein neues Versorgungsprojekt für Parkinson-Patienten

Das Versorgungsprojekt "INSPIRE-PNRM+" hat sich zum Ziel gesetzt, die Versorgung von Parkinson-Patienten zu optimieren und bedarfsgerecht auszurichten. Im Fokus steht eine neue Versorgungsform (nVF), die zu einer sektorenübergreifenden und patientenzentrierten Versorgung führen soll.

Die nVF besteht aus drei Komponenten:

  1. Advanced Practice Nurses (APNs): Pflegefachpersonen mit spezialisierter Weiterbildung für die Parkinsonversorgung.
  2. Interdisziplinäres und transsektorales Netzwerk: Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen wie Ärzte, Therapeuten und Selbsthilfegruppen.
  3. Telemedizinische Plattform (TMP): Digitale Plattform zur Vernetzung der Beteiligten und zur Unterstützung der Patienten.

Die nVF kann durch die spezifische, telemedizinisch gestützte Intervention im spezialisierten Netzwerk und mit der Funktion einer APN gezielt die Krankheitsbelastung senken und die Lebensqualität der Menschen mit Parkinson-Syndromen steigern. Im Vergleich zur Regelversorgung kann die nVF zu einer verbesserten Vernetzung der an der Behandlung beteiligten Akteure und Akteurinnen beitragen und neue Strukturen für eine bessere Versorgung der Patienten etablieren.

Vorteile der Telemedizin im Projekt INSPIRE-PNRM+

Die telemedizinische Plattform (TPM) ermöglicht, dass alle patientenrelevanten Informationen digital gebündelt werden und damit allen an der Versorgung Beteiligten (APNs, Leistungserbringende des PNRM+ und darüber hinaus) zur Verfügung stehen. Mit Hilfe der digitalen Plattform können alle an der Versorgung Beteiligten barrierearm untereinander und mit den Patienten vernetzt werden. Eine weitere wichtige Funktion der TPM ist die Möglichkeit, in dringenden Fällen Kontakt mit den APNs aufzunehmen oder gegebenenfalls später auch mit den behandelnden Ärzten und Ärztinnen zu kommunizieren. Dadurch können den Patienten und Patientinnen und Familien lange Wege in die Praxen oder in die Notaufnahme erspart und Ressourcen überlegt und evidenzbasiert genutzt werden.

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Die Rolle der Advanced Practice Nurses (APNs)

Die APNs sind auf Masterniveau qualifizierte Pflegefachpersonen mit mehrjähriger Berufserfahrung im Bereich der medizinischen Behandlungspflege. Vor Ausübung der projektspezifischen Tätigkeiten erhalten die APNs zusätzliche Fortbildungseinheiten zur Versorgung von Menschen mit Parkinson und zur telemedizinischen Versorgung. Die APNs sind damit befähigt, die für die Umsetzung klinischer Leitlinien und Standards notwendigen Behandlungsmaßnahmen anzustoßen und ggf. auch selbst zu übernehmen. Die Versorgung durch eine speziell ausgebildete APN ermöglicht den Patienten und Patientinnen eine individuelle leitliniengestützte Behandlung. Darüber hinaus erhalten sie durch die APN Unterstützung bei der Anpassung ihrer Lebenssituation an die Krankheitsfolgen. Dabei sollen Über- und Fehlversorgungen vermieden werden, indem unter anderem Medikamenten- und Therapiepläne bedarfsgerecht abgestimmt und angepasst werden. Außerdem werden durch digitale Konsultationen das Vertrauen und die Autonomie der Patienten gestärkt, indem die APN als Hauptansprechperson fungiert und die Patienten in der Krankheitsbewältigung berät und schult.

Prof. Dr. Stefan Bittner: Neuroimmunologie und Multiple Sklerose

Stefan Bittner ist Schilling-Professor für Neuroimmunologie und Leiter der Abteilung für Translationale Neurowissenschaften mit Schwerpunkt auf Patienten mit Multipler Sklerose und anderen neuroimmunologischen Erkrankungen.

Seine aktuellen Forschungsinteressen sind insbesondere die Interaktion zwischen Immun- und ZNS-Zellen in entzündlichen Läsionen der Multiplen Sklerose, wobei die Methoden seiner Arbeitsgruppe das komplette Spektrum der Neuroimmunologie von Ionenkanalfunktionen bis hin zur in vivo Multiphotonenmikroskopie umfassen.

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