Heide Simonis: Ein Leben zwischen Politik, Parkinson und einem ungelösten Krimi

Heide Simonis, die erste Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins, prägte die deutsche Politiklandschaft maßgeblich. Ihr Leben war geprägt von politischen Erfolgen, einem spektakulären Sturz, einer Parkinson-Erkrankung und dem Mut, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Politische Anfänge und Aufstieg zur Ministerpräsidentin

Heide Simonis wurde am 4. Juli 1943 in Bonn geboren. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaft trat sie 1969 der SPD bei. Ihre politische Karriere begann in den 1970er-Jahren. Von 1976 bis 1988 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages und engagierte sich dort im Haushaltsausschuss. 1988 berief Björn Engholm sie als Finanzministerin nach Kiel. In diesem Amt machte sie sich rasch einen Namen als konsequente Haushaltspolitikerin.

Im Mai 1993 wurde Simonis zur Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein gewählt - als erste Frau an der Spitze einer Landesregierung in Deutschland. Sie regierte das Land zwölf Jahre lang und setzte dabei Akzente in der Modernisierung Schleswig-Holsteins, der Förderung von Wissenschaft und Medizin sowie der Stärkung der Ostsee-Kooperation.

Der „Heide-Mörder“ und das politische Aus

Das Jahr 2005 markierte einen Wendepunkt in Simonis’ Karriere. Nach der Landtagswahl verweigerte ihr ein Abgeordneter aus den eigenen Reihen die Gefolgschaft bei der Wiederwahl zur Ministerpräsidentin. In vier Wahlgängen erreichte sie nicht die erforderliche Mehrheit. Wer der Abweichler war, blieb bis heute ungeklärt. In der Presse wurde er als „Heide-Mörder“ bezeichnet.

Simonis selbst sprach von einem „Krimi“ und einer hinterhältigen Aktion. Sie zog sich nach diesem Vorfall aus der Politik zurück. Ihr Nachfolger wurde Peter Harry Carstensen (CDU).

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Engagement bei UNICEF und „Let’s Dance“

Nach ihrem Ausscheiden aus der Politik übernahm Simonis den ehrenamtlichen Vorsitz von UNICEF Deutschland. Um auf die Belange von Kindern aufmerksam zu machen, nahm sie 2006 an der RTL-Fernsehshow „Let’s Dance“ teil. Ihre Teilnahme stieß jedoch auf Kritik und Spott. Die „Bild“-Zeitung diffamierte sie als „Hoppel-Heide“. Simonis beendete ihr Engagement bei UNICEF nach einer Spendenaffäre im Jahr 2008.

Parkinson-Erkrankung und späte schriftstellerische Tätigkeit

Im Jahr 2012 erhielt Simonis die Diagnose Parkinson. Die Krankheit schränkte ihre öffentliche Präsenz zunehmend ein. Trotz ihrer Erkrankung blieb Simonis aktiv und engagiert. Sie begann, Kriminalromane zu schreiben. Ihr erster Krimi, „Heringstage“, erschien 2016.

Vermächtnis und Tod

Heide Simonis starb am 12. Juli 2023 im Alter von 80 Jahren in Kiel. Sie hinterließ ein bedeutendes politisches Erbe und wurde für ihre Geradlinigkeit, Menschlichkeit und ihr Engagement für Schleswig-Holstein geschätzt. 2014 wurde sie als erste Frau mit der Ehrenbürgerwürde des Landes ausgezeichnet.

Ministerpräsident Daniel Günther würdigte Simonis als „große Politikerin und leidenschaftliche Schleswig-Holsteinerin“. SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli betonte, dass Simonis das Bundesland sozialer, offener und klüger gemacht habe.

Heide Simonis wird als eine Politikerin in Erinnerung bleiben, die Geschichte schrieb und sich trotz persönlicher Schicksalsschläge immer wieder neuen Herausforderungen stellte. Ihre unverwechselbare Art und ihre Fähigkeit, sich in die Sorgen und Nöte der Menschen hineinzuversetzen, machten sie zu einer beliebten und respektierten Persönlichkeit.

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Einblicke in Heide Simonis‘ Persönlichkeit und Ansichten

Die Aufarbeitung der Wahlniederlage von 2005

Die Ereignisse rund um ihre gescheiterte Wiederwahl im Jahr 2005 beschäftigten Heide Simonis noch lange. Sie sprach von einem „Heide-Mörder“ und rätselte über die Motive des unbekannten Abweichlers. Obwohl sie zugab, dass sie bis heute nicht wisse, wer es war, hatte sie ein Gefühl, dass diese Person ihr etwas sagen wollte.

Kritik an der Politik

Auch nach ihrem Rückzug aus der Politik äußerte sich Simonis kritisch zur aktuellen politischen Lage. Sie forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr Mumm und Initiative, damit das offene, grenzenlose Europa nicht an einer Grenzfrage zerbricht.

Humor und Selbstironie

Trotz der schweren Schicksalsschläge bewahrte sich Heide Simonis ihren Humor und ihre Selbstironie. Auf die Frage, was sie nachträglich zum Schmunzeln bringe, antwortete sie mit dem Rat an die Besucher der Kieler Woche 1998: „Macht keinen Scheiß!“

Stolz auf Erreichtes

Heide Simonis blickte mit Stolz auf ihre politische Karriere zurück. Sie war stolz darauf, vielen Frauen in der Politik und Gesellschaft Türen geöffnet zu haben.

Pläne trotz Krankheit

Auch mit ihrer Parkinson-Erkrankung schmiedete Heide Simonis Pläne. Sie arbeitete an einem zweiten Krimi und träumte von einer Reise zu den tausend Tempeln von Myanmar.

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Heide Simonis‘ Wirken im Spiegel von Wegbegleitern

Peter Harry Carstensen (CDU)

Peter Harry Carstensen, der Simonis 2005 als Ministerpräsident ablöste, betonte, dass die Ereignisse rund um ihre gescheiterte Wiederwahl „so was von schäbig“ gewesen seien. Er habe ein starkes Gefühl für sie gehabt.

Ralf Stegner (SPD)

Ralf Stegner, der damals Finanzminister war, bezeichnete den Tag von Simonis’ gescheiterter Wiederwahl als den schwärzesten Tag in seinem Berufsleben. Er sei schockiert gewesen und habe eng mit Simonis zusammengearbeitet.

Serpil Midyatli (SPD)

SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli würdigte Simonis als eine bedeutende Persönlichkeit, die Geschichte geschrieben hat. Sie habe das Bundesland sozialer, offener und klüger gemacht.

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