Die Heilsteintherapie, auch bekannt als Edelsteintherapie, ist eine alternative Behandlungsmethode, die auf der Annahme basiert, dass Edelsteine und Mineralien heilende Kräfte besitzen. Diese Praxis hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht, und wird bis heute von einigen Naturheilpraktikern angewendet. Im Zusammenhang mit schweren Erkrankungen wie Hirntumoren ist es jedoch wichtig, die Heilsteintherapie kritisch zu betrachten und ihre Grenzen zu verstehen.
Historische Wurzeln der Heilsteintherapie
Die Verwendung von Edelsteinen zu Heilzwecken ist keine moderne Erfindung. Bereits die alten Ägypter ordneten den Tierkreiszeichen bestimmte Edelsteine zu. Auch in anderen Kulturen, wie bei den Griechen, Römern, alten Indern und Arabern, glaubte man an die heilende Wirkung von Steinen.
Hildegard von Bingen und Paracelsus
Im 12. Jahrhundert nutzte Hildegard von Bingen Edelsteine in ihren Therapieanwendungen. Ihre Lehren orientierten sich am naturwissenschaftlichen Weltbild der Antike, in dem die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft eine zentrale Rolle spielten. Sie ordnete jedem Element bestimmte Edelsteine zu:
- Feuer: Smaragd
- Wasser: Chalzedon
- Luft: Saphir
- Erde: Granat
Hildegard von Bingen ging davon aus, dass die von Edelsteinen ausgesandten Schwingungen entweder durch Träger wie Wasser oder Wein oder über die Haut auf das zentrale Nervensystem wirken. Zu den zwölf Grundsteinen Gottes, denen sie besondere Heilkräfte zuschrieb, gehören Heliotrop, Saphir, Chalcedon, Smaragd, Sardonyx, Karneol, Peridot, Beryll, Topas, Chrysopras, Zirkon und Amethyst. So soll beispielsweise der Saphir gegen Dummheit oder Zornausbrüche helfen, während der Heliotrop den Verstand stärken und vor geistiger Zerstreutheit schützen soll.
Im 16. Jahrhundert extrahierte der Arzt und Astrologe Paracelsus Mineralien systematisch aus Edelsteinen, um sie als Heilmittel einzusetzen.
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Heutige Anwendungen
Bis heute haben sich die überlieferten Theorien von Hildegard von Bingen gehalten und werden zum Beispiel in Naturheilpraxen eingesetzt, etwa bei Steinheiltherapien gegen Migräne. Als Heilmethode werden die Steine aufgelegt oder in den Mund genommen. Verbreitet ist es auch, die Steine mit Wasser zu übergießen und das Wasser dann zu trinken. Manchmal wird der Stein auch pulverisiert und als Tinktur oder Salbe angewendet.
Die Vielfalt der Heilsteine und ihre angeblichen Wirkungen
Die Liste der Heilsteine und ihrer angeblichen Wirkungen ist lang und vielfältig. Am Beispiel Karneol wird das sehr augenfällig. Im Grunde soll er gegen alles helfen: Infektionen, Rheuma, Menstruationsbeschwerden, Krämpfe, Kreislaufbeschwerden, Zahnschmerzen, Unterleibsschmerzen, Schnupfen, Vergiftungen, Blut-, Leber-, Gallen-, Darm- und Venenerkrankungen, Krebs, Bluthochdruck, zu niedriger Blutdruck, Impotenz, Antriebslosigkeit, Überreiztheit, Wahnvorstellungen, Trägheit, Unruhe, Depressionen und Schlaflosigkeit.
Einige Beispiele für spezifische Heilsteine und ihre traditionell zugeschriebenen Eigenschaften:
- Schwarzer Turmalin (Schörl): Soll einen starken Einfluss auf negative Energien und Einflüsse haben, sowohl in der Umgebung als auch direkt auf den Körper. Er soll auflösende und neutralisierende Einwirkungen bei negativen Einflüssen und Blockaden entfalten.
- Sugilith: Wird von einigen Therapeuten bei Gehirntumoren empfohlen, um sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen und den Selbstheilungsprozess anzukurbeln.
- Grüner Turmalin und Sphärolithischer Chalcedon (Oceanjaspis): Sollen helfen, das Zellwachstum wieder in eine geordnete Linie zu bringen.
- Bergkristall: Soll alle anderen Steine in ihrer Wirkung unterstützen und wird ebenfalls bei Krebs eingesetzt.
- Saphir: Kann laut einigen Quellen tieferliegende und fortgeschrittene Tumore heilen.
- Sarder: Hilft ganz besonders bei Tumoren, Infektionen und Geschwüren, welche sich an der inneren Haut, im Darmtrakt und Gehirn ansiedeln.
- Azurit-Malachit: Kann bei "disharmonischem Zellwachstum" eingesetzt werden.
- Bernstein: Soll bei Allergien helfen und gegen Ekzeme, Warzen und Flechten wirken. Bernstein-Wasser soll bei Sehnen- und Nervenentzündungen helfen.
- Mondstein: Gilt als Frauenstein und soll hormonell bedingte Beschwerden lindern.
- Brekzien-Jaspis (Vulkan-Jaspis): Gilt als Fruchtbarkeitsstein und soll zu wahrer Liebe verhelfen. Er soll die Funktion der Schilddrüse anregen und die Durchblutung ankurbeln.
- Amazonit: Soll auf den Unterleib wirken, Stoffwechselstörungen lindern, die Leber stärken und bei Geburts- und Menstruationsschmerzen entspannen.
- Azurit: Soll die Konzentration stärken, alte Gefühlsbande lockern und einen positiven Einfluss auf das zentrale Nervensystem haben.
- Tigerauge: Soll Optimismus verleihen, die Intuition schärfen und eine starke Wirkung auf Knochen und Gelenke haben.
- Onyx: Soll eine reinigende und entschlackende Wirkung auf das Blut haben und die Widerstandskraft stärken.
Heilsteintherapie bei Krebs: Was sagt die Wissenschaft?
Es ist wichtig zu betonen, dass es keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit der Heilsteintherapie bei Krebs oder anderen schweren Erkrankungen gibt. Medizinische Fachkräfte raten dringend davon ab, sich bei Krebs ausschließlich auf alternative Behandlungsmethoden wie die Heilsteintherapie zu verlassen.
Keine Auswirkung auf Krebserkrankungen
Im Bereich Krebserkrankungen hat der Turmalin generell absolut keinerlei Einfluss. Auch Werbeversprechen von Esoteriker:innen beschäftigen die Verbraucherzentrale und die Gerichte immer häufiger. Es könnte alles so einfach sein: Einen „Heilstein“- Matte für ein paar hundert Euro kaufen und der Krebs ist weg. Wirklich? Immer wieder verblüfft es, wie erfinderische Anbieter Verbraucher:innen das Geld aus der Tasche schwindeln.
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Placebo-Effekt und psychische Entspannung
Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus lässt sich die Wirksamkeit der Heilsteintherapie nicht untermauern. Die Steine wirken allerdings oft beruhigend und stresslösend, da der Anwender sich in einen entspannten Zustand versetzen sollte, um offen für die "Schwingungen" und "Energien" der Steine zu sein. Wer daran glaubt, kann vielleicht vom Placebo-Effekt profitieren.
Gefahren unseriöser Angebote
Die Verbraucherzentrale warnt vor unseriösen Anbietern, die mit falschen Heilsversprechen Kasse machen. Eine Matte besetzt mit „Heilsteinen“ soll Viren und Bakterien abtöten, Chakren aktivieren und die Selbstheilung des Körpers bewirken. Dank dieser wundersamen Matte soll das Immunsystem erkrankte Zellen erkennen und bekämpfen.
Auch die Werbung für Nahrungsergänzungsmittel mit angeblichen Anti-Tumorwirkungen ist unseriös und gefährlich. Wenn Ärzt:innen nicht aufgesucht werden und solchen haltlosen Versprechungen geglaubt wird, dann besteht eine ernsthafte Gefahr für die Verbraucher:innen.
Statine als mögliche Unterstützung in der Krebstherapie
Forscher*innen um Ulrike Stein vom ECRC und Robert Preißner von der Charité berichten in „Clinical and Translational Medicine“, dass Statine, die als Cholesterinsenker verschrieben werden, ein Gen hemmen, das Krebszellen metastasieren lässt.
Die wenigsten Krebspatient*innen sterben an einem Primärtumor, sondern an dessen Metastasen - auch nach einer geglückten Tumoroperation. Denn Krebszellen können sich früh auf Wanderschaft im Körper begeben, wenn der Tumor noch sehr klein, vielleicht noch gar nicht entdeckt worden ist. Die molekularen Mechanismen der Metastasierung zu verstehen, ist daher ein wichtiges Puzzlestück im Kampf gegen Krebs.
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Vor über zehn Jahren ist es Professorin Ulrike Stein mit ihrer Arbeitsgruppe am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) gelungen, im menschlichen Darmkrebs einen wichtigen Treiber dieses Prozesses ausfindig zu machen: das Metastasis-Associated in Colon Cancer 1-Gen (MACC1). Um sich zu vermehren, fortzubewegen und in anderes Gewebe einzudringen, exprimieren diese Krebszellen MACC1. „Viele Krebsarten streuen nur bei den Patientinnen und Patienten mit hoher MACC1-Expression“, erläutert Ulrike Stein.
Nun hat Ulrike Stein zusammen mit PD Dr. Robert Preißner von der Charité entdeckt, was den Metastasenantrieb in solchen Fällen stören könnte: Statine, die als Cholesterinsenker verschrieben werden, hemmen die MACC1-Expression in Tumorzellen.
An verschiedenen Tumorzelllinien überprüften sie diese Entdeckung - mit positivem Ergebnis: Alle sieben getesteten Medikamente verminderten die MACC1-Expression in den Zellen, allerdings nicht alle gleich stark. Daraufhin verabreichten die Wissenschaftler*innen die Cholesterinhemmer genetisch veränderten Mäusen mit erhöhter MACC1-Expression. Die Tiere bildeten daraufhin kaum noch Tumore und Metastasen aus.
Robert Preißner und Wissenschaftlerinnen der Universität von Virginia analysierten außerdem die Daten von insgesamt 300.000 Patientinnen, denen Statine verschrieben worden waren.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Forschung noch am Anfang steht und weitere Studien erforderlich sind, um die Ergebnisse zu bestätigen und die klinische Relevanz von Statinen in der Krebstherapie zu bestimmen.
Kritische Betrachtung und Fazit
Die Heilsteintherapie ist eine traditionelle Praxis, die auf dem Glauben an die heilenden Kräfte von Edelsteinen basiert. Obwohl viele Menschen positive Erfahrungen damit gemacht haben und die Anwendung von Heilsteinen zur Entspannung und Stressreduktion beitragen kann, gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Krankheiten, insbesondere nicht bei schweren Erkrankungen wie Hirntumoren.
Es ist wichtig, die Heilsteintherapie als ergänzende Methode zu betrachten und sie nicht als Ersatz für eine konventionelle medizinische Behandlung anzusehen. Bei Verdacht auf eine ernsthafte Erkrankung sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
Die Vielzahl der beschriebenen Wirkungen sollte überzogene Hoffnungen dämpfen, aber wer daran glaubt, kann vielleicht vom Placebo-Effekt profitieren. Es ist ratsam, sich vor der Anwendung von Heilsteinen gründlich zu informieren und sich nicht von unseriösen Anbietern mit falschen Heilsversprechen täuschen zu lassen.
Umgang mit Heilsteinen
Wenn Sie sich für die Anwendung von Heilsteinen interessieren, sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Intuitive Auswahl: Wählen Sie den Stein, der Sie intuitiv anspricht.
- Reinigung und Aufladung: Reinigen und laden Sie den Stein regelmäßig auf, um seine energetische Integrität zu erhalten.
- Achtsamer Umgang: Betrachten Sie den Stein als persönliches Symbol für Kraft, Liebe, Willen und Zuversicht.
- Kombination mit anderen Methoden: Nutzen Sie Heilsteine als Ergänzung zu anderen Entspannungstechniken wie Meditation oder Visualisierung.
- Kritische Auseinandersetzung: Seien Sie kritisch gegenüber Heilsversprechen und verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf Heilsteine bei gesundheitlichen Problemen.