Migräne mit Aura: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der in Deutschland viele Menschen betroffen sind. Ein Teil der Migränepatienten leidet unter der sogenannten Migräne mit Aura, die mit zusätzlichen neurologischen Symptomen einhergeht. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Migräne mit Aura.

Was ist Migräne mit Aura?

Migräne ist eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und der Blutgefäße, für die eine erbliche Veranlagung besteht. Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten erleben zusätzlich zur Migräne eine Aura. Eine Migräne-Aura ist eine vorübergehende neurologische Funktionsstörung, die während eines Migräneanfalls, aber auch ohne Kopfschmerzen auftreten kann. Sie äußert sich meist in visuellen, sensorischen oder sprachlichen Störungen und dauert in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren, neurologischen Mechanismen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Genetische Faktoren

Migräne tritt häufig familiär gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist. Bestimmte Genvarianten wurden mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht. Es gibt eine sogenannte familiäre Veranlagung (Disposition). Auch wenn bei den meisten erblichen Migräneformen mehrere Gene beteiligt sind und die Erforschung komplex ist, weiß man heute ziemlich sicher, dass es eine sogenannte familiäre Veranlagung (Disposition) gibt.

Neurologische und biochemische Mechanismen

Während einer Migräneattacke kommt es zu einer vorübergehenden Fehlfunktion schmerzregulierender Systeme im Gehirn. Früher gingen Wissenschaftler von einer Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn aus. Demnach verengen sich kurz vor einer Migräneattacke die Blutgefäße, weswegen die betroffene Hirnregion schlechter durchblutet wird. In einer überschießenden Gegenreaktion erweitern sich anschließend die Blutgefäße. Diese Gefäßdehnung verursacht dann die migränetypischen Schmerzen. Nach aktuellen Untersuchungen ist das Geschehen vermutlich auf eine Störung des Gleichgewichtszustandes von Schmerzzentren im Hirnstamm zurückzuführen.

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Mit Hilfe spezieller bildgebender Verfahren konnte nachgewiesen werden, dass im Gehirn ein Bereich - das so genannte Migräne-Zentrum im Hirnstamm (periaquäduktales Grau) - aktiviert und verstärkt durchblutet wird. Dieses „Migräne-Zentrum“ reagiert über-empfindlich auf Reize. Zwischen den Blutgefäßen des Gehirns und den Nervenzellen des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus) besteht eine wichtige Verflechtung. Feinste Verästelungen des Trigeminus-nervs befinden sich in den Wänden aller Blutgefäße im Gehirn. Die Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm führt dazu, dass die (C-)Fasern des Trigeminusnervs Schmerz-signale an das Gehirn senden. Dies hat auch eine vermehrte Ausschüttung so genannter Botenstoffe (vasoaktive Neuropeptide) zur Folge, die eine Dehnung der Blutgefäße bewirken und die Gefäßwände für Blutflüssigkeit durchgängig machen und bestimmte Blutbestandteile (z.B. entzündliche Eiweißstoffe) freisetzen. Es kommt zu einer Aufschwemmung und einer Art Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute. Diese so genannte neurogene Entzündung verursacht wiederum Schmerzimpulse, welche ausstrahlen und den Migränekopfschmerz bewirken.

Die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) sind chemische Substanzen, die u.a. Nervensignale weiterleiten, die Ausdehnung oder Verengung der Blutgefäße steuern und Schmerzsignale auslösen. Von allen Botenstoffen spielt das Serotonin bei der Entstehung der Migräne eine besondere Rolle. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt u.a. das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus.

Bei der Entstehung einer Migräne-Aura sind vermutlich mehrere Mechanismen beteiligt, die während eines Migräne-Anfalls im Gehirn ablaufen. Über eine Aktivierung der schmerzleitenden Nervenfasern und Schmerzzentren im Gehirn werden verschiedene Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, ausgeschüttet. Diese sogenannte Schmerzkaskade löst wiederum eine Entzündung der Hirngefäße und damit eine vorübergehende Durchblutungsstörung der Hirnrinde aus. Die Symptome der Migräne-Aura entstehen vermutlich durch eine Erregungswelle, die über die Hirnrinde läuft und zu einer vorübergehenden Störung führt. Bei Migräne-Patienten mit Aura wurde eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt. Dementsprechend könnte ein Sauerstoffmangel in betroffenen Hirnregionen für die Aura-Symptome verantwortlich sein.

Triggerfaktoren

Bestimmte innere und äußere Faktoren, so genannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen. Jeder Migränepatient kann durch Selbstbeobachtung und konsequente Führung eines Kopfschmerztagebuchs/Kalenders seine verschiedenen, persönlichen Auslöser ermitteln.

Häufige Triggerfaktoren sind:

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  • Stress: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräne mit Aura. Migräne tritt meist in der Entspannungsphase danach auf.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol (Rotwein!) können Migräne auslösen. Unregelmäßige Nahrungsaufnahme und Unterzuckerung können ebenfalls Trigger sein.
  • Schlaf: Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. zu viel oder zu wenig Schlaf) kann Migräne begünstigen.
  • Hormone: Hormonveränderungen, z.B. während des Zyklus (Eisprung oder Menstruation) bzw. aufgrund der Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. Anti-Baby-Pille) können Migräne mit Aura hervorrufen.
  • Äußere Reize: Äußere Reize wie (Flacker)Licht, Lärm oder Gerüche können Migräne auslösen. Starke Sonneneinstrahlung, blendendes Licht oder sogar bestimmte Lichtmuster können bei manchen Menschen eine Aura und letztendlich Migräne auslösen.
  • Wetter: Wetter- und Höhenveränderungen (Föhn, Kälte etc.) können Migräne begünstigen.
  • Emotionen: Starke Emotionen, z.B. ausgeprägte Freude, tiefe Trauer, heftige Schreckreaktion, Angst können Migräne auslösen.
  • Medikamente: Evtl. Medikamente können Migräne begünstigen.

Symptome der Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura weist die gleichen Symptome auf wie eine Migräne ohne Aura. Der Unterschied besteht also nur in der Aura selbst. Die „Aura“ entsteht vor der eigentlichen Migräne. Dabei kommt es mitunter zu weiteren Symptomen als Vorboten der Migräne.

Die Aura-Symptome können vielfältig sein und werden von den Betroffenen individuell wahrgenommen. Sie lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

Kortikale Symptome

Die kortikalen Symptome betreffen vor allem die Hirnrinde (Kortex) und äußern sich meist als:

  • Sehstörungen:
    • Flimmerskotom: Betroffene sehen ein Flimmern, das von der Mitte des Gesichtsfeldes nach außen wandert.
    • Negatives Skotom: Ein Gesichtsfeldausfall, bei dem man in bestimmten Bereichen des Blickfeldes gar nichts mehr sehen kann.
    • Positives Skotom: Wahrnehmung von gezackten Linien, die das Flimmerskotom umgeben oder ausfüllen.
    • Lichtblitze: Plötzliches Auftreten von Lichtblitzen im Gesichtsfeld.
    • Grelle Farbwahrnehmung: Farben werden plötzlich intensiver und stechender wahrgenommen.
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln und Taubheit (Parästhesien), meist in Händen, Armen oder Wangen.
  • Sprachstörungen (Aphasie): Schwierigkeiten, Worte zu finden oder auszusprechen.

Hirnstammsymptome

Eine besondere Auraform ist die Hirnstammaura, bei der der hintere Anteil des Kopfes betroffen ist. Symptome der Hirnstammaura sind:

  • Beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder
  • Sprachstörungen (Dysarthrie): Artikulationsstörung, bei der die Sprechwerkzeuge betroffen sind.
  • Bewegungsstörungen (Ataxie): Störung der Bewegungsabläufe und Koordinationsfähigkeiten.
  • Hörminderung, Tinnitus und Schwindel
  • Bewusstseinsstörungen: Verminderte Ansprechbarkeit.

Atypische Auren

Von der typischen Migräne-Aura werden atypische Auren unterschieden. Darunter fällt die Migräne mit Hirnstammaura. Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen.

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Eine hemiplegische Migräne diagnostizieren Ärzte, wenn die Aura mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einhergeht. Die motorischen Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, sie bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden ebenfalls wieder vollständig zurück. Sind in der Familie (ersten oder zweiten Verwandtschaftsgrades) ähnliche Migränefälle bekannt, wird die Migräne noch spezifischer als familiär hemiplegische Migräne definiert.

Eine weitere atypische Form ist die retinale Migräne. Charakteristisch für diese sehr seltene Migräneform sind vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder eine Erblindung.

Es ist wichtig zu beachten, dass die genannten Symptome nicht zwangsläufig bei jedem Migränepatienten auftreten, auch können Dauer und Intensität variieren.

Diagnose

Die Diagnose der Migräne mit Aura wird anhand der typischen Beschwerdeschilderung und eines normalen körperlichen Untersuchungsbefunds gestellt. Der Arzt wird eine ausführliche Anamnese erheben, um die Art und Häufigkeit der Kopfschmerzen sowie die Begleitsymptome zu erfassen. Um andere mögliche Ursachen auszuschließen, können weitere Untersuchungen wie eine neurologische Untersuchung oder bildgebende Verfahren (z.B. MRT) erforderlich sein.

Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen. Das ist wichtig, weil eine Sehstörung zum Beispiel auch ein Indiz für eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein kann. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung der Migräne mit Aura zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Symptome während eines Anfalls zu lindern.

Akutbehandlung

Zur Behandlung der einzelnen Kopfschmerzattacke können Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin eingesetzt werden. Bei stärkeren Attacken können spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane, hilfreich sein. Diese Medikamente hemmen die Botenstoffe, die während der Migräne-Attacke freigesetzt werden und unterbrechen dadurch die Attacke. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.

Begleitend zu den Schmerzmitteln können Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika) eingenommen werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Treten Attacken mehr als 3-mal pro Monat auf, kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten in Erwägung gezogen werden. Die häufigsten Substanzen zur Migräneprophylaxe sind Betarezeptorenblocker und eine Reihe von Substanzen, die auch zur Behandlung von Epilepsie oder Depression eingesetzt werden. Neu entwickelte Migräne-spezifische Prophylaktika richten sich gegen die Effekte des Botenstoffs CGRP, der bei der Ausbildung der neurovaskulären Entzündung eine bedeutende Rolle spielt.

Neben der medikamentösen Prophylaxe können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Dazu gehören:

  • Regelmäßiger Ausdauersport: Joggen, Schwimmen, Radfahren
  • Entspannungstechniken: Yoga, progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, Biofeedback
  • Psychologische Verfahren: Verhaltenstherapie, Stressmanagement

Alternative Behandlungsmethoden

Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Behandlungsmethoden wie Akupressur oder Akupunktur.

Verhaltensweisen im Alltag

  • Stressmanagement: Es ist wichtig, Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Atemübungen in den Alltag einzubauen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann Einfluss auf das Auftreten von Migräne mit Aura haben. Es kann hilfreich sein, Trigger-Lebensmittel wie Schokolade, Käse oder bestimmte Konservierungsstoffe zu meiden.
  • Regelmäßiger Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus.

Leben mit Migräne mit Aura

Migräne ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um mit den Symptomen umzugehen. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen.

Migräne-Tagebuch

Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, die individuellen Auslöser und Muster der Migräneattacken zu erkennen. Notieren Sie darin Datum, Uhrzeit, Symptome, mögliche Auslöser und eingenommene Medikamente.

Fachliche Unterstützung

Suchen Sie bei Bedarf fachliche Unterstützung bei einem Neurologen oder Kopfschmerzspezialisten. Es gibt Selbsthilfegruppen, in denen Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können.

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