Migräne mit Aura und Schlaganfall: Ein Überblick über Unterschiede, Risiken und Prävention

Migräne und Schlaganfall sind zwei unterschiedliche neurologische Erkrankungen, die jedoch ähnliche Symptome aufweisen können, was zu Verwechslungen und Besorgnis führen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Migräne mit Aura und Schlaganfall, die Risiken eines migränösen Infarkts, die zugrunde liegenden Ursachen und Mechanismen sowie die Möglichkeiten zur Diagnose, Behandlung und Prävention.

Einführung

Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der etwa 15 bis 20 Prozent aller Frauen und 5 bis 8 Prozent aller Männer in Deutschland betroffen sind. Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten erleben eine Migräne mit Aura, die durch neurologische Symptome wie Sehstörungen, Sprachstörungen oder sensorische Veränderungen gekennzeichnet ist. Ein Schlaganfall hingegen ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch eine Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns verursacht wird und zu dauerhaften Schäden führen kann.

Migräne mit Aura: Symptome und Ursachen

Die Migräneaura ist durch neurologische Reiz- und Ausfallerscheinungen gekennzeichnet. Die Symptome entwickeln sich typischerweise über 20 bis 30 Minuten und dauern bis zu einer Stunde an. Häufige Symptome sind:

  • Sehstörungen: Lichtblitze, gezackte Linien, Gesichtsfeldausfälle, Schleiersehen
  • Sprachstörungen: Wortfindungsstörungen
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle in Armen und Beinen
  • Weitere Symptome: Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, epileptische Anfälle, Bewusstlosigkeit (selten)

Die Ursachen von Migräne mit Aura sind vielschichtig und werden durch eine Kombination von genetischen, persönlichen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst. Genetische Faktoren spielen eine bedeutende Rolle, und bestimmte Genvarianten wurden mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht. Neurologische und biochemische Mechanismen, wie eine Dysregulation von Neurotransmittern und eine gesteigerte neuronale Erregbarkeit, tragen ebenfalls zur Entstehung von Migräne bei. Bestimmte Triggerfaktoren, wie Stress, hormonelle Veränderungen, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel und Getränke, intensive Gerüche, grelles Licht und starke körperliche Anstrengung, können Migräneanfälle auslösen.

Schlaganfall: Symptome und Ursachen

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, entweder durch eine Verstopfung (ischämischer Schlaganfall) oder eine Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall). Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und können sein:

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  • Halbseitenlähmung: Schwäche oder Lähmung einer Körperhälfte
  • Hängende Gesichtshälfte: Einseitiges Herabhängen des Mundwinkels
  • Sprachschwierigkeiten: Verwaschene Sprache, Schwierigkeiten, Sätze zu bilden oder zu verstehen
  • Sehstörungen: Plötzlicher Sehverlust, Doppelbilder
  • Gleichgewichtsstörungen: Schwindel, Koordinationsprobleme

Die Ursachen für einen Schlaganfall sind vielfältig und umfassen traditionelle Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte), Diabetes und Rauchen. Nicht-traditionelle Risikofaktoren, wie Migräne (insbesondere Migräne mit Aura), Thrombophilie (erhöhte Neigung zu Blutgerinnseln) und bestimmte Herzerkrankungen, können ebenfalls eine Rolle spielen.

Migränöser Infarkt: Eine seltene Komplikation

Ein migränöser Infarkt ist eine seltene Komplikation der Migräne mit Aura, bei der es zu einer Durchblutungsstörung im Gehirn kommt, die zu einem Schlaganfall führt. Das Risiko für einen migränösen Infarkt ist bei Personen mit Migräne mit Aura erhöht, insbesondere bei Frauen unter 45 Jahren. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, die Einnahme östrogenhaltiger Empfängnisverhütungsmittel und ein persistierendes Foramen ovale (eine angeborene Fehlbildung des Herzens).

Die genauen Mechanismen, die zu einem migränösen Infarkt führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Möglicherweise spielen eine erhöhte Blutgerinnungsneigung, krampfhafte Verengungen von Blutgefäßen (Vasospasmen) oder ein örtlich verminderter Blutfluss in bestimmten Hirnregionen eine Rolle.

Unterscheidung zwischen Migräne mit Aura und Schlaganfall

Die Unterscheidung zwischen Migräne mit Aura und Schlaganfall kann schwierig sein, da die Symptome ähnlich sein können. Es gibt jedoch einige wichtige Unterschiede:

  • Zeitlicher Verlauf: Die Symptome einer Migräneaura entwickeln sich typischerweise langsam über 15 bis 30 Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder ab. Schlaganfallsymptome treten plötzlich und mit maximaler Intensität auf.
  • Art der Symptome: Migräneauren umfassen häufig positive Symptome wie Zickzacklinien, Kribbeln oder Farbsehen. Schlaganfälle äußern sich eher durch Defizite wie Sehverlust, Taubheit oder Lähmungen.
  • Begleitende Symptome: Migräneauren werden oft von Kopfschmerzen begleitet, die innerhalb einer Stunde nach den Aurasymptomen auftreten. Schlaganfälle sind nicht immer mit Kopfschmerzen verbunden.

Diagnose und Behandlung eines migränösen Infarkts

Die Diagnose eines migränösen Infarkts wird anhand der Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) gestellt. Diese Kriterien umfassen:

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  • Der Patient hatte bereits Migräne-Attacken mit Aura.
  • Ein oder mehrere Aurasymptome bleiben über 60 Minuten bestehen.
  • Eine bildgebende Untersuchung (z. B. MRT) zeigt einen Hirninfarkt in einem bestimmten Areal.
  • Die Symptome lassen sich nicht durch eine andere Erkrankung erklären.

Die Behandlung eines migränösen Infarkts zielt darauf ab, die Durchblutung im betroffenen Hirnbereich wiederherzustellen. Dies kann durch die Verabreichung von Medikamenten zur Auflösung von Blutgerinnseln (Thrombolyse) erfolgen.

Folgen eines migränösen Infarkts

Die Folgen eines migränösen Infarkts hängen stark davon ab, welche Bereiche des Gehirns betroffen sind und wie groß diese waren. Mögliche Folgen sind Sprachstörungen, motorische Beeinträchtigungen, Sensibilitätsstörungen und kognitive Defizite. In manchen Fällen kann das Gehirn verlorengegangene Funktionen durch andere Bereiche übernehmen. Ein gezieltes Training und umfassende Reha-Maßnahmen können dazu beitragen, möglichst viele Fähigkeiten wiederzuerlangen.

Prävention und Risikomanagement

Das Risiko für einen migränösen Infarkt kann durch verschiedene Maßnahmen gesenkt werden:

  • Vermeidung von Risikofaktoren: Frauen mit Migräne mit Aura sollten auf Rauchen und die Einnahme von östrogenhaltigen Verhütungsmitteln verzichten.
  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und ausreichend Schlaf kann dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Migräneattacken zu senken.
  • Medikamentöse Migräneprophylaxe: Patienten mit häufigen Migräneattacken oder anhaltenden Auren können von einer medikamentösen Migräneprophylaxe profitieren.
  • Aufklärung und Sensibilisierung: Betroffene und Angehörige sollten über die Symptome von Migräne mit Aura und Schlaganfall informiert sein, um im Notfall schnell reagieren zu können.

Aktuelle Forschungsergebnisse und Erkenntnisse

Jüngste Studien haben gezeigt, dass nicht-traditionelle Risikofaktoren wie Migräne bei der Entstehung von Schlaganfällen bei jungen Erwachsenen eine ebenso wichtige Rolle spielen wie traditionelle Risikofaktoren. Eine Studie aus dem Jahr 2024 ergab, dass Migräne bei Frauen unter 35 Jahren für 34,5 % der Schlaganfälle verantwortlich war. Dies unterstreicht die Bedeutung der Berücksichtigung nicht-traditioneller Risikofaktoren bei der Beurteilung des Schlaganfallrisikos bei jungen Erwachsenen.

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