B-Vitamine bei Nervenschmerzen: Ein umfassender Überblick

Schmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Insbesondere neuropathische und vertebrale Schmerzen stellen eine therapeutische Herausforderung dar. Eine sorgfältige Diagnostik ist unerlässlich, um die vielfältigen Ursachen zu erkennen und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten. Dabei sollte die Versorgung mit essentiellen Biofaktoren wie B-Vitaminen, Magnesium und Vitamin D berücksichtigt werden, da deren Mangel sowohl zur Entstehung von Schmerzprozessen beitragen als auch deren Behandlung unterstützen kann.

Die Vielfalt der Schmerzarten

Schmerz ist ein komplexes Phänomen, das als Begleitsymptom verschiedenster Erkrankungen auftritt. Prof. Dr. Dr. med. Dieter Loew beschreibt Schmerz als ein unangenehmes psychophysisches Gefühl, das den Betroffenen zur Schonung zwingt. Es ist wichtig, zwischen neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen zu unterscheiden, da sie unterschiedliche Ursachen und Therapieansätze haben.

Nozizeptive Schmerzen

Nozizeptive Schmerzen entstehen durch die Stimulation von Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) durch mechanische, thermische, chemische, toxische oder elektrische Reize. Das periphere und zentrale Nervensystem bleiben dabei intakt.

Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen hingegen resultieren aus einer Erkrankung oder Läsion des peripheren und/oder zentralen Nervensystems. Sie äußern sich als Neuropathie mit vielfältigen Symptomen. Typische Beispiele sind postzosterische Neuralgien (Gürtelrose), Schmerzen bei Polyneuropathien und nach mechanischen Nervenläsionen oder Amputationen.

Mixed Pain und psychosomatische Schmerzen

Häufig treten Überschneidungen zwischen nozizeptiven und neuropathischen Schmerzformen auf, die als "mixed pain" bezeichnet werden. Daneben gibt es auch Schmerzen als Symptom psychiatrischer oder psychosomatischer Erkrankungen.

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Die Rolle der B-Vitamine bei Schmerzen

In der Therapie von Schmerzen richtet sich die Auswahl des Schmerzmittels nach der Akuität des Schmerzes, dem pharmakologischen Wirkprofil und der diagnostizierten Indikation. Neben Analgetika, Antidepressiva und Antikonvulsiva spielen auch Biofaktoren eine wichtige Rolle. Biofaktoren sind physiologische Substanzen, die Mangelzustände ausgleichen und in höheren Konzentrationen therapeutische Wirkungen entfalten. Zu ihnen gehören Vitamine, Mineralstoffe, Vitaminoide, Fettsäuren, essentielle Aminosäuren und sekundäre Pflanzenstoffe. Loew sieht in den Biofaktoren eine sinnvolle Ergänzung der Pharmakotherapie neuropathischer Schmerzen.

Vitamin-B-Mangel und neuropathische Schmerzen

Prof. Dr. med. Karlheinz Reiners wies darauf hin, dass Mangelzustände der Vitamine B1 (Thiamin), B6 (Pyridoxin), B12 (Cobalamin) und Folsäure unter anderem durch die Entwicklung von neuropathischen Schmerzen gekennzeichnet sind. Eine Substitution der defizienten Vitamine ist notwendig für eine sichere Rückbildung der neuropathischen Schmerzen. Eine Besserung der Schmerzen kann auch ohne einen im Serum nachgewiesenen Vitaminmangel erzielt werden, da die Verhältnisse im intrazellulären Kompartiment durch die Serumspiegel nur unvollkommen reflektiert werden.

Gerade Schmerzen bei chronischen Grunderkrankungen wie Wirbelsäulensyndrom, Diabetes mellitus und Alkoholkrankheit stellen eine besondere Herausforderung dar, weil die in Leitlinien empfohlenen Medikamente oft nebenwirkungsbehaftet sind, so dass eine längerfristige Therapie nicht möglich ist. In solchen Fällen helfen Vitamin B1 in Form von Benfotiamin sowie Vitamin B12 und in Kombination als Vitamin-B-Komplex auch Vitamin B6 bei der Einsparung kritischer Medikamente. Neuere Untersuchungen zu neuropathischen Schmerzen bei Alkoholkrankheit zeigen, dass sowohl eine direkte toxische Wirkung des Äthylalkohols als auch der Mangel an Vitamin B1 ursächlich sind. Daher müssen für eine erfolgreiche Behandlung beide Faktoren mittels Alkoholkarenz und Vitamin B1-Substitution beeinflusst werden.

Vitamin B1 und diabetische Neuropathie

Vitamin B1 kommt auch bei Vorliegen einer diabetischen Neuropathie eine besondere Bedeutung zu, denn ein Vitamin-B1-Mangel kann Nervenschädigungen verursachen oder verstärken. Gerade Diabetiker sind häufig von einem Vitamin-B1-Mangel betroffen. In der pathogenetisch begründeten Therapie haben B-Vitamine, insbesondere die Vorstufe von Vitamin B1, das Benfotiamin, einen hohen Stellenwert. Es kann einen nervenschädigenden Thiaminmangel ausgleichen und über die Aktivierung des Enzyms Transketolase verschiedene pathogene Stoffwechselwege, zum Beispiel die Bildung von AGEs (Advances Glycation Endproducts) hemmen. Das Provitamin wirkt so zelltoxischen Stoffwechselveränderungen entgegen. Benfotiamin verfügt über eine fünffach höhere Bioverfügbarkeit als wasserlösliche Thiaminsalze und ist daher besonders effektiv. Die Wirksamkeit von Benfotiamin bei der diabetischen Neuropathie wurde in verschiedenen randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudien nachgewiesen. Dabei zeigte sich eine Besserung der Nervenleitgeschwindigkeit, der Symptome und des Neuropathy Symptom Scores (NSS).

Vitamin B12 und Metformintherapie

Diabetiker haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für einen Mangel an Vitamin B1, sondern auch für Vitamin B12. Denn aktuellen Erkenntnissen zufolge kann eine Behandlung mit Metformin einen Vitamin-B12-Mangel hervorrufen. Dieser kann wiederum eine Neuropathie verursachen oder verschlimmern. Der Mangel kann sich noch verstärken, wenn Patienten gleichzeitig einen Säureblocker einnehmen. Patienten mit Metformintherapie müssen regelmäßig auf ihren Vitamin-B12-Status hin untersucht werden.

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B-Vitamine bei vertebralen Schmerzen

B-Vitamine helfen nicht nur bei neuropathischen Schmerzen, sondern sind auch bei vertebralen (vertebragenen) Schmerzen wirksam. Rückenschmerzen gehören zu den am häufigsten genannten Schmerzen mit stark steigender Tendenz und langer Erkrankungsdauer. In der Therapie hat sich vor allem die gemeinsame Verabreichung der Vitamine B1, B6 und B12 bewährt. Umfangreiche klinische Studien haben die gesicherte Wirksamkeit der kombinierten Gabe der drei B-Vitamine in der Therapie vertebragener Schmerzzustände wie Ischialgie, Neuralgien, Zervikalsyndrom und Hexenschuss gezeigt. Dabei ist die besondere Bedeutung der verstärkenden Wirkung bei nicht-steroidalen Analgetika bzw. Antiphlogistika hervorzuheben. Aufgrund der problematischen Nebenwirkungen dieser Medikamente bei der meist langfristigen Therapie von Rückenschmerzen stellt die durch die B-Vitamine verstärkte analgetische Wirkung eine wichtige Behandlungsoption dar.

Vitamin D und Magnesium für stabile Knochen

Schmerzen im Rücken können ebenso bei der Osteoporose auftreten, selbst wenn sie sich zunächst schleichend und symptomlos entwickelt. Schon lange bekannt und gut dokumentiert ist die Wirkung von Vitamin D auf den Knochen. Neuere Studien zeigen, dass besonders die Kombination von Vitamin D und Magnesium für die Knochenfestigkeit von Bedeutung ist. Die Osteoblastenaktivität wird durch Gabe der beiden Biofaktoren signifikant gesteigert, die Osteoklastenaktivität hingegen gebremst. Dabei kommt es zu Wechselwirkungen zwischen den beiden Biofaktoren: Zum einen fördert Vitamin D die Resorption von Magnesium im Dünndarm. Auf der anderen Seite ist der Mineralstoff für die Aktivierung von Vitamin D erforderlich. Die Kombination von Magnesium und Vitamin D ist daher eine sinnvolle Therapieoption bei Osteoporose.

Ein Mangel der beiden Biofaktoren führt nicht nur zu negativen Effekten auf den Knochenstoffwechsel, sondern bei Patienten mit Hypertonie und Diabetes auch zu einem Anstieg der Sekretion von proinflammatorischen Zytokinen wie Interleukin-1. Dies führt zu Entzündungsprozessen der Gefäße und zur Arteriosklerosebildung. Der Ausgleich dieses Defizits trägt daher auch zum Gefäßschutz bei.

Vitamin D und das Nervensystem

Neben der Wirkung von Vitamin D auf den Knochen hat sich längst auch die Relevanz dieses Biofaktors für das Nervensystem gezeigt. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D (40-60 ng/ml bzw. 75-150 nmol/l) ist für die Entwicklung und Funktionsfähigkeit des Nervensystems in allen Lebensphasen bedeutend. In seiner hormonaktiven Form, dem 1,25(OH)2D, wirkt das Vitamin im Nervensystem über die Wechselwirkungen mit Vitamin-D-Rezeptoren als Neurosteroid und beeinflusst unter anderem die Bildung von neurotrophen Faktoren wie dem Nervenwachstumsfaktor BDNF (Brain Derived Neurotophic Factor). Neurotrophe Faktoren kontrollieren Nervenzellen und sind an der Signalübertragung beteiligt. Auch das Schmerzempfinden wird vom Nervensystem und zudem vom Immunsystem mitreguliert. Vitamin D wirkt Entzündungsprozessen entgegen und verringert die Schmerzempfindlichkeit. Daher sollte auch in der Behandlung von chronischen Schmerzen wie der diabetischen Polyneuropathie an Vitamin D gedacht und auf eine ausreichende Versorgung geachtet werden.

Vitamin B-Komplex: Wirkung und Anwendung

Die Vitamin-B-Kur besteht aus der gezielten Zufuhr der lebensnotwendigen B-Vitamine B1, B6, B12 und Folsäure (Vitamin B9). Ein Mangel an diesen Vitaminen kann zu Nervenschäden, Erschöpfung und weiteren Beschwerden führen. Die B-Vitamine sind für ein funktionierendes Nervensystem unverzichtbar. Ein Mangel kann Nervenschmerzen auslösen, die sich durch die gezielte Zufuhr von Vitamin B oft beheben lassen, solange keine irreversiblen Schäden vorliegen. Die Vitamin-B-Kur ist eine effektive Methode zur Unterstützung des Nervensystems und zur Verbesserung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.

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Ursachen und Folgen von Nervenschäden bei Diabetes

Mehr als die Hälfte der Diabetiker entwickeln im Laufe der Erkrankung Nervenschäden, die sich meist zuerst an den Füßen zeigen. Oft kribbeln die Füße, brennen oder schmerzen. Manchmal geht sogar das Gefühl ganz verloren und die Füße oder auch Hände fühlen sich taub an. Besonders häufig entstehen Nervenschäden, wenn der Blutzucker über lange Zeit nur unzureichend eingestellt war. Dann lagern sich Abbauprodukte in den Nervenzellen ab und sie können nicht mehr richtig arbeiten. Besonders die langen Nerven, die bis in die Füße reichen, sind anfällig für Schäden. Sie können im Laufe des Diabetes jedoch in allen Organen auftreten, sodass es auch an den Augen, im Magen-Darm-Trakt, an der Blase oder Herz und Nieren zu Problemen kommt.

Wenn das Schmerzempfinden durch Nervenschäden beeinträchtigt ist, werden Verletzungen an den Füßen häufig nicht bemerkt. Da die Füße schlechter durchblutet werden, heilen Wunden dort auch weniger gut. Sie entzünden und infizieren sich bei Diabetikern leichter, bis hin ins tiefere Gewebe. Im schlimmsten Fall droht eine Amputation.

Prävention und Behandlung von Nervenschäden

Die beste Möglichkeit, Nervenschäden vorzubeugen und ein Fortschreiten zu verhindern, sind gut eingestellte Blutzuckerwerte. Auch auf Nervengifte wie Alkohol und Nikotin sollte möglichst verzichtet werden. Schon bei den ersten Missempfindungen sollte der Arzt darauf angesprochen werden. In vielen Fällen besteht die Möglichkeit, mit Medikamenten gegenzusteuern.

Neben den verordneten Medikamenten gibt es weitere Behandlungsansätze. Bei dem Reizstromverfahren TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) zum Beispiel werden Elektroden auf die Haut geklebt. Sie geben elektrische Impulsen ab, die die Nerven stimulieren. Für die Funktion der Nerven spielen die Vitamine B1, B6, und B12 und Folsäure eine wichtige Rolle. Die Einnahme dieser B-Vitamine ist bei Nervenschmerzen sinnvoll. Ein Mangel an B-Vitaminen, zum Beispiel durch die Einnahme bestimmter Medikamente, kann die Nerven schädigen oder ihre Funktion beeinträchtigen sowie zu Taubheitsgefühlen und Kribbeln führen.

Vitamin B1 - auch Thiamin genannt - muss regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden, da der Körper keine großen Mengen speichern kann. Gute Lieferanten sind Erbsen, Haferflocken, Sonnenblumenkerne und Vollkornbrot. Außerdem ist Vitamin B1 empfindlich gegenüber Wärme, Luft und Wasser, sodass die Lebensmittel möglichst schonend zubereitet werden sollten. Bei Vitamin B6 gibt es in der Regel keinen Mangel, da es sich in vielen Lebensmitteln, vor allem in Fleisch und in grünem Gemüse, findet.

Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung und Linderung von Nervenschmerzen:

  • Ausreichend bewegen: Am besten eine Sportart wählen, die Spaß macht, und auch im Alltag körperlich immer aktiv sein.
  • Öfter ein Fußbad nehmen und die Füße anschließend eincremen, um Verhornungen vorzubeugen.
  • Schuhe nur nachmittags kaufen, sodass sie groß genug sind und nicht drücken.
  • Eine Nahrungsergänzung kann helfen, Nervenbeschwerden wie Kribbeln, Brennen und Taubheit zu lindern. Entsprechende Präparate enthalten zum Beispiel die Vitamin-B1-Vorstufe Benfotiamin, die vom Körper 5-mal besser aufgenommen werden kann als das eigentliche Vitamin B1. Ein weiterer nervenschützender Stoff, der bei diabetischer Neuropathie infrage kommt, ist die Alpha-Liponsäure. Sie fängt schädigende Abbauprodukte ab und verbessert so die Blutversorgung der Nerven.
  • Füße kontrollieren: Kontrollieren Sie als Diabetiker täglich Ihre Füße auf kleinere Verletzungen. Sie werden bei Nervenschäden oft nicht bemerkt und können schnell zu Komplikationen führen. In Ihrer Apotheke erhalten Sie Fußcremes speziell für Diabetiker. Nutzen Sie zur Fußpflege nur Instrumente, die die Haut nicht verletzen, und gehen Sie zur medizinischen Fußpflege.

Metaanalyse bestätigt Zusammenhang zwischen B-Vitaminmangel und peripheren Neuropathien

Eine systematische Überprüfung mit anschließender Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin-Status (B1, B6 oder B12) und peripheren Neuropathien oder anderen nicht-neuropathischen Schmerzzuständen. Es zeigte sich ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen peripheren Neuropathien und niedrigen Vitamin B12-Werten sowie erhöhten Konzentrationen von Methylmalonsäure und Homocystein. Für Vitamin B1 und B6 konnten ebenfalls positive Zusammenhänge nachgewiesen werden, diese waren jedoch statistisch nicht signifikant. Unter der Behandlung mit Vitamin B1 als Mono- oder Kombinationstherapie konnte eine signifikante Verbesserung der Neuropathie-Symptome nachgewiesen werden. Auch die Behandlung mit Vitamin B6, B12 oder einer Kombination aller drei Vitamine ergab Verbesserungen für die Patienten, jedoch ohne statistische Signifikanz zu erreichen.

Zusammenfassend zeigt die vorliegende Arbeit, dass Patienten mit peripherer Neuropathie unabhängig von der jeweiligen Grunderkrankung eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen niedrigen Vitamin B12-Status aufweisen. Die geringe Anzahl an verfügbaren Interventionsstudien deutet zudem auf einen positiven Effekt der genannten Vitamine in der Behandlung von peripheren Neuropathien hin. Die Erkennung und Behandlung von Vitaminmangelzuständen bei Patienten mit peripheren Neuropathien und allen weiteren Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Neuropathien einhergehen, stellt somit einen potenziellen Ansatz in der Prävention und Behandlung von peripheren Neuropathien dar.

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