Migräne-Tabletten bei anderen Schmerzen: Anwendung, Wirkung und Risiken

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- oder Geräuschempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. In Deutschland erfüllen 14,8 Prozent aller Frauen und 6,0 Prozent der Männer die Diagnosekriterien für Migräne. Viele Betroffene suchen nach effektiven Behandlungsmethoden, um ihre Schmerzen zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Die Rolle von Triptanen bei Migräne

Triptane sind Medikamente, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie gehören zur Gruppe der selektiven Serotoninagonisten und wirken, indem sie an Serotonin-Rezeptoren in den Blutgefäßen des Gehirns binden. Bei einem Migräneanfall sind die Blutgefäße im Gehirn erweitert, was auf ein Ungleichgewicht der Serotonin-Konzentration zurückzuführen ist. Triptane wirken als Agonisten, indem sie die Serotonin-Bindungsstellen auf den Blutgefäßen besetzen, was zu einer Verengung der Gefäße führt.

Wirkungsweise von Triptanen

  1. Verengung der Blutgefäße: Triptane verengen gezielt die erweiterten Blutgefäße der Hirnhaut.
  2. Entzündungshemmung: Sie wirken entzündungshemmend um die Blutgefäße der Hirnhaut.
  3. Schmerzunterdrückung: Triptane unterdrücken die Weiterleitung des Schmerzsignals an das Schmerzzentrum im Gehirn.
  4. Linderung von Begleiterscheinungen: Durch ihre spezifische Wirkung können Triptane auch Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit verringern.

Arten von Triptanen

In Deutschland sind sieben Triptane zugelassen: Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan. Vier davon sind verschreibungspflichtig: Eletriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan. Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan sind in Tablettenform rezeptfrei erhältlich, wobei eine Migräne zuvor ärztlich diagnostiziert werden muss.

Die Triptane unterscheiden sich in ihrer Wirkungsgeschwindigkeit und -dauer. Sumatriptan wirkt schnell und stark, während Nara- und Frovatriptan langsamer wirken, aber eine längere Wirkdauer haben.

Anwendung von Triptanen

Triptane wirken am besten, wenn sie frühzeitig in der Migräneattacke eingenommen werden, idealerweise zu Beginn der Kopfschmerzphase. Es ist wichtig, die Medikamente nur nach Absprache mit einem Arzt einzunehmen, besonders bei Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Diabetes.

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Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt, dass die nächste Triptan-Dosis frühestens nach sechs Stunden gegeben werden darf, wenn die Beschwerden wiederkehren. Eine Einnahme an mehr als drei Tagen hintereinander sollte vermieden werden.

Triptane bei anderen Schmerzarten

Triptane sind speziell für Migräne und Clusterkopfschmerzen entwickelt worden. Bei den meisten anderen Kopfschmerzen bleiben sie wirkungslos. Aufgrund ihres spezifischen Wirkungsmechanismus sollten Triptane nicht bei anderen Schmerzarten eingesetzt werden.

Risiken und Nebenwirkungen von Triptanen

Triptane können Nebenwirkungen verursachen, darunter Übelkeit, Schwindelgefühle, Brennen in Nase oder Hals oder Nasenbluten. In sehr seltenen Fällen kann es zu einem Engegefühl im Brust- und Halsbereich kommen.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Ein wesentliches Risiko bei der Einnahme von Triptanen ist die Entwicklung eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes (MÜK). Dieser entsteht durch den übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln und Triptanen. Bei regelmäßiger Einnahme an mehr als 10 Tagen pro Monat können Triptane und Kombinationsanalgetika zur Entwicklung eines MÜK führen.

Kontraindikationen

Triptane sollten nicht bei Patienten mit schwerwiegenden kardiovaskulären Erkrankungen wie Angina pectoris, koronarer Herzkrankheit (KHK), nach transienter ischämischer Attacke (TIA), Herzinfarkt und Schlaganfall oder bei fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) eingesetzt werden.

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Alternative Behandlungen und Vorbeugung

Neben der medikamentösen Behandlung mit Triptanen gibt es auch andere Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und vorzubeugen.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

  1. Lebensstiländerungen: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Stressmanagement und das Vermeiden von Migräne-Auslösern können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  2. Entspannungsverfahren: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
  3. Sport und Physiotherapie: Regelmäßige Bewegung und gezielte physiotherapeutische Übungen können die Muskulatur stärken und Verspannungen lösen, die Migräne begünstigen können.
  4. Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung von Migräne wirksam sein kann.
  5. Biofeedback-Therapie: Diese Therapieform hilft Patienten, Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen.

Medikamentöse Prophylaxe

Bei häufigen Migräneattacken kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Hierzu werden verschiedene Medikamente eingesetzt, darunter:

  1. Betablocker: Propranolol und Metoprolol können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  2. Kalziumantagonisten: Flunarizin wird vorwiegend zur Behandlung von Schwindel eingesetzt, zeigt aber auch Effekte in der Migräneprophylaxe.
  3. Antikonvulsiva: Valproinsäure und Topiramat können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  4. Trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin kann helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  5. CGRP-Inhibitoren: Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab und Eptinezumab sind monoklonale Antikörper, die gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor gerichtet sind und die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren können.

Neue Entwicklungen in der Migränetherapie

Mit Lasmiditan (Rayvow®) ist seit 2023 ein neuer Wirkstoff zur Akuttherapie der Migräne in Deutschland verfügbar. Lasmiditan ist ein Serotonin-HT1F-Rezeptoragonist ohne vasokonstriktive Wirkung und kann daher auch bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren eingesetzt werden.

Die Bedeutung einer umfassenden Betreuung

Es ist wichtig, dass Migränepatienten eine umfassende Betreuung erhalten, die sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Behandlungen umfasst. Die Behandlung sollte individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein und regelmäßige ärztliche Kontrollen beinhalten.

Beratung und Aufklärung

Die Deutsche Hirnstiftung weist auf die Bedeutung der Beratung und Aufklärung von Migränepatienten hin. Viele Betroffene unterschätzen, dass Migräne eine neurologische Krankheit ist, bei der eine neurologische Betreuung angeraten ist.

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Medikamentenübergebrauch vermeiden

Patienten mit häufigen Kopfschmerztagen sollten lernen, Schmerzmittel sehr gezielt einzusetzen und eine prophylaktische Einnahme von Analgetika und Triptanen zu vermeiden.

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