Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das in den meisten Fällen harmlos ist. Allein in Deutschland haben etwa 54 Millionen Menschen mindestens einmal im Jahr Kopfschmerzen. Die Ursachen sind vielfältig, und nur selten steckt ein Hirntumor dahinter. Dennoch denken schätzungsweise bis zu jedem Zweiten, der deswegen eine neurologische Praxis aufsucht, an einen Hirntumor als Ursache.
Hirntumore: Selten, aber ernst zu nehmen
Hirntumore sind tatsächlich selten. In Deutschland treten sie etwa 14.000 Mal im Jahr auf. Rund die Hälfte davon ist gutartig und bereitet meist keine Probleme, da sie anders als bösartige Tumore selten in das umgebende Gewebe hineinwachsen und keine Metastasen bilden. Ernstzunehmende Warnsignale für einen Hirntumor können Krampfanfälle, Sprachstörungen, Lähmungen und Sehstörungen sein. In solchen Fällen ist eine umgehende ärztliche Abklärung erforderlich. Hirntumore lassen sich mit Computer-Tomographie (CT) und Magnetresonanz-Tomographie (MRT) sehr gut diagnostizieren.
Kopfschmerzen als Symptom bei Hirntumoren
Obwohl Kopfschmerzen selten ein Warnhinweis für einen Hirntumor sind, können sie bei etwa 60 Prozent der Hirntumor-Patienten auftreten. Allerdings sind sie nur in etwa zwei Prozent der Fälle das alleinige Symptom. Oftmals handelt es sich um Spannungskopfschmerzen. Ein Risikofaktor ist, wenn die Patienten bereits früher über Kopfschmerzen geklagt hatten.
Die Rolle von Signalstoffen bei Hirntumor-Kopfschmerzen
Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die von Hirntumoren ausgelösten Kopfschmerzen oft nicht mechanisch bedingt sind, sondern durch parakrin sezernierte Signalstoffe des Tumors verursacht werden. Diese Signalstoffe aktivieren Mechanismen, die auch bei primären Kopfschmerzformen eine Rolle spielen.
Therapieprinzipien bei primären und sekundären Kopfschmerzen
Da die Mechanismen, die bei primären Kopfschmerzen bedeutsam sind, offenbar auch bei sekundären Kopfschmerzformen wirken, können Therapieprinzipien, die bei primären Kopfschmerzen eingesetzt werden, auch bei sekundären Kopfschmerzformen effektiv sein. So sind beispielsweise Betablocker bei Hirntumor-Kopfschmerzen prophylaktisch wirksam.
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Triptane: Eine Option bei migräneartigen Kopfschmerzen
Triptane sind eine Wirkstoffgruppe, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurde. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen hemmen. Triptane können auch bei migräneartigen Kopfschmerzen nach Subarachnoidalblutung oder nach epileptischen Anfällen wirken. Dies verwischt die Grenzen zwischen symptomatischen und primären idiopathischen Kopfschmerzen.
Triptane in der Migränebehandlung: Was ist zu beachten?
Laut der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sind Triptane das Mittel der ersten Wahl, wenn es um die Akutbehandlung mittelschwerer oder schwerer Migräneanfälle geht. Triptane wirken spezifisch - und zwar nur bei Migräne und Clusterkopfschmerzen. Sie können sowohl bei Migräne mit Aura als auch bei Migräne ohne Aura eingesetzt werden. Generell scheinen Triptane jedoch bei Patienten, die Kopfschmerzattacken ohne Aura haben, besser zu helfen. Bei einer Migräne mit Aura sollten Betroffene die Triptane erst einnehmen, wenn die Aura vorbei ist.
Wirkmechanismus von Triptanen
Auch wenn die Ursachen der Migräne noch nicht endgültig geklärt sind, so wird doch immer wieder der körpereigene Botenstoff Serotonin mit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Gerät die Konzentration des Serotonins aus dem Gleichgewicht, sprich wird das Serotonin zu schnell abgebaut, kann es die Schmerzfilter im Gehirn nicht mehr steuern. Diese öffnen sich dann zu stark und die Schmerzinformationen können ungehindert eindringen. Es kommt zu einer schmerzhaften Gefäßerweiterung. Als Migränemittel kommen an dieser Stelle die Triptane ins Spiel.
Dosierung und Einnahme von Triptanen
Triptane haben eine begrenzte Wirkdauer. Daher bemerken 30 Prozent der Patienten erneut Migräne-Symptome bei sich, sobald die Triptanwirkung nachlässt. Dem wirken die Patienten entgegen, indem sie die gleiche Dosis nach frühestens sechs Stunden nochmal einnehmen. Vor der ersten Einnahme ist eine sorgfältige Beratung und Voruntersuchung seitens des Arztes ein Muss.
Die 10-20-Regel bei Triptanen
Wie bei Schmerzmitteln gilt auch bei den speziellen Migräne-Medikamenten aus der Wirkstoffgruppe der Triptane die 10-20-Regel, laut der Kopfschmerzpatienten die Mittel nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat nehmen sollen. Bei Triptanen kommt es durchschnittlich bereits nach etwas mehr als eineinhalb Jahren Übergebrauch zu einem täglichen migräneartigen Schmerz. Dann muss bei Migräne ein Triptanentzug - ambulant, stationär oder teilstationär - erfolgen. Das heißt, die Medikamentenzufuhr muss gestoppt werden, um den Teufelskreis zu durchbrechen.
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Was tun, wenn Triptane nicht wirken?
Patienten sollten nicht gleich die sprichwörtliche Flinte ins Korn werfen, falls nach der ersten Einnahme die Wirkung ausbleibt. Wirkt ein Triptan in einer Migräneattacke nicht, ist die Wiederholung der Einnahme des Triptans in der gleichen Attacke in der Regel auch nicht wirksam, sofern die Startdosis gleichzeitig die empfohlene Höchstdosis der Einmalgabe war (z.B. Sumatriptan 100 mg oral oder Sumatriptan 6 mg s.c.). Beginnt der Patient jedoch mit einer niedrigen Dosis, z.B. Sumatriptan 50 mg oral oder Eletriptan 20 mg oral, kann eine Wiederholung der Einnahme nach ca. 2 Stunden in der Praxis durchaus noch eine Linderung bringen. Ist ein Triptan auch bei wiederholter Anwendung nicht effektiv, bedeutet dies bei einem Patienten nicht eine grundsätzliche Unwirksamkeit von Triptanen. In diesem Fall sollte ein Triptan aus einer Gruppe mit höherer Wirksamkeit (s.o.) gewählt werden.
Triptane und Schwangerschaft
Triptane sollten aufgrund einer noch unzureichenden Datenlage zur Sicherheit in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.
Wiederkehrkopfschmerzen
Bei Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen ist eine nächste Dosis eines Triptans in der Regel wieder genauso effektiv, wie die vorherige. Die Einnahme sollte aber nicht häufiger als zweimal in 24 Stunden erfolgen. Berichten Patienten regelmäßig über Wiederkehrkopfschmerzen, sollte zunächst ein langwirksames Triptan wie z.B. Naratriptan oder Frovatriptan erprobt werden. Alternativ bewährt hat sich in diesen Fällen auch die Kombination von Triptanen mit einem langwirksamen nichtsteroidalen Antiphlogistikum wie z.B. Naproxen.
Die unberechtigte Sorge vor Schlaganfällen durch Triptane
Immer wieder werde gerade jüngeren Frauen von einer Behandlung mit Triptanen abgeraten. „Der Grund dafür ist die Angst vor einem Schlaganfall“ sagt Krohn. Besonders verbreitet sei diese ärztliche Sorge im Hinblick auf Frauen, die die „Pille“ nehmen. Diese erhöht das Schlaganfallrisiko anfangs etwas. Die zusätzliche Einnahme eines Triptans verstärkt die Gefahr aber nicht, wie unlängst eine große Studie aus Dänemark zeigte. Dort wurden alle Menschen erfasst, die zum ersten Mal ein Triptan einnahmen, also auch Frauen mit der Pille.
Weitere Aspekte der Kopfschmerzbehandlung
Zunächst gelte es, konsequent die akuten Schmerzen zu lindern, rät der Hirnstiftungs-Neurologe. Dabei haben sich die Triptane bewährt, wenn die klassischen Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen nicht ausreichend wirken. Die Zahl der Migräne-Anfälle lässt sich zudem durch Sport, Entspannung und die Suche nach Auslösern verringern, etwa Schlafmangel und Stress. Vorbeugend wirkt eine Reihe von Medikamenten, wie zum Beispiel Beta-Blocker. Helfen diese nicht, können sogenannte CGRP-Antikörper verschrieben werden.
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Wichtige Hinweise und Warnungen
Es ist wichtig, stets viel Wert auf die genaue Kopfschmerzanamnese zu legen, zu prüfen, ob neue Symptome hinzugekommen sind und ob tatsächlich der neurologische Befund unauffällig ist.
Kopfschmerzakutmedikation und damit auch Triptane sollten insgesamt nicht häufiger als an 10 Tagen im Monat eingesetzt werden, um einer Häufung der Migräneattacken und in letzter Konsequenz der Entstehung von MÜK (Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz) entgegenzutreten. Für Patienten mit häufigen Attacken bedeutet dies, eventuell auch einmal Migräneattacken unbehandelt durchstehen zu müssen.
Alternative Behandlungsansätze bei Migräne
- Verhaltenstherapeutische Maßnahmen: Bei mehr als 10 Schmerztagen im Monat sollten verhaltenstherapeutische Maßnahmen konsequenter eingesetzt werden.
- Kortisontage: Besteht ein Status migraenosus (mehr als 3 Migränetage in Folge), kann dieser mit einigen Kortisontagen beendet werden.
- Ruhe: Während einer Attacke sollte dem Nervensystem die nötige Ruhe gegönnt werden, die es sich eigentlich einfordert.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, bei Kopfschmerzen einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- zusätzlich zu den Kopfschmerzen Symptome wie Lähmungen, Gefühls-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen auftreten.
- die Beschwerden in ihrer Intensität, Dauer und Lokalisation von einem normalen Verlauf abweichen.
- die Symptome sich trotz Medikation verstärken oder sich häufiger als zehn Mal monatlich bemerkbar machen.
- begleitend hohes Fieber vorliegt.
- psychische Veränderungen auftreten.
- es gleichzeitig zu einem epileptischen Anfall und Bewusstlosigkeit kommt.
Kopfschmerzen in der Apotheke: Was ist zu beachten?
Mehrfach täglich fragen Kunden in der Apotheke nach einem guten Mittel gegen Kopfschmerzen. Für das pharmazeutische Personal ist es nicht immer einfach, zwischen den verschiedenen Kopfschmerzarten anhand der geschilderten Beschwerden zu unterscheiden. Grundlage der Beratung in der Apotheke sollten dann Leitlinien sein, wie zum Beispiel die „Information und Beratung im Rahmen der Selbstmedikation am Beispiel Kopfschmerzen“ der Bundesapothekerkammer (BAK).
PTA und Apotheker stellen am besten folgende Fragen, bevor sie eine Empfehlung aussprechen:
- Für wen soll das Arzneimittel sein? (ASS ist nicht für Asthmatiker und für Patienten mit erhöhter Blutungsneigung geeignet.)
- Hinterfragen der Eigendiagnose: Welche Beschwerden liegen (seit wann und wie häufig) vor? Gibt es weitere Symptome und sind diese bereits ärztlich abgeklärt?
- Bei der Auswahl des Wirkstoffs sind die Art der Beschwerden sowie patientenspezifische Faktoren (Alter, Allergien), weitere Erkrankungen, Risikofaktoren, Begleitmedikation oder mögliche Interaktionen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen.