Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung mit einer Vielzahl von Symptomen und potenziellen Begleiterkrankungen. In jüngster Zeit hat die Forschung begonnen, die komplexen Zusammenhänge zwischen Migräne und anderen Gesundheitsproblemen, insbesondere Herzerkrankungen und Herzrhythmusstörungen, zu beleuchten. Dieser Artikel untersucht die aktuellen Erkenntnisse zu diesem Thema und beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Verbindung.
Migräne und kardiovaskuläre Risiken
Migräne, insbesondere Migräne mit Aura, wird zunehmend mit einem erhöhten Risiko für ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle, Herzinfarkte und Vorhofflimmern in Verbindung gebracht. Eine Studie im BMJ (British Medical Journal) aus dem Jahr 2016 zeigte, dass junge Frauen mit Migräne langfristig ein um 50 Prozent höheres Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse haben als Frauen ohne Migräne. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Migräne als potenziellen Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere bei Frauen.
Interessanterweise sind die Daten zum Zusammenhang zwischen traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren und Migräneaktivität widersprüchlich. Der SCORE2, ein Instrument zur Bewertung des kardiovaskulären Risikos, berücksichtigt klassische Risikofaktoren wie Alter, Cholesterinwerte, Raucherstatus, Diabetes und Bluthochdruck. Eine Studie ergab, dass Menschen mit höheren SCORE2-Werten seltener an Migräne litten. Die Autoren vermuten, dass der SCORE2 möglicherweise nicht alle mit Migräne assoziierten kardiovaskulären Risiken erfasst, sondern eher deren makrovaskuläre Komponenten. Sie postulieren, dass steifere Gefäße die Vasodilatationsfähigkeit meningealer und zerebraler Gefäße einschränken könnten, was die Migränehäufigkeit verringern könnte.
Migräne und Herzrhythmusstörungen
Ein gemeinsames Auftreten von Kopfschmerzen und Herzproblemen, wie beispielsweise einer Herzrhythmusstörung (Arrhythmie), ist nicht selten. Eine Fallstudie aus China beschreibt eine Patientin mit migräneartigen Kopfschmerzen, die nach dem Einsatz eines Herzschrittmachers verschwanden. Die behandelnden Ärzte vermuteten, dass die Migräne eine Folge der Herzrhythmusstörung war, da der gestörte Herzrhythmus die Schlagader schädigen und die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen könnte. In solchen Fällen kann ein Herzschrittmacher eine grundlegende Behandlungsoption für die Migränesymptome sein.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass ein PFO (offenes Foramen ovale) nur eine von vielen möglichen Ursachen einer Migräne und eine seltene dazu ist. Da viele Menschen unter Migräne leiden und etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung ein PFO haben, wäre es auf keinen Fall richtig, bei Migräne immer das PFO zu verschließen. Ob ein PFO-Verschluss zur Besserung der Migräne sinnvoll ist, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Neurologen und Kardiologen besprochen werden.
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Weitere Begleiterkrankungen der Migräne
Neben Herzerkrankungen und Herzrhythmusstörungen gibt es eine Reihe weiterer Erkrankungen, die häufig mit Migräne einhergehen:
- Depressionen: Bei episodischer Migräne ist das Risiko, an einer Depression zu erkranken, doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Migräne. Einige Antidepressiva können tatsächlich Migräne behandeln.
- Angststörungen: Wie bei Depressionen kann die Angst oder die Migräne an erster Stelle stehen. Eine wirksame Behandlung von Angstzuständen ist wichtig.
- Schlaganfall: Migräne mit Aura ist mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden.
- Epilepsie: Die Anfallserkrankung Epilepsie und Migräne können beide mit Empfindungsstörungen und Stimmungsschwankungen einhergehen.
- Asthma: Auch wenn Asthma eine Atemwegserkrankung und Migräne eine neurologische Erkrankung ist, können beide zusammen auftreten.
- Fettleibigkeit: Übergewicht kann Migräne verschlimmern oder sogar auslösen.
- Parkinson-Krankheit: Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zwischen Migräne und der Parkinson-Krankheit.
- Verdauungsprobleme: Es gibt eine komplizierte Beziehung zwischen dem Darm und dem Gehirn, die als Darm-Hirn-Achse bezeichnet wird.
- Bellsche Lähmung: Menschen mit Migräne haben ein erhöhtes Risiko für die Bellsche Lähmung.
Migräne verstehen und behandeln
Migräne ist eine komplexe Erkrankung mit vielfältigen Ursachen und Auslösern. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) hat über 240 verschiedene Kopfschmerzarten klassifiziert. Die Ursache der Migräne ist noch nicht endgültig erforscht, aber Experten gehen davon aus, dass das Gehirn eines Migränepatienten Reize schneller und früher aufnimmt, was zu einer vorübergehenden Fehlfunktion der schmerzverarbeitenden Systeme führt.
Die Diagnose von Migräne erfolgt in der Regel anhand der Symptome und einer neurologischen Untersuchung. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, darunter:
- Akuttherapie: Medikamente zur Linderung der Symptome während einer Migräneattacke, wie Triptane.
- Prophylaxe: Medikamente zur Vorbeugung von Migräneattacken.
- Nicht-medikamentöse Therapien: Entspannungsverfahren, Verhaltenstherapie und andere nicht-medikamentöse Ansätze.
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