Herzschrittmacher bei Demenz: Indikation, Nutzen und Risiken

Die Frage, ob ein Herzschrittmacher bei Demenzpatienten indiziert ist, erfordert eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte, die bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen.

Was ist ein Herzschrittmacher?

Ein Herzschrittmacher ist ein kleines elektronisches Gerät, das dazu dient, ein erkranktes Herz wieder in den richtigen Takt zu bringen. Er wird in der Regel unterhalb des Schlüsselbeins, direkt unter der Haut oder dem Brustmuskel, eingesetzt. Herzschrittmacher sind mit langen Drähten (Elektroden/Sonden) ausgestattet, die über eine große Vene bis ins Herz reichen. Dort messen sie die Aktivität des Herzmuskels.

Die Funktion des Herzschrittmachers folgt einem einfachen Prinzip: Wenn er gebraucht wird, springt er an und gibt elektrische Impulse für den Herzschlag ab. Wenn er nicht gebraucht wird, macht er nichts. Das Gerät (Schrittmacheraggregat mit Batterie und Impulserzeuger) erkennt nämlich die Herzaktion. Wenn das Herz selbst ausreichend schnell schlägt, wird eine ständige Impulsabgabe unterdrückt. Bei Bedarf - wenn das Herz zu langsam schlägt - stimuliert der Schrittmacher das Herz. Dazu leitet das Gerät über die Elektroden einen elektrischen Impuls an den Herzmuskel weiter, der sich daraufhin zusammenzieht (kontrahiert).

Mithilfe einer leistungsfähigen Herzschrittmacher-Batterie, die meist aus Lithium besteht, halten die Geräte je nach Aktivität zwischen fünf und zehn Jahren, bevor man den gesamten Herzschrittmacher austauschen muss. Die Elektroden verbleiben im Körper und werden in der Regel nicht ausgetauscht.

Wann ist ein Herzschrittmacher notwendig?

Nach Angaben des Deutschen Herzschrittmacher-Registers implantierten Ärzte in Deutschland im Jahr 2020 rund 73.101 neue Herzschrittmacher. Die Gründe hierfür waren meist:

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  • Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz zu langsam schlägt (Bradykardie): AV-Block, Sick-Sinus-Syndrom oder Schenkelblock
  • Vorhofflimmern (bradyarrhythmisches Vorhofflimmern)

Bei diesen Krankheiten ist die Bildung oder Leitung der elektrischen Impulse im Herzmuskel verlangsamt oder fällt sogar ganz aus, weshalb sich der Herzmuskel zu selten zusammenzieht (kontrahiert) oder gar nicht mehr arbeitet (Herzstillstand).

Eine seltenere Herzschrittmacher-Indikation ist ein Herzinfarkt, wenn dadurch Reizleitungszellen des Herzens geschädigt wurden. Auch nach einer Bypass-Operation oder Ablation am Herzen ist teilweise ein Herzschrittmacher notwendig. Manchmal setzt man einen Herzschrittmacher auch nur vorübergehend ein, beispielsweise bei einer Überdosis des Herzmedikaments Digitalis.

Ob und wann man einen Herzschrittmacher eingesetzt bekommt, hängt allerdings auch von den persönlichen Umständen ab. Nicht jedes Vorhofflimmern führt zum Beispiel dazu, dass ein Herzschrittmacher notwendig wird. Wann genau man also einen Herzschrittmacher braucht, bespricht man am besten mit dem behandelnden Arzt. In einem gemeinsamen Gespräch kann die Krankheitsgeschichte betrachtet und die Lage besser eingeschätzt werden.

Herzschrittmacher-OP

Man setzt den Herzschrittmacher in einer Operation ein. Die sogenannte Herzschrittmacher-Implantation erfolgt im Normalfall aber nicht in Narkose. Der Patient oder die Patientin ist also während der Operation wach. Bevor man den Herzschrittmacher einsetzt, betäubt man die Haut und das darunter liegende Gewebe. Dadurch verspüren die Betroffenen während der Operation keine Schmerzen.

Um den Herzschrittmacher einzusetzen, macht man einen Hautschnitt, meist unterhalb des rechten Schlüsselbeins. Hier verläuft ein großes Blutgefäß, das direkt zum Herzen führt. Dieses Gefäß wird geöffnet, sodass man die langen, biegsamen Sonden (Elektroden) durch die Vene bis zum Herzen schieben kann. Damit der Schrittmacher an die richtige Stelle gesetzt wird, röntgt man den Brustkorb während der Herzschrittmacher-Operation. So lässt sich die Lage überprüfen und gegebenenfalls gleich korrigieren.

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Anschließend überprüft man, ob die Elektroden die elektrische Eigenaktivität des Herzens richtig messen und ob die vom Herzschrittmacher ausgesendeten Impulse korrekt ankommen. Funktioniert alles einwandfrei, wird die Haut über dem Herzschrittmacher wieder verschlossen.

Insgesamt beträgt die Dauer der Herzschrittmacher-OP etwa 60 bis 90 Minuten, wenn keine Komplikationen oder andere besondere Vorkommnisse die Operation verzögern. Grundsätzlich ist die OP-Dauer auch vom Gesundheitszustand des Patienten oder der Patientin abhängig. Nach dem Eingriff bleiben die Patientinnen und Patienten für 24 Stunden zur Überwachung im Krankenhaus. Anschließend können sie nach Hause gehen.

Eine Herzschrittmacher-Operation ist auch im hohen Alter noch möglich, wenn es die körperliche Belastbarkeit zulässt. Sind die Betroffenen in der Lage, eine OP körperlich zu verkraften, dann gibt es für eine Herzschrittmacher-Implantation keine Altersgrenze.

Risiken und Nebenwirkungen der Herzschrittmacher-OP

Die Herzschrittmacher-OP ist mit keinem großen Risiko verbunden. Wie bei jeder Operation kann es dennoch zu Komplikationen kommen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Wundentzündungen
  • Blutungen
  • Thrombosen (aus denen sich eine Lungenembolie entwickeln kann)
  • Muskelzuckungen
  • Schädigung von Nerven oder Weichteilen
  • Luftembolien

Das behandelnde ärztliche Team trifft gegen diese Komplikationen natürlich Vorkehrungen. Alle Patienten und Patientinnen werden vor der OP außerdem umfangreich aufgeklärt und haben die Möglichkeit, Fragen zur Implantation und zum Leben mit einem Herzschrittmacher zu stellen.

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Auch wenn eine Herzschrittmacher-Operation ein vergleichsweise ungefährlicher Eingriff ist und nicht am offenen Herzen stattfindet, lassen sich Komplikationen nicht immer vermeiden. Nach dem Einsetzen eines Herzschrittmachers können mitunter Probleme auftreten.

Die Implantation des Herzschrittmachers hinterlässt eine kleine Wunde. Daher kann es nach dem Einsetzen des Taktgebers zu Schmerzen kommen. Die Schmerzen entstehen aber nicht durch das Gerät selbst, sondern durch die Wunde, die bei der OP entsteht. Diese Wundschmerzen lassen nach, sobald alles verheilt ist nach der Operation.

Häufig bildet sich im Bereich der Wunde unterhalb des Schlüsselbeins ein Bluterguss (Hämatom). In der Regel muss er nicht behandelt werden, da der Körper das ins Gewebe eingetretene Blut nach und nach selbst abbaut. Unter Umständen kommt es im Rahmen des Eingriffs auch zu größeren Blutungen.

Wenn nach einer Herzschrittmacher-Operation die Wunde anschwillt und sich rötet, kann eine bakterielle Infektion die Ursache sein. Dann ist eine regelmäßige Wundkontrolle mit ärztlicher Behandlung wichtig, insbesondere wenn der Patient Fieber entwickelt oder sich schwach und abgeschlagen fühlt. Bakterielle Infektionen werden mit Antibiotika therapiert.

Bei etwa jeder dreißigsten Herzschrittmacher-Implantation kommt es zu einer Fehllage der Elektroden (Sonden). Zu den Folgen zählen Funktionseinschränkungen des Geräts, Gefäßverletzungen oder auch Herzrhythmusstörungen. Diese Komplikation wird aber meist noch im Krankenhaus erkannt und direkt behandelt.

Haben Betroffene nach einer Herzschrittmacher-OP plötzlich Schluckauf, weist dies auf eine ungewollte elektrische Erregung des Zwerchfells hin. Auch ein Kribbeln im Arm kann ein Zeichen für die Fehllage einer Sonde sein. Im Normalfall muss man dann erneut operieren, um die Drähte richtig zu positionieren.

Weitere mögliche Komplikationen sind die Schrittmacher-induzierte Reentrytachykardie. Dabei erkennt das Gerät fälschlicherweise Erregungen, die es selbst ausgelöst hat. Es gibt daraufhin irrtümlich weitere Reize ab, die zu Herzrasen führen.

Das Schrittmachersyndrom kann bei einer speziellen Schrittmacher-Art auftreten (VVI-Schrittmacher). Es äußert sich durch niedrigen Blutdruck, Atemnot, Schwindel und Ohnmachtsanfällen.

Herzschrittmacher haben also auch Nachteile, die sich in Form von Risiken und Nebenwirkungen zeigen. Allerdings nehmen viele Patienten und Patientinnen diese Nachteile in Kauf, da die Vorteile - eine Absicherung bei Herzproblemen und im Ernstfall - für sie überwiegen. Um hier eine gute Entscheidung treffen zu können, lohnt sich ein ärztliches Beratungsgespräch, um gemeinsam die individuellen Bedürfnisse zu betrachten.

Leben mit einem Herzschrittmacher

In der Regel empfinden Betroffene das Leben mit einem Herzschrittmacher als ganz normal. Meist sind sie viel leistungsfähiger und belastbarer als zuvor, weil ihr Herz jetzt deutlich besser funktioniert. Direkt nach einer Herzschrittmacher-OP und später im Alltag sollte man dennoch einige Dinge beachten.

  • Verhalten direkt nach der Herzschrittmacher-OP: Sie sollten die Wunde noch für einige Tage bei der Körperpflege aussparen und darauf achten, dass die Haut nicht gespannt wird, zum Beispiel durch zu kräftiges Anheben der Arme. In den ersten Tagen nach der Herzschrittmacher-Operation sollten Sie sich mit anstrengenden körperlichen Aktivitäten zunächst zurückhalten. Zum einen muss sich der Körper nach dem Eingriff noch erholen, zum anderen dauert es einige Wochen, bis das Gerät und die Drähte wirklich fest eingewachsen sind. Grundsätzlich dürfen Sie aber alles machen, was Ihnen guttut. Blutverdünner (Gerinnungshemmer) werden optimalerweise bereits einige Tage vor dem Eingriff abgesetzt. Nach der Operation dürfen die Blutverdünner wieder eingenommen werden. Hierüber klärt Ihr Arzt oder ihre Ärztin Sie auf. Ob Blutverdünner nach einer Herzschrittmacher-Implantation notwendig werden, hängt von den individuellen Umständen der Grunderkrankung ab. Im Anschluss an die OP stellt man Ihnen einen Schrittmacherausweis aus, den Sie immer mit sich führen müssen. Wie oft Sie zur Herzschrittmacher-Kontrolle müssen, hängt von Ihrer Grunderkrankung und dem eingesetzten Gerät ab. Die Kontrolltermine vereinbaren Sie individuell mit Ihrem betreuenden Herzspezialisten.
  • Verhalten im Alltag: Nach dem Einsetzen eines Herzschrittmachers muss man das Verhalten im Alltag teilweise ändern. Welche Dinge zu beachten sind und was man mit einem Herzschrittmacher unter Umständen nicht mehr machen darf, wird allen Patienten und Patientinnen im Aufklärungsgespräch mitgeteilt. Die von elektrischen Geräten ausgehenden elektromagnetischen Felder können die Arbeit des Herzschrittmachers stören. Vor allem Geräte, die starke Magnete enthalten, können Probleme verursachen. Dazu zählen auch Induktionsherde in der Küche, die mit Magneten arbeiten. Lesen Sie hierzu die entsprechenden Hinweise in der Gebrauchsanweisung. Achten Sie zu Hause, in Ihrer Freizeit und im Beruf auf elektrische Geräte oder Anlagen sowie auf Magnete! Sie können die Herzschrittmacher-Funktion stören! Auch Handy, Bohrmaschine, Akkuschrauber, Toaster, Haarföhn und andere elektrische Geräte können Störungen verursachen. Sie äußern sich beispielsweise in Schwindelgefühlen oder spürbar unregelmäßigem Pulsschlag. Diese Beschwerden vergehen, sobald Sie das elektrische Gerät ausschalten. In der Regel reicht jedoch ein Sicherheitsabstand von 15 bis 30 Zentimetern zwischen dem Herzschrittmacher und dem zu bedienenden Gerät. Wenn Sie sich unsicher sind, welche Geräte Ihren Herzschrittmacher stören können, sollten Sie bei Ihrem Herzspezialisten nachfragen. Menschen mit älteren Herzschrittmachern dürfen keine Kernspintomographie-Untersuchung (MRT) machen lassen, da der starke Magnet das Gerät stören und sich das Metall im Herzschrittmacher erhitzen kann. Inzwischen gibt es aber Herzschrittmacher, die bei einer solchen Untersuchung keine Probleme bereiten. Sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt darauf an. Zudem muss das Gesundheitspersonal in der Praxis, wo das MRT durchgeführt wird, unbedingt über den Herzschrittmacher informiert werden. Der Konsum von Alkohol ist nicht verboten. Meist ist der Grund für das Einsetzen eines Herzschrittmachers allerdings eine Herzrhythmusstörung. Alkohol verstärkt Herzprobleme, sodass Menschen mit implantiertem Herzschrittmacher von Alkohol abgeraten wird. Suchen Sie das offene Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin bezüglich des Alkoholkonsums nach einer Herzschrittmacher-OP. So kann man Ihre individuellen Risiken besser einschätzen und Sie beraten. Bestimmte Massagen verursachen Störungen in den tiefen Geweben des Körpers. Der Herzschrittmacher hat jedoch die Aufgabe, Störungen wahrzunehmen. Die Massage simuliert also Störungen, auf die der Herzschrittmacher automatisch reagiert, obwohl er das gar nicht müsste. Das kann gefährlich für die Betroffenen werden. Je nach Modell des Herzschrittmachers ist es kein Problem, mit dem Flugzeug zu fliegen. Vor allem die älteren Geräte sind allerdings anfällig für elektromagnetische Felder, die Störungen hervorrufen. In diesem Fall ist Fliegen sehr gefährlich. Um herauszufinden, ob Ihr Gerät für eine Flugreise geeignet ist, lohnt sich ein Blick in die Gebrauchsanweisung oder ein Gespräch mit dem Arzt und der Fluggesellschaft.

Die Lebenserwartung für Menschen mit einem Herzschrittmacher unterscheidet sich nicht wesentlich von der durchschnittlichen Lebenserwartung. Dies gilt allerdings nur, wenn keine anderen relevanten Erkrankungen diese beeinflussen. Das sind zum Beispiel Herzschwäche, Vorhofflimmern oder andere Herzkrankheiten. Beachtet man einige wenige Regeln, dann ist ein normales Leben mit einem Herzschrittmacher beinahe uneingeschränkt möglich.

Herzschrittmacher bei Demenz: Spezifische Überlegungen

Bei Demenzpatienten müssen zusätzliche Faktoren berücksichtigt werden, da die Erkrankung die Fähigkeit des Patienten beeinflussen kann, die Vorteile eines Herzschrittmachers zu nutzen und mit den damit verbundenen Einschränkungen umzugehen.

  • Kognitive Einschränkungen: Demenz kann die Fähigkeit des Patienten beeinträchtigen, sich an Nachsorgetermine zu erinnern, die Funktionsweise des Herzschrittmachers zu verstehen und Komplikationen zu erkennen.
  • Begleiterkrankungen: Demenzpatienten haben oft weitere gesundheitliche Probleme, die die Risiken einer Herzschrittmacher-Implantation erhöhen können.
  • Lebenserwartung: Die Lebenserwartung von Demenzpatienten ist oft begrenzt, was die Frage aufwirft, ob die potenziellen Vorteile eines Herzschrittmachers die Risiken und Belastungen rechtfertigen.
  • Patientenwille: Der Wille des Patienten sollte berücksichtigt werden.

Nutzen eines Herzschrittmachers bei Demenz

Ein Herzschrittmacher kann bei Demenzpatienten mit bestimmten Herzerkrankungen folgende Vorteile bringen:

  • Verbesserung der Lebensqualität: Durch die Behebung von Herzrhythmusstörungen kann ein Herzschrittmacher Symptome wie Schwindel, Müdigkeit und Ohnmacht reduzieren und so die Lebensqualität verbessern.
  • Verlängerung der Lebenserwartung: In einigen Fällen kann ein Herzschrittmacher die Lebenserwartung von Demenzpatienten mit bestimmten Herzerkrankungen verlängern.

Risiken eines Herzschrittmachers bei Demenz

Die Implantation eines Herzschrittmachers bei Demenzpatienten birgt folgende Risiken:

  • Komplikationen: Wie bei jeder Operation können Komplikationen wie Infektionen, Blutungen und Verletzungen von Nerven oder Blutgefäßen auftreten.
  • Eingeschränkte Fähigkeit zur Nachsorge: Demenzpatienten können Schwierigkeiten haben, sich an Nachsorgetermine zu erinnern und Anweisungen zu befolgen, was das Risiko von Komplikationen erhöhen kann.
  • Belastung: Die Operation und die Nachsorge können für Demenzpatienten und ihre Familien eine Belastung darstellen.
  • Medikamentenunverträglichkeiten: Es ist wichtig zu beachten, dass die eingesetzte Dosis von 15 mg Rivaroxaban unter der für die Indikation Vorhofflimmern zugelassenen und empfohlenen Standarddosis von 20 mg liegt, was bei der Abwägung von Nutzen und Risiken berücksichtigt werden muss.

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