Eine Durchblutungsstörung im Gehirn, auch zerebrale Ischämie genannt, liegt vor, wenn das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Dies kann akut, z. B. durch ein Blutgerinnsel, oder schleichend durch verengte Gefäße passieren. Durchblutungsstörungen im Gehirn sind gefährlich und benötigen immer eine medizinische Behandlung. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto höher sind die Chancen, die Krankheit ohne oder mit nur geringen Folgeschäden zu überstehen.
Was sind Durchblutungsstörungen im Gehirn?
Bei einer Durchblutungsstörung im Gehirn ist es dem Blut nicht mehr möglich, ungehindert durch die Blutbahnen zu fließen. Die ausreichende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff ist dadurch nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr möglich.
Ursachen von Durchblutungsstörungen im Gehirn
Die Ursachen von Durchblutungsstörungen im Gehirn sind vielfältig. Die Medizin unterscheidet hierbei zwischen akuten und vorbeugenden Maßnahmen sowie Rehabilitationsbehandlungen. Die Hauptursache für Durchblutungsstörungen ist die Arteriosklerose, also Kalk- und Fettablagerungen in den Blutgefäßen. Dies betrifft etwa vier Millionen Deutsche. Die daraus entstehenden Durchblutungsstörungen werden unterschiedlich eingeteilt.
Arteriosklerose
Arteriosklerose (oder Atherosklerose) ist die häufigste Ursache für Durchblutungsstörungen bei Menschen über 50 Jahre. Bei der Arteriosklerose bilden sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, in den Arterien und verengen diese, wodurch das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Das Risiko für die Bildung von Ablagerungen in den Arterien steigt mit zunehmendem Alter, wobei Männer ein höheres Risiko als Frauen haben. Weiterhin gibt es genetisch bedingte Faktoren, die das Risiko für die Bildung von Durchblutungsstörungen erhöhen. Insbesondere wenn Sie oder ein Angehöriger rauchen, unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck leiden oder Diabetes und hohe Blutfettwerte haben, steigt das Risiko. Die Wahrscheinlichkeit einer Bildung von arteriosklerotischen Gefäßverengungen ist hierbei sehr hoch. Diese bleibt häufig zunächst unbemerkt.
Raynaud-Syndrom
Eine meist harmlose Ursache für Durchblutungsstörungen ist das sogenannte Raynaud-Syndrom. Im Gegensatz zur Arteriosklerose kann das Raynaud-Syndrom auch schon bei jungen Menschen die Ursache für Durchblutungsstörungen sein. Beim Raynaud-Syndrom kommt es durch äußere Einflüsse wie Kälte oder Stress zu einem Zusammenziehen kleinerer Blutgefäße, insbesondere in den Händen, so dass deren Durchblutung kurzzeitig vermindert ist. Wenn Sie unter Raynaud-Symptomatik leiden, wird zuerst eine mögliche zugrundeliegende Erkrankung diagnostiziert.
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Weitere Ursachen
- Schlaganfälle, die eine Hirnarterie verschließen
- Stille Schlaganfälle, die ohne spürbare Symptome verlaufen
- Bluthochdruck
Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen im Gehirn
Ein Risikofaktor ist ein Umstand oder eine Verhaltensweise, die häufiger bei Menschen mit Schlaganfall auftreten als bei anderen. Ein Risikofaktor bedeutet nicht, daß Sie einen Schlaganfall erleiden werden, und die Behandlung oder Eliminierung eines Risikofaktors bedeutet auch nicht, daß man damit einen Schlaganfall sicher vermeiden kann. Das Risiko für einen Schlaganfall nimmt allerdings mit der Zahl und der Schwere der Risikofaktoren zu. Daher bietet sich hier ein sinnvoller Ansatz zur Vorsorge und Behandlung.
- Erhöhter Blutdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Fibrinogenspiegel
- Diabetes mellitus (erhöhte Blutzuckerspiegel)
- Rauchen
- Lipoprotein A
- Erniedrigtes HDL - Cholesterin
- Körperliche Inaktivität
- Adipositas
- Ovulationshemmer (insbesondere in Verbindung mit Rauchen)
- Hoher Alkoholkonsum
- Höheres Alter
- Herzrhythmusstörungen
- Herzmuskelschwäche
- Entzündliche Veränderungen
Die Hauptrisiken für die vaskuläre Demenz sind kardiovaskuläre sowie metabolische Vorerkrankungen. Sie betreffen das Herz-Kreislauf-System und/oder den Stoffwechsel. Solche Risikofaktoren, die unbedingt behandelt werden sollten, sind:
- Bluthochdruck
- Starkes Übergewicht (Adipositas)
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Veränderter Fettstoffwechsel - insbesondere ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel
- Bestimmte Herzkrankheiten wie Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit oder Herzschwäche
- Bewegungsmangel, Rauchen und ungesunde Ernährung
Symptome von Durchblutungsstörungen im Gehirn
Durchblutungsstörungen im Gehirn machen sich durch eine Vielzahl von Symptomen bemerkbar. So können einfache Sehstörungen oder auch Schwindel ein Hinweis auf eine Durchblutungsstörung sein. Altersbedingte Durchblutungsstörungen im Gehirn können im Alter häufiger auftreten, aber sie gelten nicht als normal.
- Gedächtnisprobleme
- Konzentrationsstörungen
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Gleichgewichtsprobleme
- Sprachprobleme
- Lähmungen
- Sehstörungen
- Depressionen
- Taubheitsgefühle in Gliedmaßen oder im Gesicht
- Tinnitus
Je nach Ursache können die Symptome plötzlich, schleichend oder schrittweise auftreten. Auch im weiteren Verlauf können sich die Symptome entweder schleichend oder plötzlich verschlechtern. Dazwischen kann es auch längere stabile Phasen geben.
Diagnose von Durchblutungsstörungen im Gehirn
Eine Demenzerkrankung kann nur durch eine Ärztin oder einen Arzt diagnostiziert werden. Für eine Diagnose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Am Anfang der Diagnostik steht das ärztliche Gespräch über die persönliche Krankengeschichte. Besonders wichtig sind dabei frühere oder aktuelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Hirngefäße, Bluthochdruck und Diabetes. Die Ärztin oder der Arzt erkundigt sich nach Beschwerden und Problemen im Alltag, nach Stimmungsschwankungen sowie nach den Lebensumständen. Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung, um festzustellen, ob Durchblutungsstörungen vorliegen.
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- Arztgespräch (Anamnese): In einem Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin werden die Symptome, Vorerkrankungen und Lebensstilfaktoren geklärt.
- Körperliche Untersuchung: Um festzustellen, ob Durchblutungsstörungen vorliegen.
- Neurologische Untersuchung: Die Koordination, Motorik, den Tastsinn und den Gleichgewichtssinn wird geprüft.
- Neuropsychologische Tests: Unterschiedliche Tests ermöglichen es, den Abbau geistiger Fähigkeiten abzuschätzen.
- Bildgebende Verfahren: Mit Diagnosemethoden wie Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Ultraschall der Halsgefäße können Durchblutungsstörungen im Gehirn, frühere Schlaganfälle oder Hirnblutungen nachgewiesen werden.
- Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems: Hierzu gehören die Messung des Blutdrucks und Blutuntersuchungen, um zum Beispiel einen erhöhten LDL-Cholesterinwert nachzuweisen. Zur Überprüfung der Herzfunktionen wird in der Regel ein Elektrokardiogramm (EKG) und ein Langzeit-EKG durchgeführt, vor allem, um ein Vorhofflimmern zu erkennen.
- Gen-Tests: Manche Gefäßerkrankungen, die eine vaskuläre Demenz begünstigen, sind erblich und können, wenn eine genetisch bedingte Erkrankung vermutet wird, über Tests nachgewiesen werden.
- Dopplersonographie: Eine spezielle Untersuchung mittels Ultraschall, die zeigt, wie schnell und in welche Richtung das Blut eines Menschen fließt und lässt den Arzt die Folgen von Durchblutungsstörungen erkennen.
- Angiographie
Behandlung von Durchblutungsstörungen im Gehirn
Die Behandlung einer Durchblutungsstörung im Gehirn richtet sich nach deren Ursache. Bei einer akuten Erkrankung versucht der Arzt initial das Gehirn vor weiteren Schäden zu bewahren. Der Behandlungsansatz ist abhängig von der Art der Erkrankung. Ist die Ursache ein ischämischer Schlaganfall, versuchen Ärzte in der Regel, das Blutgerinnsel (Embolie) möglichst schnell aufzulösen. Bei einer Hirnblutung wird wiederum meist eine Operation durchgeführt. Heilbar ist die vaskuläre Demenz nicht und es gibt keine anerkannte Behandlung mit Medikamenten - im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz. Eine Therapie setzt demnach bei den Grunderkrankungen an, um das Fortschreiten der Demenz hinauszuzögern.
- Behandlung der Begleiterkrankungen: Die (ohnehin notwendige) Behandlung der wichtigen Risikofaktoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Medikamenten kann die Symptome der vaskulären Demenz stabilisieren oder verbessern und so einer weiteren Verschlechterung vorbeugen.
- Rehabilitation: Es gibt Ansätze, um geistige und körperliche Fähigkeiten von Betroffenen wiederherzustellen (zu rehabilitieren). Eine neurologische Rehabilitation zielt darauf ab, geistige Fähigkeiten und Aktivitäten des täglichen Lebens zu fördern. Weitere Therapiemaßnahmen, etwa im Rahmen einer Bewegungstherapie, orientieren sich an den individuellen Krankheitsanzeichen. Zum Beispiel Gehhilfen bei Gangstörungen, Toilettentraining oder eine Schlucktherapie.
- Angehörigenbetreuung: Angebote zum Schutz der Gesundheit der Angehörigen und zu ihrer Entlastung sind wichtig. Weniger gestresste Angehörige fördern auch das Wohlbefinden der Erkrankten. Deshalb ist die Angehörigenbetreuung ein wichtiger Aspekt bei der Therapie von Demenzerkrankungen.
- Medikamentöse Behandlung: Bei der vaskulären Demenz werden Durchblutungsstörungen im Gehirn mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt. So kann weiteren Schlaganfällen vorgebeugt werden. Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel und erhöhter Blutzucker können ebenfalls medikamentös behandelt werden.
- Weitere Therapieansätze: Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie können helfen, die kognitiven Fähigkeiten und somit die Lebensqualität der Patientin oder des Patienten zu verbessern. Auch Musiktherapie, Erinnerungsarbeit und Krankengymnastik können Betroffenen helfen.
Kommt es im Zuge einer Durchblutungsstörung des Gehirns zu einem Schlaganfall, steht dem Patienten nach der ärztlichen Notversorgung ein breites Spektrum an Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache sowie der Lokalisation des Schadens. Die Therapie ist zudem immer individuell und zielt darauf auf, dass der Patient größtmögliche Selbstständigkeit erlangt.
Zu den gängigsten Rehabilitationsmaßnahmen zählen Therapien aus den Bereichen der Physiotherapie, der Logopädie, der Ergotherapie sowie der Sporttherapie. Ergänzt werden diese Maßnahmen zudem oftmals durch aktivierende Pflegekonzepte sowie Ernährungsberatungen und Schulungen hinsichtlich des Lebensstils. Im Zuge dieser Therapien erlernen Patienten den besseren Umgang mit ihrer Erkrankung und etwaigen Folgeschäden.
Vorbeugung von Durchblutungsstörungen im Gehirn
Je früher ein Risikofaktor für einen Schlaganfall behandelt wird, desto eher läßt sich das fatale Geschehen abwenden. Alle genannten Risikofaktoren sind behandelbar: Blutdrucksenkung, Normalisierung der Blutfette, Gewichtsreduktion, Behandlung einer Herzerkrankung, Aufgabe von Rauchgewohnheiten. Die Kunst des Therapeuten ist es, diese Maßnahmen so durchzuführen, daß der Patient an Lebensqualität spürbar gewinnt. Nur dies sichert die langfristige Beständigkeit der Maßnahmen und ihrer Wirkung.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, magerem Eiweiß und gesunden Fetten kann dazu beitragen, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern.
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Sportliche Betätigung fördert die Durchblutung, hilft bei der Gewichtskontrolle und trägt zur allgemeinen Herzgesundheit bei.
- Blutdruckkontrolle: Ein hoher Blutdruck ist ein bedeutender Risikofaktor für Durchblutungsstörungen. Regelmäßige Überprüfung und Kontrolle sind wichtig.
- Cholesterinspiegel im Auge behalten: Hohe Cholesterinwerte können zu Arteriosklerose führen, was das Risiko von Durchblutungsstörungen erhöht. Eine gesunde Ernährung und, falls notwendig, Medikamente können dazu beitragen, den Cholesterinspiegel zu kontrollieren.
- Vermeidung von Rauchen: Rauchen ist ein bedeutender Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, einschließlich Durchblutungsstörungen. Das Aufhören mit dem Rauchen ist eine wichtige Maßnahme.
- Alkoholkonsum begrenzen: Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen. Es wird empfohlen, Alkohol in Maßen zu konsumieren oder ihn ganz zu meiden.
- Gewichtsmanagement: Übergewicht kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität helfen dabei, das Gewicht zu kontrollieren.
- Frühzeitige Behandlung risikobehafteter Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Adipositas ist ein entscheidender Beitrag zur Demenzvorsorge.
- Mit seinem persönlichen Lebensstil zur Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems beitragen: ausgewogene Ernährung, körperliche Bewegung, nicht rauchen.
- Ein geistig und sozial aktives Leben
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz ist mit etwa 15 Prozent aller Demenzerkrankungen die zweithäufigste Form nach Alzheimer-Demenz. Vaskuläre Demenz entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Ursachen hierfür können Ablagerungen in Blutgefäßen, Blutgerinnsel oder Hirnblutungen auch in kleinerem Umfang sein. Diese können dazu führen, dass Bereiche des Gehirns mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden. Hierdurch können Hirnzellen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns geschädigt werden oder absterben.
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Bei vaskulärer Demenz können zu Beginn vor allem Probleme mit Aufmerksamkeit, verlangsamtem Denken sowie Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Dazu können Gangstörungen oder Kontrollverluste der Blase sowie Probleme mit der Sprache kommen. Auch Gedächtnisstörungen können auftreten, stehen aber zu Beginn nicht immer im Vordergrund.
Vorbeugung der vaskulären Demenz
Einer vaskulären Demenz beugt man vor, indem man einem Schlaganfall vorbeugt. Wer sich regelmäßig bewegt, kann (weiteren) Schlaganfällen vorbeugen.
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