Hilfe bei Parkinson Freezing: Strategien zur Überwindung von Gehblockaden

Die Parkinson-Krankheit bringt eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich, von denen eine besonders belastend ist: das sogenannte "Freezing" oder "Einfrieren". Diese plötzlichen Gehblockaden können die Mobilität stark einschränken und das Risiko von Stürzen erhöhen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Strategien und Hilfsmittel, die Betroffenen helfen können, diese Blockaden zu überwinden und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Was ist Freezing?

Freezing, auch bekannt als Gangblockade, ist ein häufiges Symptom bei Menschen mit Parkinson. Es äußert sich durch ein plötzliches, unwillkürliches Anhalten der Bewegung, meist beim Gehen. Betroffene beschreiben es oft so, als würden ihre Füße am Boden festkleben. Typischerweise tritt Freezing in bestimmten Situationen auf, wie zum Beispiel:

  • Beim Starten des Gehens: Die Ampel schaltet auf Grün, aber der Patient kann den ersten Schritt nicht machen.
  • An engen Stellen: Das Durchschreiten von Türrahmen, Supermarktkassen oder anderen Engpässen kann Freezing auslösen.
  • Beim Wenden: Das Umdrehen, beispielsweise in der Küche, kann zu einer Blockade führen, bei der der Oberkörper sich dreht, die Füße aber am Boden bleiben.
  • Beim Zugehen auf ein Ziel: Das Telefon klingelt, der Patient will hingehen, bleibt aber kurz davor stehen.
  • Unter Zeitdruck: Stressige Situationen können Freezing verstärken.

Ursachen von Freezing

Freezing entsteht durch den Dopaminmangel im Gehirn, der für die Parkinson-Krankheit charakteristisch ist. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen benötigt wird. Wenn Dopamin fehlt, können Bewegungen verlangsamt oder blockiert werden.

Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass in manchen Fällen die dopaminerge Medikation selbst das Freezing verursachen kann ("On-Freezing"). Hier ist es wichtig, zwischen echtem und Pseudo-On-Freezing zu unterscheiden. Nur wenn sich das Freezing unter Medikation verschlimmert, handelt es sich um echtes On-Freezing. Dies stellt Ärzte vor ein therapeutisches Dilemma, da eine Reduktion der Medikamente oft nicht möglich ist, da die motorischen Probleme dadurch insgesamt zunehmen würden.

Strategien zur Überwindung von Freezing

Obwohl Freezing eine große Herausforderung darstellt, gibt es verschiedene Strategien, die Betroffenen helfen können, die Blockaden zu überwinden und ihre Mobilität zu verbessern. Diese Strategien basieren oft auf der Verwendung von "Cues" oder Hinweisreizen, die das Gehirn stimulieren und die Bewegung wieder in Gang bringen.

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Hinweisreize (Cues)

Hinweisreize sind äußere oder innere Reize, die dem Gehirn helfen, den Dopaminmangel zu kompensieren und die Bewegung zu initiieren. Es gibt verschiedene Arten von Cues, die für unterschiedliche Menschen unterschiedlich gut funktionieren. Einige Beispiele sind:

  • Visuelle Cues:
    • Striche oder Markierungen auf dem Boden: Bunte Klebebänder oder Striche auf dem Boden können als visuelle Anhaltspunkte dienen, um darüber hinwegzusteigen.
    • Laserpointer: Ein Laserpointer, der eine Linie auf den Boden projiziert, kann als visuelle Hilfe dienen, um den nächsten Schritt zu machen. Es gibt auch spezielle "Anti-Freezing-Gehstöcke" mit integriertem Laser.
    • Querleiste am Gehstock: Einige Gehstöcke haben eine kleine, ausklappbare Querleiste, die vor den Fuß gesetzt werden kann, um darüber zu steigen.
  • Auditive Cues:
    • Musik: Das Hören von Musik mit einem deutlichen Rhythmus, wie Marschmusik im 2/4- oder 4/4-Takt, kann helfen, den Gang zu flüssiger zu machen.
    • Metronom: Ein Metronom kann als Taktgeber dienen, um den Rhythmus beim Gehen zu unterstützen.
    • Innerliches Zählen oder Vorsprechen von Sätzen: Das rhythmische Wiederholen von Sätzen oder Zählen kann als interner Taktgeber dienen.
  • Taktile Cues:
    • Klaps auf den Oberschenkel: Ein leichter Klaps auf den Oberschenkel des Beines, mit dem man starten möchte, kann den Impuls geben, den Fuß zu heben.
    • Vibration: Spezielle Geräte, wie das Cue2walk-Gerät, geben einen Vibrationsreiz an das Bein ab, um die Bewegung zu initiieren.
  • Kognitive Strategien:
    • Wippen: Leichtes Wippen auf der Stelle kann helfen, den Schwung für den nächsten Schritt zu erzeugen.
    • Vorstellung: Sich vorstellen, über ein Hindernis zu steigen, kann helfen, die Blockade zu überwinden.
    • Mentale Ablenkung: Konzentration auf etwas anderes als das Gehen, z.B. das Aufzählen der Wochentage, kann helfen, Freezing zu reduzieren.

Es ist wichtig zu beachten, dass Hinweisreize sich abnutzen können. Daher ist es ratsam, verschiedene Cues auszuprobieren und regelmäßig zu wechseln, um die Wirksamkeit zu erhalten.

Weitere Hilfsmittel und Strategien

Neben den oben genannten Cues gibt es noch weitere Hilfsmittel und Strategien, die bei Freezing helfen können:

  • Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Parkinson und kann helfen, die Beweglichkeit und das Gleichgewicht zu verbessern. Spezielle Trainingsprogramme, wie das Münchner Anti-Freezing-Training (MAFT), zielen darauf ab, Freezing zu reduzieren und Strategien zur Überwindung der Blockaden zu erlernen.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag mit Parkinson besser zu bewältigen. Ergotherapeuten können beispielsweise Tipps zur Anpassung der Wohnung geben, um Hindernisse zu beseitigen und die Sicherheit zu erhöhen.
  • Medikamentöse Therapie: Die Parkinson-Medikation sollte regelmäßig überprüft und angepasst werden, um Freezing zu reduzieren. In manchen Fällen kann eine Anpassung der Dosierung oder der Wechsel zu einem anderen Medikament helfen.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei einigen Patienten kann die Tiefe Hirnstimulation eine wirksame Behandlungsmethode sein, um Freezing zu reduzieren. Allerdings kann die THS bei manchen Patienten auch Freezing verschlimmern, insbesondere an den unteren Extremitäten. In diesem Fall müssen die Parameter der Stimulation angepasst werden.
  • Hilfsmittel im Alltag:
    • Gehstöcke und Rollatoren: Spezielle Gehstöcke mit Laserfunktion oder Rollatoren mit aufgespannten Kordeln können als visuelle Cues dienen und die Sicherheit beim Gehen erhöhen.
    • Anpassung der Wohnung: Das Entfernen von Stolperfallen, das Anbringen von Haltegriffen und die Installation von guter Beleuchtung können helfen, Stürze zu vermeiden. Farbige Markierungen an den Vorderkanten der Treppenstufen können die Orientierung verbessern.

Was Angehörige tun können

Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit Parkinson und Freezing. Sie können helfen, die erlernten Strategien zu erinnern, als Taktgeber einspringen oder den Patienten ermutigen, sich weiterhin zu bewegen und aktiv zu bleiben. Wichtig ist auch, Verständnis für die Situation zu zeigen, da Freezing für Außenstehende oft schwer nachzuvollziehen ist.

Einige konkrete Tipps für Angehörige:

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  • Verständnis zeigen: Erklären Sie anderen, was Freezing ist und wie es sich anfühlt.
  • Erinnern an Strategien: Helfen Sie dem Betroffenen, sich an die erlernten Cues und Strategien zu erinnern.
  • Als Taktgeber dienen: Geben Sie einen Rhythmus vor, z.B. "Eins - zwei - eins - zwei".
  • Unterstützung anbieten: Setzen Sie einen Fuß vor den Fuß des Betroffenen und bitten Sie ihn, hinüberzusteigen.
  • Auf Veränderungen achten: Beobachten Sie, ob Freezing vermehrt auftritt und informieren Sie den Arzt.
  • Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder anderen Fachleuten in Anspruch zu nehmen.

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