Hirnblutung Eklampsie: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Eklampsie, oft im Zusammenhang mit einer Präeklampsie auftretend, stellt eine schwerwiegende Komplikation in der Schwangerschaft dar. Sie ist durch Krampfanfälle gekennzeichnet, die nicht auf andere neurologische Ursachen zurückzuführen sind. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsansätze der Eklampsie, um werdenden Müttern und medizinischem Fachpersonal ein umfassendes Verständnis dieser potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist Eklampsie?

Die Eklampsie ist definiert als das Auftreten von Krampfanfällen während der Schwangerschaft oder im Wochenbett, die nicht durch andere neurologische Erkrankungen wie Epilepsie erklärt werden können. Sie ist eine schwerwiegende Komplikation der Präeklampsie, einer schwangerschaftsspezifischen Erkrankung, die durch Bluthochdruck und Organbeteiligung gekennzeichnet ist. Eine Eklampsie kann sich aus einer Präeklampsie entwickeln und ist für Mutter und Kind potenziell lebensbedrohlich.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Präeklampsie und Eklampsie sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine gestörte Plazentaentwicklung eine zentrale Rolle spielt. Diese führt zu einer Minderdurchblutung der Plazenta und einer daraus resultierenden Ischämie. Die plazentare Dysfunktion bedingt in der Folge eine Dysbalance bestimmter Stoffe im mütterlichen Blut, die zu Funktionsstörungen der innersten Zellschicht von Blutgefäßen führen können. Diese sogenannte endotheliale Dysfunktion führt dann zu den Schäden an Organsystemen mit den typischen Symptomen der Präeklampsie.

Risikofaktoren für die Entwicklung einer Präeklampsie und somit auch einer Eklampsie sind:

  • Erste Schwangerschaft (Erstgebärende): Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, haben ein höheres Risiko.
  • Vorherige Präeklampsie: Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn eine Frau bereits in einer früheren Schwangerschaft eine Präeklampsie hatte.
  • Höheres Alter der Frau: Frauen über 35 Jahre haben ein erhöhtes Risiko.
  • Höherer Body-Mass-Index (BMI): Übergewicht erhöht das Risiko.
  • Familiäre Vorbelastung: Fälle von Präeklampsie in der Familie (z.B. bei der Mutter) erhöhen das Risiko.
  • Chronischer Bluthochdruck: Bereits vor der Schwangerschaft bestehender Bluthochdruck ist ein Risikofaktor.
  • Mehrlingsschwangerschaft: Schwangerschaften mit Zwillingen oder Mehrlingen erhöhen das Risiko.
  • Künstliche Befruchtung: Insbesondere bei Verwendung von eingefrorenen befruchteten Eizellen sowie Eizellspende.
  • Nierenerkrankungen: Vorbestehende Nierenerkrankungen erhöhen das Risiko.
  • Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2: Diabetes vor der Schwangerschaft ist ein Risikofaktor.
  • Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie das Antiphospholipidsyndrom oder Systemischer Lupus erythematodes erhöhen das Risiko.
  • Ethnische Zugehörigkeit: Kaukasische Frauen sind seltener betroffen als afrikanische, und diese wiederum seltener als südostasiatische.

Symptome der Eklampsie

Eine Eklampsie kann sich durch folgende Symptome äußern:

Lesen Sie auch: Was Sie über epileptische Anfälle nach Hirnblutungen wissen sollten

  • Krampfanfälle: Tonisch-klonische Krampfanfälle sind das Hauptmerkmal der Eklampsie.
  • Bewusstlosigkeit: Während und nach den Krampfanfällen kann es zu Bewusstlosigkeit kommen.
  • Kopfschmerzen: Anhaltende, starke Kopfschmerzen können ein Warnzeichen sein.
  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Flimmern oder das Sehen von Lichtblitzen können auftreten.
  • Oberbauchschmerzen: Insbesondere rechtsseitige Oberbauchschmerzen können auf eine Beteiligung der Leber hinweisen (HELLP-Syndrom).
  • Übelkeit und Erbrechen: Diese Symptome können ebenfalls auf eine Eklampsie oder das HELLP-Syndrom hindeuten.
  • Hyperreflexie: Überaktive Reflexe können ein Warnzeichen für eine Eklampsie sein.
  • Motorische Unruhe: Gesteigerte motorische Aktivität kann auftreten.
  • Erhöhter Blutdruck: Ein Blutdruck von 140/90 mmHg oder höher kann vorliegen, muss aber nicht zwingend vorhanden sein. In bis zu 25 Prozent aller Fälle haben die betroffenen Frauen keinen Bluthochdruck!
  • Weitere Symptome: Ödeme (Wassereinlagerungen), verminderte Urinmenge (Oligurie), Kurzatmigkeit und plötzliche Gewichtszunahme können ebenfalls auftreten.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome einer Eklampsie sehr unterschiedlich sein können und manchmal auch fehlen. Da Präeklampsie anfänglich oft keine Symptome auslöst, ist es sinnvoll, an einem Screening im Rahmen des ersten Trimesters teilzunehmen. Hier können Schwangere mit erhöhtem Risiko herausgefiltert werden.

Prodromalsymptome

In etwa 80 % der Fälle kündigt sich eine Eklampsie durch Prodromi an, darunter:

  • Tics
  • Persistierende Kopfschmerzen
  • Unwillkürliche & rhythmische Muskelkontraktionen
  • Hyperreflexie

Diagnose

Die Diagnose einer Eklampsie basiert auf dem Auftreten von Krampfanfällen bei einer schwangeren Frau oder im Wochenbett, bei der keine andere Ursache für die Krampfanfälle gefunden werden kann. Folgende Untersuchungen können zur Diagnose und zur Beurteilung des Zustands von Mutter und Kind durchgeführt werden:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und Beurteilung der Symptome.
  • Blutdruckmessung: Regelmäßige Messung des Blutdrucks.
  • Urinuntersuchung: Untersuchung des Urins auf Eiweiß (Proteinurie).
  • Blutuntersuchungen: Überprüfung der Leber- und Nierenfunktion, der Blutgerinnung und anderer wichtiger Blutwerte.
  • Ultraschalluntersuchung: Beurteilung des Wachstums und der Blutversorgung des Kindes.
  • Kardiotokografie (CTG): Überwachung der Herzfrequenz des Kindes und der Wehentätigkeit.
  • Bestimmung des sFLT-1/PIGF-Verhältnisses: Dieses Verhältnis kann bei nicht eindeutiger Diagnosestellung und Erkrankungsverdacht ab der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Vorhersage und Prognoseeinschätzung genutzt werden.
  • Bildgebung: In seltenen Fällen können weitere bildgebende Verfahren wie MRT oder CT des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Krampfanfälle auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung der Eklampsie zielt darauf ab, die Krampfanfälle zu kontrollieren, den Blutdruck zu senken und Komplikationen für Mutter und Kind zu minimieren. Die wichtigste Maßnahme ist die Beendigung der Schwangerschaft, um die Ursache der Erkrankung zu beseitigen.

Akutbehandlung

  • Magnesiumsulfat: Magnesiumsulfat ist das Mittel der Wahl zur Behandlung und Vorbeugung von Krampfanfällen bei Eklampsie. Es wirkt antikonvulsiv und hilft, die Krampfanfälle zu kontrollieren. Eine mögliche Überdosierung sollte streng überwacht werden und gegebenenfalls ist Calciumgluconat als Antidot anzuwenden.
  • Blutdrucksenkende Medikamente (Antihypertensiva): Bei sehr hohem Blutdruck werden Medikamente eingesetzt, um den Blutdruck zu senken und das Risiko von Komplikationen wie Schlaganfall zu reduzieren. Mittel der ersten Wahl in der Schwangerschaft sind hierbei α-Methyldopa, Nifedipin und Metoprolol beziehungsweise in Österreich und Schweiz auch Labetalol. Um eine plazentare Minderperfusion zu vermeiden werden Zielblutdruckwerte von ≤135 mmHg systolisch und ≤85 mmHg diastolisch angestrebt.
  • Sauerstoffgabe: Die Mutter erhält Sauerstoff, um die Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind zu verbessern.
  • Überwachung: Die Mutter wird engmaschig überwacht, um ihren Zustand und den des Kindes zu beurteilen. Dazu gehören die Überwachung von Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Urinausscheidung und neurologischem Zustand. Das Kind wird ebenfalls kontinuierlich überwacht, um Anzeichen von Stress oder Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Entbindung

Die Entbindung ist die definitive Behandlung der Eklampsie. Der Zeitpunkt und die Art der Entbindung hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Schwangerschaftswoche, die Schwere der Erkrankung und der Zustand von Mutter und Kind.

Lesen Sie auch: Lesen Sie unseren Überblick über Hirnblutung, Schlaganfall und Koma

  • Ab der 37. Schwangerschaftswoche: Bei einer Eklampsie ab der 37. SSW wird in der Regel eine Entbindung empfohlen, um das Risiko für Mutter und Kind zu minimieren.
  • Ab der 34. Schwangerschaftswoche: Bei schwerer Präeklampsie, intrauteriner Wachstumsretardierung sowie bei Auftreten des HELLP-Syndroms sollte ab der 34. SSW entbunden werden.
  • Vor der 34. Schwangerschaftswoche: In diesen Fällen wird eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen. Ziel ist es, das Kind so lange wie möglich im Mutterleib zu belassen, um seine Reifung zu fördern, während gleichzeitig die Risiken für Mutter und Kind minimiert werden. Bei drohender oder geplanter Frühgeburt ab der 24.-35. SSW wird eine fetale Lungenreifeinduktion mit Betamethason ebenso wie fetale Neuroprotektion mit Magnesiumsulfat empfohlen. Bei früh auftretender Präeklampsie vor der 24. SSW wird das Prozedere als Einzelfallentscheidung festgelegt. Eine Prolongation ist mit einer hohen Komplikationsrate verbunden, sodass bei Auftreten vor der 23. SSW in der Regel eine Beendigung der Schwangerschaft empfehlenswert ist.

Die Entbindung kann vaginal oder per Kaiserschnitt erfolgen. Die Entscheidung hängt von der individuellen Situation ab. Im Allgemeinen gilt: Wenn der Gesundheitszustand von Mutter und Kind stabil ist, kann die Geburt eingeleitet werden, sodass das Kind auf „normalem“ (vaginalem) Weg zur Welt kommt.

Postpartales Management

Auch nach der Entbindung ist eine engmaschige Überwachung der Mutter erforderlich.

  • Blutdruckkontrolle: Der Blutdruck sollte regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls mit Medikamenten eingestellt werden, um Komplikationen zu vermeiden. Mittel der Wahl ist retardiertes Nifedipin. In der Stillzeit sind auch α-Methyldopa und Metoprolol möglich.
  • Magnesiumsulfat: Magnesiumsulfat als Eklampsieprophylaxe sollte bis zwei Tage postpartal fortgesetzt und Laborkontrollen je nach Verlauf durchgeführt werden.
  • Langfristige Nachsorge: Frauen, die eine Präeklampsie/Eklampsie durchgemacht haben, haben langfristig ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen, Diabetes mellitus, metabolisches Syndrom, Morbus Alzheimer, retinale Dysfunktion und Niereninsuffizienz. Eine langfristige Nachsorge mit regelmäßigen Kontrollen von Blutdruck, Gewicht, Cholesterin und Blutzucker ist daher wichtig.

Komplikationen

Eklampsie ist eine lebensbedrohliche Komplikation, die zu schweren Komplikationen für Mutter und Kind führen kann:

Mütterliche Komplikationen:

  • Schlaganfall: Hirnblutungen oder Hirninfarkte können auftreten.
  • HELLP-Syndrom: Diese schwere Komplikation ist durch Hämolyse, erhöhte Leberwerte und Thrombozytopenie gekennzeichnet.
  • Nierenversagen: Die Nierenfunktion kann beeinträchtigt werden.
  • Lungenödem: Flüssigkeitsansammlung in der Lunge kann zu Atemnot führen.
  • Ablösung der Plazenta: Die Plazenta kann sich vorzeitig von der Gebärmutterwand lösen.
  • Tod: In seltenen Fällen kann Eklampsie zum Tod der Mutter führen.
  • Posteriores reversibles Enzephalopathie Syndrom (PRES): Selten kann ein posteriores reversibles Enzephalopathie Syndrom (PRES) auftreten.

Kindliche Komplikationen:

  • Frühgeburt: Eklampsie führt häufig zu einer vorzeitigen Entbindung.
  • Intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR): Das Kind wächst im Mutterleib nicht ausreichend.
  • Sauerstoffmangel: Das Kind kann während der Krampfanfälle oder durch eine Ablösung der Plazenta unter Sauerstoffmangel leiden.
  • Totgeburt: In schweren Fällen kann Eklampsie zum Tod des Kindes führen.
  • Langfristige Risiken: Nachkommen von Müttern, die in der Schwangerschaft eine Präeklampsie hatten, scheinen ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Komplikationen bzw. Folgeerkrankungen zu haben.

Prävention

Einer Eklampsie lässt sich nicht direkt vorbeugen, aber das Risiko kann durch die Vorbeugung und Behandlung der Präeklampsie reduziert werden.

  • Präeklampsie-Screening: Ein Präeklampsie-Screening in der 11. bis 14. SSW kann helfen, Frauen mit einem erhöhten Risiko für eine Präeklampsie frühzeitig zu identifizieren.
  • Acetylsalicylsäure (ASS): Bei Patientinnen mit einem hohen Risiko für eine Präeklampsie ist eine ASS-Gabe von 150 mg/Tag bis zur 36. SSW indiziert.
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck und Urin während der Schwangerschaft sind wichtig, um eine Präeklampsie frühzeitig zu erkennen.
  • Gesunder Lebensstil: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Rauchen können das Risiko für Präeklampsie senken.
  • Blutdruckkontrolle: Bei Frauen mit chronischem Bluthochdruck ist eine gute Blutdruckeinstellung vor und während der Schwangerschaft wichtig.
  • Risikofaktorenmanagement: Bekannte Risikofaktoren wie Übergewicht oder Diabetes sollten vor der Schwangerschaft behandelt werden.

Lesen Sie auch: Überleben nach Hirnblutung

tags: #hirnblutung #durch #eklampsie