Hirnblutung Folgen: Rehabilitation und Wiedererlangen der Gehfähigkeit

Eine Hirnblutung ist ein medizinischer Notfall, der das Leben der Betroffenen massiv beeinträchtigen kann. Sie entsteht, wenn Blutgefäße im Gehirn platzen und Blut in das Hirngewebe eindringt. Die Folgen einer Hirnblutung sind vielfältig und hängen von der Lokalisation und Größe der Blutung ab. Häufige Beeinträchtigungen sind Lähmungen, Sprachstörungen, Gedächtnisprobleme und Einschränkungen der Motorik. Um die Folgen einer Hirnblutung zu minimieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, ist eine umfassende Rehabilitation unerlässlich.

Arten von Hirnblutungen

Ärzte unterscheiden verschiedene Arten von Hirnblutungen, die sich durch ihre Lokalisation unterscheiden:

  • Intrazerebrale Hirnblutung: Die Blutung tritt direkt im Hirngewebe (Parenchym) auf. Sie wird in der Regel nicht durch traumatische Umstände verursacht, sondern tritt plötzlich auf.
  • Intrakranielle Blutung: Die Blutung tritt im Schädelinneren auf, beispielsweise zwischen Gehirn und Schädelknochen (epidurales Hämatom) nach einem Schädel-Hirn-Trauma.
  • Extrazerebrale Hirnblutung: Diese wird in Subduralblutung (Bluterguss unterhalb der Hirnhaut) und Subarachnoidalblutung (Blutung unterhalb der Spinngewebshaut außerhalb des Gehirns) unterteilt.

Im Unterschied dazu steht der Hirnschlag, bei dem bestimmte Bereiche im Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, ohne dass Blut austritt. Eine Hirnblutung kann jedoch die Ursache für einen Schlaganfall sein, indem sie die Blut- und Sauerstoffversorgung anderer Hirnbereiche beeinträchtigt. Die lokale Schädigung des Gehirngewebes und die Verdrängung von gesundem Gewebe führen zu funktionellen Störungen.

Diagnose und Akutbehandlung

Hirnblutungen sind medizinische Notfälle, bei denen schnelles Handeln entscheidend ist. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine CT-Aufnahme, da diese schneller Ergebnisse liefert als eine MRT. Beide Verfahren ermöglichen es den Ärzten, Lage und Größe der Blutung zu bestimmen.

In der Akutbehandlung versuchen die Ärzte zunächst, den Patienten zu stabilisieren. Da die Gehirnfunktionen beeinträchtigt sein können, ist häufig eine künstliche Beatmung erforderlich. Bei erhöhtem Schädelinnendruck kann eine Operation notwendig sein, um die Blutung zu stillen und Blutergüsse zu entfernen.

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Rehabilitation nach Hirnblutung: Ein umfassender Ansatz

Nach der Akutbehandlung beginnt die rehabilitative Langzeitbehandlung. Ziel ist es, das Ausmaß der Folgeschäden zu begrenzen und eine weitere Blutung zu verhindern. Ein interdisziplinäres Team aus Therapeuten, Pflegekräften und Ärzten arbeitet zusammen, um geistige und körperliche Funktionsstörungen zu beseitigen oder deren Auswirkungen auf die Lebensqualität zu reduzieren.

Schwerpunkte der Rehabilitation

Die Rehabilitation nach einer Hirnblutung umfasst verschiedene Schwerpunkte:

  • Medizinische Betreuung: Während der Rehabilitation werden die Patienten medizinisch betreut, um Komplikationen zu vermeiden und den Heilungsprozess zu unterstützen.
  • Therapie körperlicher und geistiger Funktionsstörungen: Da das Gehirn körperliche und geistige Funktionen steuert, können Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprach- und Gedächtnisstörungen auftreten. Diese werden intensiv untersucht und behandelt.
  • Neuropädiatrische Rehabilitation: Kinder und Jugendliche benötigen spezielle Therapien, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Auch die Bezugspersonen und Eltern werden in das Therapiekonzept einbezogen.
  • Förderung der Selbsteinschätzung: Da eine Hirnblutung die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung beeinträchtigen kann, ist es wichtig, dass die Betroffenen ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen lernen.
  • Verbesserung der geistigen Funktionen: Wissenschaftlich überprüfte Methoden, beispielsweise aus der Neuropsychologie, werden eingesetzt, um Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Planungsfähigkeit, Problemlösen und Sprache zu verbessern.
  • Psychologische Unterstützung: Schwere Hirnblutungen verändern die Lebensperspektive und -planungen. Psychologen, Sozialarbeiter und Ärzte unterstützen Betroffene und ihre Familien bei der Entwicklung neuer Perspektiven.
  • Sozialrechtliche Beratung: Bei Bedarf werden Anträge auf Hilfsmittel, bauliche Veränderungen, sozialrechtliche Maßnahmen oder Unterstützung bei der Pflege bereits während des Reha-Aufenthalts gestellt.
  • Entlassungsplanung: Die Planung der Entlassung und die Organisation weiterer medizinischer und therapeutischer Maßnahmen gehören ebenfalls zu den Aufgaben der Rehabilitation.

Moderne Therapieansätze

Die moderne Therapie nach Hirnblutung setzt auf hochspezialisierte Therapeuten, die sich intensiv abstimmen. Bei Bedarf kommen robotikgestützte Geräte zum Einsatz, um beispielsweise das Laufen oder die Armfunktionen zu verbessern. Regelmäßige Wiederholungen helfen dem Gehirn, verlorengegangene Fähigkeiten neu zu lernen.

In der Armrehabilitation gibt es viele unterschiedliche therapeutische Ansätze. Die Wahl der Therapie hängt von der Ausprägung der Armlähmung und den individuellen Gegebenheiten ab. Es gibt Therapieformen ohne technische Geräte, um den betroffenen Arm aktiv zu trainieren. Die Rehabilitation der Armmotorik sollte früh nach dem Schlaganfall beginnen. Insbesondere in der frühen Phase wird eine zusätzliche spezifische Armrehabilitation empfohlen. In der späten Krankheitsphase können spezifische Maßnahmen der Armrehabilitation empfehlenswert sein, wie zum Beispiel ein strukturiertes, sich wiederholendes Training.

Zusätzlich gibt es geräteunterstützte Therapien wie die neuromuskuläre Elektrostimulation und die Robot-Therapie, aber auch die Therapie mit virtueller Realitätsanwendungen sowie die sensible Stimulation und Akupunktur. Mit dem Arm-Basis-Training übt man jeden Tag die Bewegungsfähigkeit wiederholt und einzeln in den verschiedenen Abschnitten von Arm, Hand und Fingern. Das Arm-Fähigkeits-Training trainiert täglich Präzision und Geschwindigkeit bei verschiedenen Armfunktions-Anforderungen an der individuellen Leistungsgrenze.

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Die sogenannte Bewegungsinduktionstherapie („Constraint induced movement therapy, CIMT“) ist eine spezielle Therapie für Schlaganfall-Betroffene mit einem „erlernten Nicht-Gebrauch“. CIMT umfasst üblicherweise sechs Stunden Therapie pro Tag. Ergänzend stellt man über zwei Wochen die weniger betroffene Hand für die größte Zeit des Tages ruhig (90 Prozent der Wachstunden).

Bei der Spiegeltherapie betrachtet der Patient im Spiegel die Bewegung seiner nicht gelähmten Hand. Durch den Blick in den Spiegel sieht diese Bewegung so aus als würde sich seine gelähmte Hand ganz normal bewegen. Eine Verbesserung der Armfunktion ist auch durch das mentale Training denkbar.

Arm-Therapie-Roboter können je nach Bauart Schulter- und Ellenbogen-Bewegungen, Unterarm- und Handgelenksbewegungen oder Fingerbewegungen mechanisch unterstützen. Die Arm-Therapie-Roboter erkennen, welchen Anteil an Bewegungen der Betroffene schon selbst ausführen kann und ergänzen den Rest der Trainingsbewegungen.

Rehabilitation des Gehens

Ein wichtiger Aspekt der Rehabilitation nach Hirnblutung ist die Wiederherstellung der Gehfähigkeit. Bereits in der Reha wird ein spezielles Gangtraining durchgeführt, sobald der Patient dazu in der Lage ist. Die Betroffenen lernen Schritt für Schritt wieder das Gehen. Ist man in der Lage, wieder zu sitzen und aufzustehen, wird das Stehen und Gehen trainiert mit allmählicher Steigerung zu schnellerem, ausdauerndem und sicherem Gehen. Ebenso wie das Training von Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht. Dann folgt das Gehen unter Alltagsbedingungen.

Bei Bedarf erfolgt das Training mit Unterstützung von technischen Trainingshilfsmitteln und orthopädischen Hilfsmitteln. Zum Einsatz kommen Gangmaschinen, Bewegungsgeräte, Laufband, Ergometer, Gehtrainer, robotergestützte Gangorthesen etc. Bei einer Fußheberschwäche kann eine Fußheberorthese helfen, Betroffene beim Anheben und Abrollen des Fußes zu unterstützen.

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Sport und Bewegung als wichtiger Bestandteil der Rehabilitation

Sport und Bewegung spielen eine wichtige Rolle bei der Rehabilitation nach einer Hirnblutung. Sie tragen dazu bei, die körperliche Fitness wiederzuerlangen, die Ausdauer zu verbessern, die Muskelkraft zu stärken und die Koordination zu schulen. Zudem haben sie einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System und können das Risiko für einen erneuten Schlaganfall senken.

Generell werden Ausdauersportarten wie Wandern, Walking, Nordic Walking, Radfahren, zügiges Spazierengehen, Wassergymnastik und Schwimmen empfohlen. Förderlich sind moderate Aktivitäten, die das Herz-Kreislauf-System in Schwung bringen, aber nicht zu stark belasten.

Rehabilitationssport (Rehasport) ist eine Fortführung der medizinischen Rehabilitation. Es handelt sich um ein Gruppentraining zur Förderung von Ausdauer, Kraft und Koordination zum Beispiel durch Gymnastik, Schwimmen oder Bewegungsspiele. Rehasport wird ärztlich verordnet, die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Bewegung im Alltag integrieren

Regelmäßige Bewegung sollte selbstverständlich in den Alltag integriert werden: Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren, so oft wie möglich spazieren gehen, beim Telefonieren auf und ab gehen, Rad statt Auto fahren, Früh- oder Abendgymnastik zuhause … jeder Schritt zählt!

Langzeitfolgen und Perspektiven

Wie lange die Regeneration nach einer Hirnblutung dauert, ist individuell verschieden. Je nachdem, wie stark die Blutung war, kann es mehrere Jahre dauern, bis der Betroffene sich wieder eigenständig versorgen kann. In einigen Fällen bleiben jedoch irreversible Restsymptome.

Zum Thema der Fahrtauglichkeit eines KFZ im öffentlichen Straßenverkehr ist nach operativ behandelten Hirnblutungen mindestens drei bis sechs Monate keine Fahrtauglichkeit gegeben.

Oberstes Ziel der Rehabilitation ist die Rückkehr in das familiäre Umfeld, an den Arbeitsplatz oder in das schulische Leben, um Betroffenen eine größtmögliche Selbstständigkeit zu ermöglichen.

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