Gerstenkorn und Meningitis: Ursachen, Symptome und Vorbeugung

Das Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine häufige und unangenehme Entzündung am Augenlidrand, die in der Regel durch eine bakterielle Infektion verursacht wird. Obwohl es sich normalerweise nicht um eine gefährliche Erkrankung handelt, kann es lästig und schmerzhaft sein. In seltenen Fällen können Komplikationen auftreten, die eine ernsthaftere Behandlung erfordern. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Abgrenzung zum Hagelkorn, Behandlungsmöglichkeiten und Vorbeugung von Gerstenkörnern, sowie den Zusammenhang mit einer Hirnhautentzündung (Meningitis).

Ursachen eines Gerstenkorns

Die Hauptursache eines Gerstenkorns ist eine bakterielle Infektion, meist durch Staphylococcus aureus. Diese Bakterien können auch andere Erkrankungen auslösen, von Hautinfektionen bis hin zu schwerwiegenden systemischen Infektionen wie einer Sepsis. Seltener sind Streptokokken-Arten die Auslöser. Da diese Bakterien weit verbreitet sind, ist kein spezieller Infektionsweg erforderlich. Allerdings kann ein Gerstenkorn durch Reiben der Augen mit kontaminierten Händen entstehen.

Verschiedene Faktoren können die Entstehung eines Gerstenkorns begünstigen:

  • Austrocknung der Bindehaut: Bedingungen, die zu trockenen Augen führen, wie Zugluft oder längere Bildschirmarbeit.
  • Reizung des Auges: Reizstoffe wie Tabakrauch oder das Tragen von Kontaktlinsen und Make-up.
  • Geschwächtes Immunsystem: Zustände wie Stress, Diabetes oder AIDS.
  • Chronische Lidrandentzündung (Blepharitis): Eine bestehende Entzündung des Lidrandes.
  • Mangelnde Hygiene: Unsauberer Umgang mit Gegenständen, die mit dem Auge in Berührung kommen, wie Waschlappen, Pinsel oder Hände.

Symptome eines Gerstenkorns

Die Symptome eines Gerstenkorns sind typisch für eine Entzündung:

  • Rötung: Die betroffene Stelle ist gerötet.
  • Schwellung: Das Augenlid schwillt an.
  • Örtliche Überwärmung: Die Stelle fühlt sich warm an.
  • Schmerzen: Oft verbunden mit Druckempfindlichkeit und einem Spannungsgefühl.

Die Schwellung konzentriert sich um das eigentliche "Gerstenkorn", eine eitergefüllte, feste Blase. Je nach Lage und Schweregrad kann auch die Bindehaut betroffen sein und sich entzünden. Das Lid kann sich vorwölben. In seltenen Fällen können immungeschwächte Personen Fieber entwickeln.

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In der Regel heilt ein Gerstenkorn von selbst aus, nachdem es sich geöffnet hat. Dieser Prozess dauert meist vier bis sechs Tage. Während dieser Zeit ist strenge Hygiene wichtig, um Folgeinfektionen zu vermeiden. Seltene, aber problematische Komplikationen sind Lidabszesse und generalisierte Augenentzündungen.

Abgrenzung zum Hagelkorn (Chalazion)

Das Hagelkorn ist eine ähnliche Erscheinung am Lid, kurz unter dem Rand. Es hat ebenfalls eine gerundete Form und verursacht eine Schwellung der Umgebung. Im Unterschied zum Gerstenkorn wächst es jedoch langsam und verursacht kaum Schmerzen. Beschwerden entstehen höchstens durch Druck und Reibung im Auge. Hagelkörner können zudem größer werden und die Ausmaße einer Haselnuss erreichen.

Ein Hagelkorn entsteht durch die Verstopfung einer Talgdrüse (Meibom-Drüse), die weiterhin Sekret produziert, das sich ansammelt und verhärtet.

Ursachen von Gerstenkorn und Hagelkorn

Die eitrige Entzündung eines Gerstenkorns wird meist durch Staphylokokken verursacht. Diese Bakterien siedeln häufig auf der Haut und den Schleimhäuten und können Hautverletzungen infizieren. Gelangen sie in die Schweiß- und Talgdrüsen der Augenlider, verursachen sie dort eine Entzündung. Die Bakterien können über verschiedene Wege ins Auge gelangen, beispielsweise durch ungewaschene Hände oder unsachgemäße Augenpflege.

Hagelkörner hingegen werden nicht durch Bakterien ausgelöst. Sie entstehen durch eine chronische Entzündung und Verstopfung einer Talgdrüse, etwa infolge von Reizungen durch Rauch, Staub, trockene Luft oder Make-up-Rückstände.

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Risikofaktoren für die Entstehung

Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko für die Entstehung eines Gerstenkorns:

  • Geschwächtes Immunsystem: Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder Diabetes mellitus neigen eher zu Staphylokokken-Infektionen der Haut.
  • Kontaktlinsen: Das Tragen von Kontaktlinsen kann die Entstehung eines Gerstenkorns begünstigen.
  • Make-up: Rückstände von Make-up können die Entstehung eines Gerstenkorns begünstigen.
  • Hormonelle Schwankungen: Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft oder Stillzeit.
  • Schlafmangel: Schlafmangel kann die Entstehung eines Gerstenkorns fördern.
  • Hauterkrankungen: Hauterkrankungen wie Akne oder Rosacea.
  • Psychische Ursachen: Stress kann die Entwicklung eines Gerstenkorns fördern.

Auch bei Hagelkörnern gelten Diabetes mellitus und chronische Hauterkrankungen wie Rosacea als Risikofaktoren.

Erkennung von Symptomen

Ein Gerstenkorn ist meist durch eine plötzlich auftretende Entzündung gekennzeichnet, oft am Lidrand im Bereich der Wimpern. Folgende Symptome können auftreten:

  • Schmerzhafte, knotenartige Schwellung
  • Eitriger, gelber Punkt in der Mitte
  • Rötung
  • Fremdkörpergefühl im Auge
  • Druckempfindlichkeit, Schmerzen und Spannungsgefühl
  • Juckreiz
  • Gerötete oder geschwollene Bindehaut
  • Tränende Augen, verschwommene Sicht und Lichtempfindlichkeit

In schweren Fällen kann es zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Fieber oder einer Schwellung der Lymphknoten kommen.

Ein Hagelkorn geht ebenfalls mit einer Schwellung einher, die sich wie ein verkapselter Knoten anfühlt. Es entwickelt sich langsamer und ist nicht eitrig. Rötung, Schmerzen und Jucken sind unüblich.

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Inneres und äußeres Gerstenkorn

Je nachdem, welche Drüsen am Auge entzündet sind, unterscheidet man zwischen zwei Formen des Gerstenkorns:

  • Hordeolum internum (inneres Gerstenkorn): Betrifft die Meibom-Drüsen im Inneren des Augenlids. Es kann zu einer Bindehautentzündung kommen oder der Lidrand kann sich vorwölben.
  • Hordeolum externum (äußeres Gerstenkorn): Betrifft die außenliegenden Zeis-Drüsen (Talgdrüsen) oder Moll-Drüsen (Schweißdrüsen).

Verlauf und Dauer der Entzündungen

Der Verlauf eines Gerstenkorns ist in der Regel harmlos und ohne Komplikationen. Die Entzündung dauert wenige Tage bis zu zwei Wochen. Meist platzt das Gerstenkorn von selbst auf, der Eiter fließt ab und die Entzündung heilt. Hagelkörner heilen in der Regel auch von alleine ab.

Behandlungsmöglichkeiten

Verschiedene Methoden können den Heilungsprozess unterstützen:

  • Antibiotische Augentropfen oder Salben: Beschleunigen die Heilung, indem sie die Abschwellung fördern und die Erreger bekämpfen.
  • Antiseptische Augensalben oder Gele: Wirken gegen die Entzündung.
  • Trockene Wärme (Rotlicht): Verbessert die Durchblutung und regt den Stoffwechsel an.
  • Warme Kompressen: Können mehrmals täglich aufgelegt werden.
  • Gründliche Reinigung: Mit mildem Babyshampoo, spezieller Lidreinigungsflüssigkeit oder Reinigungstüchern.
  • Vorsichtige Massage des Lidrands: Kann den Heilungsprozess beschleunigen.

Bricht das Gerstenkorn nach spätestens zwei Wochen nicht von alleine auf oder treten starke Schwellungen oder Schmerzen auf, sollte ein Augenarzt das Gerstenkorn behandeln. Die Therapie besteht dann in der Regel im Aufstechen des Gerstenkorns, um den Eiter zu entfernen.

Was man vermeiden sollte

  • Gerstenkorn ausdrücken oder aufstechen: Kann zur Ausbreitung der Entzündung ins umliegende Gewebe und somit zu folgenschweren Infektionen führen.
  • Feuchte, warme Umschläge (z.B. mit Kamille): Können zur Reizung der Augen sowie zur Ausbreitung der Bakterien und somit zu weiteren Infektionen führen.
  • Entzündungsstelle anfassen: Da die Bakterien ansteckend sind, sollte man die Entzündungsstelle nicht anfassen und sich nach einer Berührung die Hände waschen oder desinfizieren.

Behandlung von Hagelkörnern

Kleinere Hagelkörner können sich gelegentlich spontan nach einigen Wochen oder Monaten von selbst zurückbilden. Keinesfalls sollte man selbst versuchen, ein Chalazion durch Ausdrücken oder dergleichen selbst zu öffnen.

Auch bei Hagelkörnern können eine Therapie mit Rotlicht sowie warme Kompressen, vorsichtige Massagen und eine gründliche Lidreinigung die Abheilung fördern. In manchen Fällen können Kortison-Injektionen verabreicht oder das Hagelkorn in einer OP entfernt werden.

Wann zum Arzt?

Gerstenkörner sind eigentlich harmlos. In der Regel platzt ein Hordeolum von selbst und heilt anschließend ab. Ärztlicher Rat sollte eingeholt werden, wenn:

  • Die Entzündung sich über die normale Erscheinungsform eines Gerstenkorns hinaus ausweitet.
  • Starke Schmerzen auftreten.
  • Das Hordeolum nicht innerhalb von zwei Wochen von selbst aufplatzt.
  • Wiederkehrende Gerstenkörner auftreten.

Gerstenkorn bei Kindern

Auch bei Kindern ist ein Gerstenkorn meist harmlos und heilt nach ein paar Tagen von selbst. Da Kinder sich das entzündete Auge ständig reiben oder es anfassen können, empfiehlt sich ein Arztbesuch.

Vorbeugung

  • Sorgfältige Augenhygiene: Regelmäßige Reinigung des Lidrands.
  • Händehygiene: Vermeiden, die Augen übermäßig zu reiben und diese nicht mit ungewaschenen Händen zu berühren.
  • Kontaktlinsenhygiene: Bei der Handhabung von Kontaktlinsen besonderen Wert auf Hygiene legen.
  • Abschminken: Schminke vor dem Schlafengehen stets gründlich entfernen.
  • Gesunde Lebensweise: Da ein geschwächtes Immunsystem die Entstehung von Gerstenkörnern begünstigen kann.

Zusammenhang zwischen Gerstenkorn und Meningitis

Ein Gerstenkorn selbst führt nicht direkt zu einer Meningitis (Hirnhautentzündung). Allerdings können die Bakterien, die ein Gerstenkorn verursachen (meist Staphylococcus aureus), in seltenen Fällen über die Blutbahn in den Schädel gelangen und eine Hirnhautentzündung auslösen. Dies ist jedoch äußerst selten und tritt fast ausschließlich bei Personen mit einem stark geschwächten Immunsystem auf oder wenn das Gerstenkorn unsachgemäß behandelt wird (z.B. durch Ausdrücken), wodurch sich die Bakterien ausbreiten können.

Was ist eine Meningitis?

Eine Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen), die das Gehirn und das Rückenmark umgeben. Sie kann durch verschiedene Krankheitserreger verursacht werden, darunter Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten. Die bakterielle Meningitis ist besonders gefährlich und erfordert eine sofortige Behandlung mit Antibiotika, um schwere Komplikationen oder den Tod zu verhindern.

Ursachen einer Meningitis

  • Bakterielle Meningitis: Wird meist durch Bakterien wie Meningokokken, Pneumokokken oder Haemophilus influenzae verursacht.
  • Virale Meningitis: Häufig durch Enteroviren, Herpesviren oder Mumpsviren ausgelöst.
  • Pilzbedingte Meningitis: Seltener, tritt meist bei Personen mit geschwächtem Immunsystem auf.

Symptome einer Meningitis

Die Symptome einer Meningitis können variieren, umfassen aber oft:

  • Hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsveränderungen
  • Krampfanfälle
  • Hautausschlag (bei Meningokokken-Meningitis)

Vorbeugung von Meningitis

  • Impfungen: Gegen einige der häufigsten bakteriellen Erreger (Meningokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ B) gibt es Impfungen, die besonders für Kinder und Risikogruppen empfohlen werden.
  • Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen und Vermeidung des Kontakts mit infizierten Personen können das Risiko einer Ansteckung verringern.

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