Hirntumor-Spezialisten in den USA: Ein umfassender Überblick über Behandlungsmöglichkeiten und Forschung

Eine Hirntumordiagnose ist für die meisten Patienten ein Schock. Besonders hart trifft es Menschen mit einem Glioblastom - gegen den bösartigsten Hirntumor sind Mediziner oft machtlos. In den USA gibt es jedoch Spezialisten und innovative Therapieansätze, die neue Hoffnung geben. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Glioblastome, aktuelle Forschungsergebnisse und Behandlungsoptionen, insbesondere in den Vereinigten Staaten.

Was ist ein Glioblastom?

Das Glioblastom ist der gefährlichste und bösartigste unter den Hirntumoren. Die Krebsgeschwulst breitet sich innerhalb weniger Monate im Gehirn aus, wobei die Symptome je nach Lage des Tumors variieren können. Zu den möglichen Symptomen gehören Sehbeschwerden, epileptische Anfälle, Bewegungsschwierigkeiten oder starke Kopfschmerzen.

Das Glioblastom führt eine Art "Guerillakrieg im Kopf", da sich die Tumorzellausläufer zwischen den normalen Hirnzellen hindurchschlängeln und keine abgegrenzten Tumore bilden. Bislang ist kein Risikofaktor bekannt. Dieses zerfaserte Wachstum macht es so schwierig, den Tumor komplett zu operieren.

Aktuelle Forschung und Therapieansätze

Trotz der Herausforderungen gibt es in der Forschung und Behandlung von Glioblastomen Fortschritte. Wissenschaftler suchen nach Wegen, die Ursprungszellen des Tumors zu bekämpfen und die Widerstandsfähigkeit des Tumors gegenüber Therapien zu überwinden.

Innovative Therapieansätze in den USA

Ein experimenteller Ansatz ist der Einsatz von Viren, um den Tumor zur Rückbildung zu bringen. Klinische Tests mit Viren werden an Zentren in den USA durchgeführt.

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Eine neue Studie aus den USA liefert erste Daten für die Therapie eines sehr aggressiven Hirntumors. Die Ergebnisse zeigen eine "dramatische und schnelle" Rückbildung des Glioblastoms nach einer sogenannten CAR-T-Therapie mit neuem Ansatz, so die Studienautoren. Die CAR-T-Therapie wird für Bluterkrankungen schon sehr erfolgreich eingesetzt. Das sind Zellen des Patienten, die so umprogrammiert werden, dass sie gegen die Erkrankung vorgehen. Und jetzt versucht man eben diese Zellen so zu modifizieren, dass man sie auch für andere Erkrankungen einsetzt. Die Wissenschaftler aus den USA kombinierten die CAR-T-Therapie mit Antikörpern, sogenannten T-cell engaging antibody molecules (TEAMs). Die CAR-TEAM-Zellen werden "direkt in das Gehirn des Patienten injiziert".

Zielgerichtete Wirkstoffkombination

Forscher des Dana-Farber Cancer Institute in Boston, USA, haben Daten einer klinischen Studien veröffentlicht, die eine noch nie da gewesene, klinisch bedeutsame Wirkung einer zielgerichteten Therapie bei Patienten mit hochgradigen Hirntumoren mit der seltenen BRAFV600E-Mutation zeigen. Patienten mit BRAFV600E-mutierten hochgradigen und niedriggradigen Gliomrezidiven erhielten zweimal täglich 150 mg Dabrafenib plus einmal täglich 2 mg Trametinib oral bis zu inakzeptabler Toxizität, Fortschreiten der Erkrankung oder Tod. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass BRAFV600E-Tests möglicherweise in die klinische Praxis für Patienten mit Gliomen übernommen werden könnten.

Immuntherapie

Prof. Richard Scolyer (57) forschte jahrelang zu Immuntherapien gegen Hautkrebs. Dann wurde er vom Professor zum Patienten. Diagnose: Glioblastom, ein besonders aggressiver Hirntumor. Um seine Überlebenschancen zu erhöhen, machte sich Prof. Scolyer zum Versuchskaninchen: Mithilfe seiner Kollegin Prof. Georgina Long bastelte er sich seine eigene Immuntherapie, um die bösartigen Krebszellen zu killen. Ein Jahr nach der Gabe des Medikaments zeigt sich nach einer MRT-Untersuchung nun: Der Tumor ist bislang nicht zurückgekehrt!

Rolle der Neurochirurgie

Die Neurochirurgie hat sich in den vergangenen Jahren technisch, methodisch und dadurch eben auch in der Patientensicherheit herausragend entwickelt. Das Risiko, von einem Eingriff einen neurologischen Schaden davonzutragen, liege heutzutage bei weniger als drei Prozent.

Auch große Tumoren ließen sich mittlerweile gut entfernen und die Heilungschancen bei Metastasen im Hirn - früher oft fast ein Todesurteil - seien sehr gut. "Die Immuntherapie hat sehr große Fortschritte gemacht."

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Eine innovative Methode, die künftig auch in Harburg angeboten wird, sind die sogenannten "Wach-Operationen" am Hirn. "Das ist sinnvoll, um das Sprachzentrum, das wir eben leider nicht elektrophysiologisch überwachen können, zu schützen", erklärt die Spezialistin. Bei Schnitten und wenn der Schädel geöffnet werde, schlafe der Patient selbstverständlich. "Zur eigentlichen OP - das Gehirn spürt übrigens keinen Schmerz - ist er dann aber wach, und ein Logopäde ist im OP-Saal dabei und übt parallel mit dem Patienten."

Medikament Vorasidenib

Das Medikament Vorasidenib, das spezifische Hirntumor-Mutationen blockiert, hat in den USA Zulassung erhalten und könnte ab 2024 in Deutschland verfügbar sein.

Spezialisten in den USA

In den USA gibt es zahlreiche hochspezialisierte Zentren und Spezialisten für die Behandlung von Hirntumoren. Einige Beispiele sind:

  • Neuroscience Institute der Baylor University / Methodist Hospital in Houston (USA): Das größte Medizinzentrum der Welt (Texas Medical Center in Houston).
  • Duke Cancer Center: Hier führten Neuroonkologen eine Studie mit gentechnisch veränderten Viren zur Behandlung von Hirntumoren durch.
  • Dana-Farber Cancer Institute in Boston, USA: Forscher haben hier eine zielgerichtete Therapie bei Patienten mit hochgradigen Hirntumoren mit der seltenen BRAFV600E-Mutation untersucht.

Prof. Feigl

Seine medizinische Ausbildung begann Prof. Feigl in den USA. Nach seinem Studium in Dallas, Houston und Graz und einer mehrjährigen Forschungstätigkeit im Bereich Hirntumore im Neuroscience Institute der Baylor University / Methodist Hospital in Houston (USA), dem größten Medizinzentrum der Welt (Texas Medical Center in Houston), beschäftigte sich Prof. Feigl bereits in seiner Dissertation mit der radiochirurgischen Behandlung von Hypophysentumoren (Tumoren der Hirn-anhangsdrüse) mit der Gamma-Knife-Methode.

Aufgrund seiner international anerkannten Expertise im Bereich der minimalinvasiven Schädelbasischirurgie wurde Prof. Feigl im November 2019 vom Houston Methodist Research Institute (HMRI) zum „Full Member on the Affiliate Track“ aufgenommen und im Dezember 2019 vom Institute for Academic Medicine (IAM) des Houston Methodist Hospital zum adj. Professor of Neurosurgery ernannt.

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Die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Behandlung von Hirntumoren erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Neurochirurgen, Radioonkologen, Onkologen und andere Spezialisten arbeiten zusammen, um individuelle Therapiekonzepte zu entwickeln.

Prof. Dr. Stephanie Combs vom Universitätsklinikum rechts der Isar erklärt: „So ein Hirntumor wird immer aus der Kombination aus einer neurochirurgischen Operation, einer Strahlentherapie und einer Chemo-Therapie behandelt.“

Was können Patienten und Angehörige tun?

Für Patienten und Angehörige ist es wichtig, sich umfassend über die Erkrankung und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen, die Unterstützung und Informationen bieten.

Prof. Dr. Wolfgang Wick rät Patienten, ihre Lebensplanung nicht nach einer statistischen Prognose auszurichten. Er betont, dass es wichtig ist, die individuelle Patientensituation so gut wie möglich zu halten und weiter Pläne zu machen.

Die Rolle der Stammzellenforschung

Seit einiger Zeit wisse man, dass es auch im Gehirn Stammzellen gibt, also Ursprungszellen der Nerven- und Gliazellen, sagt Weller. Möglicherweise sei eine Entartung dieser Zellen der Auslöser der Glioblastome.

Minimalinvasive Neurochirurgie

Bei minimalinvasiven Verfahren, auch Schlüssellochtechnik genannt, werden Operationen in 3D-Video-Technik über kleine, kaum sichtbare Schnitte mit Hilfe einer robotergestützten Kamera durchgeführt. Das bringt eine Reihe von Vorteilen für Patientinnen und Patienten.

Alternative Behandlungsmethoden

Eine im US-Fachmagazin „Neurology“ veröffentlichte Studie des Deutschen Gliomnetzwerks ergab, dass fast jeder zweite Patient mit einem Glioblastom auch alternative Behandlungsmethoden versuche, wie Homöopathie, Vitamintherapien oder psychologische Ansätze.

Fallbeispiele und persönliche Geschichten

Steffen Rhode

Ende Januar 2017 haben Spezialisten in San Diego mit einer Laserablation den hochaggressiven Tumor mitten im Gehirn des Meiners abgetötet. Und einmal im Quartal muss Rhode in die Röhre - ein Leben lang. Das jüngste MRT vom April gibt ihm und seinen Eltern Almut und Wilfried sowie den Geschwistern weitere Hoffnung.

Austin

Der 8-jährige Austin aus Hamburg hat einen Tumor im Gehirn. Bislang gilt die Art von Krebs, unter der er leidet, als inoperabel. Seine Lebenserwartung: Neun bis zwölf Monate. Aber Austins Eltern kämpfen um ihren Sohn, sammeln im Internet Spenden, um ihm die Teilnahme an einer klinischen Studie in den USA zu ermöglichen - die könnte Austins letzte Chance sein.

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