Hochfrequente Strahlung: Auswirkungen auf das Gehirn und gesundheitliche Aspekte

Die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien hat zu einer erhöhten Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (HF-EMF) im Alltag geführt. Diese Felder, die von Mobiltelefonen, WLAN-Routern, Sendemasten und anderen elektronischen Geräten erzeugt werden, sind allgegenwärtig. Die Frage nach den potenziellen Auswirkungen dieser Strahlung auf unsere Gesundheit, insbesondere auf das Gehirn, ist Gegenstand intensiver Forschung und öffentlicher Diskussion. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Erkenntnisse zu diesem Thema, wobei sowohl potenzielle Risiken als auch Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden.

Elektromagnetische Felder im Alltag

Elektromagnetische Felder (EMF) sind sowohl natürlichen als auch künstlichen Ursprungs. Natürliche Quellen sind beispielsweise Blitze, Feuer oder die UV-Strahlung der Sonne. Künstliche EMF entstehen durch elektrische Geräte und Leitungen, die mit dem Stromnetz verbunden sind. Dazu gehören:

  • Mobiltelefone
  • Computer mit WLAN-Verbindung
  • Mikrowellenherde
  • Induktionsherde
  • Babyphone
  • Strom- und Sendemasten

Elektromagnetische Felder werden aufgrund ihrer Frequenz und Wellenlänge in verschiedene Bereiche eingeteilt:

  • Statische elektrische und magnetische Felder (Frequenz = 0 Hz)
  • Niederfrequente elektrische und magnetische Felder (bis 100 Kilohertz)
  • Hochfrequente elektromagnetische Felder (100 Kilohertz bis 300 Gigahertz)

Hochfrequente Felder werden unter anderem für Radar, Mobilfunk, Mikrowellen und Radiowellen genutzt.

Elektrosmog: Was ist das eigentlich?

Der Begriff "Elektrosmog" erzeugt oft Unbehagen, ist aber irreführend. Smog bezeichnet Schadstoffe in der Luft, die in hoher Konzentration die Gesundheit gefährden. Elektrosmog hingegen bezieht sich auf elektromagnetische Felder, die von elektrischen Geräten und Anlagen erzeugt werden. Es ist wichtig zu betonen, dass Elektrosmog im Gegensatz zu Smog nicht zu sehen oder zu riechen ist.

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Gesundheitliche Auswirkungen: Was sagt die Wissenschaft?

Die wissenschaftliche Gemeinschaft untersucht seit langem die potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern. Dabei werden sowohl thermische als auch nicht-thermische Effekte berücksichtigt.

Thermische Effekte

Hochfrequente elektromagnetische Felder können biologisches Gewebe erwärmen. Dieser Effekt ist wissenschaftlich nachgewiesen. Wenn beispielsweise ein Mobiltelefon ans Ohr gehalten wird, kann die Energie aus den elektromagnetischen Feldern in den Kopf eindringen und dort eine geringfügige Erwärmung des Gewebes verursachen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) untersucht die möglichen Folgen dieser "Handy-Strahlung".

Die Geschwindigkeit und Verteilung der Energieabsorption im Körper hängt von der Stärke und der Frequenz der elektromagnetischen Felder ab, aber auch von den Eigenschaften und Strukturen des biologischen Gewebes. Für mögliche gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder beim Menschen ist die Wärmewirkung ausschlaggebend. Mit Auswirkungen auf die Gesundheit ist dann zu rechnen, wenn bestimmte Schwellenwerte überschritten werden und die Wärmeregulierung des Körpers gestört ist. Langanhaltende Überwärmung im Augenbereich begünstigt die Entstehung von grauem Star und anderen Augenkrankheiten.

Nicht-thermische Effekte

Neben den thermischen Effekten werden auch nicht-thermische Effekte von elektromagnetischen Feldern diskutiert. Dazu gehört beispielsweise eine stärkere Durchlässigkeit der Zellwände, was zu Veränderungen des Ionenkanaleinbaus und der Stoffwechselprozesse führen kann, auch wenn keine Temperaturänderung messbar ist. Die Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf die kognitive Leistungsfähigkeit und das Verhalten werden sogar schon seit den 1950er Jahren diskutiert.

Krebsrisiko

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geht von keinem Krebsrisiko durch elektromagnetische Strahlung aus. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) hat elektromagnetische Felder jedoch in die Kategorie 2b ("möglicherweise krebserregend") eingestuft. Diese Einstufung basiert auf epidemiologischen Studien, bei denen große Bevölkerungsgruppen beobachtet wurden, um mögliche Risiken zu identifizieren.

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Es gab den Verdacht, dass Kinder, die in der Nähe von Stromleitungen wohnten und niederfrequenten Magnetfeldern ausgesetzt waren, häufiger an Leukämie erkrankten. In späteren Studien konnte das weder belegt noch völlig widerlegt werden. Einige Studien an Menschen, die schon früh mobile Telefone nutzten, deuten an, dass es Anzeichen dafür gibt, dass bei ihnen häufiger Tumore im Gehirn auftreten. Die Experten der IARC waren sich über die Aussagekraft der Daten jedoch nicht einig. Deshalb stuften sie hochfrequente Felder als "vielleicht krebserregend" ein.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Einstufung in die Kategorie 2b nicht bedeutet, dass elektromagnetische Felder tatsächlich Krebs verursachen. Es bedeutet lediglich, dass es begrenzte Hinweise auf ein mögliches Risiko gibt und weitere Forschung erforderlich ist. Beispiele für Krebsrisiken der Kategorie 1 (krebserregend für den Menschen) sind Asbest oder Tabak - nicht aber elektromagnetische Strahlung.

Auswirkungen auf die Gedächtnisentwicklung bei Jugendlichen

Eine Studie des Schweizerischen Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) hat ergeben, dass hochfrequente Strahlung sich negativ auf die Gedächtnisentwicklung junger Menschen auswirken kann. Die Studie wurde mit rund 700 Jugendlichen in der Schweiz durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die kumulative Hirn-HF-EMF-Exposition durch Mobiltelefone über ein Jahr hinweg einen negativen Einfluss auf die Entwicklung der figuralen Gedächtnisleistung bei Jugendlichen haben kann. Das figurale Gedächtnis ist hauptsächlich in der rechten Gehirnhälfte angesiedelt, und der Einfluss von HF-EMF war bei jenen Jugendlichen ausgeprägter, die ihr Mobiltelefon auch auf der rechten Seite des Kopfes benutzten. Andere Aspekte der drahtlosen Kommunikation wie das Senden von Textnachrichten, Spielen oder Surfen im Internet verursachen nur eine geringe Strahlenbelastung des Gehirns und zeigten keinen Zusammenhang mit der Entwicklung der Gedächtnisleistung.

Die Forscher weisen darauf hin, dass weitere Forschung notwendig ist, um den Einfluss anderer Faktoren auszuschließen. Eine Empfehlung der Forscher ist in jedem Fall die Verwendung von Kopfhörern (oder das Einschalten des Lautsprechers) beim Telefonieren.

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Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit

In einigen Veröffentlichungen wird von Hinweisen berichtet, dass sich elektromagnetische Felder negativ auf die Fruchtbarkeit - vor allem von Männern - auswirken können. Die Ursache soll die Nutzung von Mobilfunktelefonen sein. Die Studienlage ist widersprüchlich. Einige Arbeiten sehen einen schädlichen Einfluss von elektromagnetischen Feldern auf die Fruchtbarkeit, andere sehen diesen Effekt nicht.

Weitere mögliche Auswirkungen

Es gibt Berichte über weitere mögliche Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern auf den Körper, wie z.B.:

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Symptome unspezifisch sind und auch andere Ursachen haben können.

Schutzmaßnahmen: Was kann man selbst tun?

Auch wenn die wissenschaftliche Evidenz für schädliche Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern begrenzt ist, gibt es dennoch einige Maßnahmen, die man ergreifen kann, um die Belastung zu reduzieren:

  • Abstand halten: Je größer der Abstand zu einer Strahlungsquelle, desto geringer die Belastung.
  • Headset verwenden: Beim Telefonieren mit dem Handy ein Headset verwenden, um den Abstand zum Kopf zu vergrößern.
  • Guter Empfang: Daten im Internet bei gutem Empfang oder guter Leistung im WLAN abrufen.
  • SAR-Werte beachten: Beim Kauf eines Handys auf die SAR-Werte achten.
  • Standby-Modus vermeiden: Elektrisch betriebene Geräte wie Fernseher und Stereoanlagen nicht im Standby-Modus lassen, sondern diese völlig abschalten.
  • Abstand zum Radiowecker: Einen netzbetriebenen Radiowecker nicht direkt neben das Kopfteil des Bettes stellen.
  • Abstand bei Herzschrittmachern: Mindestens eine Armlänge Abstand zu einem Haushaltsgerät halten, wenn man einen Herzschrittmacher trägt.
  • Babyphone mit Bedacht nutzen: Kein Babyphone nutzen, das ständig sendet, und auf einen ausreichenden Abstand zwischen dem Bett des Kindes und dem Babyphone achten.

Strahlenschutz in Deutschland

Aufgabe des Strahlenschutzes ist, für eine solch geringe Stärke der elektromagnetischen Felder zu sorgen, dass keine Gesundheitsschäden auftreten. Der Um- und Ausbau der Stromnetze, neue Entwicklungen beim Mobilfunk und der modernen Kommunikationsmittel werfen neue Fragen zur Belastung durch elektromagnetische Felder auf. Ihre Auswirkungen sollen so früh wie möglich untersucht und die Information und Aufklärung der Bevölkerung gewährleistet werden. Deshalb wurde in der brandenburgischen Stadt Cottbus das Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder (KEMF) gegründet. Es ist Teil des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Für Handys gelten Grenzwerte. Gemessen wird die spezifische Absorptionsrate (SAR-Wert). Der Wert gibt an, wie viel Strahlung in den Körper gelangt - bezogen auf ein Kilogramm Körpergewicht. In der Europäischen Union (EU) darf dieser Wert nicht höher als zwei Watt pro Kilogramm sein. Wer erfahren möchte, wie hoch der SAR-Wert des eigenen Handys ist, kann beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nachschauen. Seit 2022 werden die SAR-Werte bei den Herstellern von Mobiltelefonen erhoben, die auf dem deutschen Markt angeboten werden.

Bewertung der Risiken in Europa

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Gesundheit, Umwelt- und neu auftretende Risiken (SCHEER) wurde im Jahr 2021 von der Europäischen Kommission beauftragt, die Risiken von elektromagnetischen Feldern neu zu bewerten. In seiner Stellungnahme weist der Ausschuss darauf hin, dass die empfohlenen Grenzwerte in Europa nicht überschritten werden. Für die Bevölkerung bestehe weder eine mäßige noch starke Evidenz für nachteilige Wirkungen. Ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Alzheimer, Demenz oder der Amyotrophen Lateralsklerosen, einer seltenen Erkrankung des zentralen Nervensystems, und der Belastung im Beruf wird als schwach eingestuft.

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