Für kleinere Beschwerden wünschen sich viele Menschen ein schnell wirksames Mittel ohne Nebenwirkungen. In der Homöopathie lassen sich solche Mittel finden. Bei Durchfall und Erbrechen können Homöopathika in der Regel gut helfen, wenn man einiges beachtet.
Ursachen und Definition von Durchfall und Erbrechen
Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Vomitus, Emesis) treten bei fast allen gastroenterologischen Erkrankungen auf, vor allem bei akuten Bauchbeschwerden. Unter Diarrhoe/Durchfall versteht man mehr als drei ungeformte Stühle täglich. Je nach zeitlichem Verlauf unterscheidet man zwischen akuter und chronischer Diarrhoe. Akute und chronische Diarrhoe, eventuell mit Erbrechen, können verschiedene Ursachen haben.
Zu den häufigsten Ursachen für wässrigen Stuhl gehören bakterielle oder virale Infekte im Magen-Darm-Bereich. Dazu zählen als Auslöser beispielsweise Noro- oder Rotaviren, die meist durch Schmierinfektionen übertragen werden. Berüchtigte Durchfallerreger sind auch Salmonellen, Campylobacter oder Coli-Bakterien, mit denen Lebensmittel kontaminiert sein können. Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie eine Gluten- oder Laktoseintoleranz können sich mit einer erhöhten Neigung zu Durchfällen bemerkbar machen.
Homöopathische Behandlung: Ein ganzheitlicher Ansatz
Die klassische Homöopathie betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit. Klassisch homöopathisch arbeitende Ärzte und Heilpraktiker nehmen sich bei der Erstanamnese viel Zeit, um die Krankengeschichte zu erheben und kleinste Details zu erfassen, die den gesamten Menschen mit all seinen Facetten betreffen. Ziel ist es, für jeden Patienten das individuell passende Mittel zu finden.
Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben.
Lesen Sie auch: Homöopathie zur Behandlung vegetativer Dysfunktion
Die indikationsbezogene Homöopathie
Bei der indikationsbezogenen oder organotropen Homöopathie ist keine stundenlange Anamnese nötig. Diese Methode geht schnell. In wenigen Minuten sind die entscheidenden Hinweise erfragt. Das zeigte Dr. Andreas Wacker, ein in Mannheim niedergelassener Arzt für Homöopathie, am Beispiel der akuten Gastroenteritis.
Wichtige Homöopathische Mittel und ihre Anwendungsgebiete
Die Mittelauswahl in der Homöopathie wird so genau wie möglich auf den individuellen Menschen und seine jeweilige Gesundheitssituation abgestimmt. Hier sind einige der wichtigsten homöopathischen Mittel bei Durchfall und Krämpfen:
- Arsenicum album (Arsen): Das ist die wichtigste Arznei für plötzlich auftretende Durchfälle mit oder ohne Erbrechen. "Die wichtigste Empfindung ist Brennen wie Feuer", sagte Wacker. Die Patienten haben brennende Schmerzen. Körperabsonderungen wie Durchfall sind scharf und machen wund. Auffallend ist auch eine starke Kälteempfindlichkeit. Trotzdem verlangen die Patienten nach kaltem Wasser, das aber sofort wieder erbrochen wird. Die Beschwerden sind nachts schlimmer, besonders um 1 Uhr nachts. Die Patienten haben typischerweise eine blasse, graue, ungesunde Gesichtsfarbe und sind sehr ängstlich. Essensgeruch ist ihnen unerträglich.
- Nux vomica (Brechnuss): Das Mittel wird auch die Manager-Arznei genannt. Die Patienten sind hektisch, gestresst, ärgerlich, ungeduldig, leiden unter Schlafentzug und neigen zu Exzessen. Die gastroenteritischen Beschwerden sind meist Folgen von Essens- und Trinkgelagen. Ein wichtiges Leitsymptom ist der Wechsel von Hitze- (mit oder ohne Schwitzen) und Frostgefühlen. Ein klassisches Darminfektmittel, besonders nach zu reichlicher oder unbekömmlicher Mahlzeit ist Nux vomica. Der Patient verspürt besonders morgens drückende Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, seine Stimmung ist ausgesprochen gereizt. Die Zunge ist dick gelblich belegt.
- Phosphorus (Gelber Phosphor): Der typische Hinweis auf dieses Mittel ist große Erregbarkeit. Die Beschwerden treten etwa vor einer wichtigen Veranstaltung auf, die Patienten werden vor Aufregung krank. Vor allem Kinder, aber auch Erwachsene sind sehr empfänglich für Berührungen. Es geht ihnen schon besser, wenn die Hand aufgelegt oder der Bauch massiert wird. Ein Leitsymptom ist außerdem ebenfalls das Verlangen nach kalten Getränken.
- Veratrum album (Weißer Germer, Weiße Nieswurz): Das ist die homöopathische Kollaps-Arznei. Bei gastroenterologischen Beschwerden wird sie eingesetzt, wenn die Patienten kaltschweißig und sehr schwach sind. Geht heftiges Erbrechen mit einem schweren, wässrigen Durchfall und zunehmendem Schwächegefühl einher, sind Arsenicum album und Veratrum album angezeigt.
- Carbo vegetabilis (Holzkohle): Die Magen-Darm-Beschwerden gehen oft auf verdorbene Nahrungsmittel zurück. Typisch sind extreme Blähungen vor dem Durchfall.
- Ipecacuanha (Brechwurzel): Dieses Mittel ist angezeigt bei Husten und Erbrechen. Vor allem bei Kindern seien diese Symptome häufig gekoppelt, sagte Wacker. Bei akutem unstillbarem Erbrechen haben sich die Arzneimittel Ipecacuanha und Tartarus emeticus sehr bewährt. Charakteristische Indikation für Ipecacuanha ist eine Zunge ohne Belag.
- Okoubaka: Okoubaka hilft bei Magenverstimmung mit Bauchkrämpfen und Durchfällen bei verdorbenen Speisen (milde Nahrungsmittelvergiftung).
- Podophyllum: Ein Sommer-Durchfallmittel ist Podophyllum. Oft durch Hitze oder Verkühlung ausgelöst, beobachtet man hier einen wässrig spritzenden und dabei übelriechenden Durchfall mit Bauchschmerzen und Erschöpfung. Auch bei Beschwerden durch die Dentitio mit entsprechender Durchfallsymptomatik kommt Podophyllum in Betracht.
Weitere wichtige Mittel
- Gelsemium: Bei Durchfall nach Aufregung oder in Prüfungssituationen.
- Chamomilla: Bei Durchfall bei zahnenden Kindern, besonders wenn der Stuhl unverdaute Nahrung enthält.
- Calcium carbonicum: Für Säuglinge während des Zahnens geeignet, wenn Stuhl und Körper sauer riechen.
- Mercurius: Wenn eine Lebensmittelvergiftung die Ursache ist, bei brennenden, wässrigen Durchfällen, manchmal schleimig oder blutig, bei ständigem Stuhldrang.
- Pulsatilla: Bei Durchfall nach dem Verzehr von zu viel Obst, fetten und schweren Speisen oder Eis, wenn sich Farbe, Geruch und Konsistenz des Stuhles dauernd ändert.
Begleitende Symptome und ihre homöopathischen Entsprechungen
Je nach den spezifischen Begleiterscheinungen können unterschiedliche homöopathische Mittel in Betracht gezogen werden:
- Völlegefühl, Aufstoßen, Übelkeit mit Erbrechen von Schleim oder Galle ohne Besserung: Hier kann ein passendes Mittel gesucht werden.
- Magenkatarrh mit Erbrechen bei heißem Wetter, Melancholie und Mürrischkeit: Auch hier gibt es spezifische Mittel.
- Stark ausgeprägter Geruchssinn nach oder während des Essens: Ein weiteres Kriterium für die Mittelauswahl.
- Durst- und Appetitlosigkeit, außer auf Süßes: Hier kann ein anderes Mittel angezeigt sein.
- Reichlich Speichel im Mund, häufiges Aufstoßen, Erbrechen von Galle und Schleim: Auch diese Symptome helfen bei der Wahl des richtigen Mittels.
- Gefühl, dass es nach dem Erbrechen besser gehen würde, aber es ist nicht möglich: Ein spezifisches Symptom, das auf ein bestimmtes Mittel hinweisen kann.
- Sensibilität auf atmosphärische Veränderungen, Autofahren oder Schaukeln auf einem Schiff: Hier kann ein anderes Mittel passend sein.
- Flatus (Blähungen), starkes Verlangen nach Zucker, Erschöpfung und Nervosität: Auch diese Symptome können bei der Mittelfindung helfen.
- Schnelle Wut, Unsicherheit und Aus-dem-Konzept-Geraten: Hier kann ein anderes Mittel angezeigt sein.
- Großer Durst, trockene Lippen, starkes Krankheitsgefühl und Schwäche: Ein weiteres Kriterium für die Mittelauswahl.
- Kleine Mengen dunkelgelben bis dunkelgrünen, schleimigen und blutigen Stuhls, Durchfall häufig erst gegen Morgen: Hier kann ein spezifisches Mittel gesucht werden.
- Empfindlichkeit bei starken Temperaturschwankungen sowie bei Kälteeinbruch im Sommer oder schwankenden Temperaturunterschieden (Tag/Nacht): Ein weiteres Kriterium für die Mittelauswahl.
- Diarrhoe häufig nachts, Mundgeruch und starker Schweiß: Auch diese Symptome helfen bei der Wahl des richtigen Mittels.
- Entleerung nur unter großer Anstrengung: Hier kann ein anderes Mittel angezeigt sein.
- Häufig sehr früh morgens auftretende, kräftezehrende Durchfälle: Ein weiteres Kriterium für die Mittelauswahl.
- Wundmachendes und übelriechendes Sekret: Auch dieses Symptom kann bei der Mittelfindung helfen.
- Starke Übelkeit mit Erbrechen, Schwäche bis zur Ohnmacht, zuweilen Krämpfe in Beinen und Füßen: Hier kann ein anderes Mittel passend sein.
- Durchfälle häufig nachts: Ein weiteres Kriterium für die Mittelauswahl.
Dosierung und Anwendung
Wenn Sie mit Homöopathie Durchfall behandeln wollen, verwenden Sie geeignete Durchfall-Globuli in den Potenzen D6 oder C6. Eine weitere Möglichkeit Globuli gegen Durchfall einzusetzen, ist die Potenz D12. Nehmen Sie die homöopathischen Mittel gegen Durchfall mehrmals täglich ein.
In den Potenzen D6 und C6 können Sie die Durchfall-Globuli stündlich unter der Zunge zergehen lassen. Allerdings nicht öfter als acht Mal in 24 Stunden. Setzen Sie die Homöopathie bei Durchfall in der Potenz D12 ein, sollten Sie diese nicht öfter als vier Mal täglich einnehmen.
Lesen Sie auch: Umfassende Betrachtung: Homöopathie und Zahnnervschmerzen
Liegt ein schwerer Verlauf vor, können Sie für den Durchfall Homöopathie-Mittel in der Potenz C30 verwenden. Diese Potenz sollten Sie aber nicht öfter als zwei Mal täglich wiederholen. Nehmen Sie von den entsprechenden Globuli gegen Durchfall jeweils drei Stück ein. Die Behandlung von Durchfall mit Homöopathie können Sie in der gleichen Art und Weise auch bei Kindern anwenden. Während Sie dem kleinen Kind Durchfall-Globuli in Muttermilch oder Wasser auflösen, können größere Kinder die Globuli unter der Zunge zergehen lassen.
Die Häufigkeit der Einnahme richtet sich nach der Aktualität der Beschwerden. Bei sehr akuten Beschwerden kann das passende Arzneimittel zunächst stündlich eingenommen werden, am zweiten Tag alle zwei Stunden, anschließend 2 - 4 x täglich. Bei weniger heftigen Symptomen reicht meist die 2 - 4 x tägliche Einnahme. Zwischen der Einnahme der homöopathischen Arznei und einer Mahlzeit sollte ein Abstand von ca. 30 Minuten liegen.
Wann ist ein Arztbesuch erforderlich?
Bei starkem oder länger andauerndem Durchfall muss jedoch ein Arzt aufgesucht werden. Wenn der Durchfall sehr ausgeprägt ist oder länger andauert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Konkret bedeutet das, dass nach drei Tagen Durchfall oder bei mehr als fünf bis sechs wässrigen Durchfällen am Tag die Behandlung mit Homöopathie ohne ärztliche Kontrolle nicht mehr zu verantworten ist.
Bei alten Menschen und Kindern kommt es schneller zu einer lebensbedrohlichen Austrocknung, deshalb sollten Sie dann schon früher zum Arzt gehen. Starke Bauchschmerzen, Fieber und blutige Stühle sollten ebenfalls ärztlich abgeklärt werden.
Wenn die Betroffenen aufgrund massiver Diarrhoe kreislaufinstabil werden (Wasserverlust/Elektrolytverlust) kann es zur Austrocknung kommen, bis zum Volumenmangelschock (Kreislaufschock).
Lesen Sie auch: Neuralgie nach Herpes Zoster: Hilft Homöopathie?
Allgemeine Maßnahmen und Tipps
- Ausreichend trinken: Das Wichtigste ist, ausreichend Wasser zu trinken, um den Verlust an Flüssigkeit und Salzen auszugleichen. Empfehlenswert sind schonende Tees mit etwas Zucker (kein Honig!).
- Elektrolyt-Glukose-Mischungen: Es gibt fertige Elektrolyt-Glukose-Mischungen, die eine Rehydrierung unterstützen. Sprechen Sie zuvor jedoch unbedingt mit Ihrem Arzt.
- Schonkost: Vermeiden Sie zu Beginn einer Durchfall-Erkrankung feste Nahrung.
- Geriebener Apfel: Bewährt als „Stopfmittel“ hat sich ein geriebener Apfel, den man längere Zeit an der Luft stehen lässt, bis sich das Fruchtfleisch bräunlich färbt.
- Kohle-Tabletten: Bei Durchfällen auf Reisen kann man zusätzlich Kohle-Tabletten oder eine fertige Arznei auf Hefebasis einnehmen.
- Probiotika: Probiotika, zum Aufbau einer gesunden Darmflora, können das Durchfallrisiko senken. Dies betrifft auch Durchfall, der durch Antibiotikagaben entstanden ist.
Warnhinweise
Die auf Globuli.de zur Verfügung gestellten Informationen sowie Kommentare und Diskussionsbeiträge können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer eigenständigen Auswahl und Anwendung oder Absetzung von Arzneimitteln, sonstigen Gesundheitsprodukten oder Behandlungsmethoden verwendet werden. Viele Symptome und Beschwerden können bei verschiedenen Erkrankungen auftreten. Für eine sichere Diagnose und Behandlung muss immer ein Arzt aufgesucht werden. Die auf Globuli.de zur Verfügung gestellten Inhalte sind sorgfältig erarbeitet und werden in regelmäßigen Abständen auf ihre Richtigkeit überprüft und aktualisiert. Jedoch unterliegen die Erkenntnisse in der Medizin einem ständigen Wandel.
tags: #homoopathie #durchfall #krampfe