Die Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet ist. Die konventionelle Behandlung konzentriert sich primär auf Medikamente, sogenannte Antiepileptika. Diese können jedoch Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel und Konzentrationsstörungen verursachen, was einige Patienten dazu veranlasst, alternative Behandlungsmethoden in Betracht zu ziehen. Die Homöopathie ist eine solche Alternative, die auf der Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers basiert und als nebenwirkungsarm gilt.
Grundlagen der Homöopathie
Die klassische Homöopathie wurde vor über 200 Jahren von Samuel Hahnemann (1755-1843) begründet. Sie basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip, wonach eine Substanz, die bei einem Gesunden bestimmte Symptome hervorruft, bei einem Kranken mit ähnlichen Symptomen heilend wirken kann. Dieses Prinzip ist jedoch keine Erfindung Hahnemanns, sondern wurde bereits im Alten Testament, bei Hippokrates, Platon und Paracelsus erwähnt.
Die Wirkung homöopathischer Arzneimittel beruht auf einem speziellen Zubereitungsverfahren, das Verdünnung (Potenzierung) und Verschüttelung bzw. Verreibung umfasst. Durch diesen Prozess sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt werden.
Homöopathische Behandlung von Epilepsie: Ein Überblick
Bei der homöopathischen Behandlung von Epilepsie stellt sich die Frage, ob die Erkrankung ausschließlich homöopathisch oder in Kombination mit konventionellen Antiepileptika behandelt werden soll. Die Therapiestrategie richtet sich nach der Anfallsform und -frequenz des Patienten. Generell gilt, dass bei mangelndem homöopathischem Therapieerfolg eine zusätzliche konventionelle antiepileptische Behandlung erfolgen sollte.
Spezialisierte Therapeuten und individuelle Anamnese
Die homöopathische Behandlung von Epilepsien sollte nur von spezialisierten Therapeuten durchgeführt werden, die neben einer fundierten homöopathischen Ausbildung auch über neurologische und epileptologische Kenntnisse verfügen. Es gibt kein homöopathisches "Epilepsie-Mittel". Stattdessen ermittelt der Homöopath das passende Mittel anhand einer genauen Anfallsanamnese. Dazu werden der Patient und oft auch sein familiäres und therapeutisches Umfeld befragt. Besonders auffällige Symptome, die den Patienten von anderen Kranken mit derselben Diagnose unterscheiden, sind für die individuelle Arzneimittelwahl wichtig. Ein Beispiel wäre, wenn ein Patient während eines Anfalls Durst hat und etwas trinkt.
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Die Wahl des passenden Arzneimittels und der Behandlungsverlauf
Unter Berücksichtigung aller vorliegenden Informationen verordnet der homöopathische Arzt ein Arzneimittel, das möglichst alle Aspekte der Anfallssymptome des Patienten repräsentiert, d.h. die größtmögliche Ähnlichkeit mit der individuellen Epilepsieerkrankung zeigt. Im Behandlungsverlauf kann es nötig sein, das homöopathische Mittel mehrmals zu wechseln, weil sich das Symptombild der Krankheit verändert hat. Besonders bewährt hat sich deshalb die tägliche Behandlung mit Q-Potenzen als Lösung mit relativ kurzer Wirkdauer, in denen der Arzneiwirkstoff in einem hohen Verdünnungsverhältnis enthalten ist.
Begleitende Therapie und Dosisreduktion von Antikonvulsiva
Bei vielen Epilepsie-Patienten, die homöopathisch behandelt werden, ist eine begleitende Therapie mit Antikonvulsiva nötig. Erfahrungsgemäß ist jedoch bei richtig gewähltem homöopathischem Arzneimittel eine Dosisreduktion der Antikonvulsiva möglich. Der Arzt wird die Dosierung jedoch nur herabsetzen, wenn klare Belege für den homöopathischen Behandlungserfolg vorliegen. Antikonvulsiva werden grundsätzlich schrittweise reduziert, andernfalls können Entzugsanfälle auftreten. Während der Reduktionsphase sollten EEG-Kontrollen durchgeführt werden, um eine erhöhte Anfallsbereitschaft frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls die Therapiestrategie anzupassen.
Erwartungen an die homöopathische Behandlung
Erfahrungsgemäß ist durch eine homöopathische Epilepsie-Behandlung eher mit einer Reduktion der Anfallsfrequenz und der Schwere der Anfälle als mit einer kompletten Anfallsfreiheit zu rechnen. Bei idiopathischen Anfällen (Anfälle ohne erkennbaren Grund) ist im Vergleich zu symptomatischen Anfällen (Anfälle mit bekannter Ursache wie z.B. ein Tumor) die Prognose besser.
Fallbeispiel: Homöopathische Behandlung einer Temporallappenepilepsie
Eine 22-jährige Patientin mit diagnostizierter Temporallappenepilepsie mit komplex-fokalen Anfällen lehnte die in der Universitätsklinik empfohlene antiepileptische Behandlung mit Lamotrigin ab und entschied sich für eine alleinige homöopathische Behandlung. Vor Behandlungsbeginn traten durchschnittlich 15 Anfälle pro Monat auf.
Das erste homöopathische Mittel führte zunächst zu Anfallsfreiheit, Zunahme des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit. Im weiteren Verlauf traten jedoch wieder Anfälle auf, so dass die homöopathische Therapie nach einem Mittelwechsel weitergeführt wurde. In den folgenden acht Monaten kam es zu einer Aura ohne folgenden Anfall und zu zwei nächtlichen Anfällen.
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Rückblickend konnte bei der Patientin unter ausschließlicher homöopathischer Behandlung in einem Behandlungszeitraum von zweieinhalb Jahren eine erhebliche Reduktion der Anfallsfrequenz erzielt werden. Auf einer EEG-Kontrolle waren die zuvor beschriebenen epilepsietypischen Veränderungen im rechten Schläfenlappen nicht mehr zu erkennen. Unter der homöopathischen Therapie tritt aktuell durchschnittlich alle drei Monate ein nächtlicher Anfall auf. Bei völligem Wohlbefinden mit erhaltener Leistungsfähigkeit erscheint in Anbetracht der seltenen Anfallsfrequenz ausschließlich nachts die alleinige homöopathische Weiterbehandlung vertretbar. Eine konsequente Verlaufsbeobachtung ist allerdings unbedingt erforderlich.
Homöopathische Mittel in der Epilepsiebehandlung: Hyoscyamus niger als Beispiel
Ein in der Homöopathie häufig verwendetes Mittel bei neurologischen Störungen ist Hyoscyamus niger (Schwarzes Bilsenkraut). Es wird besonders bei psychischen Auffälligkeiten und Störungen des zentralen Nervensystems eingesetzt, wie beispielsweise ADHS oder manischen Zuständen.
Anwendungsgebiete von Hyoscyamus
Hyoscyamus soll bei folgenden Beschwerden helfen:
- Verhaltensauffälligkeiten wie manische oder hysterische Zustände
- Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
- Epilepsie
- Wiederholte, unwillkürliche Muskelkontraktionen (Tics)
- Schlaflosigkeit
- Husten
- Schluckauf
- Harn- und Stuhlinkontinenz
- Stuhlzurückhaltung
Typische Symptome, die auf Hyoscyamus hinweisen, sind:
- Krämpfe der willkürlichen und unwillkürlichen Muskulatur
- Epileptische Krampfanfälle
- Ruhelosigkeit
- Geschwätzigkeit
- Eifersucht
- Fluchen und unzüchtiges Reden
- Exhibitionismus
- Albernes Verhalten
- Gestikulieren
- Flockenlesen
- Ängste
Die Beschwerden werden besser durch Aufsetzen, Bewegung, Wärme, Bücken und Vorbeugen. Sie werden schlimmer durch Gemütsbewegungen wie Eifersucht, Schreck, Liebeskummer, vor und während der Menstruation, durch Berührung, durch Kälte, im Schlaf und im Liegen.
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Hyoscyamus bei Kindern
Hyoscyamus wird auch bei Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern empfohlen, insbesondere bei Nervosität, Unruhe und Zappeligkeit. Es soll auch bei Schlafstörungen helfen, insbesondere bei Alpträumen oder Schwierigkeiten, nach Aufregung einzuschlafen. Bei ADHS-Symptomen wie Zappeligkeit, Unruhe und Lernschwierigkeiten kann Hyoscyamus ebenfalls in Betracht gezogen werden, jedoch sollte hier keine Selbstbehandlung erfolgen. Auch bei Enuresis oder Stuhlinkontinenz sollte zunächst ein Kinderarzt konsultiert werden.
Der Hyoscyamus-Typ
Der Hyoscyamus-Typ kann viele Facetten haben. Er kann fröhlich und zu Scherzen aufgelegt sein, aber auch albernes Verhalten zeigen oder verletzende Witze machen. In manchen Fällen kann er bösartig und berechnend sein und zu Gewalttätigkeit und Aggressivität neigen. Oft beobachtet man eine gewisse Schamlosigkeit und das Fehlen von moralischem Empfinden und ethischen Hemmschwellen. Sexuelle Übererregbarkeit und krankhafte Eifersucht können ebenfalls Merkmale des Hyoscyamus-Typs sein.
Anwendung von Hyoscyamus
Hyoscyamus ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, wie Globuli, Tropfen oder Tabletten. Bei akuten Krankheiten oder leichteren psychischen Problemen kann Hyoscyamus D6 oder D12 selbstständig eingesetzt werden. Bei stärkeren Beschwerden oder Verhaltensauffälligkeiten sollte jedoch ein erfahrener Homöopath konsultiert werden, der die Behandlung und Dosierung individuell anpasst. Höhere Potenzen wie C12, C30, C200 oder C1000 sollten nur von einem Homöopathen verordnet werden.
Epilepsie bei Tieren: Homöopathische Therapie als Option
Auch bei Tieren, insbesondere Hunden, kann Epilepsie auftreten. Die Ursachen können genetisch bedingt (idiopathische Epilepsie) oder im Laufe des Lebens erworben sein (symptomatische Epilepsie). Die Anfälle können unterschiedlich aussehen, von unmotiviertem Bellen und Zuckungen einzelner Körperteile bis hin zu generalisierten Krämpfen mit Bewusstseinsverlust.
Die veterinärmedizinische Therapie der Wahl ist oft Phenobarbital, ein Barbiturat, das jedoch erhebliche Nebenwirkungen haben kann. Daher suchen Tierhalter häufig nach alternativen Behandlungsmethoden wie der Homöopathie.
Erfahrungen mit homöopathischer Therapie bei Tieren
Die Erfahrungen mit der homöopathischen Therapie bei Tieren sind durchweg gut, wenn die Mittel richtig auf das spezielle und individuelle Tier abgestimmt werden. So gibt es Berichte von Hunden, die unter homöopathischer Behandlung und individuellen Kräutermischungen eine deutliche Reduktion der Anfallsfrequenz und -schwere zeigten.
Wichtige Aspekte der homöopathischen Behandlung bei Tieren
Da der Leberstoffwechsel in Zusammenhang mit Epilepsie zu stehen scheint, ist auf eine stetige leberschonende Entgiftung und Unterstützung der Leber Wert zu legen. Auch die Nierentätigkeit ist unterstützenswert. Feste Tagesabläufe und eine ruhige, stressfreie Umgebung sind ebenfalls wichtig für den Therapieerfolg.
Schulmedizinische Aspekte der Epilepsiebehandlung
Die schulmedizinische Behandlung der Epilepsie umfasst in erster Linie die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika. Ziel ist es, die Anfallsfrequenz zu reduzieren oder im Idealfall Anfallsfreiheit zu erreichen.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Bei einem epileptischen Anfall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und den Betroffenen vor Verletzungen zu schützen. Während des Anfalls sollte man den Patienten nicht festhalten. Dauert ein Anfall länger als fünf Minuten oder treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, muss umgehend ein Notarzt gerufen werden.
Diagnose und Behandlung in der Schulmedizin
Die Diagnose von Epilepsie umfasst in der Regel eine ausführliche Anamnese, neurologische Untersuchungen wie EEG und MRT sowie gegebenenfalls Laboruntersuchungen. Die Behandlung richtet sich nach der Art der Anfälle und kann neben Medikamenten auch operative Eingriffe oder Stimulationsverfahren umfassen.
Was man selbst tun kann
Epilepsie-Patienten sollten auf einen stabilen Lebensstil mit ausreichend Schlaf und wenig Alkohol achten. Auch eine Psychotherapie kann hilfreich sein, um mit der Erkrankung besser umzugehen.
Grenzen und Kontroversen der Homöopathie
Das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Kritiker bemängeln, dass die stark verdünnten homöopathischen Mittel keine nachweisbaren Wirkstoffe mehr enthalten und die beobachteten Effekte auf den Placebo-Effekt zurückzuführen seien.
Befürworter der Homöopathie betonen hingegen die individuelle Betrachtung des Patienten und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers. Sie verweisen auf positive Erfahrungen und Fallberichte, die eine Wirksamkeit der Homöopathie belegen sollen.
Rechtliche Aspekte und Zuständigkeiten
In Deutschland dürfen sowohl Ärzte als auch Heilpraktiker homöopathische Mittel verschreiben. Allerdings ist die homöopathische Behandlung von Epilepsien nur von spezialisierten Therapeuten durchzuführen, die neben einer fundierten homöopathischen Ausbildung auch über neurologische und epileptologische Kenntnisse verfügen.
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