Die Schallleitungsschwerhörigkeit ist eine Beeinträchtigung des Hörvermögens, die durch eine Blockade oder einen Defekt im Außen- oder Mittelohr verursacht wird. Diese Störung verhindert die effiziente Weiterleitung von Schallwellen zu den Sinneszellen im Innenohr, was zu einem eingeschränkten Hörvermögen führt. Dieser Artikel beleuchtet die Definition, Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsmöglichkeiten der Schallleitungsschwerhörigkeit, um ein umfassendes Verständnis dieser Hörstörung zu ermöglichen.
Was ist eine Schallleitungsschwerhörigkeit?
Eine Schallleitungsschwerhörigkeit, auch konduktive Schwerhörigkeit genannt, entsteht durch eine Störung im äußeren oder mittleren Ohr, die die Schallübertragung zum Innenohr behindert. Im Gegensatz zur Schallempfindungsschwerhörigkeit, die das Innenohr oder den Hörnerv betrifft, ist bei der Schallleitungsschwerhörigkeit der Weg des Schalls durch die mechanische Kette von Trommelfell und Gehörknöchelchen gestört. Diese Art der Schwerhörigkeit kann in jedem Lebensalter auftreten und unterschiedliche Ursachen sowie Schweregrade haben.
Der Weg des Schalls zum Ohr
Um die Schallleitungsschwerhörigkeit besser zu verstehen, ist es hilfreich, den normalen Weg des Schalls zum Ohr zu betrachten:
- Äußeres Ohr: Die Ohrmuschel fängt die Schallwellen auf und leitet sie durch den Gehörgang zum Trommelfell.
- Mittelohr: Die Schallwellen versetzen das Trommelfell in Schwingung. Diese Schwingungen werden über die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) verstärkt und an das ovale Fenster, den Eingang zum Innenohr, weitergeleitet.
- Innenohr: Im Innenohr, genauer gesagt in der Hörschnecke (Cochlea), werden die mechanischen Schwingungen in elektrische Impulse umgewandelt, die dann über den Hörnerv zum Gehirn gelangen, wo sie als Töne interpretiert werden.
Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit ist dieser Prozess an irgendeiner Stelle im äußeren oder mittleren Ohr unterbrochen.
Ursachen einer Schallleitungsschwerhörigkeit
Es gibt verschiedene Ursachen für eine Schallleitungsschwerhörigkeit:
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- Ohrenschmalzpfropfen: Eine Ansammlung von Ohrenschmalz kann den Gehörgang blockieren und die Schallübertragung behindern.
- Mittelohrentzündung (Otitis media): Eine Entzündung des Mittelohrs, oft durch eine bakterielle oder virale Infektion verursacht, kann zu einer Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr führen, die die Bewegung der Gehörknöchelchen einschränkt. Eine Verletzung im Trommelfell lässt Keime und Bakterien ins Mittel- und Innenohr und kann zu einer Mittelohrentzündung führen.
- Paukenerguss: Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr ohne akute Entzündung. Ein Paukenerguss ist eine Erkrankung im Ohr, bei der sich Flüssigkeit im Mittelohr ansammelt welche das Hörvermögen mindert.
- Trommelfellperforation: Ein Riss oder ein Loch im Trommelfell kann die Schallübertragung beeinträchtigen.
- Otosklerose: Diese Erkrankung führt zu einer Verknöcherung der Gehörknöchelchen, insbesondere des Steigbügels, was dessen Beweglichkeit einschränkt.
- Gehörknöchelchenschäden: Verletzungen oder Erkrankungen können die Gehörknöchelchen beschädigen oder ihre Beweglichkeit einschränken. Bei entzündlichen Prozessen wie eine Otosklerose müssen in einer Operation eventuelle Gehörknöchelschäden ersetzt werden (Stapesplastik/ Tympanoplastik).
- Angeborene Fehlbildungen: In seltenen Fällen können Kinder mit Fehlbildungen des äußeren oder mittleren Ohrs geboren werden, die zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führen. Kinder können die Schallleitungsschwerhörigkeit erben oder diese um den Geburtsvorgang herum erfassen.
- Fremdkörper im Gehörgang: Insbesondere bei Kindern können Fremdkörper im Gehörgang die Schallleitung behindern.
Symptome einer Schallleitungsschwerhörigkeit
Die Symptome einer Schallleitungsschwerhörigkeit können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Vermindertes Hörvermögen: Betroffene nehmen Geräusche leiser wahr, sowohl tiefe als auch hohe Töne werden gleich schwach wahrgenommen. Hörvermögen eingeschränkt wird. Auch tiefe und hohe Töne werden gleich schwach wahrgenommen.
- Gefühl von Verstopfung im Ohr: Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl, als ob das Ohr verstopft oder blockiert sei.
- Schmerzen im Ohr: Bei Entzündungen oder Infektionen können Ohrenschmerzen auftreten.
- Tinnitus: In einigen Fällen kann eine Schallleitungsschwerhörigkeit von Ohrgeräuschen (Tinnitus) begleitet sein.
- Anstrengung beim Zuhören: Gespräche anstrengender für Sie werden. Gespräche werden als anstrengender empfunden, insbesondere in lauten Umgebungen.
- Hörverlust (Hypakusis): Hörverlust (Hypakusis) sind außerdem möglich.
Diagnose einer Schallleitungsschwerhörigkeit
Um eine Schallleitungsschwerhörigkeit zu diagnostizieren, führt ein Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO-Arzt) verschiedene Untersuchungen durch:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und erfasst die genauen Beschwerden.
- Otoskopie (Ohrenspiegelung): Mit einem Otoskop untersucht der Arzt den Gehörgang und das Trommelfell, um mögliche Blockaden, Entzündungen oder Perforationen festzustellen. Die bekannteste Methode für die Diagnose ist das Tonschwellenaudiogramm (Volksmündlich „Hörtest“), das den äußeren Gehörgang und das Trommelfell untersucht. Otoskopie (Ohrenspiegel) feststellen.
- Hörtests (Audiometrie): Verschiedene Hörtests werden durchgeführt, um das Hörvermögen des Patienten zu messen und die Art und den Grad der Schwerhörigkeit zu bestimmen. Die bekannteste Methode für die Diagnose ist das Tonschwellenaudiogramm (Volksmündlich „Hörtest“).
- Tonschwellenaudiogramm: Bei diesem Test werden Töne unterschiedlicher Frequenz und Lautstärke über Kopfhörer abgespielt, um die Hörschwelle des Patienten zu ermitteln.
- Sprachaudiometrie: Hierbei werden Wörter oder Sätze in unterschiedlicher Lautstärke vorgespielt, um das Sprachverständnis des Patienten zu testen.
- Tympanometrie: Dieses Verfahren misst die Beweglichkeit des Trommelfells und den Druck im Mittelohr, was Hinweise auf eine Flüssigkeitsansammlung oder andere Probleme im Mittelohr geben kann. Ein Tympanogramm kann schließlich eine Angabe über die Trommelfellbeweglichkeit anzeigen.
- Stimmgabeltests: Der Rinne-Versuch und der Weber-Versuch sind einfache Tests, bei denen eine Stimmgabel verwendet wird, um die Schallleitung und Schallempfindung zu vergleichen. Bei dem Rinne-Versuch wird die Schallleitung beider Ohren verglichen und beim Weber-Versuch wird die Kopfknochenleitung getestet.
Welches Verfahren nun angewandt wird entscheiden Sie am besten mit Ihrem HNO-Arzt.
Behandlung einer Schallleitungsschwerhörigkeit
Die Behandlung einer Schallleitungsschwerhörigkeit richtet sich nach der Ursache der Störung. Die Therapie wird je nach Ursache der Behinderung einfach oder kompliziert. Einige Behandlungsmöglichkeiten sind:
- Entfernung von Ohrenschmalz: Ein Ohrenschmalzpfropfen kann von einem Arzt oder einer medizinischen Fachkraft entfernt werden. Wenn die Ursache für die Schallleitungsschwerhörigkeit ein Ohrenschmalzpfropfen ist, kann ein schneller manueller Eingriff diesen beheben.
- Medikamentöse Behandlung: Bei Mittelohrentzündungen oder Paukenergüssen können Antibiotika oder abschwellende Nasensprays eingesetzt werden. Für eine Belüftungsstörung der Tuba reichen Medikamente, wie ein Nasenspray, um zu genesen.
- Chirurgische Eingriffe: In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Ursache der Schallleitungsschwerhörigkeit zu beheben.
- Tympanoplastik: Hierbei wird ein beschädigtes Trommelfell repariert.
- Stapedektomie: Bei Otosklerose wird der verknöcherte Steigbügel durch eine Prothese ersetzt.
- Paukenröhrchen: Bei Paukenergüssen werden kleine Röhrchen in das Trommelfell eingesetzt, um die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern und die Flüssigkeit abzuleiten. Im Fall eines Paukenergusses kann ein kleiner Schnitt im Trommelfell notwendig sein, damit die Flüssigkeit abfließen kann. Bei entzündlichen Prozessen wie eine Otosklerose müssen in einer Operation eventuelle Gehörknöchelschäden ersetzt werden (Stapesplastik/ Tympanoplastik).
- Hörgeräte: Wenn die Ursache der Schallleitungsschwerhörigkeit nicht behoben werden kann, kann ein Hörgerät helfen, das Hörvermögen zu verbessern. Hörgerät kann zum Einsatz kommen, um das Hörvermögen wiederherzustellen.
Cochlea-Implantate: Eine Alternative bei schwerem Hörverlust
In bestimmten Fällen, insbesondere wenn Hörgeräte nicht ausreichend helfen, kann ein Cochlea-Implantat (CI) eine Option sein. Ein Cochlea-Implantat ist eine elektronische Innenohrprothese, die die Funktion der Hörschnecke (Cochlea) übernimmt. Es wandelt Schall in elektrische Impulse um, die den Hörnerv direkt stimulieren und so das Gehirn in die Lage versetzen, Töne wahrzunehmen.
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Wie funktioniert ein Cochlea-Implantat?
Im Gegensatz zu Hörgeräten, die den Schall lediglich verstärken, umgeht ein Cochlea-Implantat die beschädigten Bereiche des Innenohrs und stimuliert den Hörnerv direkt. Das CI besteht aus zwei Hauptteilen:
- Äußerer Teil (Sprachprozessor): Dieser Teil wird wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen und enthält ein Mikrofon, das den Schall aufnimmt, sowie einen Prozessor, der den Schall in elektrische Signale umwandelt. Der Sprachprozessor (auch Audioprozessor genannt) wird heute vorwiegend hinter dem Ohr getragen und beinhaltet auch das Mikrofon, das den Schall aus der Umgebung aufnimmt. Er analysiert die ankommenden Schallsignale, passt sie mit Hilfe eines eingebauten Computers an die elektrische Empfindlichkeit des Hörnervs des jeweiligen Patienten an und übermittelt die entsprechenden elektrischen Impulse über ein Kabel an die Sendespule.
- Innerer Teil (Implantat): Dieser Teil wird operativ unter die Haut hinter dem Ohr eingesetzt und enthält einen Empfänger und eine Elektrode, die in die Cochlea eingeführt wird. Die Sendespule ist ein Plättchen, das etwas größer als ein 2 € - Stück ist und mittels eines eingebauten Magnetes hinter dem Ohr auf der Kopfhaut gehalten wird. Unter der Haut direkt gegenüber der Sendespule sitzt der Implantatkörper (Empfänger / Stimulator), der operativ unter die Kopfhaut eingebracht wird. Der Implantatkörper beinhaltet neben der Elektronik zur Ansteuerung der Stimulationselektroden eine Antenne, welche die elektrischen Impulse zusammen mit der erforderlichen Energie von der Sendespule empfängt sowie einen Magneten, der dafür sorgt, dass die Sendespule direkt über dem Implantat hält. Die Implantatelektronik bereitet die elektrischen Impulse so auf, dass sie über die ebenfalls zum Implantat gehörenden Stimulationselektroden, die operativ in die Hörschnecke eingebracht werden, als elektrische Reize den Hörnerven aktivieren. Über die Hörbahn werden dann die für das Hören zuständigen Bezirke im Gehirn angeregt.
Für wen ist ein Cochlea-Implantat geeignet?
Ein Cochlea-Implantat kommt für Menschen in Frage, die unter einem schweren Hörverlust leiden und bei denen Hörgeräte keine ausreichende Verbesserung des Hörvermögens bewirken. Für eine Cochlea-Implantation kommen spätertaubte Erwachsene und Kinder ebenso in Frage wie frühertaubte oder gehörlos geborene Kinder, wobei hier eine möglichst frühzeitige Implantation (ab ca. 1. Lebensjahr) für den Versorgungserfolg maßgebend ist, da bei Kindern die Reifung der Hörbahn und der Spracherwerb entscheidend von möglichst frühen und umfassenden Höreindrücken abhängig sind. Hingegen ist bei Erwachsenen, die nach abgeschlossenem Spracherwerb ertaubt sind, auch noch nach vielen Jahren der Taubheit eine Implantation möglich. Auch ein- oder beidohrig Resthörige können erfolgreich mit einem Cochlea-Implantat behandelt werden. Grundsätzlich kommen für Cochlea-Implantat- Versorgungen Patienten in Frage, bei denen mit Cochlea-Implantaten ein besseres Hören und Sprachverstehen als mit Hörgeräten absehbar zu erreichen sein wird. Das ist etwa dann der Fall, wenn ein Patient in einem Hörtest mit einsilbigen Worten bei einem Sprachschallpegel von 65 dB mit seinem Hörgerät weniger als 50 % der Worte versteht. Unbedingte Voraussetzung für eine erfolgreiche Cochlea-Implantation sind die Funktionstüchtigkeit der neuralen Hörbahn sowie der zentralen Hörverarbeitung.
Rehabilitation nach der Implantation
Nach der Implantation ist eine umfassende Rehabilitation notwendig, um das Gehirn an die neuen Höreindrücke zu gewöhnen und das Sprachverständnis zu trainieren. Die Rehabilitation nach dem Einsetzen eines Cochlea-Implantats besteht im Wesentlichen aus einem intensiven Hörtraining, das von der fortlaufenden Anpassung des Sprachprozessors begleitet wird. Dabei greifen Therapie und technische Maßnahmen während der Rehabilitation direkt ineinander.
Pflege des Cochlea-Implantats
Die Pflege des Cochlea-Implantats ist wichtig, um eine lange Lebensdauer und optimale Funktion zu gewährleisten. In den Handbüchern der verschiedenen Cochlea-Implantat Fabrikate sind ausführliche Pflege- und Wartungsempfehlungen für das entsprechende Gerät zu finden. Diese sollten Sie sorgfältig lesen und umsetzen, damit das Hörimplantat gut und lange funktioniert. Grundsätzlich sollten Sie den Sprach- oder Audioprozessor und das Zubehör zum Cochlea-Implantat gut vor Feuchtigkeit und hohen Temperaturen schützen. Reinigen Sie die empfindlichen Geräte stets sehr vorsichtig und streng nach Herstellerempfehlungen.
Schwerhörigkeit und Demenz
Es gibt Hinweise darauf, dass eine unbehandelte Schwerhörigkeit das Risiko für Demenz erhöhen kann. Daher ist es wichtig, eine Schwerhörigkeit frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um die kognitive Gesundheit zu erhalten.
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Kommunikationsregeln für den Umgang mit Schwerhörigen
Um die Kommunikation mit schwerhörigen Menschen zu erleichtern, sollten folgende Regeln beachtet werden:
- Sprechen Sie deutlich und in normaler Lautstärke.
- Vermeiden Sie es, zu schnell zu sprechen.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Gesicht gut sichtbar ist, damit der Gesprächspartner von den Lippen ablesen kann.
- Reduzieren Sie Hintergrundgeräusche.
- Vergewissern Sie sich, dass der Gesprächspartner Sie verstanden hat.