Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das Frauen unverhältnismäßig häufiger betrifft als Männer. Insbesondere hormonelle Schwankungen, wie sie während des Menstruationszyklus oder in den Wechseljahren auftreten, können bei Frauen zu einer speziellen Form von Kopfschmerzen führen: der hormonell bedingten Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Migräneform.
Einführung
Die Verteilung von Kopfschmerzen ist nicht gerecht: Frauen leiden dreimal häufiger darunter als Männer. Manche Frauen werden besonders oft zum Zeitpunkt der Menstruation damit geplagt, oder beim Eintritt in die Wechseljahre. Die hormonell bedingte Migräne ist eine spezielle Form der Migräne, die eng mit den hormonellen Veränderungen im weiblichen Körper verbunden ist. Sie kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und bedarf einer gezielten Diagnose und Behandlung.
Ursachen der hormonell bedingten Migräne
Die Hauptursache für hormonell bedingte Migräne liegt in den Schwankungen des Östrogenspiegels. Östrogen, das wichtigste weibliche Hormon, kann offenbar Migräneanfälle auslösen, was erklären könnte, warum Frauen häufiger als Männer unter Migräne leiden. Migränen können unter Umständen ausgelöst werden, wenn der Östrogenspiegel steigt oder schwankt.
Östrogenabfall als Auslöser
Die Schmerzen entstehen, wenn der Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen im Blut abfällt. Forscher und Forscherinnen der Charité in Berlin haben herausgefunden, welche Mechanismen dabei ablaufen. In einer Untersuchung mit 180 Frauen zeigte sich: Migräne-Patientinnen schütten größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn aus, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt, als die migränefreien Probandinnen. CGRP steht hierbei für Calcitonin Gene-Related Peptide, eine körpereigene Substanz, die auch bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn erweitert.
Hormonelle Veränderungen im Lebensverlauf
- Pubertät: In der Pubertät, wenn der Östrogenspiegel steigt, sind Migräneanfälle bei Mädchen weitaus häufiger als bei Jungen.
- Menstruationszyklus: Manche Frauen leiden kurz vor, während oder kurz nach ihrer Periode unter Migräneanfällen. Es gibt Hinweise darauf, dass außer dem abfallenden Hormonspiegel zum Ende des Monatszyklus auch das Neuropeptid CGRP eine Rolle spielt. CGRP ist ein körpereigener Entzündungsbotenstoff, der die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert und dadurch Kopfschmerzen verursachen kann.
- Schwangerschaft: In den letzten drei Monaten der Schwangerschaft, wenn der Östrogenspiegel relativ stabil ist, kommt es in der Regel seltener zu Migräneanfällen, doch sie verschlimmern sich wieder nach der Geburt des Kindes, wenn der Östrogenspiegel rasch abnimmt. Während einer Schwangerschaft ist der Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen konstant hoch. Bei Patientinnen, die an Migräne mit Aura leiden, können die Attacken hingegen zunehmen.
- Wechseljahre: Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen und der Östrogenspiegel schwankt, fällt es besonders schwer, die Migräne zu kontrollieren. Deswegen ist eine Verschlechterung der Migräne meist auch während der Wechseljahre zu beobachten, bei der die Hormone stark schwanken können. Ist diese Phase jedoch überstanden, bessert sich das Aufkommen von Migräne häufig.
Weitere mögliche Auslöser
Neben den hormonellen Schwankungen können auch andere Faktoren eine Migräne auslösen oder verstärken:
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- Schlafmangel und Schlaflosigkeit
- Wetterveränderungen, insbesondere barometrische Druckveränderungen
- Bestimmte Lebensmittel
- Hunger (wie z. B., wenn Mahlzeiten ausgelassen werden)
- Übermäßige Sinnesreizung (zum Beispiel durch Lichtblitze oder starke Gerüche)
- Stress
Symptome der hormonell bedingten Migräne
Hormonell bedingte Migräne tritt bei den meisten Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Zu den Symptomen zählen:
- Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
- oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
- mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
- Übelkeit und Erbrechen
- erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen
Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. So werden neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen bezeichnet, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.
Unterscheidung von anderen Kopfschmerzarten
Die Differenzierung zwischen einer Migräne ohne Aura und beispielsweise einem Kopfschmerz vom Spannungstyp kann schwierig sein. Daher werden mindestens 5 Attacken gefordert, bevor die Diagnose gestellt wird. Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit oder Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Beschwerden setzen oft in den frühen Morgenstunden ein bzw. äußern sich bereits beim Aufwachen. Migräneattacken dauern definitionsgemäß mindestens 4 Stunden, können aber auch bis zu drei Tage lang anhalten. 30-40 % aller Migräne-Kranken durchlaufen zunächst eine sogenannte Prodromalphase mit Müdigkeit, Schlafproblemen und verändertem Essverhalten. Migräne-Kopfschmerzen werden durch körperliche Aktivität nicht gelindert, sondern eher verstärkt. meist visuelle Störungen (Sehstörungen), aber auch sensible Wahrnehmungsstörungen, motorische Störungen, aber auch möglicherweise Wortfindungsstörungen (aphasische Aura) schon vor dem Anfall auf, dauern überwiegend weniger als eine Stunde an. Sehstörungen könen z. B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien sein oder auch ein Sehverlust. Sensible Störungen können sich in Kribbelmissempfindungen oder auch Taubheitsgefühl äußern. Migräneanfälle mit Aura ereignen sich fast immer nur außerhalb der Menstruation; menstruelle Attacken mit Aura sind die Ausnahme. Zeitlich abzugrenzen bleibt darüber hinaus ein migräneartiger Kopfschmerz im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms jeweils 2-7 Tage vor der Monatsblutung.
Diagnose der hormonell bedingten Migräne
Die Ärzte diagnostizieren Migräne, wenn es typische Symptome gibt und die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung (einschließlich einer neurologischen Untersuchung) normal sind.
Es gibt keine bestimmte Untersuchung oder Vorgehensweise, um die Diagnose zu bestätigen. Bestimmte Befunde sind Warnsignale, die darauf hinweisen, dass die Kopfschmerzen womöglich durch eine schwere Erkrankung verursacht werden. Zu diesen Befunden gehören:
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- Plötzliche Kopfschmerzen, die innerhalb von Sekunden oder weniger ihr höchstes Niveau erreichen (Donnerschlagkopfschmerz)
- Kopfschmerzen, die nach dem 50. Lebensjahr beginnen
- Kopfschmerzen, die über Wochen oder länger in Intensität oder Häufigkeit zunehmen
- Kopfschmerzen bei Menschen, die Krebs hatten oder ein geschwächtes Immunsystem haben (aufgrund einer Erkrankung oder durch ein Medikament)
- Von Fieber, einem steifen Nacken und/oder Verwirrtheit begleitete starke Kopfschmerzen
- Dauerhafte Probleme, die auf eine Erkrankung des Gehirns hindeuten, wie z. B. Empfindungs- oder Sehstörungen, Schwäche, gestörte Koordination und Benommenheit oder Verwirrtheit
- Eine eindeutige Veränderung des bestehenden Kopfschmerzmusters
Wenn die Kopfschmerzen erst kürzlich aufgetreten sind oder bestimmte Warnsignale vorliegen, wird oftmals eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels und manchmal eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) durchgeführt, um weitere Erkrankungen auszuschließen. Wenn Menschen, die bekanntlich an Migräneanfällen leiden, Kopfschmerzen entwickeln, die ihren vorangegangenen Migränen ähneln, werden nur selten Tests durchgeführt. Wenn der Kopfschmerz jedoch anders ist, insbesondere wenn Warnsignale vorhanden sind, sind oft eine ärztliche Untersuchung und verschiedene Tests erforderlich.
Behandlung der hormonell bedingten Migräne
Migränen können zwar nicht geheilt, aber kontrolliert werden. Die Behandlung der hormonell bedingten Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die individuell auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmt werden sollten.
Akutbehandlung
Bei akuten Migräneattacken werden Schmerzmittel eingesetzt, um die Schmerzen zu lindern. Dazu gehören:
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac
- Paracetamol
- Triptane (spezielle Migränemittel, die die Blutgefäße in den Hirnhäuten verengen)
- CGRP-Inhibitoren (eine neuere Medikamentenklasse, die den Entzündungsbotenstoff CGRP blockiert)
Gegen Übelkeit und Erbrechen empfiehlt die Leitlinie Medikamente, die als Wirkstoff Metoclopramid oder Domperidon enthalten. Die beiden sogenannten Antiemetika bessern nicht nur die Begleitsymptome von hormonellen Kopfschmerzen, sondern regen auch die Peristaltik des Magen-Darm-Traktes an.
Vorbeugende Behandlung
Eine wichtige Säule in der Behandlung von hormonellen Kopfschmerzen ist die vorbeugende Behandlung. Dazu gehören:
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- Nicht-medikamentöse Maßnahmen:
- Regelmäßige Bewegung (Sportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen können helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren)
- Entspannungstechniken (Yoga, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Muskelspannung zu verringern)
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- Vermeidung von bekannten Auslösern (bestimmte Lebensmittel, Alkohol, Stress)
- Führen eines Kopfschmerzkalenders, um Auslöser zu identifizieren
- Medikamentöse Prophylaxe:
- Naproxen (2x 500 mg/Tag 3-4 Tage vor bis 3 Tage nach der Periode) oder mit einem Triptan (z. B. Frovatriptan 2,5 mg 2x tgl. Kurzzeit-Prophylaxe. Auch kann bei Sumatriptan-Einnahme die gleichzeitige Gabe von Naproxen die Rate von Wiederkehr-Kopfschmerzen signifikant senken.
- Hormonelle Therapien (in bestimmten Fällen können hormonelle Verhütungsmittel oder eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren helfen, den Östrogenspiegel zu stabilisieren)
Spezielle Aspekte
- Schwangerschaft: Die Migräne ist von besonderer Bedeutung für eine mögliche oder bestehende Schwangerschaft. Zum einen ergibt sich die Frage, wie eine Migräne während der Schwangerschaft zu behandeln ist, insbesondere welche Medikamente indiziert oder kontraindiziert sind. Zum anderen sorgen sich betroffene Patientinnen, ob die Schwangerschaft durch die Migräneerkrankung bedroht wird. Die Einnahme von Medikamenten ist während der Schwangerschaft eng mit dem behandelnden Arzt abzustimmen. Da Migräneattacken an sich sehr wahrscheinlich keinen Einfluss auf den Embryo haben, für die meisten Arzneimittel jedoch noch keine ausreichenden Studien vorliegen, ist über eine verminderte Migräne-Therapie nachzudenken.
- Wechseljahre: Frauen, denen die Wechseljahre bevorstehen, sollten bereits über eine nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe nachdenken.
Hormonelle Therapieverfahren
Zu hormonellen Therapieverfahren wie verschreibungspflichtigen Hormonpflastern oder einer oralen Gabe von Östrogen raten Ärzte mittlerweile ab. Denn die Kopfschmerzattacken werden so in der Regel nur um ein paar Tage verschoben, aber nicht verhindert. Östrogen-Gele, die auf die Haut aufgetragen werden und Frauen an ihren „kritischen Tagen“ schützen sollen, haben sich hingegen in einigen Fällen bewährt.
Weitere Informationen und Anlaufstellen
Für weitere Informationen und Unterstützung stehen folgende Anlaufstellen zur Verfügung:
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.
- Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel (bietet spezielle Therapie von Migräne und Kopfschmerzen an)